Sand (Bad Emstal)

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Sand
Gemeinde Bad Emstal
Koordinaten: 51° 14′ 38″ N, 9° 15′ 33″ O
Höhe: 278 (274–318) m ü. NHN
Fläche: 15,24 km²[1]
Einwohner: 3607 (31. Dez. 2010)[2]
Bevölkerungsdichte: 237 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1967
Postleitzahl: 34308
Vorwahl: 05624

Sand ist Kurort und Hauptort der Gemeinde Bad Emstal im Landkreis Kassel, Hessen, mit Sitz der Gemeindeverwaltung.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sand liegt im südlichen Ausläufer des Naturparks Habichtswald und wird von der Ems und deren Nebenfluss Fischbach durchflossen. Der bis auf den südlichen Talausgang nahezu vollständig von bewaldeten Bergen umgebene Ort liegt auf den Ausläufern der Berge Erzeberg und Emser Berg, die zum Naturraum der Hinterhabichtswälder Kuppen gehören. Westlich des Ortes verläuft die Bundesstraße 450 und östlich die Landesstraße 3220.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gebiet der heutigen Ortschaft Sand gab es im Mittelalter eine Anzahl von Siedlungen, deren Namen 1209 im Zinsregister des Stiftes St. Petri zu Fritzlar genannt werden, u. a. die Siedlungen „Mutzlar“, „Offenhusen“ und „Visbach“. Das vermutlich im 8. Jahrhundert gegründete Mutzlar wurde unter dem Namen „Moteslari“ 1074 in Urkunden des Klosters Hasungen erwähnt und ist damit die älteste urkundlich erwähnte Siedlung im Gebiet der heutigen Ortschaft.

Während des Spätmittelalters kam es zu einer Konzentration der Siedlungsbemühungen auf nur eine Ortschaft, die bereits im Jahre 1354 als „tzum Sande Mutzlar“ in Urkunden des Klosters Breitenau erwähnt wird, während die anderen Siedlungen wüst fielen. Ihre Namen sind teilweise noch bis heute in Flurnamen erhalten geblieben (Hof Offenhausen). [3]

1448 traten die von Dalwigk das dann bereits nur noch „Sand“ genannte Dorf an die Hessischen Landgrafen ab. 1732 erhielt Sand das Braurecht, ein Brauhaus wurde 1738 eröffnet. Die Bierbrauerei wurde 1905 eingestellt, Straßennamen wie „Am Hopfenberg“ und „Braugasse“ zeugen noch heute von diesem Gewerbe.

1904 wurde Sand durch die neugebaute Bahnstrecke Kassel–Naumburg der Kassel-Naumburger Eisenbahn erschlossen, und das leitete einen wirtschaftlicher Aufschwung des Ortes ein. Ende der 1960er Jahre wurde im Rahmen einer Dorferneuerung das Bild des Ortskerns maßgeblich verändert. Durch den Abriss zahlreicher Fachwerkhäuser und landwirtschaftlich genutzter Höfe wurde Platz für die Erweiterung und Begradigung der Hauptverkehrsstraßen sowie für den Neubau von öffentlichen Gebäuden (u. a. Post und Rathaus) geschaffen.

1976 wurde erfolgreich nach Thermalwasser gebohrt und es entstand ein erstes provisorisches Thermalbad. 1979 wurde der Neubau des Kurzentrums in Betrieb genommen. Seit 1992 trägt die Gemeinde Emstal den Zusatz Bad.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

evang. Kirche in Sand

Die evangelische Kirche in Sand wurde um 1510 erbaut, eine urkundliche Erwähnung als „Capella zum Sande“ findet sich 1519. Der Turmunterbau von etwa 1510 trägt einen neuen Oberbau. 1779 wurde die Kapelle bis auf das untere Turmdrittel abgerissen und ein weit größeres Kirchenschiff erstellt. 1910 wurde die Kirche umgebaut und erweitert. Die Orgel wurde im Jahr 1970 als Neubau und einmanualiges Instrument mit zehn Registern gefertigt; im Jahre 2002 wurde sie um ein zweites Manual und sechs zusätzliche Register erweitert.[4] Im Chor der Kirche befindet sich ein Fenster mit Glasmalerei von 1910.[5]

Das Kirchenpatronat war bis zur Reformation im Besitz des Klosters Merxhausen, ab 1526 hatte es die Landgrafschaft Hessen inne.

