Sabine Hark

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Sabine Hark (2014)

Sabine Hark (* 7. August 1962 in Otzenhausen) ist eine deutsche Soziologin mit Schwerpunkten in Geschlechterforschung, feministischer Erkenntnistheorie und -kritik und Queer-Theorie. Sie lehrt als Professorin an der TU Berlin an dem von ihr geleiteten Zentrum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung.[1] Sie gilt als eine der ersten Multiplikatoren der Queer-Theorie in Deutschland.[2]

Beruflicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sabine Hark studierte in Mainz und Frankfurt am Main Politikwissenschaft und Soziologie. Von 1990 bis 1995 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der Freien Universität Berlin. Zusammen mit der Wiener Sozial- und Kulturwissenschaftlerin Hanna Hacker organisierte sie 1991 das erste „Symposium deutschsprachiger Lesbenforschung“ in Berlin.[3] Sie wurde 1995 an der Freien Universität Berlin mit ihrer Arbeit „Deviante Subjekte – die paradoxe Politik der Identitätpromoviert, die 1996 bei Leske + Budrich als Buch veröffentlicht wurde. Seit 1997 doziert sie an der Universität Potsdam im Bereich Soziologie der Geschlechterverhältnisse. Seit dem Wintersemester 2005/2006 lehrt sie als Professorin an der TU Berlin am von ihr geleiteten Zentrum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung, zudem nimmt sie seit 2008 an der ehrenamtlichen Redaktionsarbeit der Fachzeitschrift Feministische Studien teil.[4] Sie ist Mitbegründerin[5] der 2010 ins Leben gerufenen Fachgesellschaft Geschlechterstudien, für die sie bis 2014 im Vorstand tätig war.[6] Hark ist 1. Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft der Frauen- und Geschlechterforschungseinrichtungen Berliner Hochschulen (afg).[7]

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zentrale Punkte ihrer wissenschaftlichen Arbeit sind die Dekonstruktion lesbischer bzw. feministischer Identitäten und Identitätspolitiken in Anknüpfung an Theorien von Michel Foucault und Hannah Arendt sowie an die Queer-Theorie und den Poststrukturalismus. Mit ihrer bereits früh vorgebrachten Kritik an geschlossenen Identitäten als Grundlage der Gruppenbildung in der Frauen- und Lesbenbewegung begründete sie die Queer Theory in Deutschland mit und baute in der Folge ihre kritische Analyse aus, indem sie diskurstheoretische, postkoloniale und kulturwissenschaftliche Ansätze integrierte.[2][8] Ihre Kritik wurde weithin aufgenommen und wirkte auf die Lesbenbewegung zurück.[2] Sie ist eine der wenigen bekannteren deutschsprachigen Autoren, die sich intensiv mit queertheoretischen Ansätzen beschäftigen. Der Tagesspiegel führt sie als eine der profiliertesten Geschlechterforscherinnen in Deutschland.[9]

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit veröffentlichte Hark gemeinsam mit Judith Butler einen Kommentar zu dem Sammelband Beißreflexe: Kritik an queerem Aktivismus, autoritären Sehnsüchten, in dem 29 Autoren aus dem queeren aktivistischen und akademischen Bereich dogmatische Engführungen des Queer-Begriffs kritisieren.[10] Der Beitrag wurde wiederum von verschiedenen Personen, wie der Politikwissenschaftlerin Ljiljana Radonić in der Theorie-Zeitschrift Sans phrase[11] und dem Literaturwissenschaftler Jakob Hayner in der Jungle World[12] kritisiert.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monografien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als (Ko-)Autorin:

  • Gemeinschaft der Ungewählten. Umrisse eines politischen Ethos der Kohabitation. suhrkamp, Berlin 2021, ISBN 978-3-518-12774-2.
  • mit Paula-Irene Villa: Unterscheiden und herrschen. Ein Essay zu den ambivalenten Verflechtungen von Rassismus, Sexismus und Feminismus in der Gegenwart. transcript, Bielefeld 2017, ISBN 978-3-8376-3653-6.
  • Dissidente Partizipation. Eine Diskursgeschichte des Feminismus. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-518-29353-2.
  • Deviante Subjekte. Die paradoxe Politik der Identität. Leske + Budrich, Opladen 1996, 19992, ISBN 3-8100-2586-0.

Als (Mit-)Herausgeberin:

Aufsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sammelbandbeiträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ilse Lenz: Die Neue Frauenbewegung in Deutschland. Abschied vom kleinen Unterschied. Ausgewählte Quellen. 2. aktualisierte Auflage, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-17436-5, S. 430,1028 und 1153.
  • Axel Schock, Karen-Susan Fessel: Out! 800 berühmte Lesben, Schwule und Bisexuelle. 5. Auflage, Querverlag, Berlin 2004, S. 130/131.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. zifg.tu-berlin.de: Prof. Dr. Sabine Hark. Abgerufen am 4. April 2019.
  2. a b c Ilse Lenz: Die Neue Frauenbewegung in Deutschland. Abschied vom kleinen Unterschied. Ausgewählte Quellen. 2., aktualisierte Auflage. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-17436-5, S. 1028.
  3. Axel Schock, Karen-Susan Fessel: Out! 800 berühmte Lesben, Schwule und Bisexuelle. 5. Auflage, Querverlag, Berlin 2004. S. 131.
  4. Blog Redaktion Website der Zeitschrift und des Blogs Feministische Studien. Abgerufen am 4. April 2019.
  5. Jana Bialluch: Ein großes Feld für Gender Studies - Sabine Hark ist Mitbegründerin der Fachgesellschaft Geschlechterstudien, TU Berlin Newsportal, 20. Januar 2011. Abgerufen am 4. April 2019.
  6. Vorgängige Vorstände Website der Fachgesellschaft für Geschlechterstudien. Abgerufen am 5. April 2019.
  7. Kontakt: Geschäftsstelle & Sprecher_innen Website der Arbeitsgemeinschaft der Frauen- und Geschlechterforschungseinrichtungen Berliner Hochschulen. Abgerufen am 5. April 2019.
  8. Ilse Lenz: Die Neue Frauenbewegung in Deutschland. Abschied vom kleinen Unterschied. Ausgewählte Quellen. 2., aktualisierte Auflage. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-17436-5, S. 430.
  9. Sabine Hark: Wie sie wurde - was sie ist. 1. August 2011. Abgerufen am 16. Juli 2012.
  10. Judith Butler, Sabine Hark: Gender-Studies: Die Verleumdung. In: Die Zeit. 3. August 2017, abgerufen am 5. Dezember 2021.
  11. Ljiljana Radonić: Ist Queer noch zu retten? In: Sans phrase. 11/2017 Auflage. Ausgabe, 2017, ISBN 978-3-86259-911-0, S. 48.
  12. Jakob Hayner: Die Kontrolle des Diskurses. Abgerufen am 5. Dezember 2021.
  13. a b c d e Susanna Jäger: Doppelaxt oder Regenbogen? Zur Genealogie lesbisch-feministischer Identität. (Perspektiven. Forschungsbeiträge zu Geschichtswissenschaft, Pädagogik, Philosophie, Psychologie, Psychotherapie und Soziologie Band 11.) Edition Diskord, Tübingen 1998, ISBN 3-89295-648-0, S. 151.