Salicylsäuremethylester

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Strukturformel
Strukturformel von Salicylsäuremethylester
Allgemeines
Name Salicylsäuremethylester
Andere Namen
  • Methylsalicylat
  • Wintergrünöl
  • Gaultheriaöl
Summenformel C8H8O3
CAS-Nummer 119-36-8
PubChem 4133
Kurzbeschreibung

gelbliche, ölige, charakteristisch riechende Flüssigkeit[1]

Eigenschaften
Molare Masse 152,14 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig

Dichte

1,18 g·cm−3[2]

Schmelzpunkt

−8 °C[2]

Siedepunkt

223 °C[2]

Dampfdruck

13 Pa (20 °C)[2]

Löslichkeit
Brechungsindex

1,535 (20 °C)[3]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 302
P: 301+312+330 [2]
Toxikologische Daten

887 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[4]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Salicylsäuremethylester, auch Methylsalicylat, ist der Methylester der Salicylsäure. Salicylsäuremethylester wird auch als Wintergrünöl oder Gaultheriaöl bezeichnet, da es mittels Wasserdampfdestillation aus den Blättern der Gattungen Pyrola (Wintergrün) und Gaultheria (Scheinbeeren) isoliert werden kann.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niedere Scheinbeere

Pflanzen, die größere (riechbare) Mengen produzieren:

Die Zucker-Birke war früher Hauptquelle von Salicylsäuremethylester. Das Produkt aus den Blättern der Wintergrünsträucher ist als Wintergreen Oil bekannt.

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Salicylsäuremethylester wird durch Veresterung von Salicylsäure mit Methanol gewonnen, wobei Schwefelsäure als Katalysator verwendet wird:

Synthese des Salicylsäuremethylesters

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Salicylsäuremethylester wird in der Alternativmedizin äußerlich, in Form von Badezusätzen zusammen mit ätherischem Birkenöl gegen rheumatische Beschwerden eingesetzt. Zudem findet es Verwendung in Parfümerie, Lebensmittelindustrie und Kosmetik, da es einen sehr charakteristischen Geruch besitzt.

Das im Wesentlichen Salicylsäuremethylester enthaltende ätherische Öl des Wintergrüns wird in der Mikroskopie noch heute für Aufhellungspräparate nach Spalteholz gebraucht.

In Nordamerika bieten so gut wie alle Kaugummihersteller neben den klassischen Geschmacksrichtungen wie Pfefferminz auch den Geschmack Wintergreen an, in dem Salicylsäuremethylester enthalten ist. In Europa konnte sich diese Geschmacksrichtung in Kaugummis bisher nicht durchsetzen; viele Europäer empfinden den Geschmack als klinisch zahnarztähnlich und nicht schmackhaft. Auch in Snus wird die Geschmacksrichtung in Amerika und Skandinavien häufig angeboten.

Die in Deutschland noch am weitesten bekannten Produkte mit Wintergrün-Aroma sind die Lutschdragée-Marke Tic Tac des italienischen Süßwarenherstellers Ferrero und die Kaugummi-Marke Bazooka des US-amerikanischen Herstellers Topps Company, welche bis Ende der Achtziger Jahre vom deutschen Süßwarenhersteller August Storck in Lizenz produziert und vertrieben wurde. Heutzutage sind Wintergreen-Kaugummis und -Pastillen in Deutschland ausschließlich als Importwaren, beispielsweise in American-Outlet-Stores erhältlich.

Nebenwirkungen und Anwendungseinschränkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Salicylsäuremethylester sollte während der Schwangerschaft nicht eingesetzt werden. Bei regelmäßigem Gebrauch kann der Stoff, der über die Haut aufgenommen wird, zu Erscheinungen einer Überdosierung führen. Diese äußern sich durch Magen- und/oder Nierenschmerzen. Die 17-jährige Leichtathletin Arielle Newman soll an einer Überdosierung des Wirkstoffs gestorben sein.[5] Die Auswirkungen von Salicylsäuremethylester auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt wurden unter REACH im Jahr 2015 im Rahmen der Stoffbewertung von Frankreich geprüft.[6] Es steht unter dem Verdacht, karzinogen, mutagen und reprotoxisch zu sein.[7]

Mesotan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen des intensiven Geruchs versuchte man bei den Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co. Salicylsäure-methoxymethylester[8][9][10] als Alternative anzubieten. Er wurde von Arthur Eichengrün in der Pharmazeutischen Zeitung von 1902[11][12] unter dem Handelsnamen Mesotan vorgestellt.

Botanischer Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Salicylsäuremethylester kann giftig wirken, besonders, wenn es eingenommen wird. Pflanzen, die Salicylsäuremethylester enthalten, könnten es als Abschreckung gegen Fressfeinde entwickelt haben. Salicylsäuremethylester kann aber auch von Pflanzen als Pheromon genutzt werden, um andere Pflanzen vor Krankheitserregern, wie dem Tabakmosaikvirus, zu warnen. Wenn die Pflanze von Insekten befallen ist, kann Salicylsäuremethylester als Anlockstoff für nützliche Insekten dienen, welche die angreifenden Insekten töten. Viele Pflanzen produzieren kleine Mengen Salicylsäuremethylester.

