Samedan

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Samedan
Wappen von Samedan
Staat: Schweiz
Kanton: Graubünden (GR)
Region: Maloja
BFS-Nr.: 3786i1f3f4
Postleitzahl: 7503
UN/LOCODE: CH SAM
Koordinaten: 786668 / 156516Koordinaten: 46° 32′ 2″ N, 9° 52′ 20″ O; CH1903: 786668 / 156516
Höhe: 1721 m ü. M.
Fläche: 113,80 km²
Einwohner: 2980 (31. Dezember 2016)[1]
Einwohnerdichte: 26 Einw. pro km²
Gemeindepräsident: Jon Fadri Huder
Website: www.samedan.ch
Samedan

Samedan

Karte
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Über dieses Bild
w

Samedan Audio-Datei / Hörbeispiel [sɐˈmeːdən]?/i oder Samaden ist ein Dorf und eine politische Gemeinde in der Region Maloja des Schweizer Kantons Graubünden.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Samedan vom Kirchhügel Sankt Peter aus gesehen

Der Engadiner Wintersport- und Luftkurort liegt am Inn nördlich von St. Moritz und wird im Westen vom 3246 m ü. M. hohen Piz Ot überragt. Der Ort liegt am westlichen Rand einer Hochebene, in der der Inn und der von Pontresina kommende Flaz zusammenfliessen. Zum Gemeindegebiet gehört als Exklave auch das Val Roseg.

In Samedan treffen verschiedene Schienen- und Strassenverkehrswege zusammen: von St. Moritz im Südwesten, vom Puschlav über den Berninapass im Süden und vom Unterengadin im Nordosten.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die besondere Lage in einem Tal kann es im Winter bei klarem Wetter in Samedan sehr kalt sein. An 234 Tagen des Jahres sinkt die Temperatur unter 0 Grad. Selbst im Juli gibt es durchschnittlich zwei bis drei Frosttage. Laut Köppens Klimaklassifikation gehört Samedan zum subarktischen Bereich (Dfc).

Samedan, 1981–2010
Klimadiagramm
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-14
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: [2]
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Samedan, 1981–2010
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) -1,6 0,5 3,7 7,4 12,9 16,4 19,3 18,7 14,9 10,9 3,7 -1,2 Ø 8,8
Min. Temperatur (°C) −16,3 −16,4 -10,4 -4,7 -0,1 2,5 4,3 4,0 1,0 -2,9 -8,9 −13,8 Ø −5,1
Temperatur (°C) −9,1 -7,8 -2,8 1,6 6,6 9,9 12,2 11,5 7,9 3,8 -2,7 -7,5 Ø 2
Niederschlag (mm) 28 20 26 39 78 90 93 99 73 68 61 36 Σ 711
Sonnenstunden (h/d) 3,8 4,3 4,5 4,6 5,1 5,9 6,5 5,8 5,1 4,5 3,5 3,3 Ø 4,7
Regentage (d) 5,3 4,2 4,8 6,0 9,3 10,3 10,0 10,5 7,8 7,6 7,0 6,0 Σ 88,8
Luftfeuchtigkeit (%) 77 73 70 69 69 69 70 73 74 75 77 79 Ø 72,9
T
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−13,8
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Quelle: [2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wird seit der Mitte des 12. Jahrhunderts erwähnt (1137/1139 [Kop.] in Zuze et in Samadene; 1156 coloniam de Samadn), die Herkunft des Namens ist unbekannt. Die unterengadinisch und deutsch noch heute übliche Namensform Samaden [sɐˈmɑːdə(n)] wurde als amtlicher Gemeindename 1943 mit der einheimischen Form Samedan Audio-Datei / Hörbeispiel [sɐˈmeːdən]?/i ersetzt; deren bei Auswärtigen verbreitete Aussprache [sameˈdaːn] mit Betonung auf der Endsilbe wird auf Analogie zu Parpan, Fetan etc. zurückgeführt.[3]

Die ältesten baulichen Nachweise sind die Peterskapelle von etwa 650, die Antoniuskapelle von 1250, ein Wohnturm im oberen Dorfteil von 1288 und die Sebastianskapelle von 1300, die aber 1501 erstmals erwähnt wurde. Seit 1462 war Samaden Sitz des Niedergerichts Sur Funtauna Merla, und es war eine der drei Grosspfarreien des Oberengadins. 1491 wurde die spätgotische Kirche St. Peter an den romanischen Turm der Antoniuskapelle angebaut. Im Schwabenkrieg von 1499 wurde das Dorf durch einen Brand verwüstet. 1550 wurde die Reformation eingeführt, nachdem der italienische Reformator Pietro Paolo Vergerio ab 1549 in der Sebastianskapelle gepredigt hatte. 1551 wurden die katholischen Messgottesdienste abgeschafft. Seit 1860 nahm der Anteil der katholischen Bevölkerung wieder stark auf heute knapp 40 % zu. 1864 las der Kapuzinerpater Hilarion aus Bivio die erste katholische Messe. 1911 wurde die katholische Herz-Jesu-Kirche im neuromanischem Stil erbaut, und 1914 wurde die Kapelle St. Sebastian abgerissen, die seit 1892 von den Katholiken gebraucht werden konnte.

Ab dem 16. Jahrhundert errichteten die Geschlechter von Salis und von Planta einige repräsantive Bauten. Durch politische Ämter in bündnerischen Untertanengebieten, durch Auswanderung und fremde Dienste waren sie zu Reichtum und Wohlstand gekommen.

1812 wurde ein erstes Spital erwähnt, und 1895 wurde das Kreisspital Oberengadin erbaut. Der strategisch günstige Dorfstandort liess Handel und Gewerbe wachsen. Der seit 1830 aufkommende Tourismus führte zum Bau von Hotels, Campingplätzen, einer englischen Kirche in neugotischem Stil (1872; abgebrochen 1965), eines Golfplatzes (1893) sowie der Standseilbahn auf die Muottas Muragl (1907). 1888 wurde ein Elektrizitätswerk erstellt. Mit der Eröffnung der Albulalinie 1903 erhielt das Dorf Bahnanschluss und wurde zum wichtigsten Knotenpunkt des Engadins. Nach grossen Überschwemmungen des Inns wurden ab 1920 zum Schutz des Dorfes Flussverbauungen errichtet; zuletzt wurde 2004 der Fluss Flaz ganz auf die rechte Talseite verlegt. 1937 nahm der Flugplatz seinen Betrieb auf. Beim Abwurfe mehrerer Bomben aus amerikanischen Flugzeugen am 1. Oktober 1943 wurde die Chesa Planta beschädigt. Im gleichen Jahr erfolgte die Errichtung der Familienstiftung der von Planta (Fundaziun de Planta), die sich der rätoromanischen Kultur widmet. Ebenso wurde die evangelische Lehranstalt, die heutige Academia Engiadina, eröffnet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die kommunale, regionale und kantonale Infrastruktur und neue Quartiere entstanden um das Dorf. Das romanische Bauerndorf wandelte sich in wenigen Jahrzehnten zum zeitgemässen Dienstleistungszentrum.[4]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohner der Gemeinde sprachen ursprünglich Puter, ein rätoromanisches Idiom. Doch schon im 19. Jahrhundert drang das Deutsche vor. 1880 gaben nur noch 47 % Romanisch als Muttersprache an. Dieser Wert blieb bis zum Zweiten Weltkrieg ziemlich stabil (1910: 45 %; 1941: 42 %). Zugunsten des Deutschen sank der Anteil der Romanischsprachigen bis 1970 auf 31 %. Nach einer kurzen Erholung verliert die ehemalige Mehrheitssprache seit 1980 stetig an Boden. Doch sprachen im Jahr 2000 dank dem Einfluss der Schule, an der auch auf Romanisch unterrichtet wird, noch 42 % Romanisch. Behördensprachen sind Deutsch und Romanisch. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte zeigt folgende Tabelle:

Sprachen in Samedan GR
Sprachen Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
Deutsch 1140 44,65 % 1567 54,50 % 1886 61,45 %
Rätoromanisch 841 32,94 % 649 22,57 % 511 16,65 %
Italienisch 451 17,67 % 476 16,56 % 458 14,92 %
Einwohner 2553 100 % 2875 100 % 3069 100 %

Herkunft und Nationalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den Ende 2005 2'854 Bewohnern waren 2'300 (= 81 %) Schweizer Staatsangehörige.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1551 trat Samedan definitiv zur Reformation über und schaffte die katholischen Gottesdienste ab. Ab etwa 1860 nahmen die Katholiken wieder zu; im Jahr 2000 waren 49 % der Bevölkerung reformiert, 39 % katholisch.[4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: In Schwarz ein goldener (gelber) Flussgott mit goldenem Ruder und Wassergefäss.

Das Siegelbild der Gemeinde beschränkt sich auf das Hauptmotiv.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Samedan

Wie im ganzen Oberengadin hat der Tourismus für die örtliche Wirtschaft eine wichtige Bedeutung.

Gewerbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als einziger Ort im Oberengadin verfügt Samedan über ein Güterumschlagszentrum der Rhätischen Bahn.[5] Rund um den Bahnhof und in der Industriezone haben sich diverse Unternehmen angesiedelt. Der Kreishauptort hat somit auch in wirtschaftlicher Hinsicht eine zentrale Funktion im Oberengadin übernommen.

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Samedan domiziliert sind die Engadiner Post, die Engadiner Wochenzeitung (bis 2011) und Radio Engiadina.

Spital[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Samedan liegt das Spital Oberengadin, der grösste Arbeitgeber der Region.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eisenbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Albulabahn zweigt in Samedan die Strecke nach Pontresina ab. Die Rhätische Bahn betreibt ein Güterumschlagszentrum.

Strasse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der durch das Engadin verlaufenden Hauptstrasse 27 zweigt bei Samedan die Hauptstrasse 29 ab, die über den Berninapass ins Puschlav führt.

Flughafen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flugplatz

Der Flugplatz Samedan in der Ebene am östlichen Ortsrand ist der höchstgelegene Flughafen für zivile Luftfahrt in Europa.

Hochlandbasis der REGA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Engadin fliegt die REGA seit 1957 Einsätze, seit 1977 mit einer eigenen Infrastruktur auf dem Flugplatz Samedan. Rega 9 ist eine Hochlandbasis mit einem grossen Spektrum an Einsätzen, wobei es sich hauptsächlich um so genannte Primäreinsätze handelt, bei denen Notarzt und Rettungssanitäter zur Erstversorgung an eine Unfallstelle geflogen werden.[6]

Der schweizerdeutsche Spielfilm Heldin der Lüfte wurde mit Unterstützung der REGA unter anderem in Samedan gedreht.[7]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Samedan hat die Academia Engiadina mit der Höheren Fachschule für Tourismus und dem Gymnasium ihren Sitz. Ausserdem verfügt Samedan über eine Gewerbeschule und eine kaufmännische Berufsschule.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Hang oberhalb des Dorfes ist im Winter ein Skilift in Betrieb. Samedan ist ein zentraler Knotenpunkt im Engadiner Loipennetz und Durchgangspunkt des Engadin Skimarathon.

Samedan ist Durchgangs- und (seit 2014) Startort des Gebirgslaufs Swiss Irontrail.

Oberhalb des Dorfes verläuft der Naturpfad La Senda. Man kann sich mit einem digitalen Guide über alle Stationen des Pfades informieren.

Samedan verfügt über einen Bikepark und einen Mountainbike Time Track.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmalgeschützt ist die reformierte Dorfkirche, gleichfalls sehenswert sind die reformierte Begräbniskirche St. Peter und die katholische Pfarrkirche Herz-Jesu.[8] Im Dorfzentrum liegen der als Kulturzentrum genutzte Turm La Tuor aus dem 13. Jahrhundert und die Chesa Planta aus dem 16. Jahrhundert. Darin befindet sich ein Kulturzentrum mit dem Kulturarchiv Oberengadin, einem Wohnmuseum und einer romanischen Bibliothek.[9]

Weitere erwähnenswerte Bauten:

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panoramabild, von Richtung Celerina aus gesehen

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ottavio Clavuot: Samedan. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden. Band III: Die Talschaften Räzünser Boden, Domleschg, Heinzenberg, Oberhalbstein, Ober- und Unterengadin (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 11). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1940. DNB 760079625.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Samedan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 29. August 2017, abgerufen am 20. September 2017.
  2. Klimatabelle. In: meteoschweiz.admin.ch. meteoschweiz, abgerufen am 9. April 2018.
  3. Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuchâtel unter der Leitung von Andres Kristol. Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, S. 790.
  4. a b Ottavio Clavuot: Samedan. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  5. Bündner Güterbahn, Ausgabe 2009. In: Rhätische Bahn. Abgerufen am 21. September 2010 (PDF; 2,1 MB).
  6. Rega 9: „Hochlandbasis“ im Engadin, abgerufen am 15. Dezember 2008
  7. Tages-Anzeiger online (3. Dezember 2008): Melanie Winiger rettet Leben im Bündnerland, abgerufen am 4. Dezember 2008
  8. Katholische Pfarrkirche Herz-Jesu
  9. Chesa Planta Samedan. Abgerufen am 1. September 2017.
  10. Academia Engiadina
  11. Badhaus
  12. Chesa Flurina
  13. Gemeindehaus
  14. Haus Krone
  15. Hotel Bernina
  16. Sektionshaus der RhB