Samuel Widmer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Samuel Widmer

Paul Samuel Widmer Nicolet (* 24. Dezember 1948 in Zuchwil;[1]18. Januar 2017 in Lüsslingen-Nennigkofen[2]) war ein Schweizer Arzt, Psychiater, Psychotherapeut und Autor. Er war Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (FMH), tätig in eigener Praxis und lebte sowie arbeitete in Lüsslingen-Nennigkofen in der Nähe von Solothurn, wo er die Kirschblüten-Gemeinschaft gründete. Seine Methoden sind umstritten.

Lehre und Praxis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Samuel Widmer praktizierte Psycholytische Psychotherapie. Bis 1993 hatte er eine Spezialbewilligung vom BAG (Bundesamt für Gesundheit), die ihm erlaubte, psycholytische Psychotherapien mit den Substanzen MDMA und LSD durchzuführen.[3] Er war Mitbegründer des Europäischen Collegiums für Bewußtseinsstudien (ECBS) und der „Schweizerischen Ärztegesellschaft für Psycholytische Psychotherapie“ (SÄPT). Widmer referierte u. a. auf den Basler Psychotherapietagen. Er leitete spirituelle Workshops, Meditations- und Tantra-Seminare sowie Meditationsreisen.

Widmer lebte mit zwei Frauen zusammen und hatte mit beiden elf Kinder. Um Samuel Widmer und seine Frau Danièle Nicolet herum ist die Kirschblütengemeinschaft entstanden, ein Kollektiv mit etwa 80 Erwachsenen und 55 Kindern.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der ARD-Sendung „Ich mach Dich gesund!“ Scharlatane und falsche Heiler wurde Widmer 2015 aufgrund einer verdeckten Recherche vorgeworfen, Patienten nach wie vor Mescalin und MDMA zu verabreichen. Gruppensitzungen mit Patienten würden in „Drogentrips“ ausarten. Er wurde in der Sendung als „dubioser Heiler“ bezeichnet, seine Methoden seien lebensgefährlich. Sie wurden für schwere Gesundheitsschäden bei einer Patientin und für zwei Todesfälle bei Patienten seines Schülers Garri R. verantwortlich gemacht.[4][5]

Der Tages-Anzeiger berichtete im März 2015 von einem Ermittlungsverfahren der Schweizer Polizei gegen Widmer wegen Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz. 2009 sei es in einer Therapiesitzung bei ihm zu schweren Vergiftungserscheinungen bei Teilnehmern gekommen; weitere Vergiftungsfälle seien ausserhalb seiner Praxis aufgrund seiner Therapiemethoden aufgetreten. In seiner Kirschblütengemeinschaft habe er den Rang eines Guru, Berichten von Aussteigern zufolge halte er seine Anhänger in sektenhafter Abhängigkeit.[3]

2017 berichtete die Drehbuchautorin Ariela Bogenberger in Petra K. Wagners Dokumentarfilm Aussteigen von ihrer 18-jährigen Mitgliedschaft (1997–2015) in der sektenartigen Kirschblütengemeinschaft von Widmer.[6][7]

Die Autoren Markus Thöß und Harriet Kloss von 37 Grad schildern am Beispiel der Schauspielerin Sabine Bundschu die lebensbedrohlichen Erfahrungen der durch Widmer sektenartig geführten Kirschblütengemeinschaft. Die gefährlichen Therapiemethoden fordern hohe Kosten (50.000 Euro) und haben bei Bundschu einen Schlaganfall verursacht.[8]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aus der Stille. Short cuts to enlightment. Basic Edition, Basel 1997, ISBN 3-906410-37-4.
  • Ecstasy. Die User-Fibel. Edition Heuwinkel, Genf 1996, ISBN 3-906380-24-6.
  • Essenz schauen. Vom Ruhen im Urgrund allen Seins. Basic Edition, Basel 1998, ISBN 3-9521250-3-2.
  • Im Irrgarten der Lust. Abschied von der Abhängigkeit; die Geburt der Freude. Edition Heuwinkel, Genf 1997, ISBN 3-906410-38-2.
  • Ins Herz der Dinge lauschen. Vom Erwachen der Liebe; über MDMA und LSD; die unerwünschte Therapie. Nachtschatten-Verlag, Solothurn 2002, ISBN 3-907080-03-3.
  • Des Kaisers Nacktheit, des Kaisers Dummheit. Von Freundschaften und Feindschaften. Basic Edition, Gerolfingen 2003, ISBN 3-9521758-9-7.
  • Tantra – ein Lehrbuch von der Liebe Lebenskunst, mit Marianne Principi, Basic Editions, Nennigkofen 2016, ISBN 978-3-9524413-3-6.

Audio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Detailseite Kulturschaffende. In: sokultur.ch, abgerufen am 24. Januar 2017.
  2. Gabriela Battaglia, Ralph Donghi, Gregory Remez: Blüht der Sekte jetzt ein Witwenkrieg? In: Blick.ch vom 19./20. Januar 2017, abgerufen am 22. Januar 2017.
  3. a b Hugo Stamm: Drogentherapien mit Hunderten von Klienten, Tages-Anzeiger, 22. März 2015, abgerufen am 23. März 2015.
  4. „Ich mach Dich gesund!“ Scharlatane und falsche Heiler. ARD, archiviert vom Original am 26. März 2015; abgerufen am 18. Januar 2017 (ausgestrahlt am 23. März 2015, in der ARD-Mediathek bis zum 23. März 2016 abrufbar gewesen).
  5. DER SPIEGEL: Tödliche Therapie: Gericht verurteilt Drogenarzt zu Haft und Berufsverbot - DER SPIEGEL - Panorama. Abgerufen am 20. Oktober 2020.
  6. Katharina Riehl: BR-Doku "Aussteigen" - Drogen, Sex und Hilflosigkeit. Abgerufen am 14. Februar 2022.
  7. Stuttgarter Zeitung, Stuttgart Germany: Ariela Bogenberger über ihre Sektenerfahrung: Gefangen in der „Kirschblütengemeinschaft“. Abgerufen am 14. Februar 2022.
  8. Markus Thöß und Harriet Kloss: In den Fängen von Scharlatanen. In: 37 Grad. ZDF, 19. November 2019, abgerufen am 22. November 2019.