Sankt Vith

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Sankt Vith
BE Sankt Vith COA.svg Flagge Sankt Vith.svg
Sankt Vith (Lüttich)
Sankt Vith
Sankt Vith
Staat: Belgien
Region: Wallonien
Provinz: Lüttich
Bezirk: Verviers
Koordinaten: 50° 17′ N, 6° 8′ OKoordinaten: 50° 17′ N, 6° 8′ O
Fläche: 146,93 km²
Einwohner: 9530 (1. Jan. 2014)
Bevölkerungsdichte: 65 Einwohner je km²
Höhe: 480 m
Postleitzahl: 4780 (Sankt Vith, Recht)
4782 (Schönberg)
4783 (Lommersweiler)
4784 (Crombach)
Vorwahl: 080
Bürgermeister: Christian Krings (FBL)
Adresse der
Kommunalverwaltung:
Hauptstraße 43
4780 Sankt Vith
Website: www.st.vith.be
lblels

Sankt Vith [fɪtʰ] (historisch auch St. Vieth, franz.: Saint-Vith) ist eine Stadtgemeinde in Belgien im Osten der Provinz Lüttich und liegt im Süden der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG).

Sankt Vith beheimatet das Dienstleistungszentrum der DG, eine Außenstelle des Ministeriums der Deutschsprachigen Gemeinschaft für den Süden der DG. Insgesamt fünf Gemeinden bilden hier den Kanton Sankt Vith.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage

St. Vith liegt an der Schnittstelle von Eifel und Ardennen. Neben St. Vith gehören zur Großgemeinde die Dörfer und Weiler Alfersteg, Amelscheid, Andler, Atzerath, Breitfeld, Crombach, Eiterbach, Galhausen, Heuem, Hinderhausen, Hünningen, Lommersweiler, Neidingen, Neubrück, Neundorf, Nieder- und Ober-Emmels, Recht, Rödgen, Rodt, Schlierbach, Schönberg, Setz, Steinebrück, Wallerode, Weppeler und Wiesenbach.

Rund 43,7 Prozent des Gebietes der Gemeinde sind bewaldet.[1] Ausgedehnte Wälder gibt es rund um das Dorf Recht, das isoliert im Nordwesten der Großgemeinde liegt. Das Zentrum und der Südwesten rund um die Stadt Sankt Vith und die Orte Rodt und Crombach sind hingegen durch landwirtschaftliches Grünland geprägt. Waldreich ist wieder der Osten der Gemeinde: Hier fließt der Fluss Our, von Nordosten kommend, zunächst durch das Gebiet um Schönberg. Das Flusstal selbst ist landwirtschaftlich genutzt, die Anhöhen auf beiden Seiten sind bewaldet. Die Our fließt weiter Richtung Südwesten durch den Ourgrund, ein landschaftlich reizvolles Tal mit sechs kleinen Dörfern. Bei Steinebrück und Lommersweiler schließlich verlässt die Our das Gemeindegebiet Richtung Süden.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname ist auf den Heiligen Veit (Sankt Vitus) zurückzuführen. Ob hier auch zeitweise Reliquien des Heiligen verehrt wurden, ist nicht überliefert.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St.Vith im preußischen Rheinland (Rheinprovinz), Regierungsbezirk Aachen, Kreis Malmedy

Der Ursprung von St. Vith ist nicht geklärt. Der Ort ist zuerst 1130/31 als Kirchenstandort urkundlich erwähnt.

Die Österreichischen Niederlande umfassten auch diese deutschsprachige Region nördlich von Luxemburg in der westlichen Eifel (Hohes Venn). 1815 wurde das vorübergehend französisch regierte St. Vith durch den Wiener Kongress dem preußischen Regierungsbezirk Aachen in der späteren Rheinprovinz angegliedert. Bis Ende 1820 war St. Vith Kreisstadt des Kreises St. Vith und gehörte bis 1920 dem Kreis Malmedy an.

1887 wurde die Stadt an die Vennbahn von Aachen über St. Vith nach Troisvierges (Ulflingen) in Luxemburg angeschlossen. Nur ein Jahr später kam die Verbindung zur Westeifelbahn nach Gerolstein hinzu, und es entwickelte sich ein bedeutendes wirtschaftliches Zentrum. Spätestens 1917, bei Herstellung der Verbindung an die Bahnstrecke Libramont–Bastogne–Gouvy, wurde St. Vith zu einem bedeutenden Eisenbahnknoten mit wichtiger Reparaturwerkstatt der deutschen und später belgischen Eisenbahnen. Weitere Haltepunkte befanden sich in Neidingen, Crombach, Lommersweiler und Steinebrück. In der Blütezeit des Eisenbahnbetriebs wurden täglich 30 Personen- und 80 Güterzüge abgefertigt, 1200 Personen waren im Bahnbetrieb beschäftigt.

Stadtansicht
Handschriftlicher Postkartengruss aus St. Vith (Autor: Silvio Gesell) um 1920

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden mit dem Versailler Vertrag die Kreise Eupen und Malmedy dem Königreich Belgien zugeschlagen.

