Saintes

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit der Stadt Saintes in Frankreich; zu weiteren gleichnamigen Bedeutungen siehe Saintes (Begriffsklärung).
Saintes
Wappen von Saintes
Saintes (Frankreich)
Saintes
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Charente-Maritime
Arrondissement Saintes
Kanton Saintes
Gemeindeverband Communauté d’agglomération de Saintes
Koordinaten 45° 45′ N, 0° 38′ WKoordinaten: 45° 45′ N, 0° 38′ W
Höhe 2–81 m
Fläche 45,55 km2
Einwohner 25.149 (1. Januar 2014)
Bevölkerungsdichte 552 Einw./km2
Postleitzahl 17100
INSEE-Code
Website www.ville-saintes.fr

Panorama von Saintes an der Charente

Saintes ist eine französische Stadt mit 25.149 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2014) im Département Charente-Maritime der Region Poitou-Charentes. Saintes ist der Hauptort der alten Kulturlandschaft der Saintonge, die vor allem wegen ihrer Weine und der Vielzahl an eindrucksvollen Kirchenbauten der Romanik bekannt ist.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saintes erstreckt sich auf beiden Ufern des Flusses Charente etwa 120 Kilometer (Fahrtstrecke) nördlich von Bordeaux und ca. 74 Kilometer südöstlich von La Rochelle; die ebenfalls an der Charente gelegene Stadt Cognac befindet sich etwa 28 Kilometer südöstlich.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2012
Einwohner 26.507 26.891 25.471 25.874 25.595 26.531 25.645

Im 19. Jahrhundert stieg die Einwohnerzahl der Gemeinde von etwa 10.000 auf zeitweise über 20.000 Personen an. Seit Jahren ist die Einwohnerzahl in etwa stabil, da viele Menschen einen Wohnsitz in einer der umliegenden Gemeinden bevorzugen.

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wirtschaft umfasst Betriebe, die mit der Landwirtschaft der Umgebung eng verbunden sind sowie diverse kleinere und mittlere Handels- und Industrieunternehmen. In der Gewerbezone des Parc Atlantique sind rund 3.000 Menschen beschäftigt. Saintes ist von der Autoroute A10 über die Ausfahrt 35 zu erreichen. Auch an das Schienennetz der französischen Eisenbahn SNCF ist es gut angebunden. In der Stadt gibt es mehrere Buslinien.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt wurde ungefähr 20 v. Chr. durch die Römer am Ufer des Flusses Charente als Mediolanum Santonum gegründet. Sie lag in der Römerzeit an einer der ältesten Römerstraßen Galliens, einer der vier heute so genannten Agrippastraßen; bereits damals hatte die Stadt etwa 15.000 Einwohner. Saintes, dessen Namen sich vom gallischen Volk der Vor-Römerzeit, den Santonen, ableitet, war die Hauptstadt der damaligen Provinz Saintonge.

Von 850 bis 865 hatten die Loire-Normannen eine Basis in Saintes.

Im Mittelalter führte einer der in Santiago de Compostela endenden französischen Jakobswege (Via Turonensis) von Tours nach Roncesvalles und im Streckenabschnitt AulnaySaint-Jean-d’Angély über Saintes nach Pons, Saint-Genis-de-Saintonge und Mirambeau. 1271 wurde Saintes zweigeteilt; das westliche Ufer der Charente gehörte zum Einflussbereich des englischen Königs, das rechte zu Frankreich. Im Jahr 1360 übernahmen die Engländer die Stadt ganz und 1404 wurde sie wieder ganz französisch. Im 16. Jahrhundert wurde Saintes durch die Hugenottenkriege stark in Mitleidenschaft gezogen; damals wohnten viele Protestanten in der Region (siehe auch Edikt von Nantes).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insgesamt 16 Bauten der Stadt sind als monuments historiques anerkannt:

Römerzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind die römischen Ruinen, z. B. das Amphitheater und der Germanicusbogen am rechten Ufer der Charente aus dem Jahr 19 n. Chr.; einen guten Überblick über die Anfänge der Stadtgeschichte vermittelt das Musée Archéologique, das sich mit der Frühgeschichte und den römischen Funden der Gegend beschäftigt.

Amphitheater von Saintes
Ehrenbogen des Germanicus
Thermen

Mittelalterliche Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ehemalige Kathedrale Saint-Pierre wurde errichtet auf römischen Fundamenten, doch ist aus den merowingischen und karolingischen Bauphasen nichts erhalten. Romanische Bauteile aus der Mitte des 12. Jahrhunderts sind in den überkuppelten Querschiffen erkennbar. Heute stellt sich die Kirche überwiegend in ihrer spätgotisch veränderten Form dar. 1568 zündeten die Hugenotten den Dom an. Seit Aufhebung des Bistums Saintes ist 'St. Pierre' eine Pfarrkirche. Reichen figürlichen Schmuck aus spätgotischer Zeit zeigt das Westportal, in seinen Archivolten reihen sich Engel, Heilige sowie Gestalten des Alten und Neuen Testaments aneinander; die Gewändefiguren fehlen heute.

Die bedeutenden Überreste der großen Pilgerkirche Saint-Eutrope (geweiht erstmals 1096, aber auch spätere Bauphasen), deren Schiff in der Revolution zerstört wurde, ist seit 1998 als Teil des Weltkulturerbes der UNESCOJakobsweg in Frankreich“ ausgezeichnet.[1] In Krypta und Chor finden sich bedeutende skulptural geschmückte Kapitelle des 11. und 12. Jahrhunderts.

Im Westen der Altstadt, jenseits der Charente, liegt die Abbaye aux Dames, ein ehemaliges Nonnenkloster, mit der bedeutenden Abteikirche Sainte-Marie-des-Dames, die mit ihrer berühmten Fassadenskulptur ein Kleinod der romanischen Baukunst der Saintonge darstellt.

Kirche Abbaye aux Dames
Kirche Saint-Eutrope
Kathedrale Saint Pierre

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der Neuzeit sind ebenfalls mehrere Bauten erwähnenswert, z. B. die klassizistische Kirche Saint-Vivien aus den 1840er Jahren, die dem hl. Bibianus, einem der ersten Bischöfe der Stadt, geweiht ist, oder die Kirche Notre-Dame de Recouvrance. Auch die protestantische Kirche Temple, eine der größten Frankreichs, ist in diesem Zusammenhang erwähnenswert.

Kirche Saint-Vivien
Kirche Notre-Dame-de-Recouvrance
Protestantische Kirche Temple

Kriegsgräberstätten in der Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Kilometer südwestlich von Saintes befindet sich die französische Kriegsgräberstätte Rétaud mit Gräbern der im Zweiten Weltkrieg bei der Befreiung von Royan und der Île d’Oléron in Frankreich gefallenen französischen Soldaten.

An der Nationalstraße 137 befindet sich acht Kilometer südlich von Saintes in Berneuil (Charente-Maritime) die deutsche Kriegsgräberstätte Berneuil mit Gräbern der im Zweiten Weltkrieg im Südwesten Frankreichs gefallenen deutschen Soldaten.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saintes pflegt auf internationaler Ebene Städtepartnerschaften mit den folgenden sechs Städten:[2]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Saintes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag in der Welterbeliste der UNESCO (englisch und französisch).
  2. Website Ville de Saintes
  3. Wladimir: Sister Cities