Saarbahn

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Unternehmen siehe Saarbahn GmbH.
Saarbahn
Strecke der Saarbahn
Logo der Saarbahn
Streckenlänge: 43,6 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Minimaler Radius: 190 m
Kopfbahnhof – Streckenanfang
Lebach-Jabach
Haltepunkt, Haltestelle
Lebach
Haltepunkt, Haltestelle
Lebach Süd
Haltepunkt, Haltestelle
Landsweiler Nord
Haltepunkt, Haltestelle
Landsweiler Süd
Haltepunkt, Haltestelle
Eiweiler Nord
Haltepunkt, Haltestelle
Eiweiler
Haltepunkt, Haltestelle
Heusweiler Kirschhof
Haltepunkt, Haltestelle
Heusweiler In der Hommersbach
Haltepunkt, Haltestelle
Heusweiler Markt
Haltepunkt, Haltestelle
Heusweiler Schulzentrum
Haltepunkt, Haltestelle
Walpershofen Mühlenstraße
Haltepunkt, Haltestelle
Walpershofen Mitte
   
Systemwechsel: EBO (750 V) / BOStrab (750 V)
   
Walpershofen/Etzenhofen
   
Gisorsstraße
   
Güchenbach
   
Riegelsberghalle
   
Riegelsberg Post
   
Riegelsberg Rathaus
   
Wolfskaulstraße
   
Riegelsberg Süd
   
Heinrichshaus
   
Siedlerheim
   
Rastpfuhl
   
Pariser Platz/Sankt Paulus
   
Cottbuser Platz
   
Ludwigstraße
   
Trierer Straße
   
Hauptbahnhof
   
Kaiserstraße
   
Johanneskirche
   
Landwehrplatz
   
Uhlandstraße
   
Hellwigstraße
   
Kieselhumes
   
Römerkastell
   
Systemwechsel: BOStrab (750 V) / EBO (15 kV)
Haltepunkt, Haltestelle
Brebach Bahnhof
Haltepunkt, Haltestelle
Güdingen Bahnhof
Haltepunkt, Haltestelle
Bübingen
Haltepunkt, Haltestelle
Kleinblittersdorf Bahnhof
Haltepunkt, Haltestelle
Auersmacher
Haltepunkt, Haltestelle
Hanweiler Bahnhof
Grenze
Staatsgrenze Deutschland / Frankreich
Kopfbahnhof – Streckenende
Sarreguemines

Die Saarbahn ist eine saarländische Regionalstadtbahn nach dem Tram-Train-Prinzip. Sie besteht aus einer nach BOStrab betriebenen Kernstrecke in Saarbrücken und Riegelsberg, welche die beiden nach EBO betriebenen Strecken Lebach–Völklingen im Norden und Saarbrücken–Sarreguemines im Süden miteinander verbindet. Für die Infrastruktur der Innenstadtstrecke sowie des nördlichen EBO-Abschnitts ist die Stadtbahn Saar GmbH zuständig, während auf der südlichen Außenstrecke die DB Netz AG beziehungsweise das französische Unternehmen RFF zuständige Eisenbahninfrastrukturunternehmen sind. Als Eisenbahnverkehrsunternehmen fungiert auf der Gesamtstrecke die Saarbahn GmbH.

In der Saarbrücker Innenstadt entspricht die Streckenführung der 1997 eröffneten Saarbahn-Neubaustrecke dabei im Wesentlichen der 1965 stillgelegten Linie 5 der Straßenbahn Saarbrücken. Diese verkehrte zwischen Rastpfuhl und Schafbrücke und war die letzte Linie des alten meterspurigen Netzes.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Erste Überlegungen zum Aufbau einer Regionalstadtbahn in und um Saarbrücken begannen in den 1990er Jahren. Der Busverkehr in der Saarbrücker Innenstadt wies damals eine so große Dichte auf, dass die Fahrzeuge teilweise im Minutentakt verkehrten. Nach dem Vorbild des bereits seit 1992 mit großem Erfolg betriebenen Karlsruher Modells begann man auch im Saarland mit Planungen zum Aufbau einer Regionalstadtbahn. Kernpunkt des Konzeptes war der Neubau einer innerstädtischen Stadtbahnstrecke, auf den Außenästen sollte hingegen die bereits vorhandene Eisenbahn-Infrastruktur der Deutschen Bahn AG mitbenutzt werden. Bereits 1992 lieh man sich dann einen Stadtbahnwagen der Stadtbahn Karlsruhe aus und ließ ihn die Strecke FürstenhausenGersweiler Bahnhof – Saarbrücken Messebahnhof fahren.

