Santa Susanna (Rom)

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Santa Susanna alle Terme di Diocleziano[1]

Roma S. Susanna P1020016 c GS.JPG

Patrozinium: hl. Susanna
Weihetag: 1603
Orden: Zisterzienserinnen, Paulisten
Kardinalpriester: Bernard Francis Kardinal Law
Nationalkirche: Vereinigte Staaten von Amerika
Pfarrgemeinde: San Camillo de Lellis
Anschrift: Via XX Settembre 14 (Largo Santa Susanna)

00187 Roma

Abtei Santa Susanna
Lage Italien
Rom
Liegt im Bistum Rom
Koordinaten: 41° 54′ N, 12° 30′ OKoordinaten: 41° 54′ 15″ N, 12° 29′ 37″ O
Kongregation dem Ortsbischof unterstellt
Wappen des derzeitigen Kardinalpriesters, Bernard Francis Law

Santa Susanna (lateinisch Sancta Susanna), vollständig Santa Susanna alle Terme di Diocleziano, ist eine Kirche in Rom, die der hl. Susanna geweiht ist, einer frühchristlichen Märtyrin. Sie gehört zu den Titelkirchen der römisch-katholischen Kirche. Gleichzeitig ist sie Konventskirche der Zisterzienserinnen von Santa Susanna, einem seit 1587 an diesem Ort bestehenden Kloster, und seit 1922 auch Kongregationskirche der Missionspriester vom hl. Paulus, einem Priesterorden aus New York. Durch die Übergabe von S. Susanna an die Paulisten wurde die Kirche zeitweise als Nationalkirche der Vereinigten Staaten genutzt. Nach Auseinandersetzungen zwischen den Zisterzienserinnen und der amerikanischen Gemeinde zog diese 2012 aus und 2017 nach San Patrizio.[2]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche liegt im 2. römischen Rione Trevi an der Via XX Settembre, etwa 250 Meter nordwestlich der Piazza della Repubblica und der Diokletiansthermen. Im spätantiken Rom war dies ein bevorzugter Platz an der innerstädtischen Verlängerung der Via Nomentana zum Quirinalshügel.

Geschichte und Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Grund alter Schriften wird vermutet, dass der Kult der heiligen Susanna von Rom bereits Anfang des 5. Jahrhunderts bestanden hat und dass deshalb in unmittelbarer Nähe der Thermen des Diokletian eine frühchristliche Kirche errichtet worden ist, und zwar über den Resten des antiken Hauses, in dem die hl. Susanna im Jahre 304 unter Kaiser Diokletian das Martyrium erlitten haben soll. Über ihr Leben und Sterben fehlen echte geschichtliche und hagiographische Mitteilungen.[3]

In den römischen Konzilsakten von 499 wird die erste Kirche zunächst mit dem Namen des Stifters als titulus Gaii bezeichnet, während sie in den Konzilsunterschriften von 595 bereits den Namen titulus sanctae Susannae trägt. Der Stifter Gaius kann aber aus zeitlichen Gründen nicht mit dem Papst Cajus (283-296) identisch sein, wie es in der Susannalegende des 6. Jahrhunderts berichtet wird.[4]

Papst Leos III. (795-816) ließ an Stelle der ersten Kirche, die baufällig und zu klein geworden war, um 799 den Neubau einer dreischiffigen Basilika (ca. 35 m lang) mit halbrunder Apsis im Nordwesten errichten. Mittelschiff und Seitenschiffe waren durch je zwölf Säulenpaare mit Arkaden voneinander getrennt; über den flachgedeckten Seitenschiffen befanden sich Emporen mit rundbogigen Öffnungen gegen das Mittelschiff.[5]

