Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek

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Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek
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Hauptgebäude der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek (SULB)

Gründung 1950
Bestand 1.700.000
Ort Saarbrücken
Bibliothekssigel [1]Vorlage:Infobox Bibliothek/Wartung/Sigel
ISIL DE-291
Leitung Bernd Hagenau
Website www.sulb.uni-saarland.de

Die Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek (SULB) wurde im Jahr 1950 in Saarbrücken (Saarland) als Universitätsbibliothek der Universität des Saarlandes gegründet. 1994 wurden ihre faktisch von Anfang an wahrgenommenen landesbibliothekarischen Aufgaben auch im Namen verankert. Mit der Medizinischen Zweigbibliothek in Homburg/Saar ist sie die Zentralbibliothek der Universität des Saarlandes sowie die größte wissenschaftliche Allgemeinbibliothek im Saarland.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründung der Universitätsbibliothek ist unmittelbar mit der Gründung der neuen Universität im Jahre 1948 zunächst in Homburg, später in Saarbrücken verknüpft. Das Saarland war zu diesem Zeitpunkt politisch teilautonom und ökonomisch durch Wirtschaft- und Währungsunion mit Frankreich verbunden.

Als ersten Bibliotheksdirektor verpflichtete man 1950 den Elsässer Norbert Schuller, der bereits die Keimzelle der Bibliothek auf dem Saarbrücker Campusgelände sowie in Homburg die Anfänge einer medizinischen Fachbibliothek übernehmen konnte. Norbert Schuller schuf bis zur Eingliederung des Saarlandes 1957 den Grundstock für einen systematischen Bestands- und Personalaufbau.

Bis 1970 förderte dessen Nachfolger Hans Cordes den Ausbau nutzerorientierter Dienstleistungen wie einer schnellen Fernleihe und einen Gesamtkatalog der rasch wachsenden Institutsbibliotheken. Im Rahmen ihres Systems der überregionalen Literaturversorgung übertrug die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) der Bibliothek im Jahr 1966 das Sondersammelgebiet Psychologie, das zuvor an der Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg angesiedelt war. Seit 1961 wurde die Sammlung von Saarlandica (Publikationen aus dem Saarland und/oder mit inhaltlichem Bezug zur Region) intensiviert. Nachweisinstrument ist die Saarländische Bibliographie, die heute im Südwestdeutschen Bibliotheksverbund (SWB) als Online-Katalog angeboten wird. Seit 1969 erscheint auch eine Jahresbibliographie, in der seitdem jährlich die Veröffentlichungen von Angehörigen der Universität des Saarlandes – ab 1973 auch derjenigen anderer Hochschulen des Saarlandes – erfasst werden.

Unter seinem Nachfolger Otwin Vinzent, der die Bibliothek bis 1990 leitete, wurden im bis heute zweischichtigen Bibliothekssystem erste Kooperationsvereinbarungen mit den Institutsbibliotheken getroffen. Bereits 1978 wurde mit der elektronisch gestützten Katalogisierung begonnen. Ab 1985 konnte die Bibliothek einen elektronischen Benutzerkatalog anbieten, der heute ein integrierter Gesamtkatalog aller Campusbestände sowie der Bestände der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes darstellt.

Im Jahr 1991 übernahm Bernd Hagenau die Leitung der Bibliothek. 1994 wurden die landesbibliothekarischen Funktionen der Bibliothek im Zuge einer Novellierung des Hochschulgesetzes auch in ihren Namen zum Ausdruck gebracht, 1996 erfolgte in einer Verordnung die Ausformulierung ihrer Aufgaben als Landesbibliothek. Bisher gibt es allerdings kein Gesetz, das eine automatische Ablieferungspflicht der saarländischen Verlage vorsähe. Im Landesmediengesetz des Saarlandes vom 27. Februar 2002 ist allerdings die Anbietungspflicht des Verlegers festgelegt.[1]

Das 1978 als „Arbeitsstelle für Gustav-Regler-Forschung“ gegründete und bis 1993 an einen Lehrstuhl im Fachbereich Germanistik gebundene Literaturarchiv wurde 1996 organisatorisch der SULB angegliedert.

Anfang 1998 schuf ein Staatsvertrag zwischen dem Saarland und dem Lande Baden-Württemberg die Grundlage für die Teilnahme saarländischer Bibliotheken am Südwestdeutschen Bibliotheksverbund. Kurz darauf löste auch das neue Bibliothekssystem LIBERO eine seit 1994 bestehende Eigenentwicklung (SABINE) ab.

Aufgrund ihrer besonderen Gründungsgeschichte lässt die Bibliothek auch Nutzerinnen und Nutzer aus Lothringen und der Pfalz, insbesondere aus den Universitätsstädten Metz und Nancy, zu.

