Sale-Lease-Back

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Sale-Lease-Back (deutsch „verkaufen und zurückmieten“; auch: Sale & Leaseback, Rückmietkauf) ist in der Wirtschaft der Anglizismus für eine Form des Leasing, bei dem Mobilien oder Immobilien des Anlagevermögens eines Unternehmens an einen Leasinggeber veräußert und durch Vertragsgestaltung zeitgleich zur weiteren Nutzung vom Unternehmen gemietet werden.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Leasinggeschäft sind zwei Vertragsparteien beteiligt, der das Leasingobjekt (Mobilien oder Immobilien) veräußernde Leasingnehmer (Unternehmen) und der das Leasingobjekt erwerbende Leasinggeber. Der Leasingnehmer verkauft (englisch sale) das Leasingobjekt an den Leasinggeber und sichert sich das Nutzungsrecht daran ohne Unterbrechung durch Miete (englisch lease-back).[1]

Es handelt sich um eine Finanzierungsform, bei der durch die Veräußerung des Leasingobjektes dem veräußernden Leasingnehmer Liquidität in Form des Verkaufspreises zufließt. Dadurch ergibt sich in der Bilanz des Leasingnehmers ein Aktivtausch, indem das Anlagevermögen sinkt und das Umlaufvermögen (etwa Bankguthaben) steigt. Dies wird im Sale-Lease-Back-Vertrag als Kaufvertrag vereinbart. Neuer (rechtlicher) Eigentümer des Leasingobjektes wird hierdurch der Leasinggeber. Dieser vermietet durch Leasing das Leasingobjekt an den Leasingnehmer durch einen Mietvertrag, wodurch letzterer weiterhin unmittelbarer Besitzer des Leasingobjekts bleiben darf. Durch diese Transaktion wechselt mithin der Besitz des Leasingobjekts nicht. Der Leasingnehmer zahlt – wie bei jedem Leasing – die wirtschaftlich als Mietaufwand anzusehenden Leasinggebühren, welche seine Gewinn- und Verlustrechnung belasten.

Vertragsinhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein typischer Sale & Lease Back-Vertrag setzt sich in der Regel aus den folgenden Vertragselementen zusammen:

  • Kaufvertrag: Ein eigenständiger Kauf- und Übereignungsvertrag regelt den Eigentumsübergang ("Sale"-Komponente) der Leasingobjekte zwischen Leasingnehmer und Leasinggeber. Üblicherweise ist der Leasingnehmer bereits Besitzer des Leasingobjektes, so dass an der Stelle der Übergabe ein Besitzkonstitut tritt.
  • Leasingvertrag: Der in einer Sale & Lease Back-Transaktion eingesetzte Leasingvertrag entspricht dem Wesen nach einem regulären Leasingvertrag mit den entsprechenden Gestaltungsmöglichkeiten. Üblicherweise finden sich bei der Anwendung als Lease-Back-Vertrag folgende Elemente:
    • Leasingsonderzahlung: Eine Leasingsonderzahlung von 15–20 % wird als Sicherheitsabschlag auf den Kaufpreis vereinbart. Dies ist faktisch die Beleihungsgrenze des finanzierenden Leasinggebers.
    • Bearbeitungsgebühr: Eine Bearbeitungsgebühr von 1 % bis 5 % deckt Strukturierungs- und Bearbeitungskosten sowie Vertriebsprovisionen.
    • Kaution: Eine Kaution in Höhe von 2–3 Leasingraten dient zur Minimierung des Risikos zukünftiger Zahlungsausfälle.

Leasingsonderzahlung, Bearbeitungsgebühr und Kaution werden mit der Kaufpreisforderung verrechnet und reduzieren somit den Netto-Auszahlungsbetrag. Diese Strukturelemente minimieren das Risiko des Leasinggebers, womit auch in einem wirtschaftlich angespannten Umfeld Finanzierungen möglich sind. Die Leasingrate wird auf Basis der sogenannten Mietberechnungsgrundlage (Netto-Kaufpreis abzgl. Sonderzahlung) berechnet. Die Laufzeitenmodelle basieren auf der 40-90-Regel.

Bilanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vermögensgegenstände sind nach § 246 Abs. 1 HGB stets in der Bilanz ihres Eigentümers zu aktivieren. Nach deutschem Bilanzrecht ist die Veräußerung des Leasingobjektes als Abgang im Anlagevermögen zu verbuchen; sein Buchwert verschwindet komplett aus der Bilanz. Es besteht für den Leasingnehmer keine Bilanzierungsmöglichkeit mehr. Nach den internationalen IFRS sind die Bestimmungen der IAS 17.58 bis 17.66 maßgebend,[2] wonach das Sale-Lease-Back als zweistufige Transaktion zu verstehen ist. Liegt bei einem operativen Leasing der Marktwert des Leasingobjektes (ausnahmsweise) unter seinem Buchwert, ist der entstehende Buchverlust nach IAS 17.63 sofort erfolgswirksam zu realisieren.

Wirtschaftliche Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sale-Lease-Back ist aus Sicht des Leasingnehmers eine Desinvestition von Sachanlagen,[3] die in der Bilanz des Leasingnehmers als Aktivtausch erscheint. Sale-Lease-Back beeinträchtigt wie jedes Leasing die Aussagekraft der Bilanz und einiger betriebswirtschaftlicher Kennzahlen.[4] In der Bilanz erfolgt eine nachträgliche bilanzexterne Finanzierung, wodurch die Bilanzwahrheit legal eingeschränkt wird, da die Leasingobjekte nicht mehr in der Bilanz des Leasingnehmers erscheinen, er sie dennoch weiterhin nutzt. Bei Kennzahlen verbessern sich durch Sale-Lease-Back die Primärliquidität, Kapitalbindungsdauer, Anlagenintensität, Kapitalstruktur und der Verschuldungsgrad. Eine Verschlechterung ergibt sind durch den Mietaufwand in der Kostenstruktur.

Für den Leasingvertrag wird im Regelfall eine aktuelle Wertermittlung des Leasingobjektes erforderlich sein, damit der Leasinggeber den Beleihungswert (in Form des Sachwerts oder Ertragswerts) festlegen kann. Da der Buchwert des Leasingobjektes im Regelfall niedriger ist als sein Marktwert (stille Reserven), wird durch die Veräußerung ein Buchgewinn in Form eines außerordentlichen Ertrags realisiert, der einmalig den Gewinn des Leasingnehmers erhöht oder den Verlust mindert.[5]

Da es sich um eine auf Vermögensgegenständen beruhende Spezialfinanzierung handelt, für welche die Bonität des Leasingnehmers keine Rolle spielt, eignet sich Sale & Lease Back für viele verschiedene Sondersituationen eines Leasingnehmers. Hierzu zählen z. B.[6]

Alle diese Situationen bergen ein hohes Insolvenzrisiko für den Leasinggeber, bei dem jedoch das Leasingobjekt im Vordergrund steht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carl-Jan von der Goltz: Der Einsatz von Sale and Lease Back als strategischer Finanzierungsbaustein. In: Kreditwesen. Ausgabe vom 1. Februar 2015. S. 129
  • Carl-Jan von der Goltz, Hubertus Bartelheimer: Unternehmensexistenz durch Sale & Lease Back sichern. In:  Zeitschrift für das gesamte Insolvenz- und Sanierungsrecht. Band 20: Heft 42, 2017. S. 2208–2209.
  • Friedrich Graf von Westphalen: Der Leasingvertrag. 7. neu bearbeitete Auflage, 2015. S. 827–887; ISBN 978-3-504-45043-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tobias Kollmann, Gabler Kompakt-Lexikon Unternehmensgründung, 2009, S. 357
  2. Gerald Preißler/German Figlin, IFRS-Lexikon, 2009, S. 127
  3. Konrad Liessmann, Gabler Lexikon Controlling und Kostenrechnung, 1997, S. 210
  4. Helmut Sellien/Reinhold Sellien, Gablers Wirtschafts-Lexikon, 1984, S. 56
  5. Tobias Kollmann, Gabler Kompakt-Lexikon Unternehmensgründung, 2009, S. 357
  6. Wie der Mittelstand Zukunftsprojekte durch Sale & Lease Back finanzieren kann. 12. August 2019, abgerufen am 15. Juli 2020 (deutsch).