Das von Papst Leo III. gestiftete Apsismosaik wurde 1595 zerstört, ist aber durch historische Stiche und Beschreibungen überliefert. Es zeigte Christus mit Petrus und Paulus sowie mit den Märtyrerinnen Susanna und Felicitas, außerdem Papst Leo III. als Stifter (mit Kirchenmodell) und Karl den Großen mit Helm und Schwert in Akklamationshaltung, beide durch quadratischen Nimbus als Lebende gekennzeichnet. Einzigartig bei dieser Darstellung ist, dass Karl der Große hier als Träger weltlicher Macht und zugleich als Schutzherr der Kirche in gleicher Weise wie der Papst abgebildet wird. Unter dem früheren Mosaik befand sich die Widmungsinschrift von Leo III.[6]

Papst Sixtus IV. (1471–1484) ließ die karolingische Basilika aus Anlass des Heiligen Jahres 1475 zu einem einschiffigen Kirchenraum in der Breite des bisherigen Mittelschiffs umbauen; die bisherige Apsis wurde beibehalten und Seitenkapellen hinzugefügt. 1590 bis 1603 erfolgte unter Kardinalvikar Girolamo Rusticucci eine Umgestaltung der Kirche im Übergangsstil der Renaissance zum Barock durch Domenico Fontana und Carlo Maderno, wobei die alte Ausstattung zum größten Teil verlorenging. Neu entstand die berühmte Fassade von Carlo Maderno. Außerdem wurden im Anschluss an die Kirchenfassade links das Kloster der Zisterzienserinnen und rechts ein Wohnhaus errichtet.[7]

Äußeres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau ist heute einschiffig mit einer breiten Apsis und verfügt über einige Seitenkapellen sowie eine Krypta.

Fassade[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchenfassade mit angrenzenden Bauten

Die Kirchenfassade ist das erste selbständige Werk des Architekten Carlo Maderno (um 1597). Mit den beiderseits angrenzenden Flügelbauten bildet die Fassade eine bauliche Dreiergruppe. „Raum und Fläche, Ruhe und Bewegung, Pathos und Strenge vereinigen sich hier in glücklicher Ausgewogenheit zu einem Meisterwerk, das zu den Urbildern der römischen Barockfassaden gehört“ und Vorbild für zahlreiche spätere Fassaden wurde.[8]

Die Fassade von Santa Susanna ähnelt der von Il Gesu in Rom, ist aber bedeutend steiler und wesentlich plastischer gestaltet. Neuartig erscheint der als „Crescendo“ bezeichnete Effekt einer Steigerung der Plastizität, und zwar bei beiden Geschossen von außen nach innen sowie im Verhältnis der Geschosse zueinander von oben nach unten. Im unteren Geschoss beginnt die horizontale Gliederung an den Ecken mit je einem breiten und einem halbierten Pilaster und setzt sich fort über eine Halbsäule zu den doppelt gestellten Dreiviertelsäulen neben dem Portal. Diese Betonung der Mitte wird noch verstärkt durch die von außen nach innen sich steigernde Tiefenwirkung vom Reliefschmuck (außen) über die Figuren (in den Nischen) zum großen Portal. Im Kontrast hierzu werden im Obergeschoss die weniger plastischen Pilaster statt der Säulen verwendet – lediglich die Loggia hat eine etwas hervortretende Ädikula.[9] Der Giebel ist zwar durch eine Balustrade stark konturiert, aber dennoch vergleichsweise schlicht gehalten.

Die Figuren der Märtyrerinnen Susanna und Felicitas in den Nischen unten sowie von Papst Gaius und dem Märtyrer Gabinus oben wurden von Giovanni Antonio Paracca und Flaminio Vacca zwischen 1597 und 1599 geschaffen.[10]

Inneres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchenschiff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kassettendecke