Vorlaufbetrieb auf der Bahnstrecke Saarbrücken–Sarreguemines[Bearbeiten]

Vor der Eröffnung der Saarbrücker Innenstadtstrecke existierte zwischen Saarbrücken Hauptbahnhof und Hanweiler bereits ein Vorlaufbetrieb mit Saarbahn-Fahrzeugen. Es wurde dabei jedoch noch nach dem Fahrplan der zuvor auf diesem Abschnitt eingesetzten lokbespannten Wendezüge gefahren, die Betriebsführung erfolgte im Auftrag der Deutschen Bahn. Dieser Vorlaufbetrieb begann am 29. September 1997 und endete am 24. Oktober 1997, dem Tag der Eröffnung der Neubaustrecke durch die Innenstadt.

Inbetriebnahme der Innenstadtstrecke[Bearbeiten]

Gleisplan 1999

Das eigentliche Kernstück der Saarbahn – die Neubaustrecke zwischen Brebach Bahnhof und Ludwigstraße – wurde nach knapp zweieinhalb Jahren Bauzeit am 24. Oktober 1997 in Betrieb genommen. Zwischen Römerkastell und Brebach Bahnhof befindet sich seither eine Systemtrennstelle. Hierbei handelt es sich um einen 90 Meter langen stromlosen Fahrleitungsabschnitt, welcher mit Schwung durchrollt wird, während die Fahrzeugelektrik sich automatisch auf das jeweils andere System umstellt. Die aus der Innenstadt kommenden Saarbahntriebwagen wechseln dabei von 750 Volt Gleichstrom auf 15.000 Volt Wechselstrom und verkehren über Kleinblittersdorf bis ins lothringische Sarreguemines. Der französische Abschnitt ab dem Grenzbahnhof Hanweiler war bereits seit 1983 mit dem deutschen Stromsystem ausgerüstet. Das erste Stadtbahnfahrzeug, das Saarguemines erreichte, war der Zweisystemtriebwagen 810 der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG), welcher am 11. September 1993 im Rahmen einer Präsentationsfahrt dorthin fuhr.

Systemtrennstelle in Brebach: Übergang vom 750-V-Gleichstromnetz (links) in den stromlosen Abschnitt (rechts)
Haltestelle Riegelsberg Süd
Saarbahn-Halt „Walpershofen-Mitte“
Die neue Bahnüberführung für die Saarbahn in Walpershofen
Saarbahn-Linie 3 Richtung Grube Warndt unmittelbar vor der Systemtrennstelle Abzw. Messegelände
Ein Saarbahn-Zug vor der Saargalerie (heute Europa-Galerie) am Saarbrücker Hauptbahnhof
Stadtbahn-Fahrzeug unmittelbar vor der Haltestelle Rastpfuhl

Norderweiterung[Bearbeiten]

Der Ausbau in die andere Richtung erfolgte in mehreren Etappen. Ab 31. Juli 1999 bis Cottbuser Platz, ab 13. November 2000 bis Siedlerheim, ab 24. September 2001 bis Riegelsberg Süd und ab 26. September 2009 bis Walpershofen/Etzenhofen. An den bis zuletzt strittigen Mehrkosten von ca. 630.000 Euro jährlich für den Abschnitt Riegelsberg Süd–Walpershofen/Etzenhofen beteiligen sich die Stadt Saarbrücken, die Gemeinde Riegelsberg und indirekt auch das Saarland.[1] Auf der ehemaligen Trasse der Köllertalbahn durch Walpershofen und Dilsburg wurden im Januar und Februar 2009 Rodungsarbeiten durchgeführt, die Bahnüberführung in der Ortsmitte von Walpershofen wurde 2009/10 erneuert und im Sommer 2011 war die Reaktivierung bis Heusweiler Markt weitgehend abgeschlossen. Der Regelbetrieb bis dorthin wurde am 31. Oktober 2011 aufgenommen.