Chemische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Salicylsäuremethylester kann mit Eisen(III)-nitrat nitriert werden. Es entsteht ein Isomerengemisch aus dem 3- und dem 5-Nitroderivat. In Anwesenheit von Salpetersäure entsteht hauptsächlich 5-Nitrosalicylsäuremethylester, im basischen Milieu hauptsächlich 3-Nitrosalicylsäuremethylester.[13]

Nitrierung von Methylsalicylat mit Eisen(III)-nitrat

Die Acetylierung von Salicylsäuremethylester mit Essigsäureanhydrid in Gegenwart von Aluminiumchlorid als Katalysator findet mit sehr guten Ausbeuten am C5-Kohlenstoff statt.[14]

Acetylierung von Methylsalicylat

Durch die Reaktion mit Natriumhypochlorit können bis zu zwei Chloratome in den Benzolkern eingeführt werden, es entsteht 3,5-Dichlorsalicylsäuremethylester.[15]

Chlorierung von Methylsalicylat mit Natriumhypochlorit

Bei der Reaktion mit elementarem Brom wird ein Bromatom an der Position 5 angelagert.[16]

Weiterführende Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • T. Y. Chan: The risk of severe salicylate poisoning following the ingestion of topical medicaments or aspirin. In: Postgraduate medical journal. Band 72, Nummer 844, Februar 1996, S. 109–112, ISSN 0032-5473, PMID 8871462. PMC 2398362 (freier Volltext).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Eintrag zu Salicylsäureester. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 1. Februar 2012.
  2. a b c d e f g h Eintrag zu Methylsalicylat in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 10. Januar 2017 (JavaScript erforderlich).
  3. David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press/Taylor and Francis, Boca Raton, FL, Physical Constants of Organic Compounds, S. 3-376.
  4. Eintrag zu Salicylsäuremethylester in der ChemIDplus-Datenbank der United States National Library of Medicine (NLM)
  5. Better labels urged for sports creams (engl.).
  6. Europäische Chemikalienagentur (ECHA): Community rolling action plan (CoRAP) Substance evaluation Table, abgerufen am 1. August 2015.Vorlage:CoRAP-Liste/2015
  7. Europäische Chemikalienagentur (ECHA): Community rolling action plan (CoRAP) Substance evaluation Table, abgerufen am 9. November 2016.Vorlage:CoRAP-Liste/2016
  8. Patent DE137585: Verfahren zur Darstellung der Alkoxymethylester der Salicylsäure. Veröffentlicht am 26. November 1902, Anmelder: Farbenfabriken, vorm. Friedr. Bayer & Co. in Elberfeld.
  9. Patent US740628: Alkoxyalkyliden Esters of Salicylic Acid. Veröffentlicht am 6. Oktober 1903, Erfinder: Jürgen Callsen.
  10. Patent US706018: Alkyloxymethyl Esters of Salicylic Acid and Process of Making Same. Veröffentlicht am 5. August 1902, Erfinder: Jürgen Callsen.
  11. A. Eichengrün: Ueber Aristochin, Mesotan, Helmitol und Theoein. In: Pharmazeutische Zeitung. Band 47, November 1902, S. 857–858, urn:nbn:de:gbv:084-11022408557.
  12. A. Eichengrün: Ueber Aristochin, Mesotan, Helmitol und Theoein (Schluss). In: Pharmazeutische Zeitung. Band 47, November 1902, S. 866–867, urn:nbn:de:gbv:084-11022408557.
  13. Y.-Z. Liu, X.-Y. Li, X. Li, L. Zhang: Nitration Reaction between Methyl Salicylate and Iron(III) Nitrate and Its Regioselectivity in Chinese Journal of Applied Chemistry 2010. Abstract.
  14. Pia Kahnberg, Choon Woo Lee, Robert H Grubbs, Olov Sterner: Alternative routes to pterulone. In: Tetrahedron. Band 58, Nr. 26, Juni 2002, S. 5203–5208, doi:10.1016/S0040-4020(02)00505-7.
  15. W. B. Salter, J. R. Owens, J. D. Wander: Methyl Salicylate: A Reactive Chemical Warfare Agent Surrogate to Detect Reaction with Hypochlorite in ACS Appl. Mater. Interfaces, 2011, 3(11), S. 4262–4267 doi:10.1021/am200929v.
  16. O. S. Tee, N. R. Iyengar: The bromination of salicylate anions. Evidence for the participation of the ortho carboxylate group in J. Org. Chem 1985, 50(23), S. 4468–4473. doi:10.1021/jo00223a011.
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