Sankt Gallen (Steiermark)

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Marktgemeinde
Sankt Gallen
Wappen Österreichkarte
Wappen von Sankt Gallen
Sankt Gallen (Steiermark) (Österreich)
Sankt Gallen (Steiermark)
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Steiermark
Politischer Bezirk: Liezen
Kfz-Kennzeichen: LI
Fläche: 129,65 km²
Koordinaten: 47° 41′ N, 14° 37′ OKoordinaten: 47° 41′ 29″ N, 14° 36′ 57″ O
Höhe: 513 m ü. A.
Einwohner: 1.798 (1. Jän. 2020)
Postleitzahl: 8933
Vorwahl: 03632
Gemeindekennziffer: 6 12 64
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Markt 35
8933 Sankt Gallen
Website: st-gallen.istsuper.com
Politik
Bürgermeister: Armin Forstner (ÖVP)
Gemeinderat: (Wahljahr: 2020)
(15 Mitglieder)
10
5
10 
Insgesamt 15 Sitze
Lage von Sankt Gallen im Bezirk Liezen
Aich (Expositur Gröbming)Gröbming (Expositur Gröbming)Haus (Expositur Gröbming)Michaelerberg-Pruggern (Expositur Gröbming)Mitterberg-Sankt Martin (Expositur Gröbming)Öblarn (Expositur Gröbming)Ramsau am Dachstein (Expositur Gröbming)Schladming (Expositur Gröbming)Sölk (Expositur Gröbming)AdmontAigen im EnnstalAltausseeAltenmarkt bei Sankt GallenArdningBad AusseeBad MitterndorfGaishorn am SeeGrundlseeIrdning-DonnersbachtalLandlLassingLiezenRottenmannSankt Gallen (Steiermark)SelzthalStainach-PürggTriebenWildalpenWörschachSteiermarkÜbersichtskarte der Gemeinden im gesamten Bezirk Liezen
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Gemeindeamt
Gemeindeamt
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Sankt Gallen ist eine österreichische Marktgemeinde mit 1798 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2020) im Norden der Steiermark im Gerichtsbezirk bzw. Bezirk Liezen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panorama von Sankt Gallen (1993)

Sankt Gallen liegt im Tal des Großen Billbachs an der Buchauer Straße B 117, die in Altenmarkt bei St. Gallen von der Eisen-Straße B 115 westlich abzweigt und weiter über den Buchauer Sattel wieder zurück ins Ennstal führt. Das Gemeindegebiet gehört zur Steiermark und liegt nahe der Grenze zu Oberösterreich. Die Gemeinde ist Teil des Nationalparks Gesäuse. Südlich wird das Gemeindegebiet von der Berggruppe des Buchsteins begrenzt, der zum Gesäuse gehört.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde St. Gallen wurde mit 1. Jänner 2015 im Rahmen der steiermärkischen Gemeindestrukturreform mit der Marktgemeinde Weißenbach an der Enns vereint.[1]

Das Gemeindegebiet umfasst zehn Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2020[2]):

  • Bergerviertel (111) samt Geigenkogel und Spitzenbach
  • Bichl (47)
  • Breitau (33)
  • Oberlaussa (8)
  • Oberreith (365) samt Grießbach, Lindenhof, Oberhof und Pölzenbach
  • Reiflingviertel (101) samt Finsterbach, Schoberer, Stangl und Stiebergraben
  • Sankt Gallen (778)
  • Unterlaussa (38)
  • Weißenbach an der Enns (297)
  • Wolfsbachau (20)

Die Gemeinde besteht aus sechs Katastralgemeinden (Fläche: Stand 31. Dezember 2017[3]):

  • Bergerviertel (1.219,27 ha)
  • Oberreith (3.006,81 ha)
  • Reiflingviertel (1.708,32 ha)
  • St. Gallen (167,71 ha)
  • Weißenbach an der Enns (5.417,77 ha)
  • Wolfsbachau (1.443,99 ha)

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei der fünf Nachbargemeinden liegen in Oberösterreich, drei im Bezirk Liezen.

