Santa Maria di Leuca

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Santa Maria di Leuca
Santamariadileuca01.jpg
Santa Maria di Leuca
Staat: Italien
Region: Apulien
Provinz: Lecce ()
Gemeinde: Castrignano del Capo
Koordinaten: 39° 48′ N, 18° 21′ OKoordinaten: 39° 47′ 53″ N, 18° 21′ 21″ O
Höhe: 17 m s.l.m.
Einwohner: 1.263 (2011)
Demonym: Leucani
Patron: Heilige Maria (15. August)
Kirchtag: 15. August
Telefonvorwahl: 0833 CAP: 73040


Santa Maria di Leuca (manchmal auch nur Leuca genannt) ist eine am Meer gelegene Fraktion der Gemeinde Castrignano del Capo in der Provinz Lecce der italienischen Region Apulien.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft hat 1263 Einwohner (Stand 2011).[1] Auf ihrem Gebiet liegt die Punta Ristola, der südlichste Punkt Apuliens, der den Schnittpunkt zwischen dem Ionischen und dem Adriatischen Meer darstellt bzw. den Übergang zwischen dem Golf von Tarent und der Straße von Otranto.

Mythologie und Legenden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einer alten Sage zufolge lebte hier die Sirene Leucasia (Altgriechisch λευκός = weiß; leuchtend), die namengebend für den Ort gewesen sein soll. Diese entbrannte in Liebe zu Melisso, der aber ihrem Liebreiz und anmutigen Gesang nicht verfiel, sondern seiner Geliebten Aristula treu blieb. Leucasia schwor Rache und ließ die beiden in der stürmischen See umkommen. Als das Wasser zurückging, fand man die Leichen auf den beiden Kaps im Osten und Westen der Stadt, die später nach ihnen benannt wurden: Aristula auf dem Punta Ristola, Melisso auf dem Punta Melisso.

Petrus soll hier bei seiner Reise nach Rom an Land gegangen und gepredigt haben. Dabei sei der Minerva-Tempel eingestürzt. Die Jungfrau Maria soll einigen Booten vor der Küste in Seenot geholfen haben, wonach "Santa Maria" dem Namen Leuca vorangestellt wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gegend war bereits in der Altsteinzeit besiedelt. In der Grotta del Bambino wurde, neben Skelettteilen eines Elefanten auch ein Zahn eines Kindes der Gattung Homo neanderthalensis aus dem Mittelpaläolithikum entdeckt. In anderen Höhlen fanden sich ebenfalls Spuren steinzeitlicher menschlicher Aktivitäten.

Recht bedeutend war die bronzezeitliche befestigte Siedlung die nach dem Punta Meliso, einem Kap im Osten des Orts, benannt ist. Sie erstreckte sich über den Gipfel des Kaps; Reste wurden vor allem neben S. Maria de Finibus Terrae entdeckt. Die Siedlung entstand während der mittleren italischen Bronzezeit (ca. 1700–1350 v. Chr.) und war kontinuierlich bis zur Endbronzezeit (11./10. Jahrhundert v. Chr.) bewohnt.[2] In der Endbronzezet wurde womöglich die alte Wehrmauer aufgegeben[3] und das Zentrum der Siedlung verschob sich auf eine niedrigere Höhe, näher am Meer.[4] Aus dieser Besiedlungsphase stammen viele Fragmente mykenischer Keramik, die zumindest von intensiverem Handel mit Griechenland zeugen und ins fortgeschrittene 12. bis in das späte 11. Jahrhundert v. Chr. datieren (Zeitstufen SH IIIC Mittel und Spät sowie submykenisch).

Unweit von Punta Ristola befinden sich einige Höhlen, darunter die Grotta Porcinara, eine künstlich in den Kalksteinfelsen errichtete Höhle auf deren Wänden sich viele messapische griechische und lateinische Inschriften finden, die, zusammen mit Resten eines Altars und Votivgaben, von einem Kult zeugen, der hier für die Zeit zwischen dem 8. Jahrhundert v. Chr. und dem 2. Jahrhundert n. Chr. nachgewiesen ist.