Obwohl seit 2011 in Walpershofen ein weiterer Wechsel zwischen BOStrab und EBO stattfindet, wird das Stromsystem dort nicht gewechselt, denn auf der eigens für die Saarbahn elektrifizierten Köllertalbahn wird ebenfalls mit 750 Volt Gleichstrom gefahren.[2]

Seit dem 5. Oktober 2014 fährt die Saarbahn bis Lebach und in der Hauptverkehrszeit weiter auf der Primstalbahn bis Lebach-Jabach.[3]

Die Norderweiterung der Saarbahn ins und im Köllertal erfolgt weitgehend auf zwei historischen Bahntrassen:

Von Saarbrücken durch den Köllertaler Wald und Riegelsberg folgt die Saarbahn bis Riegelsberg-Güchenbach zunächst dem Verlauf der historischen Riegelsberger Straßenbahn: Seit 1907 führte eine Überlandstraßenbahnlinie von St. Johann/Saarbrücken über Riegelsberg nach Heusweiler. Der Streckenverlauf entsprach weitgehend dem der heutigen Bundesstraße 268, führte also damals von Güchenbach über den Stumpen direkt nach Heusweiler. Die Straßenbahn wurde 1953 durch Trolleybusse, diese wiederum 1964 durch Linienbusse mit Dieselmotor, ersetzt.[4]

Es folgt ein kleines Teilstück der Saarbahnstrecke zwischen Riegelsberg-Güchenbach und der Haltestelle Walpershofen/Etzenhofen, das ohne historischen Vorläufer ist. Hier fährt die Saarbahn in Ost-West-Richtung entlang des Russenwegs (L 267).

Unmittelbar hinter der Haltestelle Walpershofen/Etzenhofen schwenkt die Saarbahn auf die Trasse der ehemaligen Köllertalbahn ein, auf der sie nun weiter nach Norden durch Walpershofen, Heusweiler und Eiweiler bis Lebach fährt.

Betriebskonzept[Bearbeiten]

Das gegenwärtige Betriebskonzept auf der einzigen planmäßig bedienten Linie, der 44 Kilometer[5] langen Durchmesserlinie S1 zwischen Lebach-Jabach und Sarreguemines, sieht tagsüber im Kernbereich zwischen Siedlerheim und Brebach Bahnhof einen 7,5-Minuten-Takt vor. Ursprünglich war für den Innenstadtbereich sogar ein Fünf-Minuten-Takt geplant, der jedoch wieder verworfen wurde, weil er zu betrieblichen Problemen geführt hätte. Auf den Streckenabschnitten Brebach–Kleinblittersdorf sowie Heusweiler Markt–Siedlerheim gilt ein 15-Minuten-Takt, und die Abschnitte Kleinblittersdorf–Sarreguemines sowie Heusweiler Markt–Lebach werden alle 30 Minuten beziehungsweise vormittags nur alle 60 Minuten bedient. Die nördliche Endstelle Lebach-Jabach wird nur morgens sowie um die Mittagszeit bedient.

In der Spätverkehrszeit wird der Takt in der Innenstadt auf 15 Minuten gedehnt, entsprechend ergeben sich 30-Minuten-Takte nach Kleinblittersdorf beziehungsweise Heusweiler Markt sowie 60-Minuten-Takte nach Lebach und Sarreguemines. Morgens sowie im Berufs- und Schülerverkehr und in der Nachmittagsspitze werden Doppeltraktionen eingesetzt, sonst Solowagen. Täglich befördert die Saarbahn etwa 40.000 Personen.

Fahrzeuge[Bearbeiten]

Aktuell sind 28 Fahrzeuge des Typs Flexity Link im Einsatz. Diese wurden von Bombardier in Wien und Brügge gefertigt. Sechs Wagen waren zeitweise nach Kassel ausgeliehen; sie liefen dort im Vorlaufbetrieb der RegioTram Kassel. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2009 wurden drei Fahrzeuge an die Stadtbahn Karlsruhe ausgeliehen, welche bis Dezember 2013 dort auf der Linie S9 zum Einsatz kamen.[6]

Zehnjähriges Jubiläum[Bearbeiten]

Am 24. Oktober 2007 feierte die Saarbrücker Stadtbahn ihr zehnjähriges Betriebsjubiläum. Seit Betriebsaufnahme wurden mehr als 100 Millionen Fahrgäste transportiert, fast doppelt so viele, wie ursprünglich geplant. Damit hat sich die Saarbrücker Stadtbahn zu einem großen Erfolg mit Modellcharakter entwickelt; andere Städte, in denen die Einrichtung einer Stadtbahn angedacht wird, orientieren sich unter anderem am Saarbrücker System.

Planungen[Bearbeiten]

Die Planungen sehen eine Trasse Richtung Schafbrücke vor. Eine weitere Planung beläuft sich auf einen Ausbau über Burbach nach Völklingen. Diese Planung ist jedoch vorerst auf Eis gelegt, da zuvor Bergbauschäden entfernt werden müssen. Weitere Planungen sehen einen Ausbau zur Universität, zum Rotenbühl, nach Alt-Saarbrücken, nach Forbach und zum Eschberg vor.[7] Die Bauarbeiten für diese Planungen liegen vorerst bis zur Fertigstellung der Strecke nach Lebach-Jabach auf Eis.

