Sanchi (Schiff)

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Sanchi p1
Schiffsdaten
Flagge PanamaPanama Panama
andere Schiffsnamen
  • Seahorse
  • Gardenia
  • Sepid
  • Saman
Schiffstyp Tanker
Rufzeichen 3FJU8
Heimathafen Panama
Eigner Bright Shipping Ltd
Reederei National Iranian Tanker Company
Bauwerft Hyundai Samho Heavy Ind. Co.
Baunummer S316
Bestellung 20. Mai 2005
Kiellegung 29. Oktober 2007
Stapellauf 5. Februar 2008
Indienststellung 2008
Verbleib 2018 gesunken
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
274,18 m (Lüa)
264 m (Lpp)
Breite 50 m
Seitenhöhe 23,10 m
Tiefgang max. 17,02 m
Vermessung 85.462 BRZ / 53.441 NRZ
Maschinenanlage
Maschine 1 × MAN-Dieselmotor (Typ: 6S70MC-C)
Propeller 1
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit 164.154 tdw
Sonstiges
Klassifizierungen

DNV GL

Registrier-
nummern

IMO-Nr. 9356608

Die Sanchi (chin. 桑吉號, lit. "Maulbeerbaumglück") war ein unter panamaischer Flagge fahrender Tanker der staatlichen iranischen Ölgesellschaft NIOC.[1] Das Schiff geriet am 6. Januar 2018 nach einer Kollision mit dem chinesischen Massengutfrachter CF Crystal vor der Küste Chinas in Brand und sank am 14. Januar 2018.

Schiff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schiff wurde unter der Baunummer S316 von Hyundai Samho Heavy Industries Co., LTD gebaut. Die Kiellegung fand am 29. Oktober 2007, der Stapellauf am 5. Februar 2008 statt. Die Fertigstellung des Schiffes erfolgte am 24. April 2008. Der Tanker wurde von der National Iranian Oil Company betrieben.[2][1]

Havarie 2018[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sanchi kollidierte am 6. Januar 2018 ungefähr 160 Seemeilen vor Shanghai im Ostchinesischen Meer mit dem unter der Flagge Hongkongs fahrenden Frachter CF Crystal. Das chinesische Schiff war auf dem Weg von den USA nach Guangdong in China und hatte 64.000 Tonnen Getreide an Bord.[3] Nach dem Zusammenstoß geriet der Tanker in Brand. Die Löscharbeiten waren wegen der großen Hitze- und Rauchentwicklung sowie Explosionsgefahr schwierig. Am 12. Januar 2018 wurde über eine weitere Explosion und anhaltendes Feuer an Bord berichtet.[4] Aufgrund der lokalen Verhältnisse trieb die Sanchi von der chinesischen Küste fort und erreichte etwa am gleichen Tage nordwestlich der Insel Amami-Ōshima das Gebiet der ausschließlichen Wirtschaftszone Japans.[5]

Rettungs- und Bergungsaktion beteiligten sich Schiffe chinesischer Behörden, zwei Ölbekämpfungsschiffe, Handelsschiffe und verschiedene Fischereiboote. Ein Schiff der südkoreanischen Küstenwache beteiligte sich ebenfalls an der Suche. Während alle 21 Besatzungsmitglieder der CF Crystal gerettet wurden, werden die 32 Besatzungsmitglieder der Sanchi vermisst. Ein Besatzungsmitglied wurde laut der iranischen Organisation für Häfen und Schifffahrt tot geborgen. Zwei weitere Leichen wurden am 13. Januar an Deck gefunden, zugleich konnte der Schiffsdatenschreiber sichergestellt werden.[6]

Der Guardian schrieb später über die Aktion: "Es gab zwei widerstreitende Ziele beim dem Umgang mit dem Tanker: das Feuer zu löschen und die Crew zu retten, oder soviel Öl wie möglich verbrennen zu lassen und damit die Verseuchung des Meeres zu begrenzen. Am Ende war es eine Mischung aus Beidem."[7]

Am 14. Januar meldete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua, dass das Schiff gesunken sei. Daraufhin gab die iranische Seefahrtsbehörde die Hoffnung auf, dass Besatzungsmitglieder durch Rückzug vor Feuer, Explosionen und giftigen Dämpfen in dem nicht direkt betroffenen Maschinenraum überlebt haben könnten. Vermutlich starb bei dem Unglück die gesamte Besatzung von 30 Seeleuten aus dem Iran und zweien aus Bangladesch.[8][9]

Die Seeleute der CF Crystal wurden nach dem Zusammenstoß von einem chinesischen Fischerboot gerettet. Das Schiff wurde in den Hafen von Zhoushan geschleppt.[10]

Umweltfolgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Zeitpunkt der Kollision war die Sanchi mit 136.000 Tonnen Leichtöl mit einem Handelswert von 60 Millionen US-Dollar für das südkoreanische Unternehmen Hanwha Total Petrochemical Co beladen.[11] Darüber hinaus befanden sich erhebliche Mengen Schiffstreibstoff an Bord, der große Umweltschäden hervorrufen kann.[12]

Vor dem Untergang sagte Simon Boxall vom National Oceanography Centre der University of Southampton der BBC, die an Bord befindlichen Stoffe würden die Bakterien töten, die Öl zersetzen könnten. Er hatte die Hoffnung geäußert, dass das Feuer gelöscht und das Schiff vom Untergang bewahrt werden könne, um Umweltgefahren abzuwenden.[12]

Nach dem Untergang trat Öl aus dem Tanker aus. Es bildete sich zunächst ein mehrere Quadratkilometer großer Ölteppich.[13] Drei Tage nach dem Untergang gab es zwei Ölteppiche mit 40 bzw. 69 km² Fläche.