Die Kirche war in ihrer karolingischen Gestalt eine Basilika; seit den Veränderungen ab 1593 ist sie ein einschiffiger Saalbau mit Seitenkapellen. Vorbild für diese Gestaltung war Il Gesu in Rom. Die bedeutenden Mosaiken des 9. Jahrhunderts im Chorraum wurden durch Fresken von Cesare Nebbia und Paris Nogari ersetzt. An den Langhauswänden und in den Seitenkapellen schuf Baldassare Croce Szenen aus dem Leben der Titelheiligen, dargestellt in fingierten Wandteppichen und gerahmt von Scheinarchitektur.[11][12] Seit Ende des 16. Jahrhunderts liegt über dem Kirchenschiff eine prachtvolle Kassettendecke.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf die Orgel

Die Orgel auf der Sängertribüne wurde 1965 von den Orgelbauern Fratelli Ruffatti errichtet. Das Instrument hat 22 Register auf zwei Manualwerken und Pedal. Die Trakturen sind elektrisch. Der Spieltisch befindet sich im Kirchenraum.[13]

I Grand'Organo C–c4
Principale 8′
Flauto 8′
Bordone 8′
Ottava 4′
Flauto 4′
Decimaquinta 2′
Ripieno V
Voce umana 8′
II Espressivo C–c4
Bordone 8′
Viola da Gamba 8′
Principalino 4′
Flauto a camino 4′
Sesquialtera II
Ottavino 2′
Ripienino III
Voce celeste 8′
Tromba armonica 8′
Tremolo
Pedale C–g1
Subbasso 16′
Principale 8′
Bordone 8′
Flauto 8′
Tromba 8′

Krypta[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die karolingische Krypta wurde von Carlo Maderno zu einer barocken Confessio umgestaltet als „eines der ersten Beispiele des im Gefolge der Gegenreformation aufgekommenen Märtyrerkults“. Maderno wählte die Ellipse als Grundstruktur und führte den Raum folglich als Ovalrotunde mit einer flachen Kuppelkalotte aus. Die beiden Brennpunkte der Ellipse bilden zum einen der Altar der Heiligen und zum anderen das Grabmal des hier bestatteten Auftraggebers Kardinal Girolamo Rusticucci.[14]

Ausgrabungen und Fresko „Maria Regina“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Ausgrabungen unter dem ehemaligen linken Seitenschiff der karolingischen Basilika, also unter der heutigen Sakristei, wurden 1992 ein römischer Sarkophag und etwa 7.000 Teilstücke von Wandgemälden des späten 8. Jahrhunderts gefunden. Als Ergebnis der Restaurierungsarbeiten und der Zusammensetzung der Teilstücke konnte im Jahr 2000 das Wandgemälde (ca. 120 x 190 cm) in die Obhut des Klosters der Zisterzienserinnen übergeben werden, wo es heute in der Sakristei ausgestellt ist.[15] Es handelt sich um die Reste eines Wandbilds vom Tympanon der karolingischen Basilika und einer Personengruppe. Auf dem Tympanon ist das mystische Lamm auf dem Buch mit den sieben Siegeln abgebildet, daneben Johannes der Täufer und Johannes der Evangelist. Zu der Personengruppe gehört eine thronende Maria mit Kind, flankiert von der Märtyrerin Agatha (namentlich aufgeführt) und der Kirchenpatronin Susanna von Rom. Die reich gekleideten Frauen tragen edelsteinbesetzte Kronen und haben einen goldenen Nimbus. Maria hält in der rechten Hand einen Stab. Das Jesuskind – mit Kreuznimbus – hat die rechte Hand segnend erhoben. Auffallend ist die Ähnlichkeit dieser Darstellung mit der „Maria Regina I“ an der Apsiswand der ehemaligen Kirche Santa Maria Antiqua in Rom.[16]

