Sandra Hüller

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Sandra Hüller bei der Berlinale 2023

Sandra Hüller (* 30. April 1978 in Suhl) ist eine deutsche Theater- und Filmschauspielerin. Im Jahr 2024 wurde sie von der National Society of Film Critics für ihre Rollen in Anatomie eines Falls und The Zone of Interest als beste Schauspielerin ausgezeichnet.[1] Außerdem brachte ihr die Rolle in Anatomie eines Falls Nominierungen sowohl für einen Golden Globe als auch für einen Oscar sowie den César ein.[2][3][4]

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hüller wuchs in einer Pädagogenfamilie zunächst in Oberhof auf und zog als Kind mit ihrer Familie nach Friedrichroda.[5] Während ihrer Schulzeit besuchte sie den Theaterkurs und nahm später an Theaterworkshops teil, aus denen u. a. die Inszenierung „Wir Voodookinder“[6] (Regie: Robert Lehniger) entstand, die 1996 zum Theatertreffen der Jugend nach Berlin eingeladen wurde. Nach dem Abitur in Friedrichroda studierte sie von 1996 bis 2000 an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin[7].

Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Abschluss ihres Schauspielstudiums war sie von 1999 bis 2001 Ensemblemitglied am Theaterhaus Jena und dann 2001–2002 am Schauspiel Leipzig. Der Jenaer Dramaturg Oliver Held empfahl sie dem Theater Basel, wo sie ab der Spielzeit 2002/03 bis zum Sommer 2006 dem Ensemble angehörte. 2012–2015 gehörte sie zum Ensemble der Münchner Kammerspiele, 2018 wechselte sie ans Schauspielhaus Bochum.[8] Gastengagements führten sie an die Volksbühne Berlin, das Staatsschauspiel Hannover, das Theater am Neumarkt Zürich, das Theater Freiburg und das Neue Theater Halle. Sie spielte außerdem 2008, 2015, 2016 und 2017 bei der Ruhrtriennale und 2018 bei den Salzburger Festspielen.

Seit 2016 gehört Hüller außerdem dem freien Theaterkollektiv FARN.collective an.[9]

Auf der Theaterbühne verkörperte Hüller z. B. 2009 in dem Tanzschauspiel For Love (Regie: Tom Schneider) die Rocksängerin und Witwe von Kurt Cobain, Courtney Love. Im Prater der Volksbühne Berlin spielte sie im selben Jahr in Virgin Queen Königin Elisabeth I. Das Stück unter der Regie von Claudia Bauer war ein Solo mit Hüller und drei Musikern sowie zahlreichen Puppen, die von den Musikern gespielt wurden.[10]

Film und Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihre erste bedeutende Filmrolle hatte Hüller 2006 als Michaela Klingler in Hans-Christian Schmids Film Requiem. Für ihre Darstellung der an Epilepsie erkrankten jungen Frau wurde sie mehrfach ausgezeichnet. 2008 stand sie für Max Färberböcks Verfilmung von Anonyma – Eine Frau in Berlin vor der Kamera. Weitere bedeutende Projekte waren unter anderem die Spielfilme Brownian Movement (2010) und Toni Erdmann, der im Wettbewerb der Internationale Filmfestspiele von Cannes 2016 vertreten war. Im selben Jahr wurde Hüller für den Part der Ines Conradi mit dem Europäischen Filmpreis als Beste Darstellerin ausgezeichnet.

Nachdem sie 2017 neu in die Akademie der Künste Berlin gewählt worden war und 2018 im mehrfach preisgekrönten Eröffnungsfilm der Berlinale, In den Gängen, die Hauptrolle Marion gespielt hatte, wurde sie 2019 in die Wettbewerbsjury der 69. Internationalen Filmfestspiele Berlin berufen.[11]

Im Juli 2020 veröffentlichte Hüller das Mini-Album Be Your Own Prince mit Eigenkompositionen, die sie mit dem Musiker Daniel Freitag aufnahm.[12]

Im Jahr 2023 war sie als Irma Sztáray in Sisi & Ich unter der Regie von Frauke Finsterwalder zu sehen. Diese Leistung brachte ihr erneut eine Nominierung für den Deutschen Filmpreis ein. Im selben Jahr bekleidete sie Rollen in Justine Triets Anatomie eines Falls und Jonathan Glazers The Zone of Interest, die beide Einladungen in den Wettbewerb um die Goldene Palme des 76. Filmfestivals von Cannes erhielten. Anatomie eines Falls gewann den Hauptpreis, während The Zone of Interest mit dem Großen Preis der Jury die zweitwichtigste Auszeichnung gewann.[13] Bei den Nominierungen für den Europäischen Filmpreis im selben Jahr wurde Hüller für beide Filmrollen berücksichtigt. Es war das erste Mal in der Geschichte des Filmpreises, dass eine Schauspielerin oder ein Schauspieler eine Doppel-Nominierung in einer der Darsteller-Kategorien erhielt. Hüller gewann die Auszeichnung für Anatomie eines Falls. Auch bei Bekanntgabe der Nominierungen für die British Academy Film Awards 2024 erhielt sie eine Doppel-Nominierung als beste Haupt- und Nebendarstellerin.[14] Sie wurde für ihre Hauptrolle in dem Drama Anatomie eines Falls ebenfalls für einen Oscar nominiert[15].

Sandra Hüller lebt mit ihrem Lebensgefährten in Leipzig und Bochum und hat eine Tochter.

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musikvideos:

Theaterengagements[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2013: Finn-Ole Heinrich: Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt – Mein kaputtes Königreich. (Hörcompany)
  • 2014: Finn-Ole Heinrich: Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt – Warten auf Wunder. (Hörcompany)
  • 2015: Finn-Ole Heinrich: Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt – Ende des Universums (Hörcompany)
  • 2015: Karen Köhler: Wir haben Raketen geangelt (tacheles!/Roof Music)
  • 2017: Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann (tacheles!/Roof Music)
  • 2018: Wolfgang Herrndorf: Bilder deiner großen Liebe: Ein großer Monolog mit Musik (tacheles!/Roof Music)
  • 2019: Mariana Leky: Die Herrenausstatterin (tacheles!/Roof Music)
  • 2019: Mariana Leky: Erste Hilfe (tacheles!/Roof Music)

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Sandra Hüller – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. fla/dpa: US-Kritiker küren Sandra Hüller zur besten Schauspielerin. In: Spiegel Online. 7. Januar 2024, abgerufen am 7. Januar 2024.
  2. Patrick Hipes, Nellie Andreeva: Golden Globe Nominations 2024: Complete List of Nominees. In: deadline.com. 11. Dezember 2023, abgerufen am 8. Januar 2024 (englisch).
  3. Sandra Hüller für den Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert. In: spiegel.de. 23. Januar 2024, abgerufen am 23. Januar 2024.
  4. deutschlandfunkkultur.de: Sandra Hüller auch für César nominiert. Abgerufen am 24. Januar 2024.
  5. Sandra Hüller im Munzinger-Archiv, abgerufen am 11. August 2022 (Artikelanfang frei abrufbar)
  6. Hüller. Abgerufen am 12. Dezember 2023.
  7. Sandra Hüller bei filmportal.de , abgerufen am 22. Dezember 2021
  8. Sandra Hüller beim Schauspielhaus Bochum, abgerufen am 5. Mai 2023
  9. Christine Dössel: Sandra Hüller spricht in ihrer Theater-Performance mit Pflanzen. In: Süddeutsche Zeitung. 20. Juni 2021, abgerufen am 20. Juni 2021.
  10. Hartmut Krug: Puppenkrieg und blaues Blut. In: Deutschlandfunk. 14. Juni 2009, abgerufen am 20. Juni 2021.
  11. Jurys 2019. Abgerufen am 2. August 2022.
  12. Sandra Hüller: „Be Your Own Prince“ – Lächeln, schwelgen, verstecken. 24. Juli 2020, abgerufen am 23. Januar 2024.
  13. 05 11 2023 um 11:11 von Mariam Schaghaghi: Sandra Hüller: „Ich rede nicht gern über mich“. 5. November 2023, abgerufen am 5. November 2023.
  14. 2024 EE BAFTA Film Awards: The Nominations. In: bafta.org, 18. Januar 2024 (abgerufen am 18. Januar 2024).
  15. dpa/tba/jr: Sandra Hüller als beste Hauptdarstellerin für Oscar nominiert. In: welt.de. 23. Januar 2024, abgerufen am 27. Januar 2024.
  16. Hüller in short: Where in this World? (The Notwist). In: Goethe-Institut Toronto. 6. Oktober 2020, abgerufen am 26. Juni 2022.
  17. Sandra Hüller spielt jetzt eine Lo-Fi-Superheldin – in Daniel Freitags neuem Video. In: musikexpress.de. 29. September 2017, abgerufen am 15. Februar 2019.
  18. Sandra Hüller – The One (Official Video). In: youtube.com. Abgerufen am 7. Mai 2020.
  19. Sandra Hüller beim Schauspielhaus Bochum, abgerufen am 11. August 2022
  20. Weltkino in Ludwigshafen (Memento vom 12. September 2012 im Webarchiv archive.today)
  21. Michael Kötz: Laudatio. (PDF) 17. Juni 2012, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 5. März 2014;.
  22. Die bisherigen PreisträgerInnen. Abgerufen am 24. Januar 2024 (englisch).
  23. Neue Mitglieder der Akademie der Künste. In: adk.de. Akademie der Künste, 7. Juli 2017, abgerufen am 15. Februar 2019.
  24. Deutsche Akademie der Darstellenden Künste. Abgerufen am 2. August 2022.
  25. Berliner Festspiele: Theaterpreis Berlin - Theatertreffen. Abgerufen am 2. August 2022.
  26. www.bundespraesident.de: Der Bundespräsident / Reisen und Termine / Ordensverleihung "Vereint und füreinander da". Abgerufen am 2. Oktober 2020.
  27. Sandra Hüller erhält Hannelore-Elsner-Preis 2022. In: DerStandard.at. 2. August 2022, abgerufen am 2. August 2022.
  28. Filmfest Hamburg: Douglas Sirk Preis für Sandra Hüller. In: szene-hamburg.com. 16. August 2023, abgerufen am 16. August 2023.
  29. Janick Nolting: Kinobetreiber küren besten Film 2023 – Ehrenpreis für Sandra Hüller=. In: digitalfernsehen.de. 22. September 2023, abgerufen am 22. September 2023.
  30. Awards for 2023 - LAFCA. In: 49th Annual Los Angeles Film Critics Association Awards. LAFCA, abgerufen am 17. Dezember 2023 (englisch).