Sabine Kunst

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Sabine Kunst, 2014

Sabine Kunst (* 30. Dezember 1954 in Wesselburen, Kreis Dithmarschen) ist eine deutsche Hochschullehrerin und Politikerin (SPD). Sie war ab 2007 vier Jahre lang Präsidentin der Universität Potsdam und vom 23. Februar 2011 bis 8. März 2016 Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg. Am 19. Januar 2016 wurde sie zur Präsidentin der Humboldt-Universität zu Berlin gewählt und trat dieses Amt am 11. Mai 2016 an.

Leben und Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In ihrem Studium 1972–1982 unter anderem in Hannover belegte sie neben Wasserbauingenieurwesen und Politologie die Fächer Chemie, Biologie und Philosophie. 1982 wurde sie zum Dr.-Ing. im Fach Umweltbiotechnologie, Bauingenieur- u. Vermessungswesen promoviert. Acht Jahre später legte sie eine weitere Promotion zum Dr. phil. in Politikwissenschaft, Bereich Technikbewertung und Interdisziplinarität ab.[1] Ihre Habilitation erfolgte ebenfalls 1990 am Fachbereich Bauingenieur- u. Vermessungswesen der Universität Hannover mit einer venia legendi für Wasser- und Abwasserbiologie.

1979–1984 arbeitete sie als wissenschaftliche Assistentin am Institut für Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik der Universität Hannover. 1984–1985 war Kunst wissenschaftliche Mitarbeiterin der Zentralen Einrichtung für Weiterbildung (ZEW) in Berlin. Lehraufträge der TH Darmstadt übernahm sie 1985–1987. Hauptamtlich war sie 1986–1990 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Abfallwirtschaft beim Umweltbundesamt Berlin. Eine Vertretungsprofessur an der TU Hamburg-Harburg besetzte Kunst 1991–1994. Gleichzeitig war sie 1991–2007 Universitätsprofessorin an der Universität Hannover.[1]

In der universitären Selbstverwaltung übernahm Kunst 2003–2005 die Aufgaben eines Director of International Affairs der Universität Hannover. Geschäftsführende Leiterin der Weiterbildung WBBau der Universität Hannover war sie 2004–2007. Als gewählte Vizepräsidentin für Lehre, Studium, Weiterbildung und Internationales der Universität Hannover amtierte sie 2005–2007.[1]

Der elfköpfige Senat der Universität Potsdam wählte am 20. Juli 2006 Sabine Kunst einstimmig zur neuen Präsidentin der Universität.[2] Das Amt trat sie ab 1. Januar 2007 für eine sechsjährige Amtszeit bis 31. Dezember 2012 an. Die 55-Jährige wurde am 30. Juni in Bonn von der Mitgliederversammlung des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD) mit großer Mehrheit gewählt und trat dieses Ehrenamt am 1. Juli 2010 an. Kunst war die erste Frau an der Spitze des DAAD.[3]

Auslandserfahrungen sammelte Kunst unter anderem mit einem Forschungsaufenthalt in Guangzhou, China, 1985 zur Inbetriebnahme von Biogasanlagen. 1986–1989 kooperierte sie mit der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Bolivien und Peru. In La Paz, dem Regierungssitz Boliviens, kümmerte sich die Ingenieurin um den Bau von Teichanlagen in Slumgebieten.[3] Bis 2007 verfolgte sie vielfältige Projekte in der internationalen Forschung in Südafrika, Mexico, Costa Rica, Brasilien, Sibirien zur Ressource Wasser.[1]

2010 bewarb sich Kunst um das Amt der Präsidentin der Universität Leipzig, fiel allerdings bereits im ersten Wahlgang durch. Zur selben Zeit wurde sie vom Centrum für Hochschulentwicklung und der Financial Times Deutschland mit dem Preis „Hochschulmanagerin des Jahres“ ausgezeichnet.

Am 23. Februar 2011 trat Kunst die Nachfolge von Martina Münch (SPD) als brandenburgische Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur im Kabinett Platzeck III / Kabinett Woidke I an. Zuvor hatte sie ihr Amt als Präsidentin der Universität Potsdam aufgegeben, ebenso wie das Ehrenamt der DAAD-Präsidentin.[4][5] In der Neuauflage der rot-roten Koalition ab 5. November 2014 als Kabinett Woidke II behielt Kunst ihren Ministerposten. Im Dezember 2014 trat sie der SPD bei.[6]

Im Dezember 2015 wurde Kunst als einzige Kandidatin vom Kuratorium der Humboldt-Universität zu Berlin für das Amt der Universitätspräsidentin vorgeschlagen und am 19. Januar 2016 gewählt.[7][8]

Kunst ist verheiratet, wohnt seit 2007 in Werder (Havel) und hat drei erwachsene Kinder. [1] Sie ist die Schwester von Kirsten Fehrs, der Bischöfin der Nordkirche im Sprengel Hamburg und Lübeck.[9]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2010: Hochschulmanagerin des Jahres 2010[10]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Biologie der Abwasserreinigung (mit Klaus Mudrack) Spektrum Akad. Verlag, Heidelberg 2009, 5., vollst. überarb. und erw. Auflage (Erstauflage 1985)
  • Abwasserreinigung in verstädterten Orten Shaker, Aachen 2004
  • Sustainable water and soil management Springer, Berlin 2002
  • Betriebsprobleme auf Kläranlagen durch Blähschlamm, Schwimmschlamm, Schaum Springer, Berlin 2000

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sabine Kunst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Universität Potsdam: Die Präsidentin Prof. Dr.-Ing. habil. Dr. phil. Sabine Kunst Amtszeit: 01.01.2007 - 31.12.2012 (Memento vom 13. Februar 2010 im Internet Archive)
  2. http://www.uni-hannover.de/de/aktuell/online-aktuell/news/02803/
  3. a b Der Tagesspiegel vom 30. Juni 2010: Potsdams Präsidentin leitet DAAD, abgerufen am 30. Juni 2010
  4. Präsidentin der Uni Potsdam übernimmt Wissenschaftsministerium
  5. Platzeck ernennt Martina Münch und Sabine Kunst zu Ministerinnen, Pressemitteilung vom 23. Februar 2011
  6. Märkische Oderzeitung, 15. Dezember 2014: Ministerin Kunst gehört jetzt zu SPD-Unterbezirk
  7. Anja Kühne: Sabine Kunst empfiehlt sich der Humboldt-Uni. In: Tagesspiegel, 12. Januar 2016.
  8. http://www.tagesspiegel.de/wissen/humboldt-universitaet-berlin-sabine-kunst-wird-neue-hu-praesidentin/12848698.html
  9. BlickPunkt Verlag: Kulturministerin Ministerin Kunst im Gespräch mit ihrer Schwester Bischöfin Fehrs - Nachrichten von BlickPunkt Brandenburg. In: blickpunkt-brandenburg.de. Abgerufen am 6. April 2016.
  10. Prof. Dr. Sabine Kunst von der Universität Potsdam ist "Hochschulmanagerin des Jahres 2010", in: Informationsdienst Wissenschaft vom 17. November 2010, abgerufen am 22. November 2010