San Vittore GR

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GR ist das Kürzel für den Kanton Graubünden in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens San Vittoref zu vermeiden.

San Vittore
Wappen von San Vittore
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Graubünden Graubünden (GR)
Region: Moesa
BFS-Nr.: 3835i1f3f4
Postleitzahl: 6534
Koordinaten: 728523 / 122316Koordinaten: 46° 14′ 24″ N, 9° 6′ 18″ O; CH1903: 728523 / 122316
Höhe: 278 m ü. M.
Höhenbereich: 253–2726 m ü. M.[1]
Fläche: 22,06 km²[2]
Einwohner: 864 (31. Dezember 2020)[3]
Einwohnerdichte: 39 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
25,7 % (31. Dezember 2020)[4]
Website: www.sanvittore.ch
Ansicht von Süden, links der Torre Palas

Ansicht von Süden, links der Torre Palas

Lage der Gemeinde
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Über dieses Bild
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Torre di Pala (Palasturm)
Museum Moesano: Ivo Strigel, Madonna mit Kind

San Vittore ist eine politische Gemeinde in der Region Moesa des Kantons Graubünden in der Schweiz.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: In Rot ein silbernes (weisses) Schwert mit goldenem (gelbem) Griff, überkreuzt von einem goldenen Kreuzstab mit silbernem Flaggenband.

Das Schwert und der Kreuzstab sind die Attribute der Kirchenpatrone Sankt Victor und Johannes der Täufer. Der Gemeindename bezieht sich auf Victors Namen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

San Vittore. Historisches Luftbild von Werner Friedli (1964)
San Lucio

Die Gemeinde grenzt im Westen an den Kanton Tessin und liegt auf beiden Seiten der Moësa und ist nur wenige Kilometer von der Tessiner Hauptstadt Bellinzona entfernt. Das Gemeindeareal links des Flusses ist unbesiedelt und bewaldet. Auf der rechten Seite des Flusses zieht sich die Gemeinde bis weit nach Norden bis auf eine Höhe von 2278 m ü. M. beim Mot Ciarin.

Die Gemeinde besteht aus dem Dorf und dem drei Kilometer westlich liegenden Ortsteil Monticello (337 m ü. M.)[5][6] direkt an der Kantonsgrenze. Vom gesamten Gemeindegebiet von knapp 22 km² sind 1469 ha von Wald und Gehölz bedeckt. Landwirtschaftlich nutzbar sind 341 ha und 331 ha sind unproduktive Fläche (meist Gebirge). Die restlichen 62 ha sind Siedlungsfläche.

Zum Gemeindegebiet gehört eine langgezogene Exklave, die Alpe di Rescignaga, die im Süden an Italien grenzt und vollständig von Gemeindegebiet von Roveredo umgeben ist.

Die Nachbargemeinden sind auch Buseno und Calanca sowie Arbedo-Castione im Kanton Tessin und Gravedona ed Uniti (ehemals Germasino) in Italien.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine erste Erwähnung findet das Dorf im Jahre 1168 unter dem damaligen Namen sancto Victore. Die älteste Kirche ist Santa Croce in Campagna; alt ist auch San Lucio in Palla und die Marienkirche in Monticello. Die Hauptkirche ist den Heiligen Sankt Victor und Johannes der Täufer geweiht. Das Chorherrenstift mit sechs Chorherren in San Vittore wurde 1219 von Heinrich von Sax gegründet. Diese hatten die Seelsorge in Misox und Calancatal inne. Mit der Anstellung eines eigenen Geistlichen anfangs des 17. Jahrhunderts begann die Abspaltung der einzelnen Kirchen und führte zur Auflösung des Stiftes.

