Saalkirche

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Innenraum der Saalkirche in Garz
Die ehem. Kathedrale St.-Maurice in Mirepoix hat mit 21,40 m Breite das breiteste gotische Kirchenschiff des Mittelalters
Kathedrale von Albi, Abseitensaal
St.-Jürgens-Kirche bei Lilienthal, um 1190, Saalkirche mit Gewölbejochen
Kathedrale von Angers, Spätromanik, Gewölbejoche und kreuzförmiger Grundriss

Eine Saalkirche ist ein Kirchengebäude, dessen Innenraum nicht durch freistehende Stützen unterteilt ist. Neben der Hallenkirche, der Basilika, dem Zentralbau und der Querkirche ist sie einer der Grundtypen des Kirchenbaus. Die Klassifizierungen Zentralbau und Saalkirche schließen einander ebenso wenig aus wie Kreuzkirche und Saalkirche.

Grundrisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Innenraum der Kirche kann, muss aber nicht rechteckig sein; ein Querschiff ist folglich möglich. Bei einem großen Teil der heutigen wie auch der archäologisch nachgewiesenen Saalkirchen ist der Altarraum leicht eingezogen, also etwas schmaler als der Gemeindesaal. Auch ein polygonaler, ein kreisrunder und ein ovaler Kirchenraum ohne freistehende Stützen ist eine Saalkirche. Je schmaler und länger der Innenraum ist, desto eher spricht man von einer einschiffigen Kirche. Kirchen ohne Säulen und Pfeiler, aber mit kreuzförmigem Grundriss werden sowohl als „kreuzförmige Saalkirchen“ wie auch als „einschiffige Kreuzkirchen“ bezeichnet.

Decken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saalkirchen können eine Holzdecke oder einen zum Kirchenraum hin offenen Dachstuhl haben. Sie können aber auch gewölbt sein, wobei dies der Breite einer Kirche meist abträglich ist. Dabei finden sich außer Tonnengewölben oder den ganzen Raum überspannenden Zeltgewölben auch Gliederungen der Decke in mehrere Joche, die von Kreuzgrat- oder Kreuzrippengewölben überspannt werden. Das Rippengewölbe der Kirche St.-Maurice in der südfranzösischen Kleinstadt Mirepoix überspannt mit 21,40 m Breite das breiteste gotische Kirchenschiff des Mittelalters.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vielerorts waren die ersten, heute oft nur noch archäologisch nachweisbaren, Kirchen Saalkirchen (siehe z. B. die karolingischen Dreiapsidenkirchen). Lange Zeit war den Raumbreiten, die man ohne Stützen überdachen konnte, enge Grenzen gesetzt. Daher wurden viele Saalkirchen mit Zunahme der Bevölkerung im Kirchspiel durch mehrschiffige Kirchen ersetzt oder zu solchen ausgebaut. Mancherorts ersetzte man einfach eine Außenwand durch eine Arkade und baute ein zweites Schiff neben das alte.

Mit der Entwicklung neuer Techniken und besserer Baustoffe konnten ab der Spätgotik jedoch auch größere Räume überspannt werden. Außerdem entdeckte man mit der Reformation die christliche Bescheidenheit wieder. Daher wurden etliche im Dreißigjährigen Krieg oder z. B. im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstörte Hallenkirchen und Pseudobasiliken als Saalkirchen wiederaufgebaut. Dabei wurde die äußere Erscheinung des Kirchenschiffs oft kaum abgewandelt. Säulen wurden unbeliebt, weil sie die Sicht auf den Altar verstellten und weil man sich insgesamt von der Gotik absetzen wollte. Daher hatte ein sehr großer Teil der Kirchenneubauten die Form von Saalkirchen.

Im Historismus wurden wieder einige Hallenkirchen und Basiliken gebaut. Von den zahlreichen im Zweiten Weltkrieg zerstörten mehrschiffigen Kirchen wurden wiederum einige beim Wiederaufbau zu Saalkirchen.

Besondere Formen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wandpfeilerkirche und Abseitensaal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um die seitlichen Kräfte abzufangen, die bei der Überwölbung breiter Räume auftreten, verwendete man in der Renaissance und im Barock vorzugsweise Wandverstärkungen auf der Innenseite der Außenmauern. Stehen diese Wandverstärkungen nur wenig vor, so spricht man von einer Wandpfeilerkirche. Auch einige Hallenkirchen sind Wandpfeilerkirchen, so die Frauenkirche in München. Stehen die Mauerrippen weiter vor, so entstehen Nischen, die man als Abseiten bezeichnet. Bei katholischen Bauten waren diese Abseiten zur Einrichtung von Kapellen beliebt. Daher wurden Abseitensäle vor allem in katholischen Kirchen errichtet. Diese Nischen können bis zur Saaldecke reichen, aber auch so niedrig enden, dass sich darüber auf die Vorderenden der Trennwände ein Obergaden mit Fenstern stützt. So ähnelt der Raumeindruck dem einer Basilika, obwohl es keine Seitenschiffe gibt.

Querschiffiger Saal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saalkirchen sind in der Regel der Länge nach ausgerichtet, Altar und Chor befinden sich an einer der schmaleren Seiten und sind im Mittelalter stets nach Osten ausgerichtet (geostet). Seit der Reformation gibt es Predigtkirchen und so genannte querschiffige Saalkirchen, kurz Querkirchen, deren Kanzel und vermehrt dann auch Altarbereich die Längsseite einnimmt.

Saalkirchen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Querschiffige Saalkirchen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

WiktionaryWiktionary: Saalkirche – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kirchengemeindelexikon: Arle, abgerufen am 2. März 2019.
  2. a b c d e f g h Axel Bürgener, Klaus Siewert: Saalkirchen im Wangerland, Verlag "Auf der Warft", MünsterHamburgWiarden 2015, ISBN 978-3-939211-97-6.