Sabine Thurau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Sabine Thurau (* 1956[1]) ist eine deutsche Polizeibeamtin und Präsidentin des Hessischen Landeskriminalamtes.[2]

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thurau trat 1974 in den Kriminaldienst der hessischen Polizei ein, da zu dieser Zeit Frauen nicht in der Schutzpolizei eingesetzt wurden. Sie war dort als Sachbearbeiterin für Rauschgift- und Betrugsdelikte eingesetzt. Während eines Erziehungsurlaubs (heute Elternzeit) begann Thurau ein Studium der Rechtswissenschaften, das sie 1987 abschloss. Um das erforderliche Referendariat beginnen zu können, ließ sie sich aus dem Beamtenverhältnis entlassen. Nach Abschluss ihres Referendariats mit dem Zweiten Staatsexamen am Landgericht Frankfurt wurde sie in den Justizdienst des Landes Hessen übernommen. Sie übernahm die Position einer stellvertretenden Leiterin der Justizvollzugsanstalt Frankfurt IV.[3]

Im Jahr 1992 wechselte Thurau wieder zur Polizei Hessen, wo sie in den höheren Dienst übernommen wurde. Sie absolvierte einen Studienkurs an der Polizeiführungsakademie (jetzt Deutsche Hochschule der Polizei) in Münster-Hiltrup, bevor sie 1994 ein Kommissariat im Polizeipräsidium Frankfurt am Main übernahm. Von 1995 bis 1996 übernahm sie die Leitung der Kriminalinspektion in Hofheim am Taunus. Im August 1996 erfolgte eine Abordnung zum Hessischen Innenministerium, wo sie verschiedene Referentenstellen innehatte und daneben auch zur Gleichstellungsbeauftragten bestellt wurde.

Von 2002 bis Juli 2004 übernahm sie die Leitung der Abteilung „Kriminalitätsbekämpfung“ im Hessischen Landeskriminalamt (HLKA). Im August 2004 wechselte Sie als Abteilungsleiterin zurück in das Hessische Innenministerium. Am 1. Dezember 2005 wurde sie zur Polizeivizepräsidentin des Polizeipräsidiums Frankfurt am Main ernannt.

Zum 1. März 2010 wurde ihr die Leitung des Hessischen Landeskriminalamtes vom damaligen hessischen Innenminister Volker Bouffier übertragen.[4][5] Sie übernahm das Amt von Peter Raisch, der im Januar des Jahres an einem Herzinfarkt verstorben war. Diese Ernennung wurde wegen der fehlenden Ausschreibung von Berufsverbänden und Gewerkschaften kritisiert.[3]

Aufgrund der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen des Verdachts der uneidlichen Falschaussage wurde Thurau am 9. November 2010 auf eigenen Wunsch vorübergehend von ihren Aufgaben als Präsidentin des HLKA entbunden.[6][7] Thurau hatte im September 2009 vor dem Frankfurter Amtsgericht in einem Verfahren gegen einen wegen Spesenbetrugs angeklagten Beamten des Frankfurter Polizeipräsidiums ausgesagt.[8]

Nach einem Urteil des Landgerichts Frankfurt vom März 2011 in dem Rechtsstreit des Beamten gegen das Land Hessen auf die Zahlung von Schmerzensgeld habe Thurau als Frankfurter Polizeivizepräsidentin 2006 in einer Dienstbesprechung vor Kollegen mitgeteilt, dieser Beamte sei als Leiter der Fahndungsabteilung in „schwerste kriminelle Machenschaften verstrickt und werde nicht mehr in die Dienststelle zurückkehren.“ Die Darstellungen Thuraus ließen nach Auffassung des Landgerichts die erforderliche Rücksichtnahme auf die berechtigten Interessen des klagenden Beamten vermissen und verletzten seinen Anspruch auf soziale Anerkennung. Der Beamte sei – so das Landgericht – durch die Sätze Thuraus stigmatisiert und in seinem Ansehen erheblich beschädigt worden. Thurau habe demnach den ihr unterstellten Beamten „vorverurteilt“ und gegen die Unschuldsvermutung verstoßen. Das Gericht hat dem klagenden Beamten ein Schmerzensgeld zugesprochen. Weitergehende Rechtsverletzungen hat das Gericht nicht anerkannt.[9]

Thurau war im Juni 2011 vom hessischen Innenminister Boris Rhein beschieden worden, die beamtenrechtliche Probezeit nicht bestanden zu haben.[10] Das Innenministerium gab an, dass sich Thurau selbst zu der festgestellten „Nichtbewährung“ äußern kann, bevor die Entscheidung endgültig feststeht.[11][10] Der Anwalt Thuraus kritisierte die in diesem Zusammenhang gemachte Äußerung von Innenminister Rhein, „Eine Rückkehr [von Thurau] an die LKA-Spitze ist definitiv ausgeschlossen“[10], wegen der fehlenden Anhörung als Vorverurteilung zu wertende Behauptung.[12]

Am 19. August 2011 wurde Thurau von Innenminister Rhein endgültig beschieden, dass sie nicht mehr an die Spitze des Hessischen Landeskriminalamt zurückkehrt. Ihre Amtszeit endete mit dem 30. September 2011.[13] Thurau hat diese Entscheidung vor dem Verwaltungsgericht Wiesbaden angefochten und Recht erhalten. Dieses Urteil wurde im Dezember 2012 vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof bestätigt.[14]

Thurau ist seit dem 25. September 2013 wieder im Amt.[2]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sabine Thurau setzt auf Rede statt Streit. Offenbach Post, 24. März 2009, abgerufen am 15. Juni 2010.
  2. a b Zu Unrecht entlassene LKA-Chefin wieder im Amt. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. September 2013, abgerufen am 4. Dezember 2013.
  3. a b Katharina Iskandar: Erste Polizistin und Mutter. Frankfurter Allgemeine Zeitung, abgerufen am 17. November 2010.
  4. Innenminister Volker Bouffier führt neue LKA-Präsidentin ins Amt ein. (Nicht mehr online verfügbar.) Pressestelle des hessischen Ministerium des Innern und für Sport, ehemals im Original; abgerufen am 26. Juni 2011.@1@2Vorlage:Toter Link/www.hessen.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  5. Sabine Thurau wird LKA-Präsidentin. Frankfurter Rundschau, 9. Februar 2010, abgerufen am 17. November 2010.
  6. Sabine Thurau von Aufgaben entbunden. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. November 2010, abgerufen am 17. November 2010.
  7. Matthias Bartsch: Polizei-Affäre: Hessischer Intrigantenstadl. Spiegel online, 3. November 2010, abgerufen am 17. November 2010.
  8. Staatsanwaltschaft ermittelt gegen LKA-Chefin Thurau. Die Welt online, abgerufen am 26. Juni 2011.
  9. Urteil zum Mobbingprozess: Schwere Vorwürfe gegen LKA-Chefin. Frankfurter Rundschau online, abgerufen am 15. Juni 2011.
  10. a b c Umstrittene LKA-Chefin Thurau muss gehen. Spiegel online, 15. Juni 2011, abgerufen am 27. Juni 2011.
  11. Ende einer Probezeit. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. Juni 2011, abgerufen am 15. Juni 2011.
  12. Ministerium relativiert Aussage im Fall Thurau. Frankfurter Allgemeine Zeitung online, abgerufen am 26. Juni 2011.
  13. Frühere LKA-Präsidentin: Rhein entlässt Thurau endgültig. Hessischer Rundfunk, 19. August 2011, abgerufen am 20. August 2011.
  14. Thurau darf und will wieder zurück. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. Dezember 2012, abgerufen am 30. Januar 2013.