Safiental

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zur gleichnamigen Gemeinde siehe Safiental GR.

Das Safiental (romanisch Val Stussavgia) ist ein Tal im schweizerischen Kanton Graubünden. Es erstreckt sich heute als Gemeinde Safiental in nord-südlicher Richtung von der Einmündung der Rabiusa in den Vorderrhein bis zum Safierberg am Übergang nach Splügen. Es umfasst 151 km². Bis zur Vereinigung der früheren Gemeinde Safien mit Tenna in 2013 endete das Safiental im Norden schon am Aclatobel bzw. am südlichen Ende der schon 1015 als "vallis Versamia" genannten lange unwegsamen Versamer Schlucht der Rabiusa.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich wurde das Tal von Romanen vorwiegend alpwirtschaftlich genutzt, was sich in vielen alten Flurnamen zeigt. Allerdings wurden in der Gegend bis zurück in die Bronzezeit Einzelfunde zumindest von Begehung gemacht, was angesichts der bronzeitlichen Wehrsiedlung Crestaulta in der Val Lumnezia zwischen Surin und Vrin nicht überrascht.

Das eigentliche Safiental wird unter dem Namen "Stosavia" erst 1314 als bischöfliches Lehen der Freiherren von Vaz erwähnt. Diese förderten damals in mehreren ihrer wenig besiedelten Besitzungen die Ansiedlung deutschsprachiger Walser. Diese organisierten sich hier in vier "Bürden" Nachbarschaften, von Süden nach Norden: Malönnia (heute Talkirch), Camana (heute noch so), Zalön (heute Safien-Platz und Alpsiedlung) und Gün mit Salpänna (heute Neukirch).

Die Grundherrschaft ohne Tenna gehörte dabei dem über den Glaspass erreichbaren Kloster Cazis, dem bis zur Reformation auch die seelsorgerliche Betreuung oblag wie zum Beispiel 1510 der Neubau der älteren Kirche in Safien-Platz. Tenna dagegen war ursprünglich eine über das "Tenner Chrüz" erreichbare Alp des Dorfes Valendas in der Herrschaft Rhäzüns.

Als ab dem Ende des 12. Jahrhunderts die Walser vom Oberwallis aus ins Bündnerland einwanderten, wurde auch das Safiental bis Versam von ihnen zunehmend besiedelt. 1338 kam die Vogtei über das Safiental an die Grafen von Werdenberg-Sargans, 1383 an die Freiherren von Rhäzüns, 1443 wieder an die Werdenberg-Sargans und nach einem grössere Freiheiten der Talleute garantierenden Schirmbrief von 1450 im Jahre 1493 an den Grafen Gian Giacomo Trivulzio aus Mailand. 1523, relativ früh im schweizerischen Vergleich, begann die Reformation im Safiental mit der verstärkten Ablösung der geistlichen Grundherrschaft vor allem des Klosters Cazis. Aber erst 1696 konnten die Talleute der vier Bürden von Safien (ohne Tenna) die letzten externen Hoheitsrechte ablösen.

Die unterschiedliche Ausrichtung der vier Bürden im Süden und von Tenna widerspiegelte sich auch bis Untergang der Alten Eidgenossenschaft in der Zugehörigkeit der ersteren nach Osten zum gemeinsamen Hochgericht mit Heinzenberg und Thusis, während Tenna als Teil der Herrschaft Rhäzüns zum Hochgericht Gruob im Norden gehörte.

Heutige Besiedlung und Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den beiden letzten Jahrhunderten hatte das Tal vor allem unter dem Bevölkerungsverlust infolge von Auswanderung zu leiden. So lebten im Jahr 1850 in den vier Gemeinden insgesamt 1798 Personen, 1980 nur noch 994. Inzwischen ist diese Entwicklung gestoppt und die Bevölkerungszahl liegt bei über 1000 Personen.

