Sachar Prilepin

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Sachar Prilepin (2012)

Sachar Prilepin (russisch Захар Прилепин, Pseudonym von Jewgeni Nikolajewitsch Prilepin (russisch Евгений Николаевич Прилепин); * 7. Juli 1975 in Rjasan, Sowjetunion) ist ein russischer Schriftsteller, Redakteur und informelles Mitglied der verbotenen Gruppierung Nationalbolschewistische Partei Russlands.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prilepins Vater ist Hochschulprofessor, seine Mutter Krankenschwester. Er studierte Philologie und Linguistik an der Lobatschewski-Universität Nischni Nowgorod. Er übte verschiedene Tätigkeiten aus, bevor er Mitglied der Polizeieinheit OMON wurde und mit dieser in den Jahren 1996 und 1999 in Tschetschenien an Antiterroreinsätzen teilnahm. In dieser Zeit stieß er zu den Nationalbolschewiken, die seit 2005 durch Gerichtsbeschluss als verfassungsfeindliche Organisation verboten sind.

2004 nahm Prilepin an zwei Schreibseminaren teil. Seit dieser Zeit ist er schriftstellerisch tätig. Einige seiner Veröffentlichungen wurden bisher preisgekrönt. In seinem Wohnort Nischni Nowgorod gehörte er 2010 zu den Organisatoren eines Protestmarsches gegen die Regierenden. Er gehörte zu den 34 Erstunterzeichnern des Manifests gegen Wladimir Putin mit dem Titel Putin muss gehen aus dem März 2010.

Im Februar 2017 übernahm er die Funktion eines stellvertretenden Bataillonskommandeurs in der international nicht anerkannten „Volksrepublik Donezk“.[1][2] Zuvor war er bereits einige Jahre als Berater des Volksrepublikführers Sachartschenko tätig.[3]

Zwischenzeitlich war Prilepin für die Zeitung Nowaja Gazeta tätig. Mittlerweile lebt Prilepin mit Frau, zwei Söhnen und zwei Töchtern in Donezk (Region Donbass).[4]

Mitte Februar 2017 stellte er in Moskau sein Buch Platoon. Officers and rebels of Russian Literature vor. Es soll von Literaten handeln, die auch mit der Waffe umgingen – von Derschawin bis Puschkin. Gleich danach zog der Autor an die Frontlinie bei Donezk, um gegen das Ukrainische Regime zu kämpfen, wie er offen erklärte.[5] Daraufhin hat ihm sein deutscher Verlag den Vertrag gekündigt.[6] Prilepin hat sich für die Propaganda anerboten[7] und bezeichnet sich selber offen als Imperialisten.[8] Im März 2018 erschien er auf dem Pariser Salon des livres und stritt dort aus dem Publikum heraus mit Ukrainern, im Oktober des gleichen Jahres trat er auch auf der Frankfurter Buchmesse auf.

Auszeichnungen und Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2006: Nominiert für den Russischen Booker-Preis für sein Buch Patologii.
  • 2008: Nationaler Bestseller-Preis für sein Buch Grech (Sünde).
  • 2009: Bunin-Preis für Terra Tartarara. Eto kassajetsja litschno menja (Terra Tartarara. Es betrifft mich persönlich).

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2005: Patologii. Roman. Andrejewski Flag, Moskau; als E-book: In russischer Sprache.
  • 2006: Sankya. Roman. Ad Marginem, Moskau
  • 2007: Grech i drugie raskasy. Roman. Vargius, Moskau.
  • 2008: Botinki polnyje gorjazej wodkoj. Erzählung. (Schuhe mit heißem Wodka). AST, Moskau.
  • 2008: Wojna, Erzählung. (Ein Krieg), AST, Moskau.
  • 2008: Ja prischol is Rossii. Essay. (Ich komme aus Russland). Limbus Press, Moskau.
  • 2009: Terra Tartarara. Eto kassajetsja litschno menja (Sbornik essje). Essay. (Terra Tartarara. Es betrifft mich persönlich). AST, Moskau, ISBN 978-5-17-058382-9.
  • 2009: Immjeniny serdza. Rasgowory s russkoj literaturoj. (Geburtstag des Herzens: Gespräch über die russische Literatur). AST, Moskau, ISBN 978-5-17-058381-2.
  • 2010: Revolution/sostavitel, AST Astrel, Moskau, ISBN 978-5-17-061308-3.
  • 2010: Leonid Leonow: Igra jego byla ogromna. (Leonid Leonow: Sein Spiel war großartig). Molodaja Gwardija, Moskau.
  • 2012: Knigozjot. (Der Buchliebhaber). Astrel, Moskau.
  • 2012: Tschernaja obez'jana. Roman. (Der schwarze Affe). AST, Moskau, ISBN 978-5-17-073246-3.
  • 2012: Essai im Fotoband von Igor Muchin: Mein Moskau. Fotografien 1985-2010. Benteli, Bern, ISBN 978-3-7165-1722-2.
  • 2014: Obitjel (Heimstatt), Roman. AST, Moskau.

Schauspielfassungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Захар Прилепин стал замкомандира одного из подразделений ДНР. RIA Novosti, 13. Februar 2017, abgerufen am 13. Februar 2017 (russisch).
  2. Kiew erobern, aus Liebe zur Ukraine in FAZ vom 15. Februar 2017, S. 12
  3. Захар Прилепин собрал в ДНР свой батальон. Komsomolskaja Prawda, abgerufen am 13. Februar 2017 (russisch).
  4. Literaturnaya gazeta, 14.2. – 20.2.2018, Nr. 7(6631), S. 8–9.
  5. Von der Sehnsucht nach politischen Eltern orf.at, 20. März 2017, abgerufen 20. März 2017.
  6. Literaturnaya gazeta, 14.2. – 20.2.2018, Nr. 7(6631), S. 8–9.
  7. Die Lehren des russischen Sachar Prilepin, Echo Moskau, 21. Dezember 2017; "Er wurde auch für die Propagandafront rekrutiert. Das heißt, er hat sich selbst eingetragen"
  8. Der Schriftsteller mit der Kalaschnikow, SRF Kulturplatz, 19. April 2017
  9. Mit der Mayonnaise-Bombe aufs russische Staatsoberhaupt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. Dezember 2012, S. 31.
  10. Der Russe ist einer, der das Chaos liebt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. Dezember 2013, S. 38.