Sandkerwa

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Straßenfest im Sand

Die Sandkerwa (hochsprachlich Sandkirchweih) ist das traditionelle Bamberger Volksfest, das jedes Jahr im August in der historischen Altstadt – genauer gesagt im Sand, also rund um die Sandstraße – stattfindet. Jährlich zieht es etwa 300.000 Besucher an fünf Tagen (Donnerstag bis Montag) an und gehört damit zu den größten Volksfesten Bayerns. Zum 60-jährigen Jubiläum im Jahr 2010 dauerte die Sandkerwa erstmals sieben Tage (vom 18. bis zum 24. August).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich eigentlich um die Kirchweih-Feier der St.-Elisabeth-Kirche im Sand (also an der Sandstraße), die ursprünglich die Kapelle des ehemaligen ersten Bamberger Bürgerspitals war (heute Justizvollzugsanstalt). Die Einnahmen aus dem Verkauf von Festabzeichen und anderen Souvenirs kommen dem Bürgerverein IV. Distrikt zugute, der sich für die Sanierung des Viertels einsetzt. Der Bürgerverein ist Initiator und Organisator der Veranstaltung. Das Logo der Sandkerwa ist eine geschützte Wort-Bild-Marke.[1]

Die Sandkerwa 2017 wurde am 3. Mai 2017 vom Bürgerverein mit Hinweis auf „die aktuelle Sicherheitslage“ und die unabwägbaren „finanziellen Risiken“ abgesagt. Die Stadt Bamberg bemühte sich zunächst erfolglos um ein alternatives Durchführungskonzept.[2] Für das Jahr 2018 hat der Stadtrat ein Rettungskonzept für die Sandkerwa erstellt, das eine finanzielle Beteiligung der Stadt vorsieht. Allerdings ist es dem Bürgerverein nicht möglich gewesen, eine Umsetzung schon 2017 durchzuführen.[3]

Der Bamberger Stadtrat und CSU-Fraktionsvorsitzende Helmut Müller geriet wegen eines Ausspruchs in Bezug auf diese Bemühungen schwer in Bedrängnis. Zitat: „Die Sandkerwa ist eine Belustigung für das Prekariat. Hier kommen niedere Schichten zusammen, um sich zu besaufen.“[4] Selbst die eigene Fraktion war empört und distanzierte sich von Müllers Ansichten.

Attraktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Höhepunkt der Sandkerwa ist das historische Fischerstechen der Bamberger Schiffer- und Fischerzunft vor der Kulisse Klein-Venedigs, des ehemaligen Fischerviertels an der Regnitz. Das Stechen diente bereits seit dem 15. Jahrhundert der Belustigung des Fürstbischofs und der Bevölkerung. Den Abschluss bildet am Montag um 22 Uhr ein großes Feuerwerk. Der wichtigste Anziehungspunkt des Volksfestes sind allerdings die vielen Bierstände, die Bier aus Bamberg und seinem Umland ausschenken.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den vergangenen Jahren haben Körperverletzungen und Sachbeschädigungen im Zusammenhang mit der Sandkerwa deutlich zugenommen. Den Veranstaltern und der Bamberger Polizei zufolge spielt übermäßiger Alkoholkonsum hierbei eine erhebliche Rolle. Als Reaktion auf das unkontrollierte Urinieren im Freien können mit der sogenannten Piss-nix-in-the-City-Karte öffentliche Toiletten zehnmal zum Preis von vier Euro aufgesucht werden.

Im Jahr 2012 gab es das erste Mal mobile Urinale, die zahlreich genutzt wurden.[5] Anwohnern und Geschäftsleuten zufolge konnte das wilde Urinieren aber bisher kaum eingeschränkt werden. Die Sicherheitsproblematik bei der Sandkerwa ähnelt der bei anderen Großveranstaltungen.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Registernummer: 30514678, Registernummer: 30316884 Wort-/Bildmarke, Registerauskunft des Deutschen Patent- und Markenamt
  2. Sandkerwa 2017 abgesagt. Pressebericht BR-24 online
  3. Nach Sandkerwa-Absage: Stadtrat einstimmig für Rettungskonzept Pressebericht auf br.de
  4. Olaf Przybilla: „Die Sandkerwa ist eine Belustigung für das Prekariat“. In: sueddeutsche.de. 18. Mai 2017, abgerufen am 28. Mai 2017.
  5. Frederik: Interview mit Ulrike Heucken: Rückblick auf die Sandkerwa 2012. In: bamigo-bamberg.net. Chris Dippold, 30. August 2012, archiviert vom Original am 22. Februar 2014, abgerufen am 16. September 2017.
  6. Pressemitteilung Stadt Bamberg, 16. Juni 2008

Koordinaten: 49° 53′ 34″ N, 10° 52′ 59″ O