Heute lebt das Tal vorwiegend von Berglandwirtschaft, Wasserzinsen, Tourismus sowie Unterstützungszahlungen von Bund, Kanton und Patengemeinden. Ein weit verzweigtes Strassen- und Stromnetz, etliche Wasserversorgungen und Abwasserreinigungsanlagen müssen unterhalten werden.[1]

Auf den 1. Januar 2013 fusionierten die bisher eigenständigen Gemeinden Safien, Tenna und Versam, sowie das ausserhalb des Safientals gelegene Valendas zur neuen Gemeinde Safiental.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Safiental gehört das Gebiet der bis Ende 2012 eigenständigen Gemeinden Safien, Tenna und Versam, sowie der südwestliche Teil der Gemeinde Bonaduz (Weiler Scardanal und Alp Sut).

Im hinteren Safiental bei Thalkirch liegt das Ausgleichsbecken Wanna, welches zum Einzugsgebiet der Kraftwerke Zervreila AG gehört und durch einen Überleitstollen mit dem Zervreilasee im Valser Tal verbunden ist. Dieses Nutzwasser gelangt danach in das tiefergelegene Ausgleichsbecken bei Safien-Platz und wird anschliessend in die Zentrale Rothenbrunnen übergeleitet, wo Strom erzeugt wird. Die zum Einzugsgebiet gehörenden Flüsse Rabiusa und Carnusa sowie der Stausee Egschi wurden ebenfalls in die Werkgruppe integriert. Nach der Verarbeitung in Rothenbrunnen wird das Nutzwasser dem Hinterrhein zugeführt.

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Wiesen im Safiental konnten aufgrund ihrer topologischen Lage nicht intensiv bewirtschaftet werden. Dank Subventionen blieben diese bis heute erhalten und unberührt. Auf den Fettwiesen wachsen Blumen wie die Trollblume, Anemonen, verschiedene Orchideen und Enziane.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Bandli, Leonhard Bandli: Im Safiental. Walservereinigung Graubünden, 2002, ISBN 978-3-9052-4124-2
  • Konrad Buchli: Geschichten aus den Bergen. Erinnerungen eines Safiers. Walservereinigung Graubünden, 2005
  • Mattli Hunger: Ärdenkt und ärzellt. Sòòfier Gschichtä vo äsiä und hüt. Walservereinigung Graubünden, 2008, ISBN 978-3-909210-02-2
  • Barbara Steinmann, Elisabeth Bardill, Maria Hunger-Fry: Safiental – Ruinaulta. Vom Safierberg zur Rheinschlucht. Verlag Terra Grischuna, Chur 2008, ISBN 978-3-7298-1152-2
  • Otto Wettstein: Anthropogeographie des Safientales, in: Jahresberichte der Geographisch-Ethnographischen Gesellschaft in Zürich, Band 10 (1909–1910), S. 1–112 (Digitalisat)
  • Mattli Hunger: Orts- und Flurnamen von Safien und Tenna, 2013, ISBN 978-3-033-03744-1

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Spielfilm The Hour of Living (UK/Schweiz, 2012) wurde mehrheitlich im Safiental gedreht, wobei insbesondere die Grossalp Piggamad, aber auch Z'hinderst, Bodaälpli und Alperschällihorn mit seinem Gletscherseeli prominente Schauplätze bieten.[2][3]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Safiental – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Janine Hosp: Ein Dorf will bleiben. Abgelegene Bergtäler sollen sich selbst überlassen werden, fordert Hotelleriesuisse-Präsident Andreas Züllig. Im Safiental kämpfen die Bewohner dafür, dass ihre Heimat auch in hundert Jahren noch lebt - mit einigem Erfolg. Tagesanzeiger, Tamedia Zürich, 13. August 2016, Seiten 37-38
  2. IMDb Eintrag für The Hour of Living Zugriff am 21. Februar 2013
  3. Offizielle Website The Hour of Living Zugriff am 21. Februar 2013

Koordinaten: 46° 42′ N, 9° 19′ O; CH1903: 744225 / 173450