Saasen (Reiskirchen)

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Saasen
Gemeinde Reiskirchen
Koordinaten: 50° 35′ 44″ N, 8° 52′ 52″ O
Höhe: 232 (229–252) m ü. NHN
Fläche: 7,37 km²[1]
Einwohner: 1171 (30. Jun. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 159 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 35447
Vorwahl: 06401

Saasen ist ein Ortsteil der Gemeinde Reiskirchen im mittelhessischen Landkreis Gießen. Zur Ortschaft gehören die Weiler Bollnbach und Veitsberg sowie der Wirberg, eine ehemalige Burg.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saasen liegt in Mittelhessen 3,4 km östlich des Reiskirchener Hauptortes zwischen den Ortsteilen Lindenstruth im Westen sowie Bollnbach und dem Grünberger Ortsteil Göbelnrod im Osten. Es befindet sich im Südteil des Naturraums Lumda-Plateau am Lahn-Zufluss Wieseck; während die Kilometrierung des Fließgewässer nahe der Nachbarortschaft Göbelnrod endet, befindet sich beim Nordrand von Saasen die gefasste Wieseckquelle. Wenige hundert Meter südlich des Dorfes verläuft die Bundesstraße 49. Saasen hat eine Haltestelle an der Vogelsbergbahn.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Jahre 1111 oder 1137.[2]

Die Evangelische Kirche auf dem Veitsberg wurde im 13. Jahrhundert als romanische Saalkirche erbaut und diente als Send- und Pfarrkirche. In Saasen existierte nur für etwa 100 Jahre eine Kapelle, die etwa 1525 errichtet und im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. Die Veitsberger Mutterkirche erhielt 1751 einen neuen Ostteil und wurde 1965 durch einen südlichen Queranbau winkelförmig erweitert.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. Dezember 1970 wurde Saasen im Zuge der Gebietsreform in Hessen in die Gemeinde Reiskirchen eingegliedert.[3]

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Saasen unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[2]

  • Sahsun, in (1111/1137) [Kop. XIV Mainzer Urkundenbuch 1, Nr. 616]
  • Sassen, fon den (1249) [Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3, Nr. 55]
  • Sahsen, de (1251) [Baur, Hessische Urkunden 1 (Starkenburg und Oberhessen), Nr. 1285]
  • Sasen, de (1279) [Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 1, Nr. 363]
  • Sayssin, von den (1379) [Baur, Hessische Urkunden 1 (Starkenburg und Oberhessen), Nr. 1118]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Saasen lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[2][4]

Gerichte seit 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Saasen das „Amt Grünberg“ zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Grünberg“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht das für Saasen zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Grünberg“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[8] Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Grünberg, Saasen wurde dem Amtsgericht Gießen zugelegt.[9] In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[2]

• 1577: 035 Hausgesesse (mit Bolnbach?)
• 1630: 002 dreispännige, 16 zweispännige, 8 einspännige Ackerleute, 6 Einläuftige
• 1669: 147 Seelen (mit Bolnbach)
• 1742: 003 Geistliche/Beamte, 54 Untertanen, 22 junge Mannschaften, kein Beisasse/Jude
Saasen: Einwohnerzahlen von 1669 bis 1967
Jahr  Einwohner
1669
  
147
1791
  
232
1804
  
334
1830
  
375
1834
  
495
1840
  
529
1846
  
535
1852
  
540
1858
  
559
1864
  
438
1871
  
534
1875
  
518
1885
  
429
1895
  
449
1905
  
500
1910
  
528
1925
  
543
1939
  
616
1946
  
848
1950
  
890
1956
  
889
1961
  
914
1967
  
958
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [2];1791:[5]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

• 1830: 375 evangelische Einwohner
• 1961: 726 evangelische, 173 römisch-katholische Einwohner

Erwerbstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

• 1961: Erwerbspersonen: 167 Land- und Forstwirtschaft, 164 Produzierendes Gewerbe, 70 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 47 Dienstleistungen und Sonstiges.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Saasen gibt es ein reges Vereinsleben. Der größte ortsansässige Verein ist der SV 1936 Saasen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Haushaltsplan der Gemeinde Reiskirchen 2017 (Vorbemerkungen S. 10f) (PDF)
  2. a b c d e f g Saasen, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen (Stand: 27. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), abgerufen am 24. Mai 2018.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 364.
  4. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. („verwaltungsgeschichte.de“, Osnabrück 2001).
  5. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 197, 279 (online bei HathiTrust’s digital library).
  6. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 8 (online bei Google Books).
  7. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 419 (online bei Google Books).
  8. Großherzog von Hessen und bei Rhein: Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 17,8 MB]).
  9. Der Hessische Minister der Justiz: Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (Ändert GVBl. II 210–16) vom 12. Februar 1968. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1968 Nr. 4, S. 41–44, Artikel 1, Abs. 2 a) und Artikel 2, Abs. 4 d) (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 298 kB]).