Samora Machel

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Samora Machel (1985)
Samora Machel mit Margot Honecker beim Staatsbesuch in der DDR (1983)

Samora Moisés Machel (* 29. September 1933 in Xilambene, Distrikt Gaza; † 19. Oktober 1986 bei Mbuzini, Südafrika) war von 1975 bis 1986 der erste Präsident der Volksrepublik Mosambik.

Leben[Bearbeiten]

Machel wurde als Sohn einer Bauernfamilie in der Provinz Gaza geboren. Sein Vater war von den portugiesischen Kolonialbehörden als indigena klassifiziert worden und somit gegenüber weißen Landwirten benachteiligt. Die Familie wurde schließlich in den 1950er Jahren enteignet; das Land erhielten portugiesische Siedler.[1] Samora Machel besuchte eine Missionsschule und wechselte dann an eine Schule in Zonguene, die von katholischen Missionaren geführt wurde. Er schloss sie mit der dortigen 4. Klasse ab und nahm eine Ausbildung an einer Krankenpflegeschule im damaligen Lourenço Marques auf.[2] Er musste aber die Ausbildung abbrechen und arbeitete fortan als Hilfskrankenpfleger. Dort protestierte er gegen die ungleiche Bezahlung schwarzer und weißer Krankenpfleger.[1]

Nachdem ihm mitgeteilt worden war, dass die portugiesische Geheimpolizei PIDE ihn suche, floh er 1964 nach Tansania und schloss sich dort der mosambikanischen nationalen Befreiungsbewegung FRELIMO an. Er gehörte zur zweiten Gruppe von Guerilleros, die zum Training nach Algerien gebracht wurden.[2] 1964 begann der Unabhängigkeitskampf der FRELIMO in Mosambik. Machel stieg rasch auf. Nachdem der Frelimo-Präsident Eduardo Mondlane 1969 durch eine Paketbombe ums Leben gekommen war, gehörte Machel zu einem Triumvirat an der Spitze. Es brach auseinander, und 1970 wurde er Präsident der FRELIMO.[2] Gleichzeitig konnten die Truppen immer weiter südwärts vordringen.

Als Mosambik im Jahre 1975 seine Unabhängigkeit von Portugal erlangte, übernahm Machel das Amt des Staatspräsidenten. Unter ihm wurde Mosambik zum sozialistischen Einparteienstaat mit engen Beziehungen zur UdSSR, VR China sowie der Deutschen Demokratischen Republik geformt. Auch zu westlichen Staaten unterhielt er Kontakte. Im Jahr 1985 stattete Machel einen Staatsbesuch in den Vereinigten Staaten ab, wobei er von US-Präsident Ronald Reagan im Weißen Haus empfangen wurde. Das geschah auf Anraten von Vizepräsident George H. W. Bush und gegen den Willen von CIA-Direktor William J. Casey.[3]

Tod und Todesursache[Bearbeiten]

Machel starb 1986 bei einem Flugzeugabsturz über den Lebombobergen, dessen Gründe nicht aufgeklärt werden konnten. Es wurde nie offizielle Anklage erhoben; sein Nachfolger Joaquim Alberto Chissano sagte, dass Machels Tod kein Unfall gewesen sei.

Der Flugzeugabsturz wurde im Auftrag von Mosambik und Südafrika durch eine international besetzte Kommission (Margo Commission) unter Beteiligung der International Civil Aviation Organisation und zusätzlich durch ein sowjetisches Team untersucht, da es sich um eine Tupolew Tu-134A-3 handelte. Mehrere Angehörige der vernommenen südafrikanischen Sicherheitskräfte bestätigten gegenüber der Margo-Kommission, dass zum Zeitpunkt des Flugzeugabsturzes eine starke Präsenz von südafrikanischer Polizei und Militär, darunter die South African Special Forces Brigade, in der Region war. Einer der Überlebenden sagte später aus, dass er zunächst bei einem nahen Haus um Hilfe gebeten hatte, und als als er zum Flugzeugwrack gekommen war, bereits Sicherheitskräfte am Absturzort gewesen seien und Dokumente konfisziert gehabt hätten. Später wurde die Dokumentenentnahme zu Kopierzwecken vom damaligen südafrikanischen Außenminister Pik Botha und vom Leiter des National Intelligence Service, Niel Barnard, bestätigt.

Die Margo-Kommission kam zum Ergebnis, dass der Flugzeugabsturz nicht durch Sabotage oder äußere Einwirkungen verursacht wurde, jedoch vom Piloten eine zu niedrige Flughöhe gewählt und das diesbezügliche Warnsignal ignoriert worden sei. Die sowjetische Untersuchungsgruppe vermutete ein falsches Bodensignal und verwies auf einen 37-Grad-Schwenk des Flugzeuges nach rechts in Richtung auf hügeliges Geländes zu, auf Grund dessen die Cockpitcrew weiterhin von flachem Areal ausgegangen sein müsste. Die Margo-Kommission interpretierte diese Änderung des Flugkurses als falsche Orientierung auf ein VOR-Signal, das vom Matsapha-Flughafen in Swasiland (also nicht aus Richtung Maputo) gekommen sein könnte.[4] – Bei diesem Flugzeugabsturz kamen neben Machel weitere 34 Personen, darunter die Botschafter Zaires und Sambias in Mosambik sowie vier sowjetische Crewmitglieder ums Leben. Es gab neun Überlebende.[5]

Bei Mbuzini errichtete man ein an den Flugzeugabsturz erinnerndes Denkmal; es wurde 1999 vom damaligen Präsidenten der Republik Südafrika, Nelson Mandela, enthüllt. Es besteht aus 35 Stahlsäulen.

Graça Machel, Samora Machels zweite Frau, heiratete 1998 Nelson Mandela.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • João M. Cabrita: A morte de Samora Machel. Ediçoes Novafrica, 2005, Maputo-Moçambique. Registo n° 4588/RLINLD/2005

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Porträt bei sahistory.org.za (englisch), abgerufen am 21. April 2015
  2. a b c Biografie bei britannica.com (englisch), abgerufen am 21. April 2015
  3. Mario Azevedo:Mozambique and the West: The Search for Common Ground, 1975–1991. Auf der Website des Digital Scholarship Journals, 1991, Seite 389 (pdf; 1,31 MB). Zitiert nach: Africa Confidential 29 (1988), Ausgabe 24 vom 2. Dezember 1988, S. 2.
  4. Chapter 6: Special Investigation into the death of President Samora Machel. Auf www.nelsonmandela.org (englisch)
  5. Barberton: Samora Machel Monumen. Auf: www.umjindi.org, Version vom 21. März 2013, abgerufen am 25. Juni 2015 (englisch)