Saad Hariri

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Saad Hariri (2017)

Saad Hariri (arabisch سعد الدين رفيق الحريري, DMG Saʿd ad-Dīn Rafīq al-Ḥarīrī; * 18. April 1970 in Riad) ist ein libanesisch-saudi-arabischer Unternehmer, Politiker und Milliardenerbe. Seit dem 18. Dezember 2016 ist er libanesischer Ministerpräsident. Seine erste Amtszeit dauerte vom 9. November 2009 bis zum 25. Januar 2011.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saad ist der zweitälteste Sohn des im Februar 2005 ermordeten Unternehmers und damaligen Regierungschefs Rafiq al-Hariri und dessen erster Frau. Er besitzt neben der libanesischen auch die französische und die saudi-arabische Staatsbürgerschaft und ist wie sein Vater Sunnit. Saad studierte wie seine Brüder in den USA an der Georgetown University Betriebswirtschaft und erwarb 1992 den Bachelor in International Business. Außerdem gilt er als Experte für Telekommunikations- und Informationstechnik. Er ist General Director von Saudi Oger, einem Mischkonzern mit 35.000 Angestellten, und besitzt Beteiligungen an zahlreichen Konzernen der arabischen Welt, wie z. B. der saudi-arabischen Bank. Zudem ist er wie sein Vater mit dem saudi-arabischen Königshaus befreundet.[1]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod seines Vaters trat Saad dessen politisches Erbe an. Bei der ersten Teilabstimmung der Parlamentswahlen im Libanon 2005 am 29. Mai gewann er mit seiner „Versöhnungs- und Reformliste“ (Zukunftsbewegung, تيار المستقبل Tayyār al-Mustaqbal, französisch Courant du Futur) alle 19 Sitze, die in der Hauptstadt Beirut zu vergeben waren; bei 9 der 19 Sitze hatte es keinen Gegenkandidaten gegeben. Zum Wahlerfolg trugen der Mythos Rafiq Hariris und umfangreiche Geldmittel bei. Das Endergebnis der in mehreren Durchgängen stattfindenden Wahl, die am 19. Juni 2005 zu Ende ging, wies für sein auch Rafiq-Hariri-Märtyrer-Liste genanntes Wahlbündnis insgesamt 72 der 128 Parlamentsmandate aus. Er lehnte es ab, Ministerpräsident zu werden, solange Émile Lahoud (* 1936) noch Staatspräsident war. Dies wurde der ehemalige Finanzminister Fuad Siniora, ein langjähriger Vertrauter seines Vaters.

Am 8. Juni 2009, einen Tag nach der libanesischen Parlamentswahl, erklärte sich Hariri mit seiner prowestlichen Allianz zum Sieger über die prosyrischen Parteien, doch wolle er auch die Hisbollah an einer Koalition beteiligen. Seine Fraktion gewann 71 der 128 Parlamentssitze.[2] Ihm gelang es jedoch nicht, seine Pläne umzusetzen und eine Regierung der nationalen Einheit unter Beteiligung der Opposition zu bilden. Zehn Wochen nach der Wahl verzichtete er deshalb auf das Amt des Ministerpräsidenten.[3]

Saad Hariri war nach 2005 schon zweimal das Regierungsamt angeboten worden, das nach dem System der Machtteilung einem Sunniten vorbehalten ist. Beide Male verzichtete er jedoch zugunsten von Fuad Siniora, einem ehemaligen Berater seines Vaters. Auch Abgeordnete des rivalisierenden Lagers hatten 2009 seine Nominierung unterstützt.[4]

Im Syrischen Bürgerkrieg wurde Hariri 2012 als eine der Schlüsselfiguren in der Organisation des Waffennachschubs für die Rebellen vermutet.[5]

Nach einer 29-monatigen Periode des Machtvakuums und der gegenseitigen Blockierung an der libanesischen Staatsspitze wurde im Oktober 2016 der frühere Ministerpräsident General Michel Aoun zum Präsidenten gewählt. Dadurch konnte Hariri seine politische Karriere als Ministerpräsident fortsetzen. Im Austarieren der Machtbalance fanden der maronitische Christ Aoun, seit seiner Rückkehr aus dem Exil 2005 mit der schiitischen Hizbollah-Miliz verbündet, und Hariri einen Kompromiss. Hariri wurde deshalb als Ministerpräsident designiert.[6] Am 18. Dezember 2016 trat er das Amt des libanesischen Ministerpräsidenten an.

