Saint-Gobain (Aisne)

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Saint-Gobain
Wappen von Saint-Gobain
Saint-Gobain (Frankreich)
Saint-Gobain
Region Picardie
Département Aisne
Arrondissement Laon
Kanton Tergnier
Gemeindeverband Villes d’Oyse
Koordinaten 49° 36′ N, 3° 23′ OKoordinaten: 49° 36′ N, 3° 23′ O
Höhe 53–207 m
Fläche 29,73 km²
Einwohner 2.274 (1. Jan. 2013)
Bevölkerungsdichte 76 Einw./km²
Postleitzahl 02410
INSEE-Code
Website www.villedesaintgobain.com

Saint-Gobain im 18. Jahrhundert

Saint-Gobain ist eine französische Gemeinde mit 2274 Einwohnern (Stand 1. Januar 2013) in der Picardie im Norden Frankreichs.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saint-Gobain liegt 20 Kilometer west-nordwestlich von Laon und 30 Kilometer südlich von Saint-Quentin im Staatsforst von Saint-Gobain (forêt domaniale de Saint-Gobain).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name der Gemeinde geht auf einen irischen Mönch namens Goban zurück, der im 7. Jahrhundert in der Gegend unterwegs war, um sie zu missionieren.[1] Der Legende nach ruhte Goban, auf der Flucht vor heidnischen Verfolgern, sich im Wald aus und schlief ein. Als er aufwachte, stellte er fest, dass an der Stelle, wo er seinen Stock in die Erde gesteckt hatte, eine Quelle mit ausgezeichnetem Wasser sprudelte. Er beschloss, sich an diesem Ort, der heute Mont de l’ermitage (Einsiedelei-Hügel) genannt wird, niederzulassen. Der Überlieferung zufolge bewirkte er eine Reihe von Wunderheilungen in der Gegend, bis ihn seine Gegner schließlich gefangennahmen und am 20. Juni 670 enthaupteten. Die Stelle seiner Hinrichtung wurde in der Folgezeit zu einer Wallfahrtsstätte, um die herum sich das Dorf Saint-Gobain entwickelte.

Der Wald von St. Gobain war schon ein beliebtes Jagdgebiet Karls des Großen, dem Kaiser der Franken. Die Charles-Fontaine, während des Ersten Weltkriegs in „Karlsbrunnen“ umgetauft, in ihm erinnert an ihn. Die St. Lambert-Feste bei Fourdrain war seine Pfalz.

Im 13. Jahrhundert gelangte das Dorf in den Besitz der Adelsherren von Coucy (sires de Coucy). Einer von ihnen, Enguerrand III., baute eine Reihe von Burgen in der näheren Umgebung, darunter von 1226 bis 1242 die Burg von Saint-Gobain, eine große Burg mit fünf Türmen mit annähernd quadratischen Grundriss mit einer Seitenlänge von rund 100 m. Diese Burg wurde 1475 auf Befehl von König Ludwig XI. geschleift.

Zwei Jahrhunderte lang waren die Mauern dem Verfall anheimgegeben, bis sie 1692 Ludwig XIV. der Compagnie des Grandes Glaces als Produktionsstätte zur Verfügung stellte. Damit trat das Dorf in die europäische Industriegeschichte ein: 1830 nahm die Gesellschaft den Namen des Ortes an und wurde zur Compagnie de Saint-Gobain, der Vorläuferin des heutigen Weltkonzerns. Bereits zuvor, im 18. Jahrhundert, wurde das Dorf zu einem Zentrum der europäischen Glasproduktion, dank neuer Produktionsverfahren, durch die die zuvor dominierende venezianische Glasmanufaktur zurückgedrängt werden konnte. 1856 wurde eine Eisenbahnstrecke gelegt, über die Rohmaterialien an- und fertige Glasprodukte abtransportiert wurden. 1892 wurde die Produktion auf Ziegel und Bodenplatten ausgeweitet.

Nach starken Zerstörungen und Produktionsstillstand in beiden Weltkriegen wurde die Fabrik jeweils wieder aufgebaut und die Glasproduktion fortgesetzt. 1982 wurde im Glasofen von Saint-Gobain das Glas für die Pyramide vor dem Louvre hergestellt, in einer besonders hellen Qualität mit speziellen chromatischen Eigenschaften, für die zuvor umfangreiche Studien angestellt wurden.

Am 30. November 1993 beschloss der Konzern, die Produktion am Standort Saint-Gobain einzustellen. Am 31. Dezember 1995 wurde, nach 300 Jahren der Glasproduktion, zum letzten Mal Glas am Ort hergestellt.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

   Jahr  Einwohner   Jahr  Einwohner   Jahr  Einwohner   Jahr  Einwohner  
   1793 2023   1856 2374   1901 2317   1962 2994  
   1800 2013   1861 2261   1906 2268   1968 2893  
   1806 2119   1866 2190   1911 2305   1975 2657  
   1821 2339   1872 2133   1921 1586   1982 2278  
   1831 2338   1876 2193   1926 2196   1990 2321  
   1836 2378   1881 2120   1931 1976   1999 2340  
   1841 2256   1886 2219   1936 1909   2004 2343  
   1846 2186   1891 2346   1946 2217   2006 2349  
   1851 2210   1896 2147   1954 2535   - -  
ab 1962 ohne Einwohner mit doppeltem Wohnsitz[2]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „Ein mit rotem Balken unterstütztes Schildhaupt ist durch blau-silbernes Eisenhutfeh geteilt; unten in Schwarz pfahlweise drei silberne Salamander ohne Flammenglorie, erster und dritter nach links gekehrt.“[3]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kirche aus dem 12. Jahrhundert mit sehenswerter Krypta
  • Monumentales Steinportal der ehemaligen Glasfabrik

Natursehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wald, der den Ort umgibt, war ehemals Eigentum der Glasfabrik und ist jetzt Staatsdomäne. Es handelt sich um einen Mischwald mit Eichen, Rot- und Weißbuchen, Eschen. Auch Birken, Vogelkirschen, Linden und Kastanien findet man vor. Ein Netz von Fußpfaden durchzieht den Wald. Besonders bemerkenswerte Bäume sind auf der örtlichen Wanderkarte verzeichnet; desgleichen Punkte wie die Felsen der Einsiedelei (Roches de l’Ermitage), das Seizine-Kreuz (Croix Seizine), die Sébourgand-Steinbrüche (carrières Sébourgand) und andere. Der Wald ist reich an Rot- und Schwarzwild.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Wegfall der Glasproduktion setzt die Gemeinde auf den Tourismus als Wirtschaftsfaktor und wirbt um Besucher.[4]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnanbindung besteht über den Bahnhof von La Fère in 8 km Entfernung und den Bahnhof von Tergnier in 12 km Entfernung. Letzterer bietet schnelle Direktverbindungen zum Pariser Gare du Nord und nach Maubeuge.

Über den Anschluss Nr. 12 ist die französische Autobahn 26 (E 17) in 15 km Entfernung in nord-nordöstlicher Richtung erreichbar.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Darstellung in diesem Abschnitt stützt sich auf die Internet-Seite der Gemeinde zu ihrer Geschichte, besucht am 6. Juni 2009 17:00
  2. Statistik auf cassini.ehess.fr
  3. De sable aux trois salamandres d’argent rangées en pal, la première et la dernière contournées ; au chef coupé de vair et de gueules.
  4. L'historique de Saint-Gobain. Abgerufen am 6. Juni 2009 (französisch, Absätze ganz unten).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]