Sandschak Novi Pazar

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Dieser Artikel behandelt die vom 19. Jahrhundert bis 1913 bestehende Verwaltungseinheit. Für die bis heute relevante geographisch-historische Region siehe Raszien bzw. Sandžak.
Osmanisches Reich inklusive des Sandschak von Novi Pazar zwischen Serbien und Montenegro

Der Sandschak Novi Pazar, auch Sandschak von Novi Pazar, war ein Bezirk (Sandschak) im Osmanischen Reich in Südosteuropa. Dessen Gebiet entspricht heute dem Südwesten Serbiens, dem Nordosten Montenegros und Teilen des völkerrechtlich umstrittenen Kosovo.

Namensherkunft und Ausdehnung[Bearbeiten]

Der seit Mitte des 19. Jahrhunderts im allgemeinen politischen Sprachgebrauch übliche Name Sandschak Novi Pazar oder Sandschak von Novi Pazar basiert auf der damaligen Verwaltungsgliederung des Osmanischen Reiches, zu dem das damals zu Serbien gehörende Gebiet seit dessen Besetzung im 15. Jahrhundert bis zum Londoner Vertrag 1913 gehörte. Er setzt sich aus dem aus der türkischen Verwaltungssprache stammenden Begriff Sandschak, der Bezeichnung einer Verwaltungseinheit, und dem Ortsnamen Novi Pazar zusammen, dem Hauptort des damaligen Sandschaks der osmanischen Zeit. Von einem Bezirk mit einem Hauptort im politischen Sinn konnte danach nicht mehr die Rede sein, da die Region 1913 wieder zu den damaligen Königreichen Serbien und Königreich Montenegro kam und seitdem keine Verwaltungseinheit mehr darstellt. Trotzdem wird das Gebiet von manchen als Ganzes zum Teil bis heute noch als geographisch-historische Region Sandžak bezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten]

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Hintergrund[Bearbeiten]

Ausdehnung Rasziens während der Herrschaft von Stefan Nemanja (1167–1196), die in etwa Deckungslgeich mit dem Sandschak Novi Pazar ist.

Das Kerngebiet des späteren Sandschaks gehörte zuvor dem serbischen Staat Raszien bzw. Raška und wurde zunächst durch slawische Völker besiedelt, die im 6. Jahrhundert ins heutige Serbien und weiter bis in die Alpen bei Slowenien kamen. Daher nannte man die Serben lange Zeit auch „Raszier“. Der Name selbst geht auf eine römische Siedlung zurück namens Arsa, vielleicht identisch mit Taurisium, dem Geburtsort Kaiser Justinians. Anderen Quellen zufolge nannte sich dieser serbische Stamm „Raszier“, serbisch Rasi, und aus diesem Grunde nannten sie ihr besiedeltes Gebiet „Raszien“. Auch könnte der Stamm der Raszier Namensgeber für das heutige Russland gewesen sein.

Antike und Mittelalter[Bearbeiten]

Unweit von Arsa gründete Kaiser Justinian I. den befestigten Bischofssitz Iustiniana Prima, das bald das byzantinische Zentrum im nördlichen Balkanhalbinsel wurde. Das begünstigte möglicherweise, dass Arsa, serbisch Ras genannt, sich zu einem der Zentren frühester serbischer Staatlichkeit und Hauptsitz serbischer Fürsten, den Župani, entwickelte, obwohl das alte Serbien bis in das 14. Jahrhundert keine ständige Hauptstadt kannte, ähnlich wie das damalige Deutschland oder Ungarn. Der Name übertrug sich dann auf ein größeres Gebiet, und ab dem 12. Jahrhundert wurde es allgemein als Bezeichnung für das zentrale Serbien verstanden. So trugen auch die Nemanjiden, die bedeutendste serbische Dynastie des Mittelalters, offiziell den Titel der Könige Rasziens, der Küstenländer und aller Serben.