Nachdem Hariri in Beirut Ali Akbar Velayati, den früheren iranischen Außenminister, getroffen hatte, reiste er am 3. November 2017 nach Riad. Am 4. November 2017 gegen 11 Uhr Ortszeit teilte Hariri durch eine in einem Hotel in Riad verlesene und vom Sender al-Arabiya live ausgestrahlte Erklärung seinen Rücktritt als Ministerpräsident mit. Saad Hariri gehört der Abdallah-Linie der Dynastie der Saud an. An jenem 4. November 2017 ließ der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman Hunderte Angehörige vorwiegend der Abdallah-Linie verhaften, darunter Prinz Muteb als Kommandeur der königlichen Wache. Der libanesische Präsident Michel Aoun nahm das Rücktrittsgesuch Hariris nicht an, da nach libanesischem Recht der Ministerpräsident seinen Rücktritt dem Präsidenten gegenüber persönlich erklären muss. Hariri kehrte daraufhin am 21. November 2017 in den Libanon zurück und reichte formal bei Aoun sein Rücktrittsgesuch ein. Aoun nahm es jedoch nicht an und bat Hariri darum, Gespräche zu führen, um Auswege aus der Lage zu finden. Hariri zog daraufhin seinen Rücktritt zurück.[7][8]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als ein Erbe des väterlichen Vermögens steht Saad Hariri auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt und gilt als einer der jüngsten Milliardäre, ebenso wie seine jüngeren Halbbrüder Fahd (* 1980) und Ayman Hariri (* 1978) und sein älterer Bruder Bahaa Hariri. Seine Halbschwester Hind (* 1984) galt für kurze Zeit als jüngste Milliardärin der Welt.[9] Mittlerweile ist das Hariri-Imperium durch die ökonomische Schieflage des vor allem in Saudi-Arabien tätigen Konzerns Oger schwer angeschlagen. Das Milliardenvermögen ist von 4,1 Milliarden im Jahre 2005 auf 1,3 Milliarden Dollar im Jahr 2016 nach Angaben von Forbes geschrumpft.[10]

Er und Bahaa entstammen der Ehe Rafiq Hariris mit seiner ersten, irakischen Ehefrau. Seine Halbgeschwister gingen aus der zweiten Ehe seines Vaters hervor.

Saad Hariri ist zum zweiten Mal verheiratet und Vater von drei Kindern; seine Ehefrau ist Syrerin.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Analyse zum Besuch des saudischen Königs in Beirut, in: zenith - Zeitschrift für den Orient, 1. August 2010.
  2. Pro-westliche Kräfte gewinnen Wahl. In: stern.de. 8. Juni 2009; abgerufen am 11. November 2017.
  3. Martin Gehlen: Libanon: Saad Hariri gibt Auftrag zur Regierungsbildung zurück. In: zeit.de. 10. September 2009; abgerufen am 11. November 2017.
  4. Libanon: Pro-westlicher Politiker Hariri ist neuer Ministerpräsident. In: Spiegel Online. 27. Juni 2009; abgerufen am 11. November 2017.
  5. Robert F. Worth: Citing U.S. Fears, Arab Allies Limit Aid to Syrian Rebels. In: nytimes.com. 6. Oktober 2012; abgerufen am 11. November 2017 (englisch).
  6. Libanon: Saad Hariri erneut Regierungschef. In: derstandard.at. 3. November 2016; abgerufen am 11. November 2017.
  7. Libanons Premier Saad Hariri widerruft Rücktritt. In: dw.com, 5. Dezember 2017 (abgerufen am 6. Dezember 2017).
  8. nytimes.com: It’s Official: Lebanese Prime Minister Not Resigning After All
  9. Hind Hariri is world's youngest billionaire. In: dailystar.com.lb. 11. März 2006; abgerufen am 11. November 2017 (englisch).
  10. Saad Hariri's Saudi problem: Desperate needs, desperate deeds. In: middleeasteye.net. 6. Dezember 2016; abgerufen am 11. November 2017 (englisch).
VorgängerAmtNachfolger
Fouad SinioraPremierminister des Libanon
9. November 2009 – 25. Januar 2011
Najib Mikati
Tammam SalamPremierminister des Libanon
18. Dezember 2016 – 4. November 2017
vakant