San Marcello

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Für die Gemeinden siehe San Marcello Pistoiese und San Marcello (Marken).
Basisdaten
Patrozinium: Hl. Marcellus
Weihetag:
Kardinalpriester: Giuseppe Betori
Anschrift: Piazza di San Marcello
00187 Roma
Die Fassade von Carlo Fontana
Das Relief über dem Portal, dargestellt ist die Szene, in der der Heilige die Tiara ablehnt

San Marcello (lat.: Sancti Marcelli), auch San Marcello al Corso ist eine Kirche in Rom. Sie ist Klosterkirche der Serviten und Titelkirche der römisch-katholischen Kirche. Sie steht auf einer Stelle, an der im 4. Jahrhundert Marcellus I. sein Martyrium erlitten haben soll, wurde im 9. und 12. Jahrhundert neu errichtet bzw. umgebaut, nach einem Brand zu Beginn des 16. Jahrhunderts völlig neu erbaut und letztlich barockisiert. Sie enthält einige vorzügliche Kunstdenkmäler.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche liegt im II. römischen Rione Trevi an der gleichnamigen Piazza di San Marcello, einem kleinen Platz unmittelbar an der Via del Corso, etwa 250 Meter nördlich der Piazza Venezia.

Geschichte und Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf den Hauptaltar

Die Kirche soll auf der Stelle stehen, an der – der Legende nach – der damalige Bischof von Rom, Marcellus I., unter dem römischen Kaiser Maxentius Arbeiten als Stallknecht verrichten musste und an den Folgen der schweren Arbeit starb.[1] Er soll dabei noch zu Lebzeiten sein Haus als Kirche geweiht haben.[2] Unter dem Pontifikat Papst Gregors IV. wurde im 9. Jahrhundert eine Kirche errichtet, diese wurde im 12. Jahrhundert in Stil der Romanik umgebaut. Dieser Bau brannte 1518[1] oder 1519[3] fast vollständig ab, erhalten blieben nur die Mauern des damaligen westlichen Querschiffes. Nach dem Brand entwarf Jacopo Sansovino den Neubau, er leitete die Bauarbeiten bis 1526. Er drehte den Bau vollständig, die alte Apsis lag an der heutigen Via del Corso, während nach seinem ausgeführten Entwurf das heutige Portal dort liegt. Nach seinem Weggang aus Rom in diesem Jahr führte Antonio da Sangallo d. J. die Arbeiten weiter, er vollendete die Kirche bis 1593. Lediglich die Fassade wurde erst fast ein Jahrhundert später von Carlo Fontana etwa 1682/83 vollendet.

Grundstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche stellt sich heute als einschiffiger, flachgedeckter Saalbau dar, insgesamt öffnen sich zehn Seitenkapellen vom Hauptschiff aus. Vorbild dafür kann SS. Annzunziata in Florenz gewesen sein.[4]

Fassade[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fassade der Kirche folgt dem "klassischen" Schema des römischen Hochbarock: Sie besteht aus einem breiteren Untergeschoss mit Mittelrisalit und einem schmaleren Obergeschoss, das durch geschwungene Voluten flankiert wird. Die Fassade hat einen konkave Kurvatur, ihr Grundriss bildet ein Kreissegment. Diese Eigenschaft stellt eine Neuerung in der barocken Fassadengestaltung dar und hat Vorläufer bei Gianlorenzo Bernini, Francesco Borromini und Pietro da Cortona. Das untere Geschoss ist gegliedert durch gestaffelte Säulen kompositer Ordnung. Beiderseits des Portals stehen vorgezogene Doppelsäulen, die einen gesprengten Segmentbogen tragen; in der Wandschicht dahinter rahmen zwei einzelne Vollsäulen den Mittelrisalit; die beiden seitlichen Wandabschnitte sind von Pilastern und Statuennischen gegliedert; die Statuen stammen von Francesco Cavallini. Das von zwei Engeln in der Schwebe gehaltene Relief-Medaillon über dem Portal stammt von Antonio Raggi, es stellt den Hl. Philipp Benizi dar. Der leere Rahmen im gesprengten Giebel über dem Portal sollte ursprünglich ein Relief aufnehmen.[5] Das Obergeschoss der Fassade wiederholt die Gliederung des Untergeschosses in Form einer flachen kompositen Pilasterordnung, nur die rahmenden Elemente sind als Säulen ausgebildet. Bemerkenswert und für Rom sehr ungewöhnlich ist, dass die zu den seitlichen Fassadenabschnitten überleitenden Voluten mit Palmzweigen (Attribut der Märtyrer) geschmückt sind. Ein einfacher, aber plastisch konturierter, einmal verkröpfter Dreiecksgiebel schließt die Fassade nach oben ab. Die architektonische Komposition lehnt sich an die Fassade von SS. Vincenzo ed Anastasio bei der Fontana di Trevi an, die von Martino Longhi d. J. entworfen wurde. Die Fassade von San Marcello inspirierte zahlreiche Nachfolgebauten, z. B. Francesco De Sanctis bei seinem Entwurf der Hauptfassade der römischen Kirche Santissima Trinità dei Pellegrini (1722/23) und die Fassade des Neumünsters in Würzburg (1711-22).

