Samland

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Dieser Artikel behandelt die Halbinsel in der Ostsee; zu anderen Bedeutungen siehe Samland (Begriffsklärung).
Samland
Samland
Samland
Gewässer 1 Frisches Haff, Ostsee
Gewässer 2 Kurisches Haff

Geographische Lage

54° 50′ 0″ N, 20° 17′ 0″ O54.83333333333320.283333333333Koordinaten: 54° 50′ 0″ N, 20° 17′ 0″ O
Samland (Oblast Kaliningrad)
Samland
Fläche ca. 15.100 km²dep1 w3

Das Samland ist eine Halbinsel in der Ostsee.

Name[Bearbeiten]

Der Volksname Sambi bedeutet möglicherweise der Seinige oder Sippenangehörige.[1] Denkbar ist auch eine Ableitung vom altpreußischen Wort semmē = Erde. Semba war der Eigenname der dortigen Bevölkerung; Semben hießen sie in der altnordischen Sprache der Dänen. Das dänische Lagerbuch nennt das Samland 1268 Zambia.[2] Das in Lappland lebende finno-ugrische Volk der Samen hat vermutlich nichts mit dem Namen Samland zu tun.

Lage[Bearbeiten]

Die etwa 75 x 30 km große Halbinsel ist der Rest des tertiären Samländischen Sockels und ragt zwischen Frischem Haff, Kurischem Haff und den Nehrungen in die Ostsee, der Deime und des Pregels. Nach Norden und Westen hat sie überwiegend Steilküsten, nach Süden eine Dünenküste.

Im binnenländischen Süden und Osten gelten der Pregel und die Deime als Grenze. Die Deime verläuft von Gwardeisk (Tapiau) nach Polessk (Labiau) und mündet ca. 4 km weiter in das Kurische Haff. Die bedeutendste Stadt des Samlands war Königsberg mit Altstadt (Königsberg), Kneiphof und Löbenicht. Auch dieser Teil der historischen Landschaft Preußen befindet sich seit 1945 in der Exklave Russlands.

Siehe auch: Oblast Kaliningrad

Geschichte[Bearbeiten]

Altertum[Bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Samland im 5. Jahrhundert v. Chr. bei Herodot, der es als Bernsteinland bezeichnete. Die Landschaft war um den Anfang der Zeitrechnung von Prußen besiedelt. In seinem Werk „Germania“ schrieb Tacitus, dass die Ästier die östlichen Nachbarn der Goten im Weichseldelta gewesen seien.

Wikingerzeit[Bearbeiten]

Archäologen hatten schon im 19. Jahrhundert südlich der Kurischen Nehrung bei Wiskiauten unweit von Königsberg ein wikingerzeitliches Gräberfeld (Gräberfeld Wiskiauten) entdeckt. Die 500 Hügel- und Erdgräber sind etwa 1000 Jahre alt. Sie enthalten Waffen, Schmuck und Kleidung, die deutlich skandinavischen Vorbildern folgen. Archäologen des Deutschen Archäologischen Instituts um Siegmar von Schnurbein und des Archäologischen Landesmuseums Schleswig (Stiftung Schleswig-Holsteinischer Landesmuseen Schloss Gottorf) um Claus von Carnap-Bornheim haben 2006 in Zusammenarbeit mit russischen Archäologen Keramik, Schlacken, Knochen und bearbeiteten Bernstein gefunden. Silbermünzen und Gewichtsstücke waren schon früher aufgetaucht. Die Funde aus dem 10. bis 12. Jahrhundert deuten auf eine Siedlung in der Nähe des Kurischen Haffs, womöglich ein frühes Zentrum der Bernsteinindustrie mit guter Verbindung nach Skandinavien. Die Ausgrabungsstätte wird in der Zukunft Gegenstand intensiver Forschungen bleiben.

Mittelalter[Bearbeiten]

Das Samland ist einer der alten prußischen Gaue. Im 13. Jahrhundert teilte Wilhelm von Modena, der Legat des Papstes, Preußen in vier Bistümer: Ermland (lateinisch: Varmia), Pomesanien, Samland und Culmer Land oder Kulmerland. Das Samland wurde von Balga aus durch den Ritterorden erobert: 1255 wurde Königsberg gegründet, 1255 war auch die Schlacht bei Rudau; 1258 wurden Labiau und Wehlau, 1265 wurde Tapiau gegründet. Lange Zeit war das Samland eines der letzten Siedlungsgebiete der Prußen, später wurde es ein zentraler Landesteil Ostpreußens.

Das Fürstbistum Samland spielte in der Geschichte Preußens eine große Rolle.

Neuzeit[Bearbeiten]

Bevölkerung (1902)
Samlandplan (1939)

Ungefähr in der Mitte des Samlands liegt Chrabrowo (Powunden), wo sich der Flughafen Kaliningrad befindet. Bedeutend sind auch die bei dem Küstenort Jantarny (Palmnicken) vorhandenen Bernstein-Vorkommen, die im Tagebau gewonnen werden. Eine wichtige Rolle spielt der Tagestourismus an der Ostseeküste für die Oblast Kaliningrad. Seit dem 19. Jahrhundert entwickelte sich der Seebädertourismus vor allem in Cranz und Rauschen. Dieser brach 1945 zusammen, um nach der Perestroika seit den 1990er Jahren einen erneuten Aufschwung zu nehmen.

Von 1939 bis 1945 waren die samländischen Kreise Fischhausen und Königsberg (Pr) zum Landkreis Samland zusammengefasst. Der Samlandplan sah die Errichtung einer neuen Universitätsstadt im Fritzener Forst nördlich von Königsberg vor. Er stand im Zusammenhang mit der im Reichsgesetzblatt vom März 1941 veröffentlichten Verordnung über die Neugestaltung Königsbergs.[3]

Nach Flucht und Vertreibung der ursprünglich ansässigen deutschen Bevölkerung leben heute hauptsächlich Russen und Weißrussen in der Region.

Prominente Samländer sind Beate Uhse und Volker Lechtenbrink.

Legende[Bearbeiten]

Hauptartikel: Galtgarben und Pregel

Der Sage nach war Samo der zweite Sohn des Königs Widowuto, der das Land von Crono und Hailibo bis an die Skara (Pregel) erhielt. Er baute sich auf einem teilweise aufgeschütteten mächtigen Sandberg die Feste Gailgarwo (Galtgarben). Samo hatte mit den Seinen eine „sonderliche Lebensweise, denn sie waren andächtiger wie die übrigen Brutener“. Sie wählten einen besonderen Eichwald als Andachtsstätte aus und hielten dort „einen Haufen Schlangen zu Ehren ihrer Götter“. Samo hatte weniger Kinder als seine elf Brüder, denn seine Frau Pregolla ertrank in der Skara, weshalb der Fluss den Namen Pregel erhielt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Handelskolonie im Samland. in: Abenteuer Archäologie. Kulturen, Menschen, Monumente. Spektrum der Wissenschaft Verl.-Ges., Heidelberg 2006,2,88. ISSN 1612-9954
  • Samland 1938. Landkarte. Reprint der Ausgabe von 1938. Pharus Verlag, Berlin. ISBN 978-3-86514-087-6
  • R. Brückmann: Samland. Ein Führer für Wanderer. Reprint der Ausgabe von 1926. Rautenberg Verlag, Leer 1989. ISBN 3-7921-0385-0
  • Rudolf Jankowsky: Samland und seine Bevölkerung. Inaugural-Dissertation. Albertus-Universität Königsberg/i.Pr., 1902. UB Göttingen, 8 DISS PHIL Königsberg 1901/02 Jankowsky
  • Albert Zweck: Samland, Pregel- und Frischingthal. Eine Landes- und Volkskunde. Verlag Hobbing & Büchle, Stuttgart. 1902
  • Boye Meyer-Friese: Fischerei im Samland. Fotografische Dokumente der Fischerei aus den Jahren 1926 bis 1928. Herford 1987. ISBN 978-3782203845

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sambia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rainer Eckert: Altpreußisch; in: Miloš Okuka (Hg.): Lexikon der Sprachen des europäischen Ostens. Klagenfurt 2002. ISBN 3851295102. p. 589–596
  2. Heimatgemeinschaft Großheidekrug: Ostpreussen
  3. Fritz Gause: Die Geschichte der Stadt Königsberg in Preußen, Bd. 3, S. 130 ff. und Tafel XII