Rosenau am Hengstpaß
(Bezirk Kirchdorf an der Krems)
Weyer
(Bezirk Steyr-Land)
Altenmarkt
bei Sankt Gallen
Nachbargemeinden
Admont Landl

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Antike war das heutige Gebiet von St. Gallen nur eine Wildnis östlich der Pyhrnstrasse Wels-Liezen-Aquileia. Erst nach der Gründung des Klosters Admont im 11. Jahrhundert wurde eine Verbindung zwischen Pyhrnstrasse und dem nach Norden gerichteten Teil des Ennstals (Wasserstraße) angestrebt. Damals wurde die St. Gallener Gegend als „Silva Nova“ (Neuwald) bezeichnet. Gottfried Edler von Wetternfeld erbaute 1152 zu Ehren des Hl. Gallus eine Kirche (St. Gallus in silva), die Erhebung zur Pfarre erfolgte 1160. Angesichts des neuen Verkehrsweges wurde in St. Gallen eine Taverne zur Stärkung der Reisenden eingerichtet. Der Ort entwickelte sich weiter: Ende des 13. Jahrhunderts war in St. Gallen ein Meister Ulrich als Arzt tätig, was ein erhebliches Wachstum der Bevölkerung voraussetzt. Die Errichtung der Burg zum Schutz des Stiftseigentums im Jahr 1278 lässt auch auf einen gewissen Wohlstand schließen.

Im 16. Jahrhundert ist in St. Gallen die Eisenindustrie dominierend. Das Roheisen wurde aus Eisenerz importiert, in Radwerken (Rennöfen) verhüttet und via Enns und Donau exportiert. Nach dem Niedergang dieser Industrie ab der Mitte des 19. Jahrhunderts erfuhr der Fremdenverkehr einen Aufschwung. Der erste St. Gallener Reiseführer wurde 1879 von Josef Rabl verfasst.

Beim Juliputsch 1934 kam es zu mehrtägigen Kämpfen, deren Schwerpunkt die Obersteiermark war, und zwar sowohl das Industriegebiet zwischen Judenburg und Leoben als auch das steirische Ennstal. Die blutigsten Auseinandersetzungen fanden in und um Schladming und Leoben-Donawitz statt. In St. Gallen weigerte sich der Gendarmerie-Postenkommandant Franz Titz, sich den nationalsozialistischen Putschisten zu ergeben, und wurde erschossen.[4][5] Einer der daran Beteiligten wurde in der Folge im Kreisgericht Leoben wegen Mordes zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • römisch-katholisch 83 %
  • evangelisch 2 %
  • andere 4 %
  • ohne rel. Bekenntnis 11 %
(Stand: 2001)

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Sankt Gallen (Steiermark)
  • Burg Gallenstein, erbaut 1278
  • Pfarrkirche St. Gallus in silva: 1515–1523 erbaut; spätgotischer Kirchenbau mit Strebepfeilern, Treppentürmchen. Barocker Zwiebelhelm. Innen reich gestaltetes spätgotisches Netzrippengewölbe mit Vierpassfiguration in den östlichen Langhausjochen und kunstvollem Schlingrippengewölbe mit sechsstrahligem Mittelstern im westlichen Chorbereich. Barocke Erweiterungen: Platzlgewölbe im westlichen Langhausjoch und im östlichen Chorjoch.
Hochaltar: spätbarocker mächtiger Aufbau aus rotem Stuckmarmor mit klassizistischen Anklängen. Das Altarbild von 1782 ist eine Darstellung der Himmelfahrt Mariae von Martin Johann Schmidt („Kremser Schmidt“).
Seitenaltäre: Mitte des 18. Jh., Bartolomeo Altomonte zugeschriebene Altarbilder
Außenfresken: an der südseitigen Langhauswand befindet sich ein überlebensgroßes Christophorus-Fresko aus dem ersten Drittel des 16. Jh., mit einer Ölbergszene um 1530.