An verschiedenen Stellen des Territoriums von Leuca gibt es Spuren mittelalterlicher Ansiedlungen. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts erbaute Andrea Gonzaga, der erste Marchese von Alessano den "Torre Vecchia", der später in "Torre degli uomini morti" umbenannt wurde. Ebenfalls noch im 16. Jahrhundert ließ auch Philipp II von Spanien einen Turm errichten. In jener Zeit trieben Räuberbanden ihr Unwesen und überfielen mehrmals die an der Küste lebende Bevölkerung. Aus diesem Grund wurden Küstensiedlungen immer wieder aufgeben und verlassen und oft nur von einigen Fischern bewohnt. Erst ab 1873 wuchs wieder das Interesse an diesen Ort und es wurden ab 1874 nach und nach Gebäude errichtet, die Santa Maria di Leuca zu einer größeren Ortschaft werden ließen, die im Laufe der Zeit zu einem beliebten Ziel für Sommerurlauber wurde. Zunächst war der Ort vor allem bei reichen Apuliern beliebt, wovon einige Jugendstil-Villen zeugen, die ab ca. 1900 erbaut wurden.

In Santa Maria di Leuca endet der Aquedotto pugliese, eine Wasserleitung, die größere Teile Apuliens und Kampaniens mit Wasser versorgt. Es handelt sich um das größte Aquädukt in Europa. Mit dem Bau wurde Anfang des 20. Jahrhunderts begonnen; der Endpunkt, Santa Maria di Leuca, wurde 1941 erreicht.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leuchtturm von Santa Maria di Leuca
Chiesa di Cristo Re in Santa Maria di Leuca
  • Eines der Wahrzeichen der Stadt ist der 1864 erbaute Leuchtturm, der auf Kap Punta Meliso auf einen Höhe von 102 m über NN steht. Der Leutchturm ist 47 Meter hoch und damit nach dem Leuchtturm von Genua einer der imposantesten Italiens.
  • Basilica Santa Maria de Finibus Terrae, ebenfalls auf dem Kap gelegen, wurde in seiner jetzigen Form zwischen 1722 und 1755 erbaut und gedenkt dem Heiligen Petrus, der hier auf seiner Reise nach Rom Zwischenstation gemacht haben soll. Die Kirche ist der Heiligen Maria geweiht und ist namengebend für den Ort Santa Maria di Leuca. Es gibt Vorgängerbauten, die erste Kirche wurde 343 von Papst Julius I. geweiht. Ursprünglich soll an dieser Stelle ein Tempel für Minerva gestanden haben.
  • In der Umgebung, oft direkt an der Küste, gibt es eine ganze Reihe von Höhlen, wie die Grotte delle Rade (unter diesen die Grotta del Diavolo und die Grotta Porcinara), die Grotte di Ponente (u.a. Grotta del Drago) und die Grotte die Levante, die teilweise besichtigt werden können.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mario Benzi: LH IIIC Late Mycenaean Refugees at Punta Meliso, Apulia. In: Vassos Karageorghis - Christine E. Morris: Defensive settlements of the Aegaean and the Eastern Mediterranean after c. 1200 B.C., Nicosia 2001, S. 233–240.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Santa Maria di Leuca – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen der Ortschaften der Provinz Lecce (nach Auswertung der Volkszählung 2011)
  2. Marco Bettelli, Italia meridionale e mondo miceneo. Ricerche su dinamiche di acculturazione e aspetti archeologici, con particolare riferimento ai versanti adriatico e ionico della penisola italiana. Florenz 2002, S. 26 (mit weiterer Literatur).
  3. So Reinhard Jung: ΧΡΟΝΟΛΟΓΙΑ COMPARATA. Vergleichende Chronologie von Südgriechenland und Süditalien von ca. 1700/1600 bis 1000 v. u. Z. Wien 2006, S. 165.; anders: Marco Bettelli, Italia meridionale e mondo miceneo. Ricerche su dinamiche di acculturazione e aspetti archeologici, con particolare riferimento ai versanti adriatico e ionico della penisola italiana. Florenz 2002, S. 26.
  4. Reinhard Jung: ΧΡΟΝΟΛΟΓΙΑ COMPARATA. Vergleichende Chronologie von Südgriechenland und Süditalien von ca. 1700/1600 bis 1000 v. u. Z. Wien 2006, S. 165.