Gebäude der SULB in Saarbrücken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende 1951 schrieb die Universität einen internationalen Wettbewerb für den Gesamtbebauungsplan auf dem ehemaligen Gelände der Below-Kasernen am Stadtrand Saarbrückens aus, der auch eine Universitätsbibliothek beinhalten sollte. Der als Vertreter des „neuen Bauens“ bekannt gewordene württembergische Architekt Richard Döcker gewann den zweiten Preis des Wettbewerbes, ein erster Preis wurde nicht vergeben. Döcker konnte gemeinsam mit dem saarländischen Architekten Wilhelm Steinhauer 1954 die neue Universitätsbibliothek als ersten Neubau auf dem Saarbrücker Universitätscampus übergeben.

Das Magazin wurde in einem elfgeschossigen Bücherturm untergebracht, an den sich seitlich vorgelagert der ebenerdige Benutzungsbereich sowie in einem umschließenden Riegel der zweigeschossige Verwaltungstrakt anschlossen. 1984 wurde ein Erweiterungsbau angefügt, der als Zeitschriftenlesesaal verwendet wurde. Diese funktionale Dreiteilung wurde mit der Sanierung und Erweiterung des denkmalgeschützten Ensembles ab 1998 neu strukturiert: Die Bestände sind nunmehr weitestgehend in einem unterirdischen, zweigeschossigen Kompaktmagazin untergebracht, der Bücherturm ist zum Verwaltungsgebäude umgebaut worden, und der Benutzungsbereich wird seit 2009 um den vormaligen Verwaltungsbereich erweitert und insgesamt vollständig modernisiert. Dabei bleiben stilbildende Elemente wie der große Lesesaal oder die Außenansicht mit dem geschwungenen Vordach erhalten.

Bestände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die etwa 1,7 Mio. Bestandseinheiten der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek, darunter 3.642 gedruckte laufend gehaltene Zeitschriften, sind im Hauptgebäude sowie in der Medizinischen Zweigbibliothek in Homburg untergebracht. Bedeutende Sondersammlungen befinden sich im Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass. Dort werden die Vor- und Nachlässe saarländischer Autoren (Alfred Gulden, Norbert Jacques, Johannes Kirschweng, Gustav Regler usw.), gepflegt. Zu den Sondersammlungen zählt außerdem die Bergbau-Bibliothek der ehemaligen Fachhochschule für Bergbau sowie eine Schenkung von regionalen Rarissima aus der Sammlung von Fritz Hellwig.

Sondersammelgebiet Psychologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sammelschwerpunkte der Einrichtung sind u. a. das ehemalige DFG-Sondersammelgebiet Psychologie sowie die Landeskunde und Regionalgeschichte des Saarlandes. Die Bibliothek hatte darauf verzichtet, die Arbeit an dem Sammelgebiet auch im Rahmen der neu eingeführten Fachinformationsdienste fortzuführen, weil sie das damit verbundene Konzept nicht für zielführend hielt. „Die Änderung ist tiefgreifend, da sie nicht nur eine Bevorzugung elektronischer Medien bedeutet, sondern vor allem eine Abkehr von der antizipativen und somit vollständigen Erwerbung, d.h. die Erwerbungen werden auf den aktuellen Forschungsbedarf ausgerichtet, so dass aus unserer Sicht Lücken im zukünftigen Bedarf, der sich eben nicht planen lässt, vorprogrammiert sind. Da wir der Meinung sind, dass dieses Konzept nicht zukunftsfähig ist, haben wir von einer Bewerbung abgesehen“, erklärte die Bibliothek auf ihrer Website. Die mit dem Sondersammelgebiet Psychologie verbundenen Dienste sind daher aufgegeben worden. Der Psychologie-Volltextserver PsyDok wurde im Laufe des Jahres 2015 an das Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) übergeben.[2]

Virtuelle Bibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die SULB bietet verschiedene Open-Access-Server an, darunter der Wissenschaftsserver der Universität des Saarlandes SciDok (inklusive der Jahresbibliographie) sowie der Archivserver für das Saarland SaarDok. Ein Universitätsverlag unter der Verwaltung der SULB besteht seit 2010.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christine Hohnschopp, Bernd Hagenau (Hrsg.): 50 Jahre Universitätsbibliothek des Saarlandes. Röhrig Universitätsverlag, St. Ingbert 2000, ISBN 978-3-86110-256-4
  • Bernd Hagenau: Die drei Hauptfunktionen der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek: Synergie oder Spagat? 2007, saardok.bsz-bw.de (PDF; 44 kB)
  • Patrick Ostermann: Zum Denkmalensemble der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. In: Jo Enzweiler (Hrsg.): Universität des Saarlandes 1945 bis 1999, Aufsätze und Dokumentation; Campus Saarbrücken, Campus Homburg, Universitätskliniken des Saarlandes. Verlag St. Johann, Saarbrücken 1999, institut-aktuelle-kunst.de (PDF; 4,7 MB), 190 S., zahlr. Ill.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Teil 3, § 14 Abs. 1 und 2
  2. Psychologie. In: www.sulb.uni-saarland.de. SULB, abgerufen am 7. März 2016.

Koordinaten: 49° 15′ 12″ N, 7° 2′ 20″ O