Sand ist einer der Hauptorte der evangelischen Althessischen Kirche.

Kureinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rosengarten Kunst und Kultur

Im Jahr 1976 wurde in Sand in einer 800 Meter tiefen Bohrung ein fluoridhaltiges Calcium-Natrium-Sulfat-Chlorid-Thermalwasser erschlossen. Ein zunächst eingerichtetes Bad wurde in Ende der 1970er Jahre durch einen Thermalbad-Neubau mit Bewegungsbecken mit Innen- und Außenbereich ersetzt. An das Thermalbad schließt ein Kräuterkarten sowie die Kurparkpromenade an, die in ihrem nördlichen Ende in den "Rosengarten Kunst und Kultur" übergeht, in dem Skulpturen regionaler Künstler ausgestellt sind. Der Ort ist als Heilbad und Luftkurort staatlich anerkannt.[6]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Größte Arbeitgeber im Ort sind zwei ansässige Unternehmen des Maschinenbaus mit zusammen über 200 Mitarbeitern. Weitere Arbeitsplätze bestehen u. a. im Einzelhandel, in der Altenpflege sowie in örtlichen Hotel- und Gastronomiebetrieben. Sand übt für die umliegenden Ortschaften Funktionen eines Unterzentrums aus und bietet mit Einkaufsmöglichkeiten, Apotheke, Arztpraxen etc. entsprechende Voraussetzungen.

In Sand besteht eine kooperative Gesamtschule mit Grundstufe (Christine-Brückner-Schule) sowie zwei Kindergärten.

Sportmöglichkeiten im Ort bestehenden mit der Sportplatzanlage „Auf der Höhe“, einer Sporthalle, Freibad, Reithalle, Tennishalle und -plätzen, Fitnessparcour im Kurpark, Nordic Walking Strecken sowie zahlreichen Rundwanderwegen. Die Ortschaft liegt an den (Fern-)Wanderwegen Herkulesweg, Ederseeweg und dem Märchenlandweg.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Sand (Kr Kassel) liegt an der Bahnstrecke Kassel–Naumburg.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Am nördlichen Ortsrand liegt der Bahnhof Sand (Kr Kassel) der Bahnstrecke Kassel–Naumburg, auf deren Strecke heute der Verein Hessencourrier eine regelmäßig verkehrende Museumseisenbahn betreibt.
  • In der Nähe der Ortschaft liegen die Burgruine Falkenstein und die Altenburg.
  • Entlang der Ems führt ein historischer Wanderweg, der an mehreren Stationen Abbildungen und erläuternde Texte zu geschichtsreichen Gebäuden und Orten bereitstellt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Sand, Landkreis Kassel“. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 10. Juni 2016). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Einwohnerentwicklung im Internetauftritt der Gemeinde Bad Emstal, abgerufen im Juli 2016.
  3. J. Dittrich: Sand und seine Wüstungen. Kassel 1966
  4. Kirchengemeinde Bad Emstal - Sand mit dem Vikariat Bad Emstal - Merxhausen
  5. Pfeiffer, Götz J.: Das Christus-Fenster von 1910 in der ev. Kirche zu Sand, in: Landkreis Kassel. Jahrbuch, 2011, S. 119–122.
  6. Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung: 81. Sitzung des Fachausschusses für Kurorte, Erholungsorte und Heilbrunnen in Hessen vom 13. Oktober 2015. Staatsanzeiger für das Land Hessen 7/2016 Seite 218

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]