Sachsenplatz (Leipzig)

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Leipziger Innenstadt um 1913

Der Sachsenplatz war von 1969 bis 2002 die offizielle Bezeichnung der Fläche zwischen der Reichs- und Katharinenstraße in der Innenstadt Leipzigs südlich vom Brühl.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Trümmern geräumte Fläche zwischen Katharinenstraße und Reichsstraße, Blickrichtung Nikolaikirche (1951)

Bei dem Luftangriff auf Leipzig vom 4. Dezember 1943 der britischen Royal Air Force wurden die Häuserzeilen des bis dahin dicht bebauten Gebietes weitestgehend zerstört. In den Jahren nach Kriegsende wurden die Ruinen beräumt, anschließend lag die Fläche lange Zeit brach. Nördlich eingefasst durch den Brühl, entstand in den Jahren 1961 bis 1964 die südliche Begrenzung durch einen sechsgeschossigen Wohnbau oberhalb des Salzgäßchens.

1968 wurde die konkrete städtebaulich-architektonische Neugestaltung des Platzes beschlossen, die Grundsteinlegung fand am 4. März 1969 statt.[1] Das Böttchergäßchen, vor der kriegsbedingten Zerstörung des Gebietes eine Verbindung zwischen Reichs- und Katharinenstraße, wurde bei der neuen Konzeption nicht mehr berücksichtigt.

Springbrunnen und Informationszentrum „Leipzig-Information“ auf dem Sachsenplatz
Springbrunnen

Auf dem nördlichen Teil des Areals wurde innerhalb von sieben Monaten das Informationszentrum der Stadt Leipzig (Leipzig-Information) mit touristischen Angeboten, einem Ausstellungs- sowie einem Konferenzbereich errichtet. Das von den Architekten Horst Krantz, Hans Großmann und Klaus Burtzig entworfene zweigeschossige Gebäude war durch fächerartig versetzte Dachbinder und eine fast völlig verglaste Fassade gekennzeichnet.[2] Vor dem Informationszentrum entstand eine große Freifläche, umrahmt von drei Pavillons für Ausstellungszwecke auf der östlichen und kleineren Grünanlagen und Wasserspielen auf der westlichen Seite. Die drei aus sich überschneidenden geometrischen Grundformen bestehenden Plastiken in den Springbrunnen wurden 1972 von Harry Müller geschaffen. Im Mai 2013 wurden die Brunnenskulpturen restauriert wieder Betrieb genommen und stehen seitdem auf dem Richard-Wagner-Platz. Ebenfalls auf der westlichen Seite des Platzes befand sich eine vom Leipziger Bildhauer Herbert Viecenz geschaffene Säule mit Keramikummantelung, auf der Ereignisse der Leipziger Stadtgeschichte dargestellt waren. Die Säule ging bei den Abrissarbeiten des Leipziger Informationszentrums verloren.

An die ursprünglich historische Bebauung des Gebietes erinnerte lediglich die größtenteils rekonstruierte Katharinenstraße als westliche Begrenzung. Die Benennung Sachsenplatz (als Würdigung der Sachsen in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung) trat am 9. Mai 1969 in Kraft,[3] die offizielle Einweihung des Platzes fand am 7. Oktober 1969 zum 20. Jahrestag der DDR statt.

Im Jahr 1996 führte das Planungs- und Baudezernat der Stadt Leipzig die sogenannte Städtebauwerkstatt Sachsenplatz durch, um zu erörtern, ob und wie der Platz als neuer Standort des zu dem Zeitpunkt interim untergebrachten Museums der bildenden Künste in Betracht kommen könnte. Der Sachsenplatz wurde als Standort empfohlen, im gleichen Jahr schloss sich die Ratsversammlung der Empfehlung an.

Museum der bildenden Künste (noch ohne umschließende Glashülle)
Keramiksäule mit der Darstellung von Szenen aus der Geschichte Leipzigs
Hartmann-Skulpturen am Katharinum
Tourist-Info Leipzig Linke Figur.jpg
Tourist-Info Leipzig Rechte Figur.jpg


Mit der kompletten Neubebauung des Sachsenplatzes wurde nach einer europaweiten Ausschreibung 1999 begonnen, im Jahr 2004 wurden sowohl das quaderförmige Museum der bildenden Künste (Entwurf: Karl Hufnagel, Peter Pütz und Michael Rafaelian, Berlin) im Zentrum des Platzes als auch der Neubau des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzigs (Entwurf: Ulrich Coersmeier, Architekturbüro Ilg Friebe Nauber, Köln und Leipzig) als erster Teil der Blockrandbebauung des Areals an der Ecke Reichsstraße/Böttchergäßchen eröffnet. Am 6. Mai 2011 folgte das Wohn- und Geschäftshaus Katharinum (Entwurf: Gregor Fuchshuber, Leipzig), gelegen an der Ecke Böttchergäßchen/Katharinenstraße. In die Stirnseite des Eckgebäudes in der Katharinenstraße wurden zwei restaurierte Skulpturen von Johannes Hartmann integriert. Die originalgetreuen Nachbildungen nach historischem Vorbild waren ursprünglich am Jöcherschen Haus (Markt 2) zu finden.[4]

Zum 1. August 2002 wurde der Name Sachsenplatz offiziell aufgehoben, einige Wochen zuvor das Böttchergäßchen als Straßenname neu benannt.[5] Im Leipziger Volksmund ist der Begriff Sachsenplatz für das ehemals so bezeichnete Areal noch immer weit verbreitet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sachsenplatz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Leipziger Volkszeitung vom 5. März 1969
  2. Wolfgang Hocquél (Hrsg.): Leipzig. Kunstgeschichtliche Städtebücher. 3. Aufl. Seemann, Leipzig 1990, S. 199–200
  3. Klank, Gina (u. a.). Lexikon Leipziger Straßennamen. Verlag im Wissenschaftszentrum. Leipzig 1995, S. 185
  4. Leipziger Volkszeitung vom 7./8. Juni 2011, S. 117
  5. Stadt Leipzig (Hrsg.): Straßenabschnittsverzeichnis 2003. Leipzig 2003, S. 81

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stadt Leipzig (Hrsg.). Städtebauwerkstatt Sachsenplatz. Dokumentation. Leipzig 1996
  • Stadt Leipzig (Hrsg.). Museum der bildenden Künste. Realisierungswettbewerb. Beiträge zur Stadtentwicklung 19. Leipzig 1998

Koordinaten: 51° 20′ 32,6″ N, 12° 22′ 32,8″ O