Sankt Sebastian (am Rhein)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Sankt Sebastian
Sankt Sebastian (am Rhein)
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Sankt Sebastian hervorgehoben
Koordinaten: 50° 25′ N, 7° 34′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Mayen-Koblenz
Verbandsgemeinde: Weißenthurm
Höhe: 69 m ü. NHN
Fläche: 2,88 km2
Einwohner: 2609 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 906 Einwohner je km2
Postleitzahl: 56220
Vorwahl: 0261
Kfz-Kennzeichen: MYK, MY
Gemeindeschlüssel: 07 1 37 222
Adresse der Verbandsverwaltung: Kärlicher Str. 4
56575 Weißenthurm
Webpräsenz: www.gemeinde-sankt-sebastian.de
Ortsbürgermeister: Marco Seidl (SPD)
Lage der Ortsgemeinde Sankt Sebastian im Landkreis Mayen-Koblenz
Karte
Luftaufnahme von Sankt Sebastian

Sankt Sebastian ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Mayen-Koblenz in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Weißenthurm an.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt direkt am westlichen Ufer des Rheins und grenzt im Süden unmittelbar an die Großstadt Koblenz. Sankt Sebastian ist somit recht zentral im Neuwieder Becken gelegen, einer durch den Rhein geschaffenen, weitläufigen Talebene zwischen Eifel und Westerwald.

Ein großer Teil der Fläche ist Trinkwasserschutzgebiet. Daher gibt es keine ortsansässige Industrie, sondern lediglich kleinere Handwerksbetriebe und Einzelhändler. Die Gemeinde profitiert von der Suburbanisierung, hat aber inzwischen, wie viele andere Gemeinden, einen leichten Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen.

Zusammen mit den benachbarten Kaltenengers und Urmitz werden die drei Ortschaften zusammen auch die Rheindörfer-Gemeinden genannt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name des Ortes geht auf den heiligen Sebastian zurück, einen christlichen Märtyrer aus dem 3. Jahrhundert, der Schutzpatron der katholischen Pfarrkirche in Sankt Sebastian ist.

Der Historiker Franz-Josef Heyen datiert die erste urkundliche Erwähnung des Ortes auf das Jahr 1150. In der Gründungsgeschichte der Abtei Rommersdorf wird hierzu berichtet, dass der Abt Heinrich die curtis Engersche trans Rhenum cum ecclesia quae ad ipsam pertinet (das Hofgut Engers jenseits des Rheins mit Kirche, die zu diesem gehört) erworben hat. Dieser Kauf wurde im Zusammenhang eines Besitzstreites in einer Liste des Papstes Viktor IV. am 11. September 1162 urkundlich beglaubigt.

In den folgenden Jahrhunderten kann ein mehrfacher Wechsel des Besitztums nachgewiesen werden. 1329 kauft Ritter Waldpode von Andernach den Ort unter dem Namen Ober-Engersch. 1371 geht der Ort wieder zum Kurstaat Trier über. Im Jahr 1419 zieht Kurfürst Otto von Ziegenhain das Virneburger Lehen samt Bergpflege, darunter auch Sankt Sebastian, unter kurfürstliche Verwaltung ein. 1445 schließlich gelangt St. Sebastian unter die direkte Landeshoheit des Trierer Kurfürsten. Als Name des Ortes wird St. Sebastian-Engers festgeschrieben.

Seit 1410 hatte St. Sebastian ein eigenes Dorfgericht. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde ab 1657 im Gemeindehaus Unterricht erteilt. 1660 wurde ein regelmäßiger Fährbetrieb zwischen St. Sebastian und Bendorf aufgenommen.

Im Jahr 1675 wurde das Pfarrhaus St. Sebastian bei einem Brand vernichtet. Erst 1680 ist es wieder neu errichtet, als Name des Ortes gilt nun Sanct Sebastian.

1699 wütet die Pest im nahen Eich (heute ein Stadtteil von Andernach). Um für Erbarmen zu bitten, pilgern gläubige Eicher nach St. Sebastian. Diese sogenannten Eicher Prozessionen existieren als Tradition noch heute.

1780 wurde das erste Schulhaus im Ort neben dem Pfarrhaus errichtet. Auf dem gleichen Grund steht noch heute die Grundschule des Ortes.

Nach der Einnahme durch die Franzosen im Jahr 1794 annektiert Frankreich 1797 zusammen mit den linksrheinischen Gebieten Kurtriers auch St. Sebastian. Einhergehend mit der Säkularisation der geistlichen Fürstentümer wird die Abtei Rommersdorf aufgelöst. Ab 1804 müssen die Kinder, unter dem Druck der Besatzung, in der Schule Französisch lernen. 1813 beginnen dann die Befreiungskriege gegen die Herrschaft Napoleons. Am 1. Januar 1814 rückt der preußische Generalfeldmarschall Blücher mit seinem schlesischen Heer über den Mittelrhein gegen die Franzosen vor und erzwingt den Rückzug der Franzosen. Als Folge der Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress erhalten die Preußen unter anderem wesentliche Teile Kurtriers und errichten somit ihre Vormachtstellung am Rhein. St. Sebastian kommt unter preußische Verwaltung, bildet im Landkreis Koblenz die Bürgermeisterei Sankt Sebastian. 1822 wurde die Rheinprovinz mit Sitz in Koblenz gebildet.

