Santa María de Eunate

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Santa María de Eunate
Lage der Kirche, von Westen aus gesehen
Innenansicht der Kirche
Baudetail: Türbogen des Westportals
Bogenwerk des Umgangs

Santa María de Eunate ist eine romanische Kirche am aragonesischen Zweig des Jakobswegs in Navarra (Spanien).

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche liegt im freien Feld, ohne direkten Bezug zu einer Siedlung, einige Kilometer von dem Marktflecken Muruzábal entfernt und östlich von Puente la Reina, wo die beiden Jakobswege über die Pyrenäenpässe von Somport (Aragonien) und von Roncesvalles zusammentreffen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche wurde Ende des 12. Jahrhunderts oder Anfang des 13. Jahrhunderts im romanischen Stil und mit mozarabischen Einflüssen erbaut. 1940 bis 1943 wurde die Anlage restauriert, die Kapitelle des Umgangs bei dieser Gelegenheit neu arrangiert.[1] Dabei wurde wohl auch einiges recht frei ergänzt.[2] Damals fanden auch archäologische Ausgrabungen außerhalb der Umfassungsmauer statt, wobei auch Gräber mit Bestattungen aufgedeckt wurden, in denen sich Pilgermuscheln befanden, also wohl hier verstorbene Pilger.[3] Eventuell bestand hier ein Hospiz, das dem Johanniterorden gehörte.[4]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der leicht unregelmäßige, achteckige Grundriss weist eine Ähnlichkeit mit Anlagen der Templer auf. Deren Vorliebe für den Zentralbau orientiert sich an der Grabeskirche in Jerusalem. Zudem besteht eine Ähnlichkeit zur nahe gelegenen Heiliggrabkirche in Torres del Río. Die innen halbrunde Apsis weist nach außen einen Fünfachtelschluss auf. Der Grundriss des Oktogons ist leicht asymmetrisch und auch der Chor leicht aus der Achse gerückt. Jede Ecke des Gebäudes wird durch eine Säule betont.

Das Oktogon ist mit zwei Portalen versehen, die kleinen Fenster besitzen Alabasterscheiben. Kapitelle und die Portale sind reich verziert. Mozarabische Einflüsse lassen sich an den wulstigen Rippen ablesen, die sich, von den Pfeilern ausgehend, in der Kuppel des Kirchenraums treffen und das Gewölbe tragen. Vielleicht wurde das gesamte Gebäude von einem mozarabischen Baumeister errichtet.[5]

Die Kirche umläuft parallel zur Außenwand in einigen Metern Abstand eine Arkade, die dem Bauwerk wohl zu seinem Namen verholfen hat (baskisch: Eunate – hundert Tore, hunderttorig). Es gibt keinerlei Spuren, die darauf schließen hindeuten, dass es zwischen Kirche und Arkaden eine Überdachung gegeben hat. Da der Umgang ohne Dach aber wenig Sinn ergibt[6] lag ein Dach wohl zwischen Arkade und der wiederum achteckigen Mauer mit leicht unregelmäßigen Seiten, die die gesamte Anlage umgibt.[7]

Legenden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lage der Kirche, ihre teilweise ungeklärte Geschichte sowie die spezielle Stimmung in der Kirche regten viele Menschen zu Spekulationen an. So existiert in der Gegend eine Sage, die die Ähnlichkeit des Kirchenportals mit dem einer anderen nahen Kirche dem Wirken übernatürlicher Kräfte zuschreibt, während sie wohl nur Beleg für das Wirken des gleichen (unbekannten) Steinmetzen ist. Weiterhin glauben Anhänger bestimmter esoterischer Richtungen, dass Eunate neben Notre Dame de Paris und dem Taj Mahal einer der Kraftorte dieser Erde sei.[8]

Wissenswert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Santa Maria de Eunate ist als Heiratsort beliebt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dietrich Höllhuber und Werner Schäfke: Der spanische Jakobsweg. Geschichte und Kunst auf dem Weg nach Santiago de Compostela. DuMont, [Köln] 1999. ISBN 3-7701-4862-2
  • Pedro de Palol u. Max Hirmer: Spanien. Kunst des frühen Mittelalters vom Westgotenreich bis zum Ende der Romanik. Hirmer, München 1965.
  • Werner Schäfke: Nordwest-Spanien.Landschaft, Geschichte und Kunst auf dem Weg nach Santiago de Compostela. DuMont, Köln 1987. ISBN 3-7701-1589-9
  • Pierre Tisné u. a.: Spanien. Bildatlas spanischer Kunst. DuMont Schauberg, Köln 1968. ISBN 3-7701-4461-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Santa María de Eunate – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Höllhuber, S. 79; Schäfke, S. 67.
  2. Palol, S. 106.
  3. Höllhuber, S. 79; Schäfke, S. 67.
  4. Höllhuber, S. 79.
  5. Palol, S. 106.
  6. Tisné, S. 256.
  7. Schäfke, S. 67.
  8. Aus: Der Jakobsweg, 16:9, 93 Min., Dokumentarfilm, Deutschland 2005, Regie: André Schäfer, Erstausstrahlung bei arte, themenabend jakobsweg, 6. Januar 2006, 22.15 Uhr.
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Koordinaten: 42° 40′ 20″ N, 1° 45′ 42″ W