Nach der Römerzeit stand die Region unter byzantinischer Hoheit, erlebte jedoch wechselnde Reichsbildungen. Zunächst siedelten die dem altaischen Sprachkreis zugehörenden Awaren im Karpatenbogen und beiderseits der Donau seit dem Jahr 567. Das Awarenreich tangierte Byzanz nach der misslungenen Belagerung Konstantinopels 626 und dem Verlust seiner Oberhoheit über die Südslawen um 640 nur noch wenig und bestand über 200 Jahre bis zur Niederlage 803 gegen das Frankenreich. Es blieb großteils außerhalb einer intensiven Berührung mit antiker Kultur, erlebte aber erste Christianisierungen seitens Rom und Byzanz.

Ab dem 5. Jahrhundert begannen Slawen auf die Balkanhalbinsel einzuwandern. Anfangs begnügten sie sich mit kurzen Vorstößen und kehrten in ihre Gebiete nördlich der byzantinischen Donau-Grenze zurück, wo einige slawische Stämme mit den Awaren im Bunde waren. Andere wiederum zogen es vor, sich südlich der Donau niederzulassen. Um dessen Herr zu werden und einer etwaigen awarischen Südexpansion vorzubeugen, begünstigte Byzanz slawische Stämme und deren Ansiedlung in die Provinzen des Balkan. Diese Slawen sollten die byzantinische Oberhoheit anerkennen und als Föderaten die Grenzen schützen. Jahrhunderte später schrieb der byzantinische Kaiser und Historiker Konstantin VII., dass auch die Serben und Kroaten als solche Föderaten ins Reich kamen. Dies wird jedoch von der modernen Geschichtsforschung stark angezweifelt.

Jedenfalls, die damit seit 580 n. Chr. entstehende südslawische Wanderungsbewegung reichte vom heutigen Slowenien bis Bulgarien und den Peloponnes. Teile der Zuwanderer nahmen die griechische Kultur an, andere blieben slawisch nach Sprache und Volkstraditionen und vermischten sich zuvor mit den Illyrern und Thrakern. Aus ihnen bildeten sich kleinere Reiche unter Oberhoheit von Ostrom, vor allem das seit Mitte des 9. Jahrhunderts selbständige serbische Fürstentum. Es wurde am Ende des 12. Jahrhunderts formell ein Königreich. Im 14. Jahrhundert umfasste das serbische Reich unter Zar Dušan (1331–1355) die ganze westliche Balkanhalbinsel bzw. das heutige Serbien, die Herzegowina, Montenegro, Albanien, Mazedonien und Nordgriechenland sowie Teile Kroatien und Bulgarien.

Ab dem Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Die Grenzen des Sandschak von Novi Pazar 1878 als Puffer zwischen Serbien und Montenegro

Die Region wurden durch die osmanischen Eroberungen ab der Mitte des 15. Jahrhunderts Teil des osmanischen Reiches. Das Kerngebiet Rasziens mitsamt der Stadt Stari Ras wurde zum Sandschak von Novi Pazar, der 1580–1872 zum Vilayet Bosnien gehörte. Ab 1872 bildete der Sandschak zusammen mit der serbischen Stadt Niš ein eigenes Vilayet, 1877 kam er zum neugeschaffenen Vilayet Kosovo. In der Osmanischen Zeit konvertierte ein Teil der Bevölkerung zum Islam.

Am Berliner Kongress 1878 bekam Österreich-Ungarn das Recht, im Sandschak von Novi Pazar Truppen zu stationieren. Damit sollte verhindert werden, dass sich die Königreiche Serbien und Montenegro zu einem gemeinsamen Staat vereinen bzw. das Serbien zugang zur Adria erhielt. Die Verwaltung des Sandschaks blieb beim Osmanischen Reich. Nach der Annexion Bosniens durch Österreich-Ungarn 1908 verließen die habsburgischen Truppen den Sandschak und Österreich-Ungarn verzichtete gegenüber dem Osmanischen Reich auf jegliche Rechte in diesem Gebiet. Im Ersten Balkankrieg 1912 eroberten wieder serbische und montenegrinische Truppen den Sandschak. Im Londoner Vertrag wurde das Gebiet 1913 den beiden Staaten zugesprochen.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sandschak Novi Pazar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien