Samuel Holdheim

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Samuel Holdheim um 1838

Samuel Holdheim (geboren 1806 in Kempen (damals Südpreußen, heute Polen); gestorben am 22. August 1860 in Berlin) war ein jüdischer Gelehrter und Rabbiner des Reformjudentums.

Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Samuel Holdheim war der Sohn von Isaak Holdheim. Er absolvierte ein Talmudstudium im Kempen, danach war er Privatlehrer. In den weltlichen Wissenschaften war er Autodidakt. Er war Schüler bei dem Rabbiner Joseph-Joske Spiro in Kurnik, dessen Tochter er heiratete. Die Ehe wurde jedoch bald wieder geschieden.

Ordiniert wurde er von Löb Glogau und Samuel Landau in Prag, von Izak Spitz in Jungbunzlau, von Chaim Deutschmann in Kolín und von anderen österreichischen Rabbinern.

1833 war er Gasthörer an der Karl-Ferdinands-Universität in Prag.

1836 heiratete er Caecilie Salomon (1813–1889), Tochter des Nathan Salomon aus Frankfurt/Oder.

1839 promovierte er in Leipzig.

Berufsleben und Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Samuel Holdheim war von 1836 Oberrabbiner in Frankfurt (Oder), dann ab 1840 Großherzoglich Mecklenburg-Schwerinscher Landesrabbiner. Er folgte damit, bei abgewandeltem Titel, Josua Falk Albu (1767—1832), dem Ober-Landesrabbiner von Mecklenburg-Schwerin, vierter in der 1763 begonnenen Reihe oberster Rabbinen des Landes. Holdheim wohnte in Schwerin im Rabbinerhaus Großer Moor 12. Als Landesrabbiner folgte ihm David Meyer Einhorn. 1847 wurde Holdheim Prediger bei der 1845 gegründeten Reformgenossenschaft zu Berlin, als deren entschiedenster Vertreter er bis zu seinem Tode wirkte. In seine Amtszeit fiel die Erbauung (1852/1853) der Reformsynagoge in der Johannisstraße 16 nach Plänen Gustav Stiers (1807—1880).[1] Holdheim starb am 22. August 1860.

Neben mehreren Bänden Predigten und kleineren Aufsätzen veröffentlichte er:

  • Über die Autonomie der Rabbinen und das Princip der jüdischen Ehe. Ein Beitrag über einige das Judenthum betreffende Zeitfragen. Kürschner, Schwerin 1843 (Digitalisat)
  • Ueber die Beschneidung zunächst in religiös-dogmatischer Beziehung. Kürschner, Schwerin and Berlin 1844 (Digitalisat).
  • Geschichte der Entstehung und Entwickelung der jüdischen Reformgemeinde in Berlin, im Zusammenhang mit den jüdisch-reformatorischen Gesammtbestrebungen der Neuzeit. Springer, Berlin 1857 (Digitalisat).

Nach seinem Tod erschien noch eine hebräische Schrift über Ehegesetze (Ma'amar ha-išût, Berlin 1861).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ralph Bisschops: Metaphor as the Internalization of a Ritual - With a Case Study on Samuel Holdheim (1806–1860). In: Ralph Bisschops & James Francis (Herausgeber): Metaphor, Canon and Community - Jewish, Christian and Islamic Approaches. Peter Lang, Bern 1999, S. 284–307ff.
  • Dirk Drewelow: Das Landesrabbinat des Reformers Samuel Holdheim im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin (1840–47). Rostock, Univ., Dissertation, 2003.
  • Vanessa Krahl: Das religiöse Reformkonzept von Samuel Holdheim. Magisterarbeit, Freie Univ. Berlin, 2006.
  • Immanuel Heinrich Ritter: Samuel Holdheim: Sein Leben und seine Werke. Ein Beitrag zu d. neuesten Reformbestrebungen im Judenthume. (= Geschichte der jüdischen Reformation; Teil 3). W. J. Peiser, Berlin 1865.
  • Immanuel Heinrich Ritter: Holdheim, Samuel. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 12, Duncker & Humblot, Leipzig 1880, S. 734 f.
  • Hans-Joachim SchoepsHoldheim, Salomon. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 9, Duncker & Humblot, Berlin 1972, ISBN 3-428-00190-7, S. 526 f. (Digitalisat).
  • Christian Wiese (Hrsg.): Redefining Judaism in an age of emancipation: comparative perspectives on Samuel Holdheim (1806–1860). (= Studies in European Judaism; 13). Brill, Leiden und Boston 2007, ISBN 90-04-15265-2.
  • Eintrag HOLDHEIM, Samuel, Dr. In: Michael Brocke und Julius Carlebach (Herausgeber): Biographisches Handbuch der Rabbiner. Teil 1: Die Rabbiner der Emanzipationszeit in den deutschen, böhmischen und großpolnischen Ländern 1781-1871. K·G·Saur, München 2004, S. 454 f.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenschild der Landesrabbiner-Holdheim-Straße in der Altstadt von Schwerin

Mit Beschluss vom 25. Januar 2010 wurde zu Ehren Samuel Holdheims die Schweriner Schlachterstraße im Abschnitt der Hausnummern 1–7 in „Landesrabbiner-Holdheim-Straße“ umbenannt.[2][3]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Samuel Holdheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Katrin Richter, „Berlin - Überreste von Synagoge entdeckt: Bei Bauarbeiten konnten Fundamente des »Reformtempels« freigelegt werden“, in: Jüdische Allgemeine (27. Mai 2016).
  2. Mecklenburgischen Landesrabbiner Samuel Holdheim würdigen. Landeshauptstadt Schwerin, 23. November 2009, abgerufen am 9. September 2014.
  3. Axel Seitz: Schwerin: Eine Straße für den Rabbi. In: Jüdische Allgemeine. 4. März 2010, abgerufen am 9. September 2014.
Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888 bis 1890.
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