Salle de garde

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Eingang zum salle de garde des „Hôpital de la Salpêtrière“, Paris. Dezember 2001.

Der Begriff Salle de garde beschreibt einen Bereitschaftsdienstsaal oder Wachsaal und ist in Frankreich in einem Krankenhaus ein abgeschlossener Ort, wo Personen sich während ihres Bereitschaftsdienstes aufhalten. Heute sind hier die Assistenzärzte und ihre Gäste, die diese den Mahlzeiten, der Ruhe und der Entspannung gewidmeten Säle besuchen. Diese Säle sind zentraler Ort im Leben der Assistentsärzte, sie sind Ausdruck und Wesenszug des französischen Medizinstudiums und beschreiben die Geisteshaltung und die Rituale, die an diesen Orten herrschen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Aufenthaltssaal erscheint ab dem 11. Jahrhundert in den städtischen und kirchlichen Krankenhäusern, in denen sich langsam die Körperschaft der Bader als Chirurgen entwickelt, die nach und nach die Direktion des Krankenhauses übernehmen. Im Gegensatz zu ihren Gehilfen, den späteren Ärzten, die nicht im Krankenhaus wohnen, leben und übernachten die Bader dort und wechseln ihre Bekleidung in diesen Sälen, sie erhalten auf Kosten des Krankenhauses Zimmer, Speisesaal und Küche: die ‚Salles de Garde‘. Mit der Schaffung des Medizin-„internates“ Anfang des XIX. Jahrhunderts nimmt das Leben der „Internen“ Besitz von den Aufenthaltsräumen. Der Aufenthaltsraum spiegelt auch die Bräuche der Bruderschaften und Arbeiter-Gesellenvereinigungen (Steinmetze, Zimmerleute usw.) sowie die Rituale der Tafel der Freimaurer wider.

Das Internat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1802, 4 Ventose an X (23. Februar 1802) wurde das „Internat“ in Paris durch eine Eingabe an den damaligen Minister Jean-Antoine Chaptal begründet. Das „Internat“ ist das Gebäude, wo die Assistenzärzte des Krankenhauses leben. Momentan wohnen die „Internen“ weniger oft im Krankenhaus, vielmehr ist ein Gebäude der Klinik für diesen Gebrauch reserviert (der Begriff „intern“ meint einen „Arzt/Pharmazeut, der im Krankenhaus lebt“). In Frankreich werden die „Internen“ je nach ihren Noten seit 1802 aus nationalen Wettbewerben (das Medizininternat, das heute durch die benotete nationale Prüfung (ECN examen national classant) oder die Prüfung in Pharmazie ersetzt wurde,) in ein Universitätskrankenhaus (CHU) eingesetzt.

Der Aufenthaltssaal ist der Ort, wo die „Internen“ (die diensthabenden Assistenzärtze) essen (eine Art Mensa), und ihre Gäste einladen können, die entweder „Fossilien“ (Krankenhausleiter und Praktizierende des Krankenhauses) oder externe „Dinosaurier“ (Dienst-habende Leiter und Praktizierende Krankenhaus-Professoren der Universitäten) genannt werden. Die Säle zeichnen sich durch lebhafte Atmosphäre aus und sind oft mit anzüglichen Fresken geschmückt. Diese karikieren die Leiter und Mitglieder der Klinik. Wenn auch die „Internate“ erst 1802 eingerichtet wurden, so sind doch bestimmte Traditionen (Bezeichnung „Carabin,carabines“ für einen Studenten der Medizin und seine Freundin) viel älter und stammen teilweise aus der Zeit der Gründung der Universität Montpellier im 11. Jahrhundert. Der „salle de garde“ wird von einer Gruppe von Studenten verwaltet, die am Anfang des Semesters gewählt wird und jederzeit von den „Gästen“ „gestürzt“ werden kann.

Saalregeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ärzte, die in den Sälen zu Mittag essen, schließen sich zu Gruppen zusammen und diskutieren nur über Medizin. Sie haben sich einige Regeln verordnet. Jede Übertretung dieser Regeln kann mit einem „Strafzoll“ belegt werden.

Die Gäste installieren sich in Reihenfolge ihrer Ankunft in „Fünferanordnung“ (die Tafeln formen ein U ). Keine Stelle darf freigelassen werden. Dadurch lernen sich alle Ärzte am Krankenhaus untereinander kennen.

Die Neu-Ankommenden begrüßen alle Gäste durch einen Klaps auf den Rücken, bevor sie sich setzen. Es ist untersagt, ohne die Genehmigung des Verwaltungsdirektors vom Tisch aufzustehen. Es ist verboten zu rauchen, bevor der Kaffee auf dem Tisch steht. Es gibt es keine Servietten(man wischt sich am Tischtuch ab). Klatschen ist untersagt, es gelten die Regeln des „Trommelns“. Der Gebrauch des Korkenziehers ist im Saal verboten: alle Flaschen werden mit einem Tischmesser abgesäbelt (geöffnet). Applaus ist untersagt. Diese Regeln gelten nicht mehr und die Macht der anwesenden studentischen Selbstverwaltung endet, wenn der Kaffee serviert wird. Die Externen und Gäste können nicht mit einem „Strafzoll“ belegt werden, (der „Interne“ kommt für sie auf.).

Das Trommeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine witzige Bemerkung eine zutreffende Erwiderung in einer Diskussion am Tisch wird sofort beantwortet, indem die Studenten laut auf dem Tisch einen festgelegten Rhythmus trommeln.[1] Die ältesten Rhythmen sind der „Royale“ und der „Peripherique“.Sie stammen aus der Zeit des 18. Jahrhunderts und wurden vor allem in Paris dazu benutzt, die Ärzte im Krankenhaus zu den Patienten zu rufen und ihnen mit dem Rhythmus die ungefähre Richtung in der Stadt (Place Royale oder Periferique) anzugeben.

Der Geist der Säle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Säle sind ein Raum der Freiheit und Kreativität. Hier ist alles erlaubt, was nicht gegen die o.a. Regeln verstößt. Die „Internen“ können sich über ihre Dienst habenden Leiter in aller Ungestraftheit lustig machen und anzügliche Lieder sind an der Tagesordnung.Auch die auffallenden Wandbemalung (Fresquen),die sehr oft einen Vorgesetzten der Assistenzärzte zum Thema machen, sind typisch für die Ausschmückung der Säle.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Trommeln