China plante die Entsendung eines U-Boots, um Lecks im Tanker aufzuspüren und wenn möglich abzudichten.[14]

Berechnungen zur Lademenge und der Konsistenz des Ölteppichs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine nicht definierte Menge des ausgelaufenen Öls verbrannte. Nährt man die Dichte des Leichtöls einem Wert von 0,8 t/m³ an, so berechnet sich unter der Annahme, dass das geladene Leichtöl vollständig ausgeflossen ist, eine durchschnittliche Schichtdicke des dünnflüssigen Öls von höchstens 1,6 mm. Der vergleichsweise dünne Film verringert seine Dicke mit der Zeit durch Verdunstung (zumindest von leichtflüchtigen Komponenten) und bildet dabei brennbaren Öldampf und Zug der Vermischung mit Luft explosionsfähige Gemische. Der Wind verteilt die verdunstete Menge.

Folgenabschätzung und chinesische Informationspolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die genauen Umstände des Unglücks blieben der Öffentlichkeit zunächst unklar. Laut tagesschau.de hatten die chinesischen Behörden mögliche Umweltschäden zunächst heruntergespielt.[15]

Stephan Lutter vom WWF Deutschland erklärte: "Das Kondensat, das aus dem gesunkenen Tanker austritt, ist giftig für Meeressäuger, Fische, Schildkröten und Seevögel". Zu beachten sei, dass der Tanker an der Schwelle zwischen Gelbem und Ostchinesischem Meer gesunken sei. Hier sei die Meeresströmungen in der Region komplex, deshalb sei schwer abschätzbar und kaum vorherzusagen, wohin der giftige Ölteppich driften wird. "Das Gelbe Meer gehört zu den produktivsten marinen Ökosystemen, es hat reiche Fischgründe und ist eine wichtige Drehscheibe für Zugvögel. Auch Seekühe, Schweinswale und Meeresschildkröten sind hier heimisch. Weil es sich wie bei der Nordsee um ein Flachmeer mit Wattgebieten handelt, ist das Gelbe Meer durch den giftigen Ölfilm besonders verwundbar."[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sanchi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Öltanker droht zu explodieren: Großangelegte Lösch- und Suchaktion orf.at, 8. Jänner 2018, abgerufen 8. Jänner 2018.
  2. DNV GL Vessel Register. Abgerufen am 8. Januar 2018.
  3. Iranian tanker collision and fire, crew still missing, China. In: Maritime Bulletin. 7. Januar 2018 (maritimebulletin.net [abgerufen am 8. Januar 2018]).
  4. Weitere Explosion auf brennendem Tanker, orf.at, 12. Januar 2018, abgerufen am 13. Januar 2018.
  5. Yuka Obayashi: Stricken Iranian oil tanker drifts into Japan's economic zone: coast guard. Reuters, 12. Januar 2018, abgerufen am Tage darauf (englisch).
  6. Chinese salvagers recover two bodies from flaming Iranian tanker. Reuters, 13. Januar 2018, abgerufen am Tage darauf (englisch).
  7. Benjamin Haas: East China Sea oil tanker disaster: what it means for the environment. 16. Januar 2018, abgerufen am 18. Januar 2018.
  8. Burning oil tanker 'sinks off China'. BBC News, 14. Januar 2018, abgerufen am 15. Januar 2018.
  9. Hope of Finding Sanchi Survivors Wanes. World Maritime News, 15. Januar 2018, abgerufen am 15. Januar 2018.
  10. Rescuers resume search for survivors from blazing Iran oil tanker, Reuters, 11. Januar 2018.
  11. Iran Oil Ship at Risk of Sinking as Buyer Seeks Other Supply. In: Bloomberg.com. 7. Januar 2018 (bloomberg.com [abgerufen am 8. Januar 2018]).
  12. a b Burning tanker 'in danger of exploding'. In: BBC News. 8. Januar 2018 (bbc.com [abgerufen am 8. Januar 2018]).
  13. Breiter Ölteppich nach Untergang des Tankers „Sanchi“, Zeit-Online, 15. Januar 2018, abgerufen am 18. Januar 2018.
  14. Zweiter Ölteppich nach Tankerunglück vor China, orf.at, 17. Januar 2018, abgerufen am 17. Januar 2018.
  15. tagesschau.de: China: Nach Tanker-Havarie breiten sich Ölteppiche aus. Abgerufen am 18. Januar 2018 (deutsch).
  16. Ölteppich im Ostchinesischen Meer. 18. Januar 2018 (wwf.de [abgerufen am 18. Januar 2018]).

Koordinaten: 31° 48′ 0″ N, 126° 24′ 0″ O