Sachsen-Coburg-Koháry

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Das Haus Sachsen-Coburg-Koháry ist eine Sekundogenitur des Hauses Sachsen-Coburg-Saalfeld und wurde durch die Heirat von Ferdinand Georg von Sachsen-Coburg-Saalfeld mit Prinzessin Maria Antonie Gabriele aus der ungarischen Magnatenfamilie Koháry begründet[1].

Familiengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 2. Jänner 1816 heiratete Ferdinand Georg, der zweite Sohn des Herzogs Franz Friedrich von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1750–1806), Offizier im österreichischen Militär, im Wiener Stephansdom Maria Antonia Koháry, die alleinige Erbin der Koháry Güter in Ungarn und Österreich[2]. Im Jahre 1818 trat Ferdinand zum katholischen Glauben über und begründete die in Österreich ansässige katholische Linie des Hauses Sachsen-Coburg[3]. 1831 nahm Ferdinand Georg als Fideikommissherr der Sachsen-Coburg-Koharyschen Güter den Titel Herzog an[4]. Nach der Heirat des ältesten Sohns Ferdinand mit der Königin Maria von Portugal wurde mit dem Bau des Palais Coburg als repräsentativen Familiensitzes in Wien begonnen.

Die Portugiesische Linie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Eheschließung des ältesten Sohns Ferdinand mit der Königin Maria von Portugal im Jahre 1836 wurde Linie Coburg-Braganza begründet die bis 1910 den Thron Portugals innehatte.

Die herzogliche Linie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1831 hatte Ferdinand Georg als Fideikommissherr der Sachsen-Coburg-Koharyschen Güter auch den Herzogstitel angenommen[5]. Nach seinem Tod übernahm der zweitgeborene Sohn August Titel und Familienbesitz. 1843 heiratete er Prinzessin Clementine d’Orléans (1817–1907), die Tochter König Louis-Philippe I. 1860 stiftet er die Kirche St. Augustin in Coburg als Grablege des katholischen Familienzweigs. Prinz Philipp von Sachsen-Coburg, der älteste Sohn, folgte seinem Vater nach. 1921 vererbt er Titel und Besitz an seinen Großneffen Philipp Josias von Sachsen-Coburg und Gotha (1901–1985).

Die brasilianische Linie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludwig August von Sachsen-Coburg (1845–1907), der zweitgeborene Sohn von Prinz August und Clementine von Orleans, heiratete 1864 in Rio de Janeiro Prinzessin Leopoldina von Brasilien, eine Tochter von Kaiser Peter II.[6] Der älteste Sohn Peter (1866–1934) war kaiserlich brasilianischer Thronfolger. Nach dem Sturz der brasilianischen Monarchie kehrte die Familie nach Europa zurück. Der zweitälteste Sohn August Leopold (1867–1922) trat in die österreichische Marine ein und heiratete Erzherzogin Karoline von Österreich-Toskana (1869–1945). Sein Sohn Philipp Josias von Sachsen-Coburg und Gotha (1901–1985) beerbte 1921 seinen Großonkel Prinz Philipp von Sachsen-Coburg[7]. Seine Nachfahren leben noch heute in Österreich.

Die bulgarische Linie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ferdinand (1861–1948), jüngster Sohn von August (1818–1881) und Clementine d’Orléans (1817–1907) wurde 1885 zum Fürsten von Bulgarien gewählt. 1908 nahm er den Titel Zar von Bulgarien an. 1918 trat er zugunsten seines Sohnes Boris III. (1894–1943) zurück und ging ins Exil nach Coburg. Nach dem Tod von Boris führte dessen jüngerer Bruder Kyrill (1895–1945) die Regentschaft für seinen minderjährigen Neffen Simeon II. (* 1937). Doch nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen am 9. September 1944 und der Machtübernahme durch die Kommunisten wurden die Mitglieder des Regentschaftsrats zum Tode verurteilt und im Februar 1945 hingerichtet, jedoch blieb Simeon zunächst König. Nach einer entsprechend gelenkten Volksabstimmung im Jahre 1946 entschieden sich die Bulgaren mit 3,8 Millionen gegen nur 200.000 Stimmen für die Republik. Die Abschaffung der Monarchie zwang die königliche Familie zur Flucht.

Stammliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Maria Antonie Gabriele von KoháryFerdinand Georg August von Sachsen-Coburg-Saalfeld-Koháry (1785–1851), Begründer des Hauses Sachsen-Coburg-Gotha-Koháry
    1. Ferdinand II. (1816−1885), König von Portugal ∞ 1. 1836 Königin Maria II. von Portugal (1819–1853), 2. ∞ 2. 1869 Elise Friederike Hensler (1836–1929), „Gräfin von Edla“ 1869
      1. Peter V. (1853–1861)
      2. Ludwig I. (1861–1889)
        1. Karl I. (1889–1908)
          1. Ludwig Philipp (* 21. März 1887; † 1. Februar 1908)
          2. Emanuel II. (1908–1910)
    2. August (1818–1881) ∞ 1843 Prinzessin Clementine d’Orléans (1817–1907)
      1. Philipp (1844–1921) ∞ 1875 Prinzessin Louise von Belgien (1858–1924)
        1. Leopold (1878–1916)
        2. Dorothea (1881–1967) ∞ 1898 Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein (1863–1921)
      2. August (1845–1907), kaiserlich brasilianischer Admiral ∞ Prinzessin Leopoldina von Brasilien (1847–1871)
        1. Peter (1866–1934)
        2. August Leopold (1867–1922) ∞ 1894 Erzherzogin Karoline von Österreich-Toskana (1869–1945)
          1. August Clemens Karl (1895–1908)
          2. Klementine Maria (1897–1975) ∞ 1925 Eduard von Heller (1877–1970)
          3. Maria Karoline (1899–1941)
          4. Rainer Maria Joseph (1900–1945) ∞ 1. 1930 (gesch. 1935) Johanna Károlyi de Károly-Patty (1906–1992), ∞ 2. 1940 Edith de Kózol (1913–1997)
          5. Philipp Josias (1901–1985) ∞ 1944 Sarah Aurelia Hálasz (1914–1994)
            1. Philipp August von Sachsen-Coburg und Gotha (1944–2014)[8], vier Kinder als Nachkommen
          6. Theresia Christiana (1902–1990) ∞ 1930 Freiherr Lamoral Taxis von Bordogna und Valnigra (1900–1966)
            1. Tasso von Sachsen-Coburg und Braganza
          7. Leopoldine Blanka (1905–1978)
          8. Ernst Franz (1907–1978) ∞ 1939 Irmgard Röll (1912–1976)
        3. Joseph (1869–1888)
        4. Ludwig (1870–1942) ∞ 1. 1900 Prinzessin Mathilde von Bayern (1877–1906), ∞ 2. 1907 Gräfin Anna von und zu Trauttmansdorff-Weinsberg (1873–1948)
          1. Antonius (* 17. Juni 1901 in Innsbruck; † 1. September 1970 in Haar) ∞ 14. Mai 1938 Luise Marie Mayrhofer, ohne Kinder
          2. Maria Immaculata (* 10. September 1904 in Innsbruck; † 18. März 1940 in Varese), unverheiratet
          3. Josephine Maria Anna (* 20. September 1911; † 27. November 1997) ∞ 12. Mai 1937 Richard Friedrich Baron von Baratta-Dragano; geschieden am 23. Februar 1945, zwei Kinder als Nachkommen
      3. Clotilde (1846–1927) ∞ 1864 Erzherzog Joseph Karl Ludwig von Österreich (1833–1905)
      4. Amalie (1848–1894) ∞ 1875 Herzog Max Emanuel in Bayern (1849–1893)
      5. Ferdinand (1861–1948), der spätere Fürst und Zar von Bulgarien ∞ 1. 1893 Prinzessin Marie Louise von Bourbon-Parma (1870–1899), ∞ 2. 1908 Prinzessin Eleonore Reuß zu Köstritz (1860–1917)
        1. Boris III. (1894–1943)
          1. Marie Louise, Prinzessin von Koháry (* 1933) ∞ (I) 1957 Karl, Prinz zu Leiningen ∞ (II) 1969 Bronislaw Chrobok
            1. (I) Prinz Boris zu Leiningen
            2. (I) Prinz Hermann zu Leiningen
            3. (II) Prinzessin Alexandra (Chrobok) von Kohary [9]
            4. (II) Prinz Pawel (Chrobok) von Kohary [10]
          2. Simeon (* 1937)
            1. Kardam (1962–2015) ∞ Miriam de Ungria (* 1963)
              1. Boris (* 1997)
              2. Beltran (* 1999)
            2. Kiril (* 1964) ∞ Rosario Nadal de Puigdorfila (* 1968)
              1. Mafalda (* 1994)
              2. Olympia (* 1995)
              3. Tassilo (* 2002)
            3. Kubrat (* 1965) ∞ Carla Royo-Villanova (* 1969)
              1. Mirko (* 1995)
              2. Lukas (* 1997)
              3. Tirso (* 2002)
            4. Konstantin-Assen (* 1967) ∞ Maria Gracia de la Rasilla (* 1970)
              1. Umberto (* 1999)
              2. Sofia (* 1999)
            5. Kalina (* 1972) ∞ Antonio „Kitín“ Muñoz Valcárcel (* 1958)
              1. Simeon Hassan Muñoz (* 2007)
        2. Kyrill (1895–1945)
        3. Eudoxia Auguste Philippine (1898–1985)
        4. Nadeshda Klementine Maria Pia Majella (1899–1958), heiratete am 24. Januar 1924 in Bad Mergentheim Albrecht Eugen Herzog von Württemberg
    3. Viktoria (1822–1857) ∞ 1840 Louis d’Orléans, duc de Nemours (1814–1896)
    4. Leopold (1824–1884) ∞ 1861 Konstanze Geiger (1835–1890) „Freifrau von Ruttenstein“ 1862

Besitzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fideikommiss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Haus Sachsen-Coburg-Koháry hatte in Niederösterreich, Ungarn und der heutigen Slowakei umfangreichen Grundbesitz mit Gütern, Wäldern, Bergwerken und Fabriken. Mit etwa 145.000 Joch, entspricht 83.000 Hektar, waren die Coburger bis zum Ende des Ersten Weltkriegs die drittgrößten Landbesitzer in Ungarn[11]. Der Besitz war in zwei Fideikomissen zusammengefasst. Durch die reichen Erträge aus den Besitzungen wurde die von Ferdinand Georg von Sachsen-Coburg begründete katholische Linie finanziell vom regierenden Herzogshaus in Coburg völlig unabhängig. Als äußeres Zeichen führten die Fideikommissherren den Titel Herzog.

Beim Tod des Fürsten Franz Joseph 1826 fielen die Koháryschen Manneslehen an den Kaiser zurück und wurden von diesem im Jahre 1831 an Ferdinand Georg für seine Verdienste als General der Kavallerie geschenkt. Dieser stiftete im gleichen Jahr mit diesem Grundvermögen den Prinz Ferdinand Coburgschen Fideikommiss. Durch seine Frau Maria Antonia Koháry kam er auch in den Besitz des 1723 von Stephan II. Koháry gestifteten Gräflich Koháryschen Fideikommisses. In seinem Testament bestimmte Prinz Ferdinand Georg dass beide Fideikommisse in Personalunion zu führen sind. Wegen einer Bestimmung in der Stiftungsurkunde des Gräflich Koháryschen Fideikommisses musste der Inhaber desselben katholisch sein.[12]

Schlösser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grablegen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ferdinand Georg und seine Frau Maria Antonia Koháry liegen im Herzoglichen Mausoleum im Friedhof am Glockenberg in Coburg begraben. Ihr Sohn August stiftete 1860 die Kirche St. Augustin in Coburg und ließ dort eine neue Grablege für sich und seine Familie anlegen. 15 Mitglieder des Hauses sind dort beigesetzt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. August Wilpert: Kurze Geschichte der katholischen, sog. "Koháry"-Linie des Herzoglichen Hauses Sachsen-Coburg und Gotha, München 1990, http://gateway-bayern.de/BV014584282
  2. http://www.kuk-wehrmacht.de/biograph/b0003scsk.html
  3. Conversations-Lexikon der Gegenwart, Band 9, Seite 29
  4. August Wilpert: Kurze Geschichte der katholischen, sog. "Koháry"-Linie des Herzoglichen Hauses Sachsen-Coburg und Gotha, München 1990, Seite 4, http://gateway-bayern.de/BV014584282
  5. August Wilpert: Kurze Geschichte der katholischen, sog. "Koháry"-Linie des Herzoglichen Hauses Sachsen-Coburg und Gotha, München 1990, Seite 4, http://gateway-bayern.de/BV014584282
  6. Friedrich Maximilian Oertel: Das Jahr 1858-66, 1859, S. 42
  7. Josef Tafler, Rudolf Eisler: Mitteilungen aus dem Publikum. (…) Erklärung. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 21711/1925, 22. Februar 1925, S. 10 Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp
  8. http://koeniglicherbeobachter.blogspot.co.at/2014/09/philipp-august-prinz-von-sachsen-coburg.html
  9. http://www.angelfire.com/realm/gotha/gotha/bulgaria.html
  10. http://www.angelfire.com/realm/gotha/gotha/bulgaria.html
  11. http://www.gda.bayern.de/uploads/media/staco_kohary_001_2009.pdf Seite 4
  12. August Wilpert: Kurze Geschichte der katholischen, sog. "Koháry"-Linie des Herzoglichen Hauses Sachsen-Coburg und Gotha, München 1990, Seite 3f., http://gateway-bayern.de/BV014584282
  13. http://www.edelenyikastelysziget.hu/kastely

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: House of Saxe-Coburg-Kohary – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien