Sammlung Tusculum

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Schutzumschlag eines Bandes der Sammlung (1959)

Die Sammlung Tusculum (ursprünglich Tuskulum-Bücher, dann Tusculum-Bücher(ei)) ist die renommierteste Serie von zweisprachigen Ausgaben der griechischen und lateinischen Literatur im gesamten deutschen Sprachraum. Sie wurde im Jahre 1923 von Ernst Heimeran begründet. Benannt ist sie nach der ehemaligen Stadt Tusculum in Latium, wo unter anderem Cicero eine Villa besaß, in der er in der ersten Phase eines Rückzugs aus der Politik die sogenannten Tuskulanen schrieb, eine lateinische Einführung in die griechische Philosophie. Bis Juli 2011 erschien die Sammlung Tusculum im Verlag Artemis & Winkler Verlag, danach bis 2013 im Akademie Verlag[1] und heute im Verlag De Gruyter.

Die Reihe entstand auf Anregung von Ernst Heimerans Geschichtslehrer Franz Burger[2], der auch die frühesten Titel im Anschluss an ältere Ausgaben und Übersetzungen betreute. Offenbar orientiert an der seit 1912 laufenden Loeb Classical Library war sie seit Beginn ihres Erscheinens an ein breites Publikum gerichtet. Das drückt sich, neben dem Faktum der beigegebenen Übersetzung, vor allem darin aus, dass auf die Konstituierung eines eigenen Textes verzichtet wurde; vielmehr wird in aller Regel auf eine gängige Textausgabe zurückgegriffen. Diesem Referenztext wird ein knapper textkritischer Anhang beigegeben, in dem Abweichungen aufgeführt und teilweise begründet werden. Die populäre Ausrichtung der Reihe wird auch deutlich durch die Ausstattung der Umschläge, die der mit Heimeran befreundete Ernst Penzoldt besorgte. Die Liebeskunst des Ovid erschien auch als Pergamentband-Vorzugsausgabe in 200 Exemplaren.

Trotz des Ziels der Popularität und trotz des Starts mit dem lyrischen Werk des Horaz, den Tiberius-Büchern der Annalen des Tacitus (in 2 Bänden) und der Liebeskunst des Ovid, ging die Sammlung schon in ihren Anfängen über die bekannten Schulautoren hinaus. Bereits als fünftes Werk und erster griechischer Titel wurde im Jahr 1925 die Tragödie Die Perser des Aischylos veröffentlicht, gefolgt von kleinen Texten des Plutarch und Lukian. Auch die neue Ausgabe und Übersetzung des Lukrez, die Hermann Diels noch kurz vor seinem Tod hatte vollenden können, kam in Lizenz heraus. 1926 erschien eine Ausgabe des Heraklit von Bruno Snell, die im Jahr 2007 eine 14. Auflage erreicht hat. Die Auflagen liegen in der Regel zwischen 2000 und 4000 Exemplaren, doch ist eine Vielzahl von Titeln mehrfach aufgelegt worden.

Die Reihe wurde gleich nach dem Krieg wieder aufgenommen[3]. Das Spektrum hatte sich schon früher beträchtlich erweitert. Dies wurde konsequent fortgesetzt bis hin zur Gesamtausgabe des Livius und der Naturalis historia des Plinius sowie, im griechischen Bereich, zu Ausgaben der frühen Lyrik, der Anthologia Graeca und Prokop. Davon haben etwa die Ausgaben der Lyrik (Max Treu) und der Anthologie (Hermann Beckby) eigenständigen wissenschaftlichen Rang erworben. Auch die Petron-Ausgabe von Konrad Müller fand erst hier weitere Verbreitung.

An diese wissenschaftlich ausgerichtete Tradition wurde erst kürzlich angeknüpft mit einer erneuten Publikation der Gedichte Sapphos (durch A. Bagordo) sowie der Herausgabe einer dreibändigen Vorsokratikerreihe (L. Gemelli). Dabei scheute man sich nicht, im Sinne einer besseren Handhabung der Bände von Reihentypischem abzuweichen. Um beispielsweise eine bessere Übersicht über die einzelnen Fragmente Sapphos bewahren zu können, wurde entschieden, die gegenüberliegende Anordnung von Originaltext und Übersetzung in diesem Band aufzugeben. Dem griechischen Text folgt so der deutsche sowie eine sachliche Erläuterung seitenläufig – unter Verzicht auf deutsche (frei fingierte) Ergänzungen des lückenhaften Textbestandes (wie beispielsweise noch bei der Übersetzung durch Treu).

Einzelne vergriffene Titel erzielen im Antiquariat inzwischen hohe Preise, so etwa die beiden Philostratos-Titel (Eikones und Apollonius), die sechsbändige Euripides-Gesamtausgabe, die schon erwähnte Anthologia graeca und insbesondere das Alexander-Werk des Arrian.

Die von antiken Inschriften inspirierte typische Tusculum-Schrifttype der Schutzumschläge und der Einbände wurde zu Beginn der 2000er Jahre durch eine normale Majuskelschrift ersetzt. Mit dem Herbstprogramm 2009 hat Artemis & Winkler die Reihe Tusculum äußerlich erneut verändert. Der ursprüngliche Entwurf der Schutzumschläge wurde modifiziert. Bei den mittlerweile im Verlag De Gruyter erscheinenden neuen Bänden der Reihe wurden diese Änderungen aber rückgängig gemacht und die Kontinuität im Erscheinungsbild der Reihe wieder hergestellt. Vergriffene Tusculum-Titel sind seit 2014 als Print-on-demand-Bücher in geringerer Binde-, Einband- und Druckqualität unter Verwendung des ursprünglichen Schutzumschlages als Einbandmotiv wieder lieferbar. Alle originalen Tusculum-Bände hatten einen Leinwandeinband mit eingeprägtem Rückenschild und waren fadengeheftet. Die Papierqualität variierte während des langen Erscheinungszeitraums der Bücher und war zwischenzeitlich (etwa in den 80er Jahren) auch dem Preis und Anspruch der Sammlung Tusculum nicht entsprechend.

2011 erschien bei De Gruyter unter dem Namen Sammlung Tusculinum eine neue Reihe besonders beliebter antiker Texte.

Ferner wurde früher eine Serie mit wenig umfangreicher Sekundärliteratur veröffentlicht (Tusculum-Schriften, 38 Titel eher einführend-populärer Natur 1924 bis 1935; zweite Reihe mit 15 Titeln wissenschaftlichen Anspruchs 1967 bis 1978). Von einzelnen Werken aus dem Umfeld der Sammlung Tusculum ist daneben vor allem das Tusculum-Lexikon der griechischen und lateinischen Literatur zu nennen, ein Autorenlexikon, das ursprünglich von Eduard Stemplinger geschaffen wurde, aber erst in der Neubearbeitung von Wolfgang Buchwald, Armin Hohlweg und Otto Prinz 1963[4] und vor allem 1982 zu hohem Ansehen gelangte. Dieser Band ist inzwischen vergriffen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.oldenbourg-verlag.de/akademie-verlag/sammlung-tusculum-ab-juli-2011-im-akademie-verlag
  2. So Saltzwedel S. 3; auf seine Aufstellung gehen auch die Angaben zu Penzoldt sowie alle statistischen Daten zurück.
  3. Eine Notiz Heimerans zum Neubeginn 1947 weist Saltzwedel zu 152.2 nach.
  4. Tusculum-Lexikon griechischer und lateinischer Autoren des Altertums und des Mittelalters. Völlig neu bearbeitete (2.) Aufl. von Wolfgang Buchwald, Armin Hohlweg und Otto Prinz. München 1963; Neudruck Reinbek bei Hamburg 1974.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]