Inneres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Doppelgrabmal von Jacopo Sansovino

Die prachtvolle Decke der Kirche stammt aus dem späten 16. Jahrhundert. Ein breiter Triumphbogen trennt die Apsis vom Hauptschiff. Das Dekor der Kirche ist in den üblichen Formen römischen Barocks gehalten, überaus reich bemalt und mit vergoldeten Stuckaturen versehen. Über dem Portal auf der Innenseite befindet sich eine große dramatische Kreuzigungsszene, geschaffen 1613 von Giovanni Battista Ricci. Links des Einganges zu sehen ist ein Doppelgrabmal von Jacopo Sansovino, geschaffen um 1519. Begraben wurden hier Antonio Orso und der Kardinal Giovanni Michiel, letzterer ein Neffe Papst Pauls II.

Dritte Kapelle rechts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kapelle enthält das Grab des Bischofs Matteo Grifoni, er starb 1567. Die toskanisch anmutende Arbeit soll von Michelangelo beeinflusst worden sein.[2]

Vierte Kapelle rechts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Kapelle enthält ein hölzernes Kruzifix. Es entstammt dem Vorgängerbau und überstand den Brand von 1518/19. Die Fresken in dieser Kapelle begann Pierin del Vaga, durch den Sacco di Roma 1527 wurde die Ausführung unterbrochen,[6] vollendet wurden sie dann von Daniele da Volterra und Pellegrino Tibaldi.

Vierte Kapelle links[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Kapelle befinden sich Fresken von Taddeo Zuccari. Sein Bruder Federico Zuccari schuf das Altargemälde Bekehrung des Hl. Paulus im Jahre 1558. Es befinden sich weiterhin Büsten hier bestatteter Mitglieder der Familie Frangipani in der Kapelle.

Sakristei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Sakristei befindet sich ein Gemälde, das eine Kreuzigungsszene darstellt und Anthonis van Dyck zugeschrieben wird.[1]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Rosendorfer: Kirchenführer Rom, S. 138.
  2. a b Wundram (Hrsg.): Reclams Kunstführer, Italien. Band V. Rom und Latium, S. 204.
  3. Wie die meisten Autoren, hier: Grundmann (Hrsg.): Architekturführer Rom, S. 252.
  4. Grundmann (Hrsg.): Architekturführer Rom, S. 252.
  5. Grundmann (Hrsg.): Architekturführer Rom, S. 253.
  6. Wiesel: Rom. Ein Kunst- und Reiseführer, S. 187.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stefan Grundmann (Hrsg.): Architekturführer Rom. Menges, Stuttgart, London 1997, ISBN 3-930698-59-5.
  • Herbert Rosendorfer: Kirchenführer Rom. 3. Auflage. Edition Leipzig, Leipzig 2005, ISBN 3-361-00485-3.
  • Johann M. Wiesel: Rom. Ein Kunst- und Reiseführer. 4. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 1966.
  • Manfred Wundram (Hrsg.): Reclams Kunstführer, Italien. Band V. Rom und Latium. Reclam, Stuttgart 1981, ISBN 3-15-008679-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: San Marcello al Corso – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 41° 53′ 55,4″ N, 12° 28′ 55″ O