San Lorenzo in Damaso

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San Lorenzo in Damaso
Diözese: Rom
Patrozinium: Laurentius von Rom
Religion: Römisch-katholische Kirche
Kardinalpriester: Antonio María Rouco Varela
Anschrift: Piazza della Cancelleria
00186 Roma
San Lorenzo in Damaso

San Lorenzo in Damaso (lateinisch: Sancti Laurentii in Damaso) ist eine dem römischen Diakon und Märtyrer Laurentius von Rom geweihte Basilika und Titelkirche in Rom, die der Überlieferung nach um 380 von Papst Damasus I. auf dem Marsfeld errichtet wurde. Sie war damit eine der ältesten Kirchen Roms. Als Titelkirche ist sie jeweils einem Kardinal als Pfarrkirche zugewiesen. Titulare, die auch als Bauherren der Kirche wirkten, waren unter anderem Ludovico Trevisan und Raffaele Riario. Die Kirche ist seit der Erbauung des Palazzo della Cancelleria in den Gebäudekomplex dieses Renaissance-Palastes einbezogen und hat keine eigene äußere Fassade. Die Bedeutung der Kirche wird durch ihren Titel Basilica minor unterstrichen.

Die Kirche Santa Maria in Monterone war seit dem Mittelalter bis 1815 Filialkirche des Kapitels von San Lorenzo in Damaso.

Geschichtlicher Überblick[Bearbeiten]

San Lorenzo in Damaso (lateinisch: Sancti Laurentii in Damaso), gelegen an der Piazza della Cancelleria im Stadtteil Parione, ist eine der ersten frühchristlichen Kirchen Roms. Im 5. Jahrhundert existierten auf dem Marsfeld nur zwei christliche Kirchen, San Lorenzo in Lucina und San Lorenzo in Damaso.[1] Der ursprüngliche Name der letzteren war Basilica S. Laurentii ad theatrum Pompeji oder auch S. Larentii in prasino. Vermutlich war die Kirche über einem römischen Mithräum erbaut. Seit der Synode des Papstes Symmachus im Jahre 499 ist sie als Titulus Damasi bekannt und wurde der Überlieferung nach von Papst Damasus I. um 380 in Form einer fünfschiffigen frühchristlichen Basilika erbaut. In der Apsis unter dem Altarbild der heutigen Kirche findet sich ein Damasus zugeschriebenes Distichon, das den Bau der Kirche feiert:

HAEC DAMASVS TIBI CHRISTE DEVS NOVA TECTA DICAVI LAVRENTII SAEPTVS MARTYRIS AVXILIO (EX VNICO CODICE VIRDVNENSE)
Dieses neue Haus habe ich, Damasus, Dir Christus Gott geweiht; beschützt durch die Hilfe des Märtyrers Laurentius (aus dem einzigen Codex Veronese).

Die ursprüngliche Basilika war west-östlich ausgerichtet; die Vorderseite zeigte in Richtung Via del Pellegrino. Vor der Fassade befand sich ein doppelter Bogengang. Sie lag zwischen der heutigen Piazza della Cancelleria und dem Garten hinter dem Palast am Versammlungsplatz der grünen Zirkuspartei (griechisch ‚prasinoi‘), der an das Theater des Pompeius angrenzte; daher der Name S. Larentii in prasino. Sie lag um etwa 2 Meter tiefer als der Platz, zu dem einige Stufen führten. Der Bau der neuen Kirche durch Raffaele Riario auf dem Bauschutt der alten, führte zu einem Ausgleich des Niveaus. Das Besondere an der inneren Raumaufteilung der alten Basilika war die Lage des Querschiffes, das nicht – wie in anderen Basiliken – vor, sondern als Art Portikus hinter der Apsis lag. Somit war das Kirchenschiff von Portici umfasst, in denen sich die Schriftdokumente der Römischen Kirche befanden.[2] Eine heute nicht mehr vorhandene Inschrift über dem Eingang zur Kirche: „ARCHIVIS FATEOR VOLUI NOVA CONDERE TECTA ADDERE PRETEREA DEXTRA LAEVAQUE COLUMNAS QUAE DAMASI TENEANT PROPRIUM PER SAECULA NOMEN Ich bekenne, ich wollte für die Archive, die Jahrhunderte lang des Damasus Namen tragen eine neue Unterkunft schaffen und zur vorhergehenden rechts und links Säulen anfügen“ weist darauf hin, dass Archive der Römischen Kirche vor der Zeit des Damasus bis zur Einrichtung des Scrinium Sanctum (Heiligen Schreins) im Lateran, im rechten und linken Portikus der Laurentius Basilika untergebracht waren.[3]

Gedenktafel zum Wiederaufbau des Atriums der Kirche San Lorenzo in Damaso im Palazzo della Cancelleria, Rom

Ausgrabungen unter dem Cortile des Palazzo della Cancelleria 1988 – 1991 haben Fundamente aus dem 4. und 5. Jahrhundert freigelegt und damit die Kirchengründung bestätigt. Darüber hinaus entdeckte man einen Friedhof, der vom 8. bis ins frühe 15. Jahrhundert genutzt wurde.

