Saar-Lor-Lux

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Übersichtskarte der Großregion

Die mehrere Staatsgrenzen überschreitende Europaregion Saar-Lor-Lux umfasst eine Fläche von 36.700 km², auf der etwa 4,7 Millionen Menschen wohnhaft sind. Die Großregion besteht aus dem deutschen Saarland („Saar“), der französischen Region Lothringen (frz. Lorraine – „Lor“), dem Großherzogtum Luxemburg („Lux“) sowie (heute) der Wallonischen Region in Belgien und dem deutschen Land Rheinland-Pfalz. An Bedeutung gewann die Region vor allem durch die Montanunion, den damit verbundenen Steinkohlenbergbau und die Stahlindustrie.

Bei einem Gipfel 2017 im luxemburgischen Schengen, an dem die Exekutiven der Großregion teilnahmen, darunter der luxemburgische Premierminister Xavier Bettel, die Ministern der Großregion Corinne Cahen und die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer, wurde unter anderem über eine Namensänderung der Großregion beraten, beispielsweise in Großregion Schengen.[1] Das französische Département Meuse, das seit Jahren einen Beobachterstatus innehat, soll im Januar 2018 Vollmitglied der Großregion werden, zugleich wird das Département Ardennes neu als beobachtendes Mitglied aufgenommen.[2][3]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegründet wurde die Euroregion SaarLorLuxRhein am 15. Februar 1995. Der Begriff „Saar-Lor-Lux“ wurde 1969 geprägt von Hubertus Rolshoven, Gründungspräsident des IRI (Institut Régional Intracommunautaire, jetzt Institut der Großregion) und von 1957 bis 1969 Vorstandsvorsitzender des saarländischen Kohleunternehmens Saarberg. Historisch liegt der Begriff auf wirtschaftlicher Ebene begründet und steht in engstem Zusammenhang mit den Kohlevorkommen und der Stahlindustrie im Länderdreieck von Saarland, Lothringen und Luxemburg und den Aktivitäten der großen Schwerindustriekonzerne, z. B. der luxemburgischen ARBED.

Die Region Saar-Lor-Lux beruht auf der Vereinbarung zwischen den Regierungen der Bundesrepublik Deutschland, der Französischen Republik und des Großherzogtums Luxemburg über die Zusammenarbeit in den Grenzgebieten vom 16. Oktober 1980. Für die Förderung der wirtschaftlichen, kulturellen, touristischen und sozialen Entwicklung dieser Region arbeiten Behörden und Institutionen grenzüberschreitend zusammen.

Weiterentwicklung zur „Großregion“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Saar-Lor-Lux-Region hat sich schrittweise weiterentwickelt, so dass nunmehr Luxemburg, Lothringen, das Saarland, Rheinland-Pfalz und die Wallonische Region mit der Französischen und Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens zusammen als die „Großregion“ bezeichnet werden. Eine Unterscheidung zwischen Saar-Lor-Lux und der Großregion sowie weiteren grenzüberschreitenden Netzwerken und Kooperationen ist erheblich, da jeweils verschiedene Körperschaften mit unterschiedlichen Befugnissen und Instrumenten diese Netzwerke betreiben. In der Region gibt es etwa 200.000 Grenzgänger, darunter 160.000 in Richtung Luxemburg.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Wille: Grenzüberschreitende Alltagspraktiken in der Großregion SaarLorLux: eine Bestandsaufnahme. In: Wille, Christian (Hg.): Lebenswirklichkeiten und politische Konstruktionen in Grenzregionen. Das Beispiel der Großregion SaarLorLux: Wirtschaft – Politik – Alltag – Kultur. Bielefeld, transcript, 2015, S. 133–156.
  • Christian Wille (Hrsg.): Lebenswirklichkeiten und politische Konstruktionen in Grenzregionen. Das Beispiel der Großregion SaarLorLux. Wirtschaft – Politik – Alltag – Kultur. Bielefeld, transcript, 2015, ISBN 978-3-8376-2927-9. Link
  • Hubertus Rolshoven: Wirtschaftsgrundlagen im Montandreieck Saar-Lothringen-Luxemburg. Saarbrücken. 1965
  • Wolfgang Brücher: Grenzraum SaarLorLux - eine Modellregion für Europa? Vortrag bei einem Workshop der Deutsch-Französischen Schulbuch-Kommission. In: Bulletin-Informationen der Regionalkommission SaarLorLux-Trier/Westpfalz. Ausg. 1 (November 2001). Saarbrücken, 2001.
  • Saar-Lor-Lux. Eine Euro-Region mit Zukunft? Hrsg.: Jo Leinen. St. Ingbert. Röhrig Universitätsverlag, 2001 (Schriftenreihe Geschichte, Politik und Gesellschaft der Stiftung Demokratie Saarland; Bd. 6) ISBN 3-86110-242-0
  • Joachim Geppert: EURES-Regionalprofil Saar-Lor-Lux-Rheinland-Pfalz, Saarbrücken-Metz-Luxembourg-Mainz 2005, ISBN 3-00-015933-9
  • Bernd Groß, Christian Wille, Claude Gengler, Patrick Thull (Hg.): SaarLorLux von A–Z. Handbuch für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Großregion. Baden-Baden: Nomos, 2006. 157 S. (Denkart Europa. Schriften zur europäischen Politik, Wirtschaft und Kultur; 3) ISBN 3-8329-1944-9.
  • Peter H. Kemp: Kinnerzit & Jeunesse in Saare-Lor-Lux-Elsass. In moselfränkischer Mundart. Paris ISBN 978-2-81062-5840, 2012.
  • Martin Niedermeyer, Peter Moll: Saar-Lor-Lux – vom Montandreieck zur „Großregion“. Chancen und Möglichkeiten einer grenzüberschreitenden Regionalpolitik in Europa. In: Fünfzig Jahre Saarland im Wandel. Saarbrücken: Institut f. Landeskunde, 2007.
  • Christian Wille: Grenzüberschreitender Arbeitsmarkt in der Großregion SaarLorLux: Politische Visionen und empirische Wirklichkeiten. In: Lorig, Wolfgang H. / Regolot, Sascha / Henn, Stefan (Hg.): Die Großregion SaarLorLux. Politischer Anspruch, Wirklichkeiten, Perspektiven. Wiesbaden, VS Verlag, 2016, S. 115–143. Link

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Großregion sucht nach Namen. In: swr.de. Südwestrundfunk, 4. Juli 2017, abgerufen am 5. Juli 2017.
  2. Gelebtes Europa. In: rlp.de. Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, 4. Juli 2017, abgerufen am 5. Juli 2017.
  3. Département Meuse wird Vollmitglied der Großregion. In: sr.de. Saarländischer Rundfunk, 4. Juli 2017, abgerufen am 5. Juli 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Saar-Lor-Lux – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien