Samtfußrüblinge

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Samtfußrüblinge
Gemeiner Samtfußrübling (Flammulina velutipes)

Gemeiner Samtfußrübling (Flammulina velutipes)

Systematik
Unterabteilung: Agaricomycotina
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Champignonartige (Agaricales)
Familie: Physalacriaceae
Gattung: Samtfußrüblinge
Wissenschaftlicher Name
Flammulina
P. Karst.

Die Samtfußrüblinge (Flammulina) sind eine Pilzgattung aus der Familie der Physalacriaceae. Die Pilze wachsen meist in Büscheln an totem oder lebendem Holz. Die frostresistenten Fruchtkörper erscheinen überwiegend im Winter und gelten als essbar. In der asiatischen Küche ist der Gemeine Samtfußrübling ein geschätzter Speisepilz und wird deshalb auch kultiviert.

Der Vernakularname bezieht sich auf den samtig überzogenen Stiel. Beim wissenschaftlichen Namen Flammulina, der sich vom lat. „flammula“ (= Flamme) ableitet, standen die freudigen Hutfarben bzw. die farblich ähnlichen Flämmlinge (Gymnopilus) Pate.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Sporenpulver der Samtfußrüblinge hinterlässt einen weißen Abdruck.
Samtfußrüblinge fruktifizieren meist in Büscheln.

Makroskopische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der flach gewölbte bis niedergedrückte Hut misst bis zu 6(–10) cm im Durchmesser und hat eine weiße, gelbe, ocker bis orangebraune Färbung. Typisch ist eine ausgeprägt glänzend-schmierige bis schleimige Hutoberfläche, die klebrig abtrocknet. Die Lamellen sind frei bis am Stiel angewachsen, laufen aber nie daran herab. Das Farbspektrum reicht von weißlich über blass ocker bis hin zu ockergelb und ockerbraun. Das Sporenpulver hinterlässt einen weißen bis blass cremefarbenen Abdruck. Der wurzelnde Stiel besitzt eine knorpelig-gelatinöse Konsistenz und eine samtig-flaumige Rinde. Selten erscheint er auf ganzer Länge weiß bis creme-weiß, oftmals ist nur die Spitze creme bis gelb-ocker und der Teil unterhalb braun bis schwarz gefärbt. Das Fleisch ist knorpelig-gelatinös, im Stiel faserig-zäh und schmeckt mild.

Mikroskopische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die elliptischen, schlank elliptischen, zylindrisch-elliptischen bis zylindrischen Sporen sind 6–12(–14) µm lang und zeigen in Iod-Lösung und Baumwollblau keine Farbreaktion (inamyloid bzw. acyanophil). Meist kommen sowohl auf den Lamellen, als auch auf dem Hut und dem Stiel Zystiden vor. Die Hyphen haben Schnallen an den Querwänden.

Gattungsabgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Potenzielle Doppelgänger finden sich unter den Flämmlingen (Gymnopilus) und Schüpplingen (Pholiota).

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fruchtkörper wachsen überwiegend büschelig, seltener einzeln auf totem oder lebendem Holz bzw. verholzten Wurzeln des Gewöhnlichen Strandhafers (Ammophila arenaria), der Dornigen Hauhechel (Ononis spinosa) und des Weißblütigen Schuppenkopfs (Cephalaria leucantha).

Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattung umfasst weltweit 12 Arten, wovon in Europa 7 vorkommen bzw. zu erwarten sind.[1][2][3][4]

Samtfußrüblinge (Flammulina) in Europa
Deutscher Name Wissenschaftlicher Name Autorenzitat
Schuppenkopf-Samtfußrübling Flammulina cephalariae Pérez-Butrόn & Fern.-Vic. 2007
Langsporiger Samtfußrübling Flammulina elastica (Sacc. 1887) Redhead & R.H. Petersen 1999
Blasshütiger Samtfußrübling
Wurzelnder Samtfußrübling
Flammulina fennae Bas 1983, ‘Flammulinae’
Hauhechel-Samtfußrübling
Steppen-Samtfußrübling
Triften-Winterpilz
Flammulina ononidis Arnolds 1977
Pappel-Samtfußrübling Flammulina populicola Redhead & R.H. Petersen 1999
Russischer Samtfußrübling
Rossica-Samtfußrübling
Flammulina rossica Redhead & R.H. Petersen 1999
Gemeiner Samtfußrübling Flammulina velutipes (Curtis 1782 : Fr. 1821) Singer 1951 [1949]

In die Gattung Laccariopsis ausgelagerte Art[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der mit Gemeinem Strandhafer vergesellschaftete Laccariopsis mediterranea war zuvor als Flammulina mediterranea (Mediterraner Samtfußrübling) unter anderem der Gattung der Samtfußrüblinge zugeordnet, danach als Xerula mediterranea („Ziegelrötlicher Wurzelrübling“) der Gattung Wurzelrüblinge; unter dem letztgenannten Synonym wird er auch im Pilzkompendium geführt, in dem eine Anmerkung erläutert, dass die gattungsmäßige Zuordnung dieses Pilzes noch nicht endgültig gesichert sei.

Deutscher Name Wissenschaftlicher Name Autorenzitat
Laccariopsis mediterranea
syn. Flammulina mediterranea
syn. Xerula mediterranea
syn. Oudemansiella mediterranea
syn. Hydropus mediterraneus
(Pacioni & Lalli 1985) Vizzini 2013 [2012]
(Pacioni & Lalli 1985) Bas & Robich 1988
(Pacioni & Lalli 1985) Quadr. & Lunghini 1990
(Pacioni & Lalli 1985) E. Horak 1988
Pacioni & Lalli 1985

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Samtfußrüblinge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erhard Ludwig: Beschreibungen. Die kleineren Gattungen der Makromyzeten mit lamelligem Hymenophor aus den Ordnungen Agaricales, Boletales und Polyporales. In: Pilzkompendium. Band 1. IHW, Eching 2001, ISBN 978-3-930167-43-2 (758 Seiten, deutsch mit englischen Zusammenfassungen, 17 × 24 cm, enthält 20 neue Taxa und 13 Neukombinationen).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ronald H. Petersen, Karen W. Hughes, Scott A. Redhead: The genus Flammulina. A Tennessee tutorial. In: University of Tennessee Mycology Lab of the College of Arts & Sciences of The University of Tennessee Knoxville. The University of Tennessee Knoxville, archiviert vom Original am 12. März 2016; abgerufen am 30. November 2017 (englisch).
  2. Soňa Ripková, Karen Hughes, Slavomír Adamčík, Viktor Kučera, Katarína Adamčíková: The delimitation of Flammulina fennae. In: Mycological Progress. Band 9, Nr. 4, 2010, S. 469–484, doi:10.1007/s11557-009-0654-9 (PDF; 545 KB).
  3. Eric Strittmatter: Die Gattung Flammulina. In: Fungiworld.com. Pilz-Taxa-Datenbank. 10. August 2005; abgerufen am 26. Dezember 2012 (inklusive Update Nr. 16).
  4. Achim Bollmann, Andreas Gminder, Peter Reil: Abbildungsverzeichnis europäischer Großpilze. In: Jahrbuch der Schwarzwälder Pilzlehrschau. 4. Auflage. Volume 2. Schwarzwälder Pilzlehrschau, 2007, ISSN 0932-920X (301 Seiten; Verzeichnis der Farbabbildungen fast aller europäischen Großpilze (> 5 mm) inkl. CD mit über 600 Gattungsbeschreibungen).