Sankt-Georgs-Band

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Sankt-Georgs-Band - die Farben sollen Feuer und Asche symbolisieren

Das Sankt-Georgs-Band (russisch георгиевская лента, transkribiert georgijewskaja lenta) ist ein Symbol militärischer Tapferkeit in Russland. Es wird als Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg gesehen, im engeren Sinne an die Einheiten der Roten Armee, denen kollektiv der Orden der Sowjetischen Garde für den Kampfeinsatz gegen das Deutsche Reich verliehen wurde.

Das Band besteht aus einem Muster von drei schwarzen und zwei orangen Streifen. Es soll Feuer und Asche symbolisieren, weiterhin werden als Bezug die Farben des Wappens Russlands genannt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Russisches Kaiserreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sankt-Georgs-Orden: Kreuz, Stern und Band

Die Geschichte des Sankt-Georgs-Bandes reicht zurück ins 18. Jh. des Russischen Kaiserreichs.

Das Band entstand aus dem Russischen Orden des Heiligen Georg, der 1769 als höchste militärische Auszeichnung des russischen Reiches begründet wurde. Während der Orden nur als Einzelauszeichnung verliehen wurde, wurde das Band teilweise ganzen Regimentern oder Einheiten für besondere Tapferkeit bei Kampfeinsätzen verliehen. Es wurde damit Teil deren militärischer Banner.

Ab 1806 wurden Sankt-Georgs-Bänder als Kampfauszeichnung an verdiente Mitglieder der russischen Garde und der kaiserlichen Leibgarde verliehen. Das Band wurde an einer Pike geführt, deren Spitze von dem Georgskreuz besetzt war. Dies stellte die höchste kollektive Auszeichnung der russischen Streitkräfte bis zur Oktoberrevolution von 1917 dar, als die Auszeichnung abgeschafft wurde.[1]

Michail Illarionowitsch Kutusow, russischer Feldmarschall

Sowjetunion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sankt-Georgs-Band an einer PKW-Antenne, Moskau im Mai 2008

Der Titel der Sowjetischen Garde für verdiente militärische Einheiten der Sowjetunion wurde erstmals am 18. September 1941, anlässlich der Jelnja-Offensive während der Schlacht bei Smolensk, eingeführt. Grundlage war eine Entscheidung des Oberkommandos der Roten Armee sowie der Befehl 308 des Rats der Volkskommissare. Die 100., 127., 153. und 161. Schützendivision wurden umbenannt in 1., 2., 3. und 4. Gardedivision. Die für den Titel der Sowjetischen Garde nominierten Einheiten erhielten, gemäß einer Entscheidung des Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR, spezielle Gardebanner.

Am 21. Mai 1942 führte das Präsidium des Obersten Sowjet den Rang der Garde ein, die Abzeichen der Garde wurden auf der rechten Brustseite getragen. In beiden Fällen wurde das Sankt-Georgs-Band getragen. Im Juni 1943 wurde zudem das Rote Gardebanner für die Landstreitkräfte und im Februar 1944 für die Seestreitkräfte eingeführt. Die Sankt-Georgs-Bänder schmückten die Banner nun genauso wie bereits im 19. Jahrhundert.

Das Sankt-Georgs-Band wurde während des Zweiten Weltkriegs jedoch auch von den sowjetfeindlichen mit Nazideutschland kollaborierenden russischen Verbänden genutzt.[2]

Am 8. November 1943 wurde der Ruhmesorden als Auszeichnung der Sowjetunion begründet. Ausgezeichnet wurden damit Offiziere und Mannschaften der Streitkräfte, ebenso wie Unteroffiziere der Luftstreitkräfte, für besondere Tapferkeit gegenüber dem Feind. Als Band des Ordens wurde hier wieder das Muster des Heiligen Georg verwendet.

Mit der Medaille „Sieg über Deutschland“ (russisch За победу над Германией) führt ein weiteres Ehrenabzeichen der Roten Armee das Sankt-Georgs-Band. Es wurde ausgewählten Soldaten und Offizieren verliehen, die direkt an den Kämpfen des Großen Vaterländischen Krieges beteiligt waren. Nach dem Ende des Krieges wurde diese Auszeichnung allen Veteranen des Krieges postum verliehen. Sie wird in den Ländern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten bis heute benutzt, um Kriegsveteranen von nicht kämpfenden Teilnehmern des Krieges zu unterscheiden.

Im Jahre 1998 wurde das Band als militärische Auszeichnung in der Russischen Föderation wiedereingeführt.

21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sankt-Georgs-Fahnen prorussischer Aktivisten im ukrainischen Odessa im Jahr 2014

Seit dem 60. Jahrestag des Sieges am 9. Mai 2005 wird das Sankt-Georgs-Band in Russland als verbreitetes Zeichen des Gedenkens und als Nationalsymbol geführt. Es wurde sowohl in Russland als auch in der Ukraine und anderen Ländern als Armband oder Wimpel am Auto genutzt, um die Anteilnahme am Ereignis des Kriegsendes auszudrücken.

Während der Krimkrise im Frühjahr 2014 wurde das Sankt-Georgs-Band häufig auf Seiten der pro-russischen Demonstranten und Aktivisten getragen und als Fahne verwendet. Auch während der Krise in der Ukraine 2014 ab April 2014 fand es bei den prorussischen Demonstranten der Ostukraine weite Verbreitung als Erkennungszeichen.[3] Nachdem in der Ukraine Städtenamen und Denkmäler der Sowjetzeit geändert, respektive entfernt worden waren, war ab dem 13. Juni 2017 die öffentliche Verwendung, das Zeigen, Tragen und die Darstellung des Sankt-Georgs-Bandes verboten[4][5], da es in der Ukraine als "Zeichen des russischen Neoimperialismus" angesehen werde.[6]

Im Mai 2015 wurden im von Russland abhängigen Transnistrien neue Banknoten ausgegeben, die einen sowjetischen Orden auf einem Sankt-Georgs-Band zeigen.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ein heikles Stück Stoff - Wer hat Angst vor dem Georgs-Band? NZZ, 22. Mai 2014
  2. “Осиное гнездо” в городе на Березине auf istpravda.ru (russisch)
  3. Spiegel.de: Kämpfe in Slawjansk: Unruhen in der Ostukraine, Fotostrecke, 13. April 2014
  4. ТСН: Порошенко утвердил запрет пропаганды георгиевской ленты (russisch, abgerufen am 12. Juni 2017)
  5. ТАСС: Порошенко объявил о твердом намерении запретить георгиевскую ленту на Украине (russisch, abgerufen am 12. Juni 2017)
  6. NZZ: Ukraine verbietet Tragen des Georgbandes, 13. Juni 2017
  7. Warum eine Banknote in der Ukraine Angst auslöst. Die Welt. 22. Mai 2015. Abgerufen am 24. Mai 2015.