SOS Méditerranée

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SOS Méditerranée (Eigenschreibweise SOS MEDITERRANEE) ist eine im Mai 2015 gegründete, ausschließlich durch Spenden finanzierte Seenotrettungsorganisation[1] mit Sitz in Marseille.

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisation wurde als Reaktion auf die Einstellung der staatlich organisierten, italienischen Seenotrettungsoperation Mare Nostrum gegründet. Gründer sind Klaus Vogel, ein in der internationalen Handelsschifffahrt tätiger, deutscher Kapitän, und Sophie Beau, eine französische Menschenrechtsaktivistin. In Berlin ist SOS Méditerranée als gemeinnütziger Verein registriert und mit einer Geschäftsstelle vertreten.[2]

Seenotrettungsschiff Aquarius[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SOS Méditerranée charterte im Februar 2016 das unter der Flagge Gibraltars fahrende Vermessungsschiff Aquarius.[3] SOS Méditerranée setzt das frühere Fischereischutzschiff der deutschen Küstenwache im Mittelmeer zwischen Libyen und Italien zur Rettung von Flüchtlingen aus Seenot ein.[4] Im Dezember 2018 gab die Organisation bekannt, den Einsatz der Aquarius zu beenden, da der politische Druck zu groß sei. Man beklagte einen "Höhepunkt der Kriminalisierung von humanitärer Hilfe auf See." Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Aquarius etwa 30.000 Migranten auf See gerettet.[5]

Seenotrettungsoperationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Seenotrettungsoperationen wurden zunächst in Kooperation mit der Organisation Ärzte der Welt gestartet. Sie werden seit April 2016 gemeinsam mit der Organisation Ärzte ohne Grenzen fortgeführt. Seit Beginn der Operation wurden nach eigenen Angaben mehr als 28.000 Flüchtende von der Aquarius aufgenommen. Die Flüchtlinge wurden großenteils von der Aquarius unter Einsatz ihrer Beiboote aus in Libyen von Schleppern eingesetzten, seeuntauglichen Schlauchbooten gerettet.[6]

Die Aquarius übernahm Flüchtlinge auch von anderen privaten Seenotrettungsschiffen, von Handelsschiffen und von Marineschiffen. Die Rettungseinsätze werden von der staatlichen italienischen Seenotrettungsleitstelle MRCC Rom koordiniert, das stets auch die Häfen festlegt, in denen die Geretteten von Bord gehen dürfen.

Die Geretteten würden entsprechend den Anweisungen des MRCC an Land gebracht. SOS Méditerranée erklärt dazu unter Verweis auf systematische Menschenrechtsverletzungen in Libyen, wo die Flüchtlinge Sklaverei, Vergewaltigungen, Folter und Inhaftierungen ausgesetzt seien: „Das internationale Seerecht besagt, dass Menschen in Seenot nicht nur gerettet, sondern auch in einen ‚sicheren Ort‘ gebracht werden müssen“ (International Convention for the Safety of Life at Sea (SOLAS), Kapitel 5, Regel 33). Es müsse demnach gewährleistet sein, dass die Menschen Nahrung, Unterkunft und medizinische Versorgung erhalten und dass keine Gefahr weiterer Verfolgung besteht. Diese Kriterien träfen nach Einschätzung der Aktivisten nicht auf die nordafrikanischen Küstenstaaten – insbesondere Libyen zu.[7][8]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. FAQ SOS Méditerranée, SOS Méditerranée.
  2. Geschäftsstelle SOS Méditerranée in Berlin, SOS Méditerranée.
  3. Maik Trettin: „Aquarius“ startet zur Rettungsmission, Ostsee-Zeitung, 11. Dezember 2015.
  4. „Aquarius“ rettete über 10 000 Menschen aus dem Mittelmeer, Ostsee-Zeitung, 4. Januar 2017.
  5. SPIEGEL ONLINE: "Aquarius" beendet Einsatz im Mittelmeer. 7. Dezember 2018, abgerufen am 7. Dezember 2018.
  6. 3 Jahre SOS MEDITERRANEE e. V. – Beitrag von Kapitän und Gründer Dr. Klaus Vogel, SOS Méditerranée, 9. Mai 2018.
  7. A Perfect Storm. The Failure of European Policies in the Central Mediterranean, Amnesty International, 2017 (PDF, 728%nbsp;kB).
  8. Libya – Events of 2016, Human Rights Watch.
  9. "SOS MEDITERRANEE erhält Schwarzkopf-Europa-Preis für Rettungseinsatz im Mittelmeer" 14. November 2016
  10. Europäischer Bürgerpreis 2016, abgerufen am 13. Mai 2019.
  11. SOS MEDITERRANEE bekommt Deutsch-Französischen Medienpreis 2017. Euronews, 17. März 2017, abgerufen 13. Juni 2018.