Der Zweite Weltkrieg begann für St. Vith am 10. Mai 1940, als deutsche Truppen einmarschierten und die heutigen Ostkantone Belgiens vom Deutschen Reich annektiert wurden. Die ersten Kriegshandlungen in St. Vith fanden am 9. August 1944 statt, wobei die Kirche und der Bahnhof von Bomben zerstört wurden. Am 3. oder 4. September wurde die Stadt evakuiert und am 13. September rückten US-Truppen kampflos in Sankt Vith ein. Sie gaben die Verwaltung in belgische Hände.

Die deutsche Ardennenoffensive begann am 16. Dezember 1944 unter anderem mit dem Beschuss St. Viths. Die Stadt wurde von der 2. US-Infanterie-Division unter General Bruce C. Clarke bis zum 22. Dezember verteidigt; dann zogen wieder deutsche Truppen ein. An den beiden Weihnachtstagen 1944 legten alliierte Bomberverbände die Stadt Sankt Vith in Schutt und Asche. Dabei starben 153 Einwohner und über 1000 Soldaten, fast 600 Gebäude (über 90 % des Bestandes) wurden zerstört oder schwer beschädigt. Die Schlacht um St. Vith hat den Ausgang der Ardennenoffensive entscheidend beeinflusst,[3] der Wiederaufbau dauerte bis in die 1960er Jahre.[4]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Sankt Vith
Wappenbeschreibung:

„Das 1925 verliehene Wappen geht auf die Herrschaft Valkenburg (Faulquemont), eine Linie der Herzöge von Limburg, zurück und zeigt einen doppelschwänzigen roten Löwen, blaugezungt und -bewehrt mit goldener Krone auf silbernem Schild. Der Löwe findet sich in stilisierter Form auch im Wappen der Deutschsprachigen Gemeinschaft.“

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche St. Vith

Die mächtige, dem heiligen Vitus geweihte Pfarrkirche der Stadt wurde nach dem Krieg in neo-romanischem Stil wiederaufgebaut. Der gotische Vorgängerbau war Weihnachten 1944 durch Bomben der Alliierten zerstört worden.

Im etwa zwei Kilometer südöstlich von St. Vith gelegenen Ort Wiesenbach befindet sich die im 9. Jahrhundert erbaute St.-Bartholomäus-Kapelle.

Der zur Großgemeinde gehörige Ort Recht wurde durch den Rechter Blaustein bekannt. Seit 2007 befindet sich dort ein Besucherstollen.[5]

Zwischen 1999 und 2005 war Sankt Vith der Veranstaltungsort des Alive Festivals, bei dem bekannte deutsche und internationale Pop- und Rock-Bands bis zu 20.000 Besucher nach Sankt Vith zogen.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handel, Tourismus und die holzverarbeitende Industrie sind bedeutende Wirtschaftszweige der Stadt. Daneben zählen Metallverarbeitung, Möbelbranche und Baugewerbe zu den wirtschaftlich relevanten Branchen. Der international tätige Backmittelhersteller Puratos, der in Sankt Vith eine Entwicklungsabteilung betreibt, hat dort eine Sauerteigsammlung mit Proben aus aller Welt zusammengestellt, um das Wissen um alte Backmethoden zu wahren und weiterzugeben.[6]

In den Dörfern der Großgemeinde ist auch die Landwirtschaft noch von wirtschaftlicher Bedeutung.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Roller Bulls Sankt Vith spielen in der 2. Rollstuhlbasketball-Bundesliga Süd.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westlich von Sankt Vith verläuft die A27, die Lüttich und Aachen mit Trier verbindet. Sankt Vith ist über die Anschlussstellen Recht (13), Sankt-Vith-Nord (14), Sankt-Vith-Süd (15) und Lommersweiler (16) an diese Autobahn angebunden. Außerdem befinden sich im Gemeindegebiet die Nationalstraßen N62, N626, N646, N659, N670, N675 und N695.

Über einen Bahnanschluss verfügt St. Vith seit den 1980er Jahren nicht mehr. Ursprünglich war die Stadt ein Eisenbahnknoten an den teilweise aus strategischen Gründen erbauten Bahnlinien Westeifelbahn, Vennbahn, der Bahnstrecke Libramont–Sankt Vith und der Strecke (Sankt Vith–)Born–Vielsalm. Der Bahnhof wurde im Dezember 1944 bei amerikanischen Luftangriffen völlig zerstört. Die Bahnlinien sind mittlerweile nach ihrer Stilllegung alle abgebaut und teilweise zu Fernradwegen umgestaltet worden. Als Beispiele sind die RAVeL Route 48, die RAVel Route 47 oder der internationale Eifel-Ardennen-Radweg über Prüm nach Gerolstein zu nennen.

Die Buslinien der TEC verbinden Sankt Vith heute u. a. mit Eupen und Malmedy.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In St. Vith geboren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit St. Vith verbunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sankt Vith – Sammlung von Bildern
 Wikivoyage: Sankt Vith – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DGStat: Natur und Wald, abgerufen am 22. März 2014
  2. Geschichte von Sankt Vith auf der Homepage der Stadtgemeinde
  3. Die Schlacht um St. Vith auf »www.worldwartours.be«
  4. Homepage Geschichtsverein zvs.be
  5. Webseite des Schieferstollens Recht
  6. BRF.be Sauerteig aus aller Welt: Puratos stellt Sammlung vor