Sant’Apollinare Nuovo

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Sant’Apollinare Nuovo ist eine dreischiffige Basilikalkirche in Ravenna in Italien.

Die Weisen aus dem Morgenland, Detail aus dem Zug der Jungfrauen, Mosaik, 6. Jh.

Berühmt ist sie vor allem – wie die anderen ostgotischen und byzantinischen Kirchen Ravennas – durch die Wandmosaike in ihrem Innern. Mit den anderen frühen Kirchenbauten in Ravenna gehört Sant’Apollinare Nuovo zum UNESCO-Welterbe.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Gebäude wurde von Theoderich als Kirche des arianischen Glaubens errichtet und Christus, dem Erlöser, gegen Ende des 5. oder Anfang des 6. Jahrhunderts geweiht (Salvatorkirche). Eine Bauinschrift ist zwar erhalten (sie wird u. a. vom Chronisten Agnellus in seinem Liber Pontificalis Ravennatis wiedergegeben); diese erlaubt aber keine nähere Datierung. Es ist lediglich erschließbar, dass die Kirche unter Theoderich a fundamentis, also von den Grundmauern auf, errichtet wurde.

Nach 540, als die Byzantiner die Stadt in ihren Herrschaftsbereich eingliederten, wurden alle Gebäude der Arianer sukzessive der katholischen Kirche einverleibt und diese Basilika zwischen 556 und 565 dem Hl. Martin von Tours geweiht. Dies geschah unter dem damaligen Erzbischof Ravennas, unter Erzbischof Agnellus. Gegen Mitte des 9. Jahrhunderts erhielt die Basilika ihren heutigen Namen, als die Reliquien des Hl. Appolinaris, des ersten Bischofs von Ravenna, von der Kirche Sant’Apollinare in Classe in die Martinskirche innerhalb der Stadtmauern überführt wurden. Jene andere Basilika lag außerhalb und war Plünderern leichter zugänglich. Der Zuname Nuovo wurde der Kirche deshalb gegeben, um sie von einer anderen kleineren und älteren Kirche zu unterscheiden, die den Namen San Apollinare in Veclo trug und aus dem fünften Jahrhundert nach Christus stammte.

St Apollinare Nuovo - plan.jpg

Grundriss[Bearbeiten]

Die originale Basilika aus dem 6. Jahrhundert ist nur noch in den Grundmauern vorhanden. Die ursprüngliche Apsis wurde komplett abgetragen. Umbau- und Anbauarbeiten wie der westliche Eingangsportikus, der ursprünglich die Kirche mit dem Platea maior verband, wurde 1513 durch die Franziskaner umgebaut und 1916 wegen Bombenschäden erneuert. Der Glockenturm (Campanile) an der südlichen Westfassade wurde um 1000 angebaut. Die Erweiterung der Kapellen am nördlichen Seitenschiff und des langgestreckten Chors aus dem 16. und 18. Jahrhundert auf der östlichen Seite folgen.

Außengestaltung[Bearbeiten]

Fassadenansicht

Der Fassade ist heute ein einfacher Säulengang aus Marmor aus dem 16. Jahrhundert vorgestellt.

Die Außenwände der Seitenschiffe sind durch Rundbogenfenster, fensterlose Blenden sowie kräftige Lisenen gegliedert. Ein Gesims, das aus einem dreistufigen Ziegelband besteht, verbindet die Fensterbögen mit den Lisenen, ein Element, das vermehrt bei Bauten in Nordsyrien verwendet wird.

An der zylindrischen 38 Meter hohen Campanile finden sich in den unteren Stockwerken einbogige Fenster, in den Stockwerken darüber zweibogige und in den oberen Stockwerken dreibogige romanisch-ottonische Fenster. Dies lässt den Turm schmaler erscheinen. Die Form des Turms stammt ursprünglich aus der römischen Militärarchitektur; dort waren solche Türme vor allem in Stadtmauerbefestigungen integriert.[1]

Innengestaltung[Bearbeiten]

Zug der Märtyrer (Ausschnitt)

Architekturelemente[Bearbeiten]

