San Gusmè

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San Gusmè
SanGusmeCastelnuovoBerardengaPanorama2.JPG
Panorama von San Gusmè
Staat: Italien
Region: Toskana
Provinz: Siena (SI)
Gemeinde: Castelnuovo Berardenga
Koordinaten: 43° 23′ N, 11° 30′ OKoordinaten: 43° 23′ 17″ N, 11° 29′ 51″ O
Höhe: 465 m s.l.m.
Einwohner: 239 (2017)
Patron: Santi Cosma e Damiano
Telefonvorwahl: 0577 CAP: 53019

San Gusmè ist ein Ortsteil (Fraktion, italienisch frazione) von Castelnuovo Berardenga in der Provinz Siena, Region Toskana in Italien.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort, früher auch San Gusmè in Campi, San Gusmè nel Chianti oder Castello San Cosmae genannt,[1] liegt 5 km nördlich des Hauptortes Castelnuovo Berardenga und 16 km nordöstlich der Provinzhauptstadt Siena im östlichen Teil des Chianti senese am Berg Monte Luco. Der Ort liegt am Fluss Ombrone bei 465 m s.l.m. und hatte 2001 ca. 250 Einwohner.[2] 2017 waren es 239 Einwohner.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panorama von San Gusmè

Namensgebend für den Ort ist die alte Kirche Santi Cosma e Damiano, aus der Sancti Cosme und später San Gusmè wurde.[4] Erstmals schriftlich erwähnt wurde der Ort im Februar 867, als Winigi di Raginieri (Ranieri) mit seiner Frau Richilda das Kloster Monastero di San Salvatore della Berardenga stiftete. 1167 übernimmt Cristiano Vescovo di Magonza, Vikar von Friedrich I., den Ort als Lehen. Zwanzig Jahre später gelangt der Ort bzw. die Burg mit Borgo (Unterstadt) an die Familie der Ricasoli, was von Heinrich VI. bestätigt wurde. Am 11. September 1478 wurde San Gusmè von Alfons II. eingenommen.[4] Weitaus größere Schäden am Ort entstanden im Konflikt zwischen Siena und Florenz, als der Ort zuerst am 25. Februar 1554 von den Truppen aus Florenz eingenommen wurde, und am 13. Mai desselben Jahres, als der Ort von den gleichen Militäreinheiten niedergebrannt wurde.[1]

Bis zum 2. Juni 1777 war der Ort selbständig, dann kam er durch die Gebietsreform Riforma Leopoldina von Leopold II. als Ortsteil zu Castelnuovo Berardenga.[4] Die Schutzpatrone des Ortes sind die hl. Cosmas und Damian.

Auf dem Friedhof des Dorfes San Gusmè erinnert ein schlichtes Denkmal daran: Am 4. Juli 1944 wurden von deutschen Soldaten der Division Hermann Göring neun Dorfbewohner, zumeist Frauen und kleine Kinder, erschossen. 2014 wurde das deutsch-italienische Theaterprojekt „Albicocche rosse - Blutige Aprikosen“ von Ulrich Waller zusammen mit Matteo Marsan und Dania Hohmann über das Kriegsverbrechen der deutschen Soldaten vor Ort aufgeführt.[5]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hauptplatz Piazza Castello in San Gusmè
Die Pieve dei Santi Cosma e Damiano in San Gusmè
Die Kirche der Compagnia della Santissima Annunziata
  • Pieve dei Santi Cosma e Damiano, Pieve im Ortskern, die seit 867 bekannt ist und zunächst der Pieve von San Felice (San Felice in Pincis) unterstand.[1] Die heutige Fassade stammt aus dem 20. Jahrhundert.
  • Chiesa della Santissima Annunziata, auch Chiesa della Compagnia della Santissima Annunziata, Kirche im Ortskern aus dem 14. Jahrhundert.[6]
  • Luca Cava, 1888 entstandene ironische Steinstatue von Giovanni Bonechi, die in den 1930er Jahren zerstört und in den 1970er Jahren auf Initiative von Silvio Gigli durch Marcello Neri als Keramikfigur reinstalliert wurde. Der Entwurf stammt von Emilio Giannelli. Die Inschrift lautet re, imperatore, papa, filosofo, poeta, contadino e operaio: l’uomo nelle sue quotidiane funzioni. Non ridete, pensate a voi stessi[7] (König, Herrscher, Papst, Philosoph, Poet, Bauer und Arbeiter: Der Mensch bei seinen täglichen Verrichtungen. Nicht lachen, denkt [lieber] über euch selber nach).
  • Teile der alten Stadtmauern, die ab 1370 entstanden mit zwei Stadttoren. Die beiden Stadttore aus dem 14. Jahrhundert sind die Porticciola, auch Porta Senese genannt (enthält heute noch das Wappen (Balzana) der seneser Republik) und das südwestliche Tor. Das dritte, Porta Nuova, stammt aus dem Jahr 1939.[8]
  • Villa Arceno, Villa der Familie Piccolomini Clementini[9], die ca. 1 km südlich des Ortes liegt und aus dem 17. Jahrhundert stammt. Wurde 1833 von dem seneser Architekten Agostino Fantastici (* 1782 in Siena, † 24. Juli 1845 ebd.)[10] umgestaltet und um den Garten und die Kapelle erweitert.[11]
  • Sorgenti dell’Ombrone, Quelle des Flusses zwischen Campi (646 m) und San Gusmè etwa 500 Meter nördlich des Ortes.[12]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die deutsche Schauspielerin, Bühnenbildnerin und Regisseurin Elke Lang wurde am 24. Januar 1998 auf dem Friedhof von San Gusmè beigesetzt.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Enrico Bosi, Giovanna Magi: I Castelli del Chianti. Bonechi Editrice, Florenz 1979, ISBN 88-7009-000-0, S. 153.
  • Emanuele Repetti: GUSMÈ (S.) NEL CHIANTI, o S. GUSMÈ IN CAMPI (Castello S. Cosmae) in Val d’Ombrone senese. In: Dizionario Geografico Fisico Storico della Toscana (1833–1846), Onlineausgabe der Universität Siena (pdf, italienisch)
  • Touring Club Italiano: Toscana. Mailand 2003, ISBN 978-88-365-2767-0, S. 619.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: San Gusmè – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Emanuele Repetti: GUSMÈ (S.) NEL CHIANTI, o S. GUSMÈ IN CAMPI (Castello S. Cosmae) in Val d’Ombrone senese. In: Dizionario Geografico Fisico Storico della Toscana (1833–1846)
  2. Offizielle Webseite des ISTAT (Istituto Nazionale di Statistica) zu den Einwohnerzahlen 2001 in der Provinz Siena, abgerufen am 18. Mai 2012 (italienisch)
  3. Italia in dettaglio zu San Gusmè, abgerufen am 7. Januar 2018 (italienisch)
  4. a b c EcoMuseo Chianti zu San Gusmè
  5. Juliane Voigt: Dem Schrecken gemeinsam begegnen. Erinnerungskultur: Ein deutsch-italienisches Theaterprojekt.
  6. (sangusme.it/public/pages/territorio.asp) Webseite des Pro Loco San Gusmè zur Chiesa della Santissima Annunziata, abgerufen am 20. Mai 2012 (italienisch), nicht mehr abrufbar
  7. (sangusme.it/public/pages/lucacava.asp) Webseite des Pro Loco San Gusmè zu Il Luca Cava, abgerufen am 18. Mai 2012 (italienisch), nicht mehr abrufbar
  8. Rolando Cherubini: La mia terra di Siena: San Gusmè. Webseite, abgerufen am 10. Januar 2017 (italienisch)
  9. Emilia Daniele, Paolo Bertoncini Sabatini: L’arte dell’abitare in Toscana. Forme e modelli della residenza fra città e campagna, Edizioni Polistampa, Florenz 2011, ISBN 978-88-596-0839-4, S. 255
  10. Agostino Fantastici im Dizionario Biografico degli Italiani, abgerufen am 20. Mai 2012 (italienisch)
  11. Enrico Bosi, Giovanna Magi: I Castelli del Chianti.
  12. toscananatura.it: Le Sorgenti dell’Ombrone, abgerufen am 10. Januar 2017 (italienisch)