Safinamid

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Strukturformel
Strukturformel von Safinamid
Allgemeines
Name Safinamid
Andere Namen

N2-{4-[(3-Fluorbenzyl)oxy]benzyl}-L-alaninamid (IUPAC)

Summenformel C17H19FN2O2
CAS-Nummer 133865-89-1
PubChem 131682
Eigenschaften
Molare Masse 302,34 g·mol−1
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine GHS-Piktogramme
H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Safinamid ist der internationale Freiname für einen experimentellen, noch nicht zugelassenen Wirkstoff zur Behandlung der Parkinson-Krankheit.[2] Chemisch gesehen handelt es sich um ein α-Aminoamid-Derivat.[3]

Wirkprinzip[Bearbeiten]

Safinamid ist ein Monoaminooxidase-B-Inhibitor (siehe Monoaminooxidase-Hemmer). Die Substanz soll als Dopamin- und Glutamat-Modulator wirken. Safinamid soll sowohl die selektive, als auch die reversible MAO-B-Hemmung, sowie die Blockade der Dopamin-Wiederaufnahme ermöglichen. In klinischen Studien konnte gezeigt werden, dass die beiden Schlüsselmechanismen zur Kontrolle der Dopamin-Konzentration im Gehirn – Glutamatausschüttung und die Dopamin-Wiederaufnahme durch Hemmung der MAO-B-Aktivität – beeinflusst werden können.[3] Zusätzlich zur reversiblen Inhibierung von MAO-B blockiert Safinamid die spannungsabhängigen Natrium- und Calciumkanäle.[4]

Im Falle einer Marktzulassung soll Safinamid als Begleittherapie zu Dopaminagonisten und Levodopa bei der Parkinson-Krankheit eingesetzt werden.[3]

Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten]

Safinamid wurde ursprünglich von dem italienischen Pharmaunternehmen Farmitalia Carlo Erba erfunden. (Pevarello, P; Bonsignori, A; Dostert, P; Heidempergher, F; Pinciroli, V; Colombo, M; McArthur, RA; Fariello, R.G., Post, C., Varasi, M (1998). "Synthesis and Anticonvulsant Activity of a New Class of 2-[(Arylalkyl)amino]alkanamide Derivatives". Journal of Medicinal Chemistry 41 (4): 579–590). 1993 wurde Farmitalia von Pharmacia übernommen. Zwei Jahre später schlossen sich Upjohn und Pharmacia zu Pharmacia & Upjohn zusammen. 1998 – die Firma hieß nun Pharmacia Corporation – erfolgte ein weltweites Restrukturierungsprogramm des Unternehmens, bei dem die neu gegründete Firma Newron Pharmaceuticals sämtliche Rechte an Safinamid (damals noch als PNU15774E bezeichnet) erhielt.[5] Newron vereinbarte 2006 mit der Merck KGaA, dass die weltweiten Exklusivrechte zur Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Safinamid an Merck gehen. Diese Exklusivrechte bezogen sich auf die Parkinson-Erkrankung, Alzheimer-Krankheit und andere Erkrankungen.[6] Am 21. Oktober 2011 gab Merck bekannt, dass das Unternehmen die Exklusivrechte im April 2012 an Newron zurückgeben wird. Begründet wurde die Entscheidung mit der Priorisierung von Projekten und einem – im Vergleich zu früheren Einschätzungen – geringeren Marktpotenzial von Safinamid.[7]

Aktuelle Situation der Zulassung[Bearbeiten]

Der erste Zulassungsantrag bei der FDA wurde Anfang August 2014 aufgrund von formalen Fehlern im Zulassungsantrag zurückgewiesen[8]. Der Antrag wurde Ende Dezember erneut bei der FDA eingereicht und befindet sich zur Zeit in der Prüfung[9]. Safinamid wurde im Dezember 2014 von der Europäischen Arzneimittel-Agentur zur Zulassung[10] empfohlen, welche von der Europäischen Kommission im Frühling 2015 gewährt wurde. Aktuell wird das Medikament unter dem Handelsnamen Xadago in Deutschland vertrieben. Ebenfalls wurde die Zulassung im April 2014 bei Swissmedic beantragt, eine allfällige Zulassung steht noch aus.

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Diese Substanz wurde in Bezug auf ihre Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  2. R. G. Fariello: Safinamide. In: Neurotherapeutics Band 4, Nummer 1, Januar 2007, S. 110–116, ISSN 1933-7213. doi:10.1016/j.nurt.2006.11.011. PMID 17199024. (Review).
  3. a b c Vielversprechende Daten zur kognitiven Wirkung von Safinamid bei Parkinson im Frühstadium. (PDF; 187 kB) Pressemitteilung der Merck Serono vom 8. Juni 2007
  4. C. Caccia, R. Maj, M. Calabresi, S. Maestroni, L. Faravelli, L. Curatolo, P. Salvati, R. G. Fariello: Safinamide: from molecular targets to a new anti-Parkinson drug. In: Neurology Band 67, Nummer 7 Suppl 2, Oktober 2006, S. S18–S23, ISSN 1526-632X. PMID 17030736. (Review).
  5. : Safinamide: FCE 26743, NW 1015, PNU 151774, PNU 151774E. In: Drugs in R&D Band 5, Nummer 6, 2004, S. 355–358, ISSN 1174-5886. PMID 15563241. (Review).
  6. Merck: Wichtigste Ergebnisse der Langzeitstudie mit Safinamid als Begleittherapie zu Levodopa bei Parkinson im fortgeschrittenen Stadium. Pressemitteilung der Merck KGaA vom 4. November 2010
  7. Merck KGaA gibt Safinamid-Rechte an Newron zurück. In: Berliner Morgenpost. Vom 21. Oktober 2011
  8. Newron Information über FDA Refusal to FileNewron Pressemitteilung vom 29. Juli 2014
  9. Newron Information über die erneute Einreichung des Zulassungsantrages für Safinamide bei der FDANewron Pressemitteilung vom 29. Dezember 2014
  10. Zusammenfassung des EPAR für die Öffentlichkeit - XadagoZusammenfassung der Xadago Zulassung von EMA
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!