Anfang des 15. Jahrhunderts wurde die Kirche von Kardinal Ludovico Trevisan fundamental umgestaltet, erweitert und in seinen neu erbauten Palast einbezogen. Mit dem Bau des Palazzo della Cancelleria von 1485 bis 1513 durch Kardinal und Titular der Kirche San Lorenzo in Damaso, Raffaele Riario, wurde der Vorgängerbau abgerissen und die Kirche in den Palastbau integriert. Der Kirchenbau verschwand ganz hinter der einheitlichen Palastfassade.[4]

Auf Wunsch des Kardinals Francesco Barberini gestaltete Gian Lorenzo Bernini (1638–1640) das Presbyterium im barocken Stil um, indem er die Apsis und die Confessio schuf. Im Februar 1703 wurde das durch ein Erdbeben beschädigte Atrium der Kirche von Kardinal Ottoboni wieder aufgebaut, wie die Inschrift über dem Kircheneingang vom Cortile des Palazzo della Cancelleria bezeugt. Am 24. Januar 1752 fand in der Basilika einen Tag nach seiner Geburt die Taufe des Komponisten und Pianisten Muzio Clementi (1752–1832) auf die Namen Mutius Philippus Vincentius Franciscus Xaverius statt.

Während der ersten französischen Besatzung durch Napoleon 1798 diente die Kirche zeitweise als Pferdestall, wurde jedoch bereits 1807 von Giuseppe Valadier restauriert. Er versetzte das Presbyterium um zwei Bögen nach vorne, reduzierte das Hauptschiff auf ein Rechteck und überdeckte es mit einem Bogengewölbe. Ende des 19. Jahrhunderts erhielt die Kirche auf Veranlassung Papst Pius IX. ihre Renaissance-Ausstattung weitgehend zurück. Virginio Vespignani entfernte dazu zwischen 1868 und 1882 viele Eingriffe von Valadier und Bernini. Die letzte Renovierung erfuhr die Kirche 1944 nach einem Brand im Innenraum, wobei auch der an das Presbyterium angrenzende große Raum des Valadier beseitigt wurde. Heute befindet sich in der Kirche neben den wichtigen Institutionen der Kurie im Palazzo della Cancelleria ein Teil der Vatikanischen Bibliothek.

Architektur[Bearbeiten]

Die heutige Kirche hat die Form einer dreischiffigen Basilika. Ihre Dimensionen betragen in der Länge 48,60 Meter und in der Breite 34,40 Meter. Die strenge und monumentale Travertin-Fassade des Palazzo della Cancelleria wird im Erdgeschoss von zwei eleganten Portalen unterbrochen. Das kleinere Portal rechts führt zur Kirche. Der Kirchenbau ist in der Fassadengestaltung nicht, wie im ähnlich gelagerten Fall von San Marco am Palazzo Venezia, mehr erkennbar.[5]

Innenraum-Gestaltung und Ausstattung[Bearbeiten]

Grundriss von San Lorenzo in Damaso

Der Innenausbau der Palastkirche zum Ende des 15. Jahrhunderts wird u.a. Donato Bramante als mögliches Frühwerk in Rom zugeschrieben. Wie bei dem Palazzo della Cancelleria sind die Baumeister nicht mehr gesichert festzustellen. Die ursprünglichen Säulen, die im Cortile des Palastes Verwendung fanden, ersetzte man durch Pfeiler, veränderte entsprechend die Joche und erhöhte das Mittelschiff auf die Höhe des Piano nobile, um dem Kirchenschiff Raum und Weite zu geben. „Viele Fenster sitzen zwar symmetrisch in der Fassade und im Hof, jedoch asymmetrisch in der Kirche, wie auch ihre Travertinpfeiler verraten, dass der Hof absoluten Vorrang genoss“.[6]

Das Kircheninnere gibt heute die Struktur des späten 15. Jahrhundert mit der charakteristischen Raumdimensionierung und -aufteilung, ähnlich der in der alten Kirche, die einen äußeren und einen inneren Portikus aufwies, wieder. Diese Struktur ist in den zwei Querschiffen (Portici) aufgenommen, die mit Bögen auf quadratischen Pilastern und Kreuzrippengewölben als Vestibül fungieren.