Im Zuge der Industrialisierung erhält auch St. Sebastian Anschluss an moderne Errungenschaften: Seit 1913 fährt die erste Motorfähre zwischen St. Sebastian und Bendorf und seit 1918 gibt es elektrisches Licht im Ort. Im Jahr 1927 gibt es das erste Leitungswasser in St. Sebastian. Die Qualität des Grundwassers ist derart hoch, dass große Teile der Gemarkungsflächen noch heute Trinkwasserschutzgebiet sind.

Das Vereinsleben im Ort befand sich währenddessen im steten Aufbau. Bereits 1863 wird die Schützenbruderschaft gegründet und tritt dem Rheinischen Schützenbund bei. Die Gründung des Männer-Gesangvereins MGV 1882 St. Sebastian wird mit 1882 datiert; die Kirmesgesellschaft St. Sebastian entsteht 1904. Im Jahr 1919 entsteht ein Fußballverein, 1920 ein Turnverein, die sich 1932 zum Turn- und Sportverein St. Sebastian 1919 zusammenschließen. Die Freiwillige Feuerwehr entsteht 1927. 1953 gründen sich unabhängig voneinander der Musikverein St. Sebastian und die Katholische Frauengemeinschaft. Alle diese Vereine sind noch heute aktiv und ein wesentlicher Bestandteil des Dorflebens. Seit 1971 besteht zudem eine Partnerschaft mit der Gemeinde Breitenbach am Inn in Österreich.

Der Fährbetrieb zwischen St. Sebastian und Bendorf wird 1962 eingestellt. In den folgenden Jahren erfährt das Ortsbild noch viele Veränderungen, z. B.: 1970 zieht der katholische Kindergarten in sein neues Gebäude, 1976 wird die Volksschule in eine Grundschule umgewandelt, die 1992 renoviert und erweitert wird. Seit 1988 bereichert der Brunnenplatz am Mülheimer Weg das Dorfleben, seit 1996 folgt der zweite Brunnenplatz mit Anlage an der Bendorfer Brücke. Ab 1997 fungiert die neue Sport- und Mehrzweckhalle als zentrale Lokalität für die kulturellen Veranstaltungen des Ortes. Nach der Erschließung einer Reihe von Neubaugebieten bestimmen heute neuere Ein- und Mehrfamilienhäuser den Charakter des ehemals landwirtschaftlich geprägten Ortes, während im Ortskern nahe der Dorfkirche nur noch wenige Höfe und Fachwerkhäuser zu sehen sind.

Im Jahr 2000 feierte die Ortsgemeinde St. Sebastian ihr 850-jähriges Jubiläum.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Sankt Sebastian besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzenden. In der vorangegangenen Wahlzeit bestand der Gemeinderat aus 16 Ratsmitgliedern.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[2]

Wahl SPD CDU FWG WFS Gesamt
2014 7 5 2 6 20 Sitze
2009 9 4 3 - 16 Sitze
2004 9 8 3 20 Sitze
  • FWG = Freie Wählergruppe St. Sebastian e.V.
  • WFS = Wählergruppe „Wir für St. Sebastian“ e.V.

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 8. Juni 2014 wurde Marco Seidl (SPD) in einer Stichwahl mit 51,29 % neu gewählter Ortsbürgermeister von Sankt Sebastian. Er löst Martina Ehrlich in diesem Amt ab.

Wappen und Fahne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Genehmigung vom 16. August 1935 wurde Sankt Sebastian gemäß der damaligen Deutschen Gemeindeordnung das Recht zur Führung eines Gemeindewappens verliehen. Die damalige Blasonierung des Wappens wurde wie folgt beschrieben:

„Das Wappen gehört zu den Dreieckswappen. Es ist gespalten von Silber (Weiß) mit einem durchgehenden, roten, lateinischen Balkenkreuz und von schwarz mit zwei diagonal gekreuzten Pfeilen in Silber (Weiß), welche mit Widerhaken und Fiederung bestückt sind. Die Balken des Kreuzes kreuzen sich in der Mitte des Längsbalkens. Der Schnittpunkt der Pfeile liegt auf Höhe der waagerechten Mittellinie des Kreuzquerbalkens“.

Das rote Kreuz steht für das Kurfürstentum Trier, zu dem Sankt Sebastian bis zum Ende des 18. Jahrhunderts landesherrlich gehörte. Die Pfeile zeigen die Verbundenheit mit dem Heiligen Sebastian, welcher Namensgeber des Ortes und Schutzpatron der katholischen Pfarrkirche ist.

Seit dem 1. Mai 1989 führt St. Sebastian auch eine eigene Fahne. Diese besteht aus einem rechteckigen Tuch, das der Länge nach in eine rote und eine weiße Hälfte aufgeteilt ist. Zentral in dessen Mitte befindet sich das Gemeindewappen derart, dass der weiße Grund mit dem Kreuz ganz auf der roten und der schwarze Grund mit den Pfeilen ganz auf der weißen Seite liegen.[3]

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Katholischer Kindergarten St. Sebastian
  • Lindenbaum-Grundschule St. Sebastian

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sankt Sebastian – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  3. St. Sebastian stellt sich vor. Flaggen als Symbol des Gemeinschaftssinnes. 2009, S. 2, abgerufen am 4. Mai 2014.