Bis 1646 war San Vittore mit Roveredo vereinigt; damals fand die Teilung der Wälder und Alpen statt. Seither bildet es eine eigene Gemeinde, deren Geschichte mit derjenigen des Misoxertales zusammen fällt.[7]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1826 1850 1900 1950 1970 1980 2000[8] 2004 2010 2011 2012 2013 2020
Einwohner 465 594 517 468 666 555 657 688 714 724 742 754 864

Von den Ende 2004 688 Bewohnern sind 614 (= 89,24 %) Schweizer Staatsangehörige.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stiftskirche SS. Giovanni e Vittore[9][10] mit Altargemälde des Malers Bernardino Serodine (1645)[11]
  • Spätklassizistische Friedhofshalle erbaut 1854[12]
  • Kapelle San Lucio[13][10][14]
  • Oratorium Santa Croce in Richtung Monticello[10][15]
  • Oratorium Santa Maria della Neve erbaut 1513 im Ortsteil Monticello[10][16]
  • Casa Romagnoli[10][17]
  • Palazzo Viscardi, Museum Moesano[10][18][19]
  • Ca’ del Gerbo (Anfang 17. Jahrhundert) auf der Strasse nach Lumino[10][20]
  • Torre di Pala[10][21][22]
  • mehrere Schalensteine[23]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franco Binda: Il mistero delle incisioni. Armando Dadò editore, Locarno 2013, ISBN 978-88-8281-353-6.
  • Rinaldo Boldini: Chiese e museo di San Vittore (GR): guida storico-artistica = Kirchen und Museum von San Vittore (GR). Edizioni Pedrazzini, Locarno 1987.
  • Die Gemeinden des Kantons Graubünden. Chur/Zürich, 2003, ISBN 3-7253-0741-5.
  • Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 511–514.
  • Balser Puorger: San Vittore. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band 6, Saint Gelin – Schaffer. Attinger, Neuenburg 1921, S. 29, 30 (Digitalisat).
  • Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Band VI: Die italienischbündnerischen Talschaften Puschlav, Misox und Calanca. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 17). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1945, ISBN 978-3-906131-55-9.
  • Cesare Santi: San Vittore. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 3. Februar 2011.
  • Verschiedene Autoren: San Vittore. In: Storia dei Grigioni, 3 Bände, Collana «Storia dei Grigioni», Edizioni Casagrande, Bellinzona 2000.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: San Vittore – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BFS – generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Höhen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021.
  2. Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Flächen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021.
  3. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  4. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Ausländeranteil aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  5. Monticello auf portal.dnb.de (abgerufen am 26. November 2016).
  6. Monticello auf ethorama.library.ethz.ch/de/node
  7. Balser Puorger: San Vittore. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band 6, Saint Gelin – Schaffer. Attinger, Neuenburg 1921, S. 29, 30 (Digitalisat).
  8. Cesare Santi: San Vittore. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 3. Februar 2011.
  9. Stiftskirche Santi Giovanni e Vittore (Foto) auf baukultur.gr.ch
  10. a b c d e f g h Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 511–515, ISBN 978-88-7713-482-0
  11. Bernardino Serodine. In: Sikart
  12. Spätklassizistische Friedhofshalle (Foto) auf baukultur.gr.ch
  13. Annett Laube-Rosenpflanzer und Lutz Rosenpflanzer: San Lucio In: Architektur der Karolinger Imhof Verlag, Petersberg 2019, S. 111.
  14. Kapelle San Lucio (Foto) auf baukultur.gr.ch.
  15. Kapelle Santa Croce (Foto) auf baukultur.gr.ch.
  16. Kapelle Santa Maria della Neve (Foto) auf baukultur.gr.ch.
  17. Casa Romagnoli (Foto) auf baukultur.gr.ch.
  18. Palazzo Viscardi (Foto) auf baukultur.gr.ch.
  19. Moesano Museum (Foto) auf graubuenden.ch
  20. Ca’ del Gerbo (Foto) auf baukultur.gr.ch.
  21. Torre di Pala auf api3.geo.admin.ch, (abgerufen am: 22. Februar 2016.)
  22. Torre di Pala (Foto) auf baukultur.gr.ch.
  23. Franco Binda, Locarno 2013, S. 132.