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Festival St. Gallen: Musikfestival klassischer Konzerte, jährlich in der zweiten Augusthälfte.
  • ARCANA Festival für Neue Musik St. Gallen/Gesäuse

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Weißenbach-St. Gallen liegt an einem Teilstück der Rudolfsbahn und wird von St. Gallen über die B 115 erreicht. Eine Postbuslinie führt von Liezen über Admont, den Buchauer Sattel und St. Gallen zum Bahnhof Weißenbach-St. Gallen.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Forstverwaltung der steirischen Landesforste
  • Steinrieser (Getränkeabfüllung)
  • Alpen-May-Kestag (Bohrer und Senkwerkzeuge)
  • Greiner Packaging (Kunststofftechnik)
  • Fuernholzer Industrialdesign (Industriedesign, Produktdesign, Werbeagentur, Gewerblicher Fotograf)
  • Schuster Helm (Schuhhandel, überregionales Reparaturservice)
  • ABAG Mineralölhandels GmbH – „deine Tankstelle“

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kindergarten St. Gallen
  • Kindergarten Weißenbach an der Enns
  • Volksschule St. Gallen
  • Neue Mittelschule Weißenbach an der Enns

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat hat 15 Mitglieder.

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beide Vorgängergemeinden hatten ein Gemeindewappen. Die Verleihung des ersten Gemeindewappens für Sankt Gallen erfolgte mit Wirkung vom 1. Juni 1952. Die Wappenbeschreibung lautete:

„Im silbernen Schild erscheint abgeledigt ein aufgerichteter schwarzer, rot bewehrter und bezungter Bär, der in seinen Vorderpranken eine entwurzelte naturfarbene Fichte hält.“[10]
AUT Sankt Gallen COA.png

Wegen der Gemeindezusammenlegung verloren die Wappen der Altgemeinden mit 1. Jänner 2015 ihre offizielle Gültigkeit. Die Neuverleihung des Wappens für die Fusionsgemeinde erfolgte mit Wirkung vom 5. Mai 2018.[11]

Die geänderte Blasonierung (Wappenbeschreibung) lautet:

„Unter rotem Zinnenschildhaupt in Silber ein aufgerichteter schwarzer, rot bewehrter und bezungter Bär, in seinen Vorderpranken eine grüne entwurzelte Fichte haltend.“

Der Bär am Wappen leitet sich von der Legende Sankt Gallus und der Brennholzbär her.[12]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen mit Bezug zur Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Odilo Haberleitner und Hermann Brandauer: St. Gallen und das St. Gallener Tal – Ein Kleinod in der Obersteiermark. St. Gallen 1952.
  • Josef Rabl: St. Gallen und seine Umgebung. St. Gallen 1879.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Sankt Gallen, Styria – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kundmachung der Steiermärkischen Landesregierung vom 12. September 2013 über die Vereinigung der Marktgemeinden Sankt Gallen und Weißenbach an der Enns, beide politischer Bezirk Liezen. Steiermärkisches Landesgesetzblatt vom 14. Oktober 2013. Nr. 93, 28. Stück. S. 552–553.
  2. Statistik Austria: Bevölkerung am 1.1.2020 nach Ortschaften (Gebietsstand 1.1.2020), (CSV)
  3. Regionalinformation.zip (Excel-Datei, 1.210 KB); abgerufen am 4. Jänner 2018
  4. http://www.doew.at/erinnern/fotos-und-dokumente/1934-1938/krachendes-oesterreich/opfer-des-terrors-der-ns-bewegung-in-oesterreich-1933-1938/franz-titz
  5. Kurt Bauer: Hitlers zweiter Putsch – Dollfuß, die Nazis und der 25. Juli 1934, Residenz-Verlag, St. Pölten, 2014, ISBN 978-3-7017-3329-3 (online)
  6. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2005 in Sankt Gallen. Land Steiermark, 13. März 2005, abgerufen am 25. Juli 2020.
  7. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2010 in Sankt Gallen. Land Steiermark, 21. März 2010, abgerufen am 25. Juli 2020.
  8. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2015 in Sankt Gallen. Land Steiermark, 22. März 2015, abgerufen am 25. Juli 2020.
  9. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2020 in Sankt Gallen. Land Steiermark, 28. Juni 2020, abgerufen am 25. Juli 2020.
  10. Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 12, 1962, S. 26
  11. 45. Verlautbarung der Steiermärkischen Landesregierung vom 26. April 2018 über die Verleihung des Rechtes zur Führung eines Gemeindewappens an die Marktgemeinde Sankt Gallen (politischer Bezirk Liezen), abgerufen am 6. Mai 2018
  12. Ennstal-Wiki: Sankt Gallus und der Brennholzbär
  13. Neue Zeit (9. Nov. 1969), S. 5.