Saldria (Gotthardtkirchplatz 9)

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Hauptgebäude der Schule vom Hof gesehen

Die Saldria (auch Altstädtische Lateinschule) am Gotthardtkirchplatz 9 ist ein Schulgebäude in der Stadt Brandenburg an der Havel. Sie ist als Baudenkmal ausgewiesen.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Möglicherweise befand sich an der Stelle des Schulgebäudes um 1147 die Niederlassung der Prämonstratenser, aus der später das Domkapitel des Bistums Brandenburg wurde. 1461 wurde auf dem Gelände durch den Bischof Dietrich von Stechow ein Bischofshof eingerichtet. Dieser unterstand, obwohl in der Altstadt Brandenburg gelegen, nicht der Gerichtsbarkeit des Rates der Stadt und diente als Quartier für den sonst in Ziesar residierenden Bischof von Brandenburg. Der Hauptbau soll ein dreistöckiger Backsteinbau gewesen sein und eine Kapelle, eine Badestube und zwei Säle gehabt haben. Von diesem Bau blieben die Kellergewölbe erhalten. Eine Wappentafel des Dietrich von Stechow aus der Kapelle kam später in die Kirche St. Gotthardt, der benachbarten Hauptkirche der Altstadt.

Nachdem im Zuge der Reformation die bischöflichen Besitzungen an den Kurfürst von Brandenburg gingen, wurden diese teilweise unter Amtsträgern aufgeteilt. So kam die Anlage 1561 zunächst an den kurfürstlichen Mundschenk Wichard von Bardeleben. Sechs Jahre später ging das Areal an den Oberkämmerer Mathias von Saldern. Dieser wollte die Gebäude zu seinem Stadtsitz ausbauen. Nachdem er jedoch verstarb, übereignete seine Witwe Gertrud von Saldern (geborene von Hake) auf Vermittlung durch den Bürgermeister Simon Roters 1589 die Anlage der Stadt zur Unterbringung einer Lateinschule. Diese trug seither den Namen Saldria. Die folgenden zwei Jahre wurden durch den Baumeister Merten Naht umfangreiche Umbaumaßnahmen durchgeführt und Erweiterungen vorgenommen.

Fassade des Hauptgebäudes zum Walter-Rathenau-Platz

Vor dem Dreißigjährigen Krieg soll die Schule mit 400 Schülern und bekannten Lehrern in der Mark Brandenburg herausragend gewesen sein. 1715 wurde ein Seitengebäude auf dem Hof errichtet. In diesem befanden sich Wohnungen für Pförtner und auswärtige Schüler und einige Klassenräume. 1797 wurde die Saldria aufgrund sinkender Schülerzahlen mit der Neustädtischen Gelehrtenschule zum Vereinigten Gymnasium der Alt- und Neustadt zusammengelegt. Am Gotthardtkirchplatz wurden nur noch die unteren Schulklassen unterrichtet. 1799 bis 1801 wurde am Gotthardtkirchplatz das neue Hauptgebäude unter Einbeziehung älterer Bausubstanz errichtet. 1817 wurde das Vereinigte Gymnasium wieder aufgelöst.[2] Die Saldria war zu jener Zeit die Altstädtische Bürgerschule im Sinne einer Realschule. Nach dem Umzug in einen Neubau der Saldria am Salzhof 1867 wurde das Schulgelände am Gotthardtkirchplatz von der Mittleren Töchterschule, Elisabethschule (im Hauptgebäude) und von der Mädchen-Gemeindeschule (im Seitengebäude) genutzt. Im Jahr 1893 wurde das Renaissanceportal des Carpzowschen Hauses in das Schulhaus (Seite zum Walter-Rathenau-Platz) integriert. Während der DDR war die Schule eine Polytechnische Oberschule mit dem Namen Juri Gagarin. Nach dem Umbau des Schulsystems im Land Brandenburg zog vorübergehend eine Förderschule ein.[3] Ab 2001 folgte zunächst Leerstand. Nach Sanierung und Umbau, ein moderner einstöckiger Gebäudeflügel mit einem Veranstaltungsraum wurde angebaut, wird die vormalige Schule seit 2008 als Interkulturelles Zentrum „Gertrud von Saldern“ vom Verein Berlin-Brandenburgische Auslandsgesellschaft betrieben. Es finden beispielsweise Sprachkurse statt und ein Café wird betrieben.

Bauwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Seitengebäude

Das Hauptgebäude ist ein in die Brandenburger Stadtmauer integrierter traufständiger Putzbau im Stil des frühen Klassizismus. Es ist dreistöckig. Das Portal zum ehemaligen Schulhof beziehungsweise zum Gotthardtkirchplatz befindet sich in einem Mittelrisalit. Es ist über eine vierstufige Freitreppe zu erreichen. Der Risalit wird von Pilastern seitlich begrenzt, die einen Dreiecksgiebel tragen. Das Erdgeschoss wird vom ersten Obergeschoss durch ein schlichtes Gesims optisch getrennt. Im Bereich des Erdgeschosses findet sich eine horizontale Nutung im Putz als Schmuck. Die Rechteckfenster der Obergeschosse sind profiliert umrandet. Schlusssteine finden sich oberhalb aller Fenster.

Zum Walter-Rathenau-Platz jenseits der Stadtmauer sind die Fenster des ersten Obergeschosses mit Dreiecksgiebeln überdacht. Das Renaissanceportal des Carpzowschen Hauses ist reich verziert. Es zeigt die Wappen der Familien Carpzow und Lintholz und figürliche Reliefs und hat Sitznischen. Das Krüppelwalmdach ist mit Biberschwänzen eingedeckt. Der Keller besteht aus sechs quadratischen Jochen mit Kreuzrippengewölben.

Das Seitengebäude ist ein zweistöckiger Bau. Es besitzt zwei einflügelige Türen als Zugänge. Die Stockwerke sind durch ein Gurtgesims optisch getrennt, die Rechteckfenster profiliert umrandet. Das Dach ist ein schlichtes Satteldach und ebenfalls mit Biberschwänzen eingedeckt. Der am Hauptgebäude angebaute moderne Flügel wird von Glas und Stahl dominiert.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Denkmalliste des Landes Brandenburg: Stadt Brandenburg an der Havel (PDF-Datei; 207 kB).
  2. Sebastian Kinder und Haik Thomas Porada (Hrsg.): Brandenburg an der Havel und Umgebung. S. 191. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2006, ISBN 978-3-412-09103-3.
  3. Marcus Cante: Stadt Brandenburg an der Havel, Teil 1: Dominsel - Altstadt - Neustadt, Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 1994, S. 164 bis 166, ISBN 3-88462-105-X.

Koordinaten: 52° 25′ 0,1″ N, 12° 33′ 22″ O