Sonderlinien[Bearbeiten]

S2 (Messelinie)[Bearbeiten]

Saarbrücken Messebahnhof

Die Messelinie verkehrte bis 2006 anlässlich der Saarmesse und der Welt der Familie zwischen der Haltestelle Römerkastell und dem Bahnhof Fürstenhausen im 30-Minuten-Takt. Eine weitere Bedienung des Messebahnhofs erfolgte vom 24. bis zum 28. Mai 2006 während des Katholikentages. Seither verkehren zur Messe Sonderbusse der Linie 11E ab Hauptbahnhof. Anlässlich der 60. Saarmesse vom 28. März 2009 bis zum 5. April 2009 wurde vom saarländischen Wirtschaftsministerium einmalig eine erneute Bedienung des Messebahnhofs durch die Saarbahn im 60-Minuten-Takt finanziert. Ein Zu- und Ausstieg in Fürstenhausen war allerdings nicht mehr möglich.[8]

Hinter der Haltestelle Ludwigstraße ist die Innenstadtstrecke über eine Rampe, wo sich eine weitere Systemtrennstelle befindet, mit der Rosseltalbahn verknüpft. Diese diente früher vor allem dem Kohleverkehr zur Grube Warndt; nach deren Stilllegung ist auch der Saarbahnbetrieb gefährdet. Von Fürstenhausen bis zur Grube Warndt wurde die Oberleitung bereits abgebaut.

Weiterhin wurde mittlerweile der zweigleisige Abzweig von der Saarbahn-Strecke zurückgebaut und durch einen eingleisigen Abzweig ersetzt, der nun ohne Gleiskreuzung auskommt.

S3 (Warndtlinie)[Bearbeiten]

Die Linie S3 (Warndtlinie) verkehrte nur während des jährlich stattfindenden Warndt-Weekends im 60-Minuten-Takt. Der Linienweg war bis zum Bahnhof Fürstenhausen mit der Linie S2 identisch. Anschließend folgte sie der ehemaligen DB-Strecke bis zur stillgelegten Grube Warndt, aufgrund des oben erwähnten Oberleitungsrückbaus kann dieser Verkehr jedoch nicht mehr angeboten werden. Ihre letzte Fahrt war 2005.[9]

S9 (Ersatzverkehr bei Störungen)[Bearbeiten]

Die S9 ist eine Ersatzlinie, welche nur betrieben wird, wenn die Saarbrücker Innenstadtstrecke nicht befahren werden kann (etwa bei kurzzeitigen Betriebsstörungen oder bei größeren Veranstaltungen wie etwa Zielankünften der Deutschland Tour oder der Tour de France). Der Linienweg der S9 folgt aus Richtung Saargemünd kommend ab dem Bahnhof Brebach der klassischen Strecke zum Saarbrücker Hauptbahnhof; die Ankunft dort erfolgt in der Regel auf Gleis 6. Die Linienführung der S9 entspricht somit dem oben erwähnten Saarbahn-Vorlaufbetrieb des Jahres 1997. Weil dieser Streckenabschnitt auf ein Gleis zurückgebaut wurde, kann die S9 nur alle 30 Minuten verkehren.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Trams in Saarbrücken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Saarbahn fährt nach Etzenhofen in der Saarbrücker Zeitung vom 8. September 2009 (abgerufen am 18. September 2009)
  2. Saarbahn GmbH startet Sicherheitsschulung an der Friedrich-Schiller-Schule in Heusweiler in der Saarländischen Online-Zeitung vom 4. Mai 2011 (abgerufen am 11. Mai 2011)
  3. Monika Kühn: Hallo Saarbahn, willkommen in Lebach. Saarbrücker Zeitung, 6. Oktober 2014, abgerufen am 7. Oktober 2014.
  4. Markus Philipp: Straßenbahn Saarbrücken – Riegelsberg/Heusweiler in: Kulturlandschaft Saarkohlenwald
  5. Saarbahn GmbH: Stadtbahn-Netzausbau
  6. [1] (abgerufen am 4. Dezember 2009)
  7. 100 bewegte Jahre – Die Gesellschaft für Straßenbahnen im Saartal 1892–1992, 1992, S. 265
  8. Infos zur S2 bei www.saarmesse.de
  9. Infos über die S3 und das Warndtweekend (PDF; 2,4 MB)