Saint-Jean-de-Chevelu

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Saint-Jean-de-Chevelu
Saint-Jean-de-Chevelu (Frankreich)
Saint-Jean-de-Chevelu
Region Auvergne-Rhône-Alpes
Département Savoie
Arrondissement Chambéry
Kanton Bugey savoyard
Gemeindeverband Yenne
Koordinaten 45° 41′ N, 5° 49′ OKoordinaten: 45° 41′ N, 5° 49′ O
Höhe 295–1.443 m
Fläche 12,72 km2
Einwohner 808 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 64 Einw./km2
Postleitzahl 73170
INSEE-Code
Website www.saintjeandechevelu.fr

Blick auf die Gemeinde von ihrem höchsten Punkt aus, dem Molard Noir.

Saint-Jean-de-Chevelu ist eine französische Gemeinde mit 808 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) im Département Savoie in der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Sie gehört zum Kanton Bugey savoyard im Arrondissement Chambéry und ist Mitglied im Gemeindeverband Yenne.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saint-Jean-de-Chevelu liegt auf 232 m, etwa 16 Kilometer nordwestlich der Präfektur Chambéry und 77 km östlich der Stadt Lyon (Luftlinie). Das Dorf liegt am Westhang einer Bergkette, die den Lac du Bourget vom Rhonetal trennt. Nachbargemeinden von Saint-Jean-de-Chevelu sind Billième im Norden, La Chapelle-du-Mont-du-Chat und Bourdeau im Osten sowie Saint-Paul im Süden und Westen.

Topographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fläche des 12,72 km2 großen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt des südlichen französischen Jura auf der Westseite einer Antiklinalen, die sich zwischen dem Lac du Bourget und dem Rhonetal in Nord-Süd-Richtung erstreckt. Der Gipfelkamm bildet die östliche Gemeindegrenze und umfasst den bis auf 969 m aufragenden Mont de la Charvaz und den 1452 m hohen Molard Noir, ein Gipfel der Dent du Chat. Zwischen diesen beiden Erhebungen ist der Höhenzug einige hundert Meter eingesenkt, dort besteht die 638 m hohe Passüberquerung Col du Chat. Die Antiklinale ist im Bereich von Saint-Jean-de-Chevelu leicht eingeengt und formt einen halbseitigen Talkessel, an dessen Boden sich das Dorf und zwei kleine Seen erstrecken, die Lacs de Chevelu.

Lac de Chevelu

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Saint-Jean-de-Chevelu gehören neben dem eigentlichen Ortskern auch mehrere Weilersiedlungen und Gehöfte, darunter:

  • Champrond (416 m) und Monthoux (573 m) im Norden der Gemeinde jeweils auf einem Gesteinssockel, der leicht aus dem Fuß des Mont de la Charvaz herausragt,
  • Chevelu (320 m) auf der leicht hügeligen Hochebene zwischen Yenne und dem Col du Chat,
  • Servagette (392 m) und Vernatel (434 m) am Fuß der Dent du Chat.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pfarrkirche Saint-Jean-Baptiste

Der Ortsname Chevelu geht auf einen Nachnamen zurück, der 1125 erstmals bei einem Bernardus de Capilluto im Zusammenhang mit dem Ort erwähnt wird. Mit Chevellutum (1238) und im 16. Jahrhundert Capellutium ging er auf den Ort über. Erst 1729 findet sich erstmals der Kirchpatron im Ortsnamen Saint-Jean de Cheveluz.[1][2] Im Mittelalter gehörte das Gebiet von Saint-Jean von etwa 1100 bis 1514 der Familie von Chevelu, die ihren Herrschaftssitz im Château de Cinne hatten, von dem heute nur noch Ruinen erhalten sind. Während ihrer Herrschaft bauten auf ihrem Gebiet Familienmitglieder und Lehnsmänner weitere Schlösser und feste Häuser, darunter das Maison forte de Gimilieu (12. Jahrhundert), das Maison forte de Prélian (12. Jahrhundert), das Château de Bergin (1314) und das Château de la Forest (14. Jahrhundert).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Molard Noir und den benachbarten Gipfeln, die mit einem Wanderweg verbunden sind, bietet sich eine beeindruckende Aussicht sowohl in Richtung Osten mit dem Lac du Bourget und der Stadt Chambéry vor dem Alpenpanorama wie auch auf die Westseite mit den Jura-Höhenzügen hinter der Rhone. Auch im Bereich der beiden Seen besteht ein Wanderweg, darüber hinaus bietet der südlichere See eine Bademöglichkeit.