Kardinalpriester[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hugo Brandenburg: Die frühchristlichen Kirchen in Rom vom 4. bis zum 7. Jahrhundert. Schnell & Steiner, Regensburg 2013, S. 177ff.
  • Hans Georg Wehrens: Rom – Die christlichen Sakralbauten vom 4. bis zum 9. Jahrhundert – Ein Vademecum. Herder, Freiburg 2016, S. 240-244.
  • Giuseppe Basile: Dipinti murali in frammenti del Monastero di Santa Susanna a Roma. Ministero per i beni e le attività culturali, Istituto centrale per il resauro, Rom, 2004, S. 8-27 mit farbigen Abbildungen
  • Ursula Nilgen: Eine neu aufgefundene Maria Regina in Santa Susanna, Rom. Ein römisches Thema mit Variationen. In: Bedeutung in den Bildern, Festschrift zum 60. Geburtstag von Jörg Traeger, Schnell & Steiner 2002, S. 231-246.
  • Anton Henze: Kunstführer Rom. Reclam, Stuttgart 1994, S. 269.
  • Anna Maria Affani u.a.: Santa Susanna e San Bernardo alle Terme. Fratelli Palombi, Rom 1993, S. 13-57.
  • Walther Buchowiecki: Handbuch der Kirchen Roms. Der römische Sakralbau in Geschichte und Kunst von der altchristlichen Zeit bis zur Gegenwart. Band 3, Hollinek Wien 1974, S. 994-1015.
  • Marco Bussagli (Hrsg.): Rom - Kunst & Architektur. Könemann, Köln 1999, ISBN 3-8290-2258-1.
  • Stefan Grundmann (Hrsg.): Architekturführer Rom. Menges, Stuttgart/London 1997, ISBN 3-930698-59-5, S. 192f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Santa Susanna (Rom) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Diözese Rom
  2. American community finds a new home in Rome, Catholic News Service vom 7. August 2017, abgerufen am 9. August 2017
  3. Walther Buchowiecki: Handbuch der Kirchen Roms. Der römische Sakralbau in Geschichte und Kunst von der altchristlichen Zeit bis zur Gegenwart. Band 3, Wien 1974, S. 996.
  4. Hugo Brandenburg: Die frühchristlichen Kirchen in Rom vom 4. bis zum 7. Jahrhundert. Regensburg 2013, S. 177ff.
  5. Hans Georg Wehrens: Rom – Die christlichen Sakralbauten vom 4. bis zum 9. Jahrhundert – Ein Vademecum. Freiburg 2016, S. 240 mit Grundrissentwicklung auf Abb. 31,2.
  6. Hans Georg Wehrens: Rom – Die christlichen Sakralbauten vom 4. bis zum 9.  Jahrhundert – Ein Vademecum. Freiburg 2016, S. 241ff. mit Text und Übersetzung der Widmungsinschrift auf S. 244.
  7. Walther Buchowiecki: Handbuch der Kirchen Roms. Der römische Sakralbau in Geschichte und Kunst von der altchristlichen Zeit bis zur Gegenwart. Band 3, Wien 1974, S. 999f.
  8. Anton Henze: Kunstführer Rom. Stuttgart 194, S. 269.
  9. Stefan Grundmann (Hrsg.): Architekturführer Rom. Stuttgart/London 1997, S. 192.
  10. Bussagli: Rom – Kunst und Architektur, S. 439.
  11. Anton Henze: Kunstführer Rom. Stuttgart S. 269.
  12. Anna Maria Affani u.a.: Santa Susanna e San Bernardo alle Terme. Rom 1993, S. 28ff. mit Abbildungen
  13. Nähere Informationen zur Orgel (italienisch)
  14. Stefan Grundmann (Hrsg.): Architekturführer Rom. Stuttgart/London 1997, S. 192f.
  15. Giuseppe Basile: Dipinti murali in frammenti del Monastero di Santa Susanna a Roma. Ministero per i beni e le attività culturali, Istituto centrale per il resauro, Rom, 2004, S. 8-27 mit Abbildungen.
  16. Hans Georg Wehrens: Rom – Die christlichen Sakralbauten vom 4. bis zum 9. Jahrhundert – Ein Vademecum. Freiburg 2016, S. 243.