Santa Susanna (Rom)

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Santa Susanna alle Terme di Diocleziano[1]
Patrozinium: hl. Susanna
Weihetag: 1603
Orden: Zisterzienserinnen, Paulisten
Kardinalpriester: Bernard Francis Kardinal Law
Nationalkirche: Vereinigte Staaten von Amerika
Pfarrgemeinde: San Camillo de Lellis
Anschrift: Via XX Settembre 14 (Largo Santa Susanna)

00187 Roma

Abtei Santa Susanna
Madernos Fassade
Madernos Fassade
Lage Italien
Rom
Liegt im Bistum Rom
Koordinaten: 41° 54′ N, 12° 30′ OKoordinaten: 41° 54′ 15″ N, 12° 29′ 37″ O
Kongregation dem Ortsbischof unterstellt
Wappen des derzeitigen Kardinalpriesters, Bernard Francis Law

Santa Susanna (lateinisch Sanctae Susannae), vollständig Santa Susanna alle Terme di Diocleziano, ist eine Kirche in Rom, die der hl. Susanna geweiht ist, einer frühchristlichen Jungfrau und Märtyrin. Zudem gehört sie zu den Titelkirchen der römisch-katholischen Kirche. Santa Susanna ist die Konventskirche der Zisterzienserinnen von Santa Susanna, einem Kloster, das seit der Kirchweihe im Jahre 1591 an diesem Ort besteht.

Seit 1958 werden auch Gottesdienste für Bürger der Vereinigten Staaten gefeiert. Weiterhin dient Santa Susanna als Kongregationskirche der Paulisten.[2]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche liegt im II. römischen Rione Trevi, etwa 250 Meter nordwestlich der Piazza della Repubblica. Der Largo Santa Susanna liegt unmittelbar an der Via XX Settembre.

Geschichte und Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche liegt der Überlieferung nach an der Stelle des Wohnhauses des Onkels der hl. Susanna, des Papstes Cajus. Den hl. Cajus war nach Umwandlung des Hauses in eine Kirche dieser erste Bau geweiht.[3] Auch soll die hl. Susanna in diesem Haus im Jahre 304 ihr Martyrium erlitten haben.[2] Um 796, unter dem Pontifikat Papst Leos III., wurde die Kirche völlig neu errichtet[3] und erhielt eine Krypta. Dieser Bau wiederum wurde unter Papst Sixtus IV. 1475 gründlich restauriert.[4] Die heutige Kirche schließlich ist die fast völlige Umgestaltung dieses Baus unter dem Kardinalvikar Girolamo Rusticucci[3] ab 1593 bis 1603. Die Bauleitung hatte zunächst Domenico Fontana, ab 1592 Carlo Maderno.[3]

Äußeres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau ist heute einschiffig mit einer breiten Apsis und verfügt über einige Seitenkapellen sowie eine Krypta.

Fassade[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannt ist die Kirche auch wegen ihrer Fassade, in der sich „Raum und Fläche, Ruhe und Bewegung, Pathos und Strenge“ vereinigen sollen.[3][4] Die Fassade ähnelt zunächst der von Il Gesu, ist aber bedeutend steiler.[3] Grundlegend ist die Fassade als zweistöckige Querschnittfassade mit Voluten angelegt. Sie ist aber wesentlich plastischer gearbeitet als die von Il Gesu. Die Architektur befand sich zu jener Zeit am Übergang zum Barock, also von der Auffassung der Fassade als Ebene weggehend bis zu den sehr individuell gestalteten Fassaden des Hochbarock.[3] Maderno, dessen erstes Werk in Rom diese Fassade war[3], sah sich unter anderem wegen der Schrägsicht auf die Fassade aus der heutigen Via Torino in einer schwierigen Lage.[5] So konzipierte er eine für die Zeit von außerordentlicher Plastizität gestaltete Fassade, die schon zur Entstehungszeit als herausragende architektonische Leistung angesehen wurde[6] und bis heute als bahnbrechend für die Architektur gilt.[7]

Die Fassade betont sehr stark die Mitte, dieser Effekt wird gelegentlich als „Crescendo“ bezeichnet.[3][4] An die äußeren Ecken des unteren Stockwerks der Fassade sind zunächst Pilaster gestellt, im nächsten Schritt zur Mitte hin folgen zwei Halbsäulen, die beiden Säulen des Portals sind dann im nächsten Schritt Dreiviertelsäulen. Durch die schrittweise Abstufung der Flächen vom Portal zu den Seiten hin ergibt sich ebenso die Betonung der Mitte. Ebenfalls um diesen Effekt zu erreichen, sind die inneren Pilaster der äußeren Flächen halbiert. Weiter aufgelockert wird die Fassade durch die beiden Nischen zwischen den Halbsäulen im mittleren Fassadensegment des Erdgeschosses. Das Obergeschoss hingegen stellt das „Decrescendo“[3] in vertikaler Richtung dar: Es enthält zwar das Grundprogramm des unteren Stockwerks, es sind aber nunmehr nur noch wenige plastische Pilaster eingefügt. Der Giebel wurde zwar stark konturiert, aber dennoch möglichst schlicht gehalten. Einzige Ausnahme im oberen Stock bildet die deutlich hervortretende Ädikula über der Loggia. Die Figuren in den Nischen der Fassade wurden von Antonio Paracca Valsoldo und Flaminio Vacca zwischen 1597 und 1599 geschaffen.[8]

Ebenfalls für sakrale Gebäude neu[9] ist die Einbindung von Trabantengebäuden mit dem Element der Balustrade als zentrales Mittel barocker Platzgestaltung. Die neue Fassadengestaltung war Vorbild für zahlreiche andere Kirchenfassaden, so beispielsweise – wenngleich merklich abgewandelt – bei der Kirche Val-de-Grâce in Paris, begonnen 1645 von François Mansart, bis 1710 unter anderem von Jacques Lemercier fortgeführt.[10]

Inneres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchenschiff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kassettendecke

Die Kirche war in ihrer karolingischen Gestalt eine Basilika, seit den Veränderungen ab 1593 ist sie einschiffig mit Seitenkapellen. Vorbild für diese Gestaltung war Il Gesu. Das Innere ist mit Wandmalereien bedeckt. Sie stellen Szenen aus dem Leben der hl. Susanna dar und wurden von verschiedenen Künstlern ausgeführt, genannt werden Cesare Nebbia, Paris Nogari,[2] vor allem aber Baldassare Croce[4][11], der hier bereits neuere perspektivische Arbeiten ausführte (von 1598 bis 1600