Die Dorfkirche Saint-Jean-Baptiste wurde im 19. Jahrhundert anstelle eines Vorgängerbaus errichtet. Von den mittelalterlichen Feudalsitzen sind mehrere erhalten, dabei ist das Château de la Forest als monument historique eingeschrieben.[3]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1962 377
1968 366
1975 338
1982 307
1990 485
1999 584
2006 691
2011 761

Mit 808 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016)[4] gehört Saint-Jean-de-Chevelu zu den kleinen Gemeinden des Département Savoie. Nachdem die Einwohnerzahl in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts rückläufig war (1901 wurden noch 690 Einwohner gezählt), wurde seit den 1990er Jahren dank der Wohnlage wieder eine Bevölkerungszunahme verzeichnet.[5] Die Ortsbewohner von Saint-Jean-de-Chevelu heißen auf Französisch Chevelan(e)s.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saint-Jean-de-Chevelu war bis weit ins 20. Jahrhundert hinein ein vorwiegend durch die Landwirtschaft geprägtes Dorf. Von Bedeutung ist insbesondere der Weinbau am Fuß des Mont de la Charvaz. Das Dorf liegt in der Weinbauregion Savoie, in der Weiß-, Rosé- und Rotweine verschiedener Rebsorten als AOC Vin de Savoie vermarktet werden. Darüber hinaus liegt der Ort noch im Geltungsbereich der strengeren Herkunftsbezeichnung Vin de Savoie Jongieux. Diese gilt für Weißweine mit Jacquère als Hauptrebsorte (mindestens 80 % Rebbestand) sowie für Rotweinverschnitte aus Gamay, Mondeuse und Spätburgunder. Weißweine aus der Rebsorte Altesse (lokal Roussette genannt) dürfen außerdem unter der geschützten Herkunftsbezeichnung Roussette de Savoie hergestellt werden.[6]

Daneben gibt es heute einige Betriebe des lokalen Kleingewerbes. Mittlerweile hat sich das Dorf auch zu einer Wohngemeinde entwickelt. Viele Erwerbstätige sind Wegpendler, die in den größeren Ortschaften der Umgebung, vor allem im Raum Aix-les-Bains und Chambéry, ihrer Arbeit nachgehen.[7]

Die Ortschaft liegt direkt an der Departementsstraße D1504, die als ehemalige Nationalstraße N504 von Ambérieu-en-Bugey nach Chambéry führt. Diese durchquert den Mont du Chat in einem 1932 eröffneten, 1,5 km langen Tunnel, der zur Hälfte auf dem Gemeindegebiet liegt.[8] Er erleichtert die Anbindung an den Großraum Chambéry mit seinem Flughafen, SNCF-Bahnhof und Anschlüssen an die Autobahnen A41 und A43. Weitere Straßenverbindungen bestehen mit den Nachbargemeinden Billième und Saint-Paul.

In Saint-Jean-de-Chevelu befindet sich eine staatliche école primaire (Grundschule mit eingegliederter Vorschule).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Saint-Jean-de-Chevelu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. A. Gros: Dictionnaire étymologique des noms de lieu de la Savoie. Belley, Imprimerie Aimé Chaduc, 1937, S. 58, 121 (französisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. J. J. Vernier: Dictionnaire topographique du département de la Savoie. Imprimerie Savoisienne, 1896, S. 314, 652 (französisch, online auf BNF [abgerufen am 19. Januar 2014]).
  3. Château de la Forest in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch).
  4. Französisches Statistikinstitut (www.insee.fr)
  5. Saint-Jean-de-Chevelu – notice communale. In: cassini.ehess.fr. Abgerufen am 10. Oktober 2014 (französisch, ab 1968 Einwohnerzahlen von INSEE).
  6. Cahier des charges de l’appellation d’origine contrôlée «Vin de Savoie» homologué par le décret n° 2011-1333 du 20 octobre 2011. (PDF; 2.8 MB) (Nicht mehr online verfügbar.) In: Bulletin 43/2011 des französischen Landwirtschaftsministeriums. Archiviert vom Original am 22. Februar 2014; abgerufen am 27. September 2014 (französisch, Zählseiten 27–50). i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/agriculture.gouv.fr
  7. Dossier complet zu Saint-Jean-de-Chevelu. In: INSEE. Abgerufen am 12. Oktober 2014 (französisch).
  8. Saint-Jean-de-Chevelu. In: Structurae