Der Innenbereich ist 35 Meter lang und 21 Meter breit und besteht aus einem erhöhten Mittelschiff und zwei niedrigeren Seitenschiffen, die durch je eine Säulenreihe getrennt werden. Die Säulen bestehen aus Marmor, der aus Konstantinopel importiert worden war und besitzen ein Leier- oder auch Lederblattkapitell. Dabei handelt sich um eine einfache Form des korinthischen Kapitells: die Akanthusblätter sind weniger ausgearbeitet und weisen eine grobe Ornamentik auf. Die Säulen sind durch Bögen verbunden, die kassettiert sind. Darüber befindet sich die Mittelschiffwand, welche ein reich gestaltetes Mosaikfeld hat. Vor dem 16. Jahrhundert war zwischen der Arkadenzone und den Mosaiken noch ein weiterer 1,5 Meter breiter Wandstreifen gewesen, der bei der Erhöhung des Bodenniveaus von 1611 durch die Franziskanermönche entfernt worden war. Der Obergaden besteht aus je elf Fenstern, deren Zwischenraum mit weiteren Mosaikdarstellungen geschmückt ist. Die jetzige Kassettendecke stammt aus dem 16. Jahrhundert. Sie ersetzt die ursprüngliche Decke, die man wegen ihrer prachtvollen Mosaiken Hl. Martin im Goldhimmel genannt hatte. Die Apsis wurde 1950 erneuert. Sie war höchstwahrscheinlich mit Mosaiken geschmückt, die während eines Erdbebens im 7. Jahrhundert zerstört worden waren.

Mosaike[Bearbeiten]

Der Innenraum war einst komplett mit Mosaiken verziert gewesen. Heute sind nur noch die Mosaike im Mittelschiff vorhanden. Sie stammen vornehmlich aus der Zeit Theoderichs.

Auf der südlichen Mittelschiffswand wird ein Zug von 26 männlichen Heiligen dargestellt, dessen Anführer der Hl. Martin ist. Die nimbierten Heiligen tragen einfache weiße Tuniken, allerdings trägt der Hl. Martin als ehemaliger Namenspatron ein purpurnes Obergewand und der Hl. Laurentius erhielt ein goldenes Gewand, da er in Ravenna sehr verehrt wurde. In ihren verhüllten Händen tragen sie Kränze. Die Inschrift oberhalb ihrer Köpfe identifiziert sie. Sie laufen von Westen – einem Palast – nach Osten – zum thronenden Christus, der von zwei Engeln flankiert wird - um ihre Opfer darzubringen. Auf der gegenüberliegenden Wand ist der Zug der 22 Jungfrauen abgebildet, die sich von Classe zu der von vier Engeln flankierten Madonna auf einem Thron mit Jesuskind auf dem Schoß bewegt. Die Jungfrauen tragen goldbestickte Tuniken und weiße Schleier und haben, wie die Märtyrer, einen Kranz in der verhüllten Hand, einen Nimbus und eine identifizierende Inschrift über dem Kopf. Vor dem Zug laufen die Hl. Drei Könige. Im Obergaden sind zwischen den Fenstern 32 Darstellungen von Aposteln und Propheten zu sehen. Darüber befinden sich in rechteckigen Feldern abwechselnd Szenen von den Wundertaten und der Passion Christi und Baldachine. Interessanterweise sind die Szenen nicht nach der Chronologie der Bibel, sondern nach der Liturgie angeordnet.

Christus trägt seit der Restaurierung von 1860 ein Zepter. Ursprünglich hielt er ein offenes Buch mit der Aufschrift Ego sum Rex gloriae (Ich bin der König der Herrlichkeit). Beachtenswert sind noch die Mosaiken, die nahe dem Eingang der Kirche den Palast des Theoderich und den Hafen der Stadt, Classis, zeigen. Aus ihnen wurden nach der Eroberung Ravennas durch oströmische Truppen im Jahr 540 die Abbilder Theoderichs und seiner Höflinge entfernt und durch Bilder von Vorhängen ersetzt; bei genauem Hinsehen kann man allerdings an mehreren Stellen noch die Hände der einst dargestellten Figuren erkennen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sant’Apollinare Nuovo – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • C. Jäggi: Ravenna. Kunst und Kultur einer spätantiken Residenzstadt. Die Bauten und Mosaiken des 5. und 6. Jahrhunderts Regensburg 2013
  • G. Bovini: Ravenna. Kunst und Geschichte. Ravenna 1991.
  • I. Fiorentini u. P. Orioli: S. Apollinare Nuovo. I Mosaici di Teodorico. Faenza 2000.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. G. Bovini: Die Mosaiken von Ravenna. Mailand 1956, S. 27


44.41666666666712.204444444444Koordinaten: 44° 25′ 0″ N, 12° 12′ 16″ O