Sabine Ø

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Sabine Ø
Sabine Ø auf einer Karte von 1874
Sabine Ø auf einer Karte von 1874
Gewässer Grönlandsee
Inselgruppe Pendulum-Inseln
Geographische Lage 74° 36′ N, 18° 59′ WKoordinaten: 74° 36′ N, 18° 59′ W
Sabine Ø (Grönland)
Sabine Ø
Länge 16 km
Breite 14 km
Fläche 156 km²
Höchste Erhebung Keferstein
699 m
Einwohner (unbewohnt)

Sabine Ø (deutsch „Sabine-Insel“) ist eine unbewohnte Insel vor der Ostküste Grönlands. Administrativ gehörte sie bis Ende 2008 zur Provinz Tunu („Ostgrönland“), seit 2009 zum gemeindefreien Gebiet des Nordost-Grönland-Nationalparks.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sabine Ø liegt in der Grönlandsee, nur wenige Kilometer östlich der Halbinsel Wollaston Forland. Von dieser ist sie durch die Clavering-Straße getrennt, von ihrer östlichen Nachbarinsel Lille Pendulum (Kleine Pendulum-Insel) durch die Pendulum-Straße. Beide Inseln bilden gemeinsam mit Bass Rock und Hvalrosø (Walross-Insel) die Gruppe der Pendulum-Inseln, die die Hochstetterbucht südlich begrenzen und der nördlich gelegenen Insel Shannon gegenüberliegen.

Von ihrem nördlichsten Punkt Kap Neumayer (74° 41′ N, 18° 52′ W) bis zur Halbinsel Observatoriehalvø (74° 32′ N, 18° 50′ W) im Süden hat die Insel eine Ausdehnung von 16 km, in Ost-West-Richtung ist sie 14 km breit. Sabine Ø hat eine Fläche von 156 km².[1] Sie ist gebirgig und erreicht im Keferstein eine Höhe von 699 m.[2]

Die Oberfläche der Insel wird von Felsen geprägt, wobei basaltische Gesteine vorherrschen.[3] Die Pflanzendecke ist spärlich und größere Landsäugetiere wie Moschusochsen selten.[4] Meeressäuger und Vögel profitieren dagegen von der Sirius Water Polynja, die gewöhnlich von der Shannon-Insel bis Hvalrosø reicht.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verfallene Inuithütten auf Sabine Ø, wie Koldewey sie 1869 vorfand

Sabine Ø war seit mehreren Tausend Jahren zunächst von Paläo-Eskimos der Independence I- und später von Inuit der Dorset- und der Thule-Kultur besiedelt.[6] Besonders im Südosten der Insel sind Feuerplätze der Prä-Eskimos und Reste von Wohnstätten zu finden, die der Thule-Kultur zuzurechnen sind. Als die ersten Europäer die Insel betraten, waren diese aber schon verlassen.[7]

Die Entdeckung der Sabine-Insel durch Europäer datiert auf den August 1823. Die Britische Admiralität hatte 1818 ein Programm zur genauen Bestimmung der Erdgestalt mit Hilfe des Sekundenpendels gestartet. Speziell geschulte Marineoffiziere fuhren auf den britischen Schiffen mit und führten Pendelexperimente auch in entlegenen Teilen des Britischen Empire durch.[8] Unter ihnen war Edward Sabine, der spätere Präsident der Royal Society. Er hatte 1818 und 1819–1820 bereits die Expeditionen von John Ross und William Edward Parry zur Auffindung der Nordwestpassage begleitet. 1823 fuhr er auf der HMS Griper unter dem Kommando von Douglas Clavering nach Hammerfest, Spitzbergen und an die Ostküste Grönlands. Nachdem die Griper die Eisbarriere des Ostgrönlandstroms in der zweiten Augustwoche passiert hatte, segelte sie nordwärts und ging schließlich am 15. August 1823 im heutigen Germaniahafen der Sabine-Insel vor Anker, einem Platz, der durch die vorgelagerte Walross-Insel vor kompaktem Treibeis geschützt ist.[9] Sabine richtete sein Observatorium auf der Sternwartenhalbinsel (Observatoriehalvø) ein.

1869–1870 überwinterte auch die Zweite Deutsche Nordpolarexpedition mit dem Schraubendampfer Germania im Germaniahafen, unmittelbar vor dem Ort, wo Sabine seine Pendelversuche durchgeführt hatte. Von hier aus unternahmen die Expeditionsteilnehmer, allen voran Julius Payer, ausgedehnte Bootsfahrten und Hundeschlittenreisen zur Erforschung und Kartierung der angrenzenden Küsten. Der Kapitän der Germania und Leiter der Expedition, Carl Koldewey, gab der Insel, die von den Briten Inner Pendulum Island genannt worden war, ihren heutigen Namen. Auch viele andere geographische Bezeichnungen auf Sabine Ø gehen auf Koldewey zurück.

1926 besuchte die Cambridge-Ostgrönland-Expedition unter Leitung von James Wordie die Insel und wiederholte die Pendelexperimente Sabines von 1823.[10]

1942 landete im Rahmen des „Unternehmens Holzauge“ eine deutsche Wehrmachtseinheit in der Hansabucht an der Ostküste von Sabine Ø. Hier betrieb sie eine Wetterstation, wurde jedoch am 11. März 1943 von einer dänischen Schlittenpatrouille entdeckt und in ein Gefecht verwickelt. US-amerikanische B-24-Bomber zerstörten die Station am 25. Mai 1943.[11]

Im Rahmen des GeoArk-Projekts,[12] eines interdisziplinären Forschungsprojekts des Dänischen Nationalmuseums und des Instituts für Geographie und Geologie der Universität Kopenhagen, wurde unter Leitung von Bjarne Grønnow (* 1956) zwischen 2003 und 2009 mehrmals archäologische Feldforschung im Germaniahafen betrieben. Der Schwerpunkt lag auf der Ausgrabung und Erforschung von Fundstätten der Thule-Kultur.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Per Ivar Haug: Gazetteer of Greenland (=Til Oppslysning 15). Universitetsbiblioteket i Trondheim, Trondheim 2005. ISBN 82-7113-114-1 (englisch)
  2. Keferstein. In: Anthony K. Higgins: Exploration history and place names of northern East Greenland. (= Geological Survey of Denmark and Greenland Bulletin 21, 2010). Kopenhagen 2010, ISBN 978-87-7871-292-9, abgerufen am 28. Dezember 2013 (englisch)
  3. Die Zweite Deutsche Nordpolarfahrt in den Jahren 1869 und 1870 unter Führung des Kapitäns Koldewey. Verein für die Deutsche Nordpolfahrt in Bremen, zweiter Band: Wissenschaftliche Ergebnisse, Brockhaus, Leipzig 1875, S. 488
  4. Mariane Hardenberg: In search of Thule children: Construction of playing houses as a means of socializing children. In: Geografisk Tidsskrift – Danish Journal of Geography 110(2), 2010, S. 201–214 (PDF; 2,7 MB (Memento vom 2. Februar 2014 im Internet Archive))
  5. J. B. T. Pedersen, L. H. Kaufmann, A. Kroon, B. H. Jakobsen: The Northeast Greenland Sirius Water Polynya dynamics and variability inferred from satellite imagery. (Memento vom 2. Februar 2014 im Internet Archive) In: Danish Journal of Geography 110, Nr. 2, 2010, S. 131−142 (PDF; 3,5 MB; englisch).
  6. The GeoArk 2008 expedition to North East Greenland auf der Website des Dänischen Nationalmuseums, abgerufen am 25. April 2014
  7. Die Zweite Deutsche Nordpolarfahrt in den Jahren 1869 und 1870 unter Führung des Kapitäns Koldewey. Verein für die Deutsche Nordpolfahrt in Bremen, Band 1, Brockhaus, Leipzig 1874, S. 616ff
  8. W. J. Mills: Exploring Polar Frontiers – A Historical Encyclopedia, Bd. 1, ABC-CLIO, 2003. ISBN 1-57607-422-6, S. 148f (englisch)
  9. Edward Sabine: An account of experiments to determine the figure of the earth by means of the pendulum vibrating seconds in different latitudes; as well as on various other subjects of philosophical enquiry. John Murray, London 1825, S. 159ff
  10. Anthony K. Higgins: Exploration history of northern East Greenland (PDF; 2,9 MB). In: Exploration history and place names of northern East Greenland (= Geological Survey of Denmark and Greenland Bulletin 21, 2010), ISBN 978-87-7871-292-9. S. 34 (englisch)
  11. Hansa Bugt. In: Anthony K. Higgins: Exploration history and place names of northern East Greenland. (= Geological Survey of Denmark and Greenland Bulletin 21, 2010). Kopenhagen 2010, ISBN 978-87-7871-292-9, abgerufen am 28. Dezember 2013 (englisch)
  12. The GeoArk Project 2003–2009 auf der Website des Dänischen Nationalmuseums, abgerufen am 25. April 2014