Im ersten Querschiff rechts befindet sich die Cappella Ruffo (A), für den Kardinal Tommaso Ruffo 1743 umgebaut. Das Altarbild zeigt die Jungfrau Maria, den Hl. Filippo Neri und den Hl. Nikolaus von Bari. Die Fresken im Deckengewölbe stellen Gottvater mit dem Hl. Nikolaus von Bari und die vier Tugenden dar. Der Nebenausgang aus der Kirche links der Ruffo Kapelle führt in den Corso Vittorio Emmanuele II. Im ersten Querschiff links befindet sich die Kapelle des Hl. Sakraments und der 5 Wunden (B). Das Altarbild 'Das letzte Abendmahl' ist ein Werk von Vincenzo Berrettini aus dem Jahre 1818.

San Lorenzo in Damaso, Sakramentskapelle (B)

Am Pilaster gegenüber dem Eingang ist das Grabmal des italienischen Opernkomponisten Giovanni Pacini (C). An den Seiten des ersten Porticus stehen die Statuen der Heiligen Franziskus Xaverius (D) und Karl Borromäus (E) von Stefano Maderno aus dem Jahr 1610. Im zweiten Querschiff links das Portal (F) mit geschmückten Marmorpilastern aus dem Ende des 15. Jahrhunderts führt zum Cortile des Palazzo della Cancelleria.

Ausgang zum Cortile (F)

Im Hochaltar befindet sich die Grablege des Papstes Damasus I. Eine Abbildung mit dem Hinweis auf sein Grab findet man heute noch am Altar. Eine im British Museum aufbewahrte Projektzeichnung (AN39944001) zeigt den im Auftrag des Kardinals Trevisan angefertigten Entwurf für den Hochaltar der Kirche.[7] L. Frommel ordnet diese Projektzeichnung dem Leon Battista Alberti zu. Den heutigen Baldachin auf vier Alabastersäulen schuf Virginio Vespignani. Das Altarbild mit der Krönung Mariens und Heilige wurde von Federico Zuccari für diese Kirche geschaffen.

Rechtes Seitenschiff: Die Kruzifix- oder Massimokapelle (G) ist 1582 durch das Zusammenlegen von drei Kapellen entstanden. Auf dem Altar ein Holzkreuz (H) aus der römischen Schule des 14. Jahrhunderts. An der Außenseite das Monument der jung verstorbenen Prinzessin Maria Gabriella di Savoia Massimo (I). Kapelle Sacro Cuore (J): außen findet sich das Denkmal für den italienischen Politiker und Diplomaten Pellegrino Rossi (1854).

Linkes Seitenschiff: Neben dem Presbyterium befindet sich die Kapelle der Empfängnis (K), die von Pietro da Cortona 1635 bis 1638 umgestaltet und 1859 restauriert wurde. Im Seitenschiff sind weiters zu finden das der Schule des Andrea Bregno zugeschriebene Grabmonument (L) für Kardinal Ludovico Trevisan Mezzarota Scarampo (1505) sowie das Monument (M) des Dichters Annibal Caro (1566).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • S. Valtieri: La Basilica di S. Lorenzo in Damaso nel palazzo della Cancelleria a Roma, attraverso il suo archivio ritenuto scomparso. Rom 1984.
  • Mariano Armellini: Le Chiese di Roma. Edizioni del Pasquino, Rom 1891.
  • Guida d'Italia. Touring Club Italiano, Rom 1999.
  • Reclams Kunstreiseführer Rom und Latium, Band V. Philipp Reclam jun., Stuttgart 1962.
  • Christoph Luitpold Frommel: Die Architektur der Renaissance in Italien. C.H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-58142-7.
  • Stefan Grundmann (Hg.): Architekturführer Rom. Edition Axel Menges, Stuttgart/London 1997, ISBN 3-930698-59-5.
  • Pianta della Basilica Parrocchiale di San Lorenzo in Damaso (Aushang im Kircheninneren).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: San Lorenzo in Damaso – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. T.H. Neomario: Die Geschichte der Stadt Rom
  2. Armellini: Le chiese di Roma, Seite 374
  3. De Rossi, De origine historia indicibus scrinii et bibliothecae sedis Apostolicae
  4. Stefan Grundmann: Architekturführer Rom
  5. Stefan Grundmann: Architekturführer Rom
  6. Christoph L. Frommel: Die Architektur der Renaissance in Italien
  7. Francesco Caglioti: Sui primi tempi Romani d'Andrea Bregno: Un progetto per il Cardinale Camerlengo Alvise Trevisan (Kunsthistorisches Institut in Florenz)

41.89687112.472009Koordinaten: 41° 53′ 49″ N, 12° 28′ 19″ O