Salzamt

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Das Salzamt war eine im Mittelalter übliche Behörde, die den Salzabbau und den Handel mit Salz überwachte und für Nachschub sorgte. Der Salzhandel war ein wichtiges Monopol des jeweiligen Herrschers (Salzmonopol).

Salzämter im Habsburgerreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Salzämter waren, auf Grund ihrer Bedeutung für die im Habsburgerreich enorm wichtige Salzwirtschaft, eine direkt dem Herrscherhaus unterstellte Behörde.

Das Salzamt in Gmunden[1] verwaltete das Salinenwesen in einem der wichtigsten Salzabbaugebiete Österreichs, dem Salzkammergut in Oberösterreich (einem Privatbesitz der Habsburger). Es war seit dem 15. Jahrhundert im Kammerhof Gmunden (erb. 1450, heute Museen) ansässig. Mit Hof-Deputations-Resolution vom 22. Mai 1745 der Kaiserin Maria Theresia wurde die Salzkammer in Gmunden Salzoberamt, nachgeordnete Verweserämter waren Ischl, Ebensee, Stadl, Lambach, Wels, Zizlau, Enghagen, Mauthausen und Linz.[2] Das Linzer Salzamtsgebäude wird als Atelierhaus genutzt. Das Freistädter Salzamtsgebäude, das für den Nordhandel Richtung Böhmen zuständig war, der Salzhof.

Das Salzamt in Wien stand von 1500 bis 1824 neben der Ruprechtskirche, der Kirche der Salzschiffer. Vom Salzamt aus gab es einen direkten Zugang in die Kirche. Salzamtmann Georg Nagl ließ 1622 die schon sehr baufällige Ruprechtskirche wiederherstellen, Salzamtmann Johann Baptist Bartolotti von Partenfeld finanzierte die Reparatur von 1701 bis 1703.

Die heute noch existierende Grazer Salzamtgasse im 1. Bezirk erinnert an das sich ab dem Jahre 1784 dort befindliche Salzamt der Habsburgermonarchie. Nach der Auflösung des sich früher dort befindlichen Dominikanerklosters wurde das Gelände neu parzelliert und die Gasse erhielt ihren heutigen Namen. Das eigentliche Salzamt befand sich aber tatsächlich gar nicht in der äußerst kurzen, nur sieben Hausnummern umfassenden Salzamtgasse, sondern am Eck der Kreuzung mit der Burggasse. [3]

Salzämter gab es auch in anderen Ländern der Monarchie, z. B. in Ungarn/Siebenbürgen (ein berühmtes Salzamt befand sich beim Salzbergwerk in Praid, im heutigen Rumänien). In Krems an der Donau und in Weißenkirchen stehen noch die alten Salzstadl. Im Kremser Stadtteil Stein a.d. Donau findet man neben dem Salzstadl die Salzamtgasse.

In Klagenfurt befand sich das Salzamtsgebäude an der Tabakgasse, diente also offensichtlich auch der Tabakregie. Die Fassade zur Tabakgasse trägt das einzige erhaltene Renaissance-Sgraffito Klagenfurts.

Im 19. Jahrhundert wurden die Salzämter aufgelöst, das Gmunder Oberamt von Kaiser Franz Joseph I. 1850 in die k.k. Salinen- und Forstdirektion – den Ursprung der späteren Salinen Austria wie auch der Bundesforste – umgewandelt, Amtssitz war das im Jahre 1838/39 erbaute Amtsgebäude am Klosterplatz.[4]

„Salzamt“ im heutigen Sprachgebrauch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort „Salzamt“ lebt vor allem in Österreich weiter als Ausdruck für eine nicht existierende Behörde. Wenn es gegen eine behördliche Entscheidung keinen Rechtsweg gibt, kann man sich „beim Salzamt beschweren“.

Ironischerweise befindet sich das Landesverwaltungsgericht (bis 2013 Unabhängiger Verwaltungssenat) für die Steiermark in der Grazer Salzamtgasse neben dem ehemaligen Salzamtgebäude. Da diese Behörde zuständig für Beschwerden gegen amtliche Entscheidungen ist, hat der Spruch in der Steiermark eine gewisse Berechtigung.

Die wortwörtliche ungarische Übersetzung „sóhivatal“ hat eine ähnliche Bedeutung (man kann sogar jemanden ins „sóhivatal“ mit unsinnigen Fragen schicken). Das Wort wurde auch für nicht funktionierende, bürokratische Ämter pejorativ verwendet.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Georg Grüll: Salzoberamtsarchiv Gmunden. Inventar. Hrsg.: Oberösterreichisches Landesarchiv. Linz 1964 (pdf).
  2. Kurt Jakob: Verweseramt. In: Lexikon-Salzwirtschaft. Stiftung Seeau, abgerufen am 2010.
  3. Kubinzky, Karl A. und Wentner, Astrid M.: Grazer Straßennamen: Herkunft und Bedeutung. Graz 1996.
  4. Ingrid Spitzbart: Geschichte des Kammerhofgebäudes. Ein Auszug aus der Hauschronik. In: Kammerhof Museen Gmunden. Stadt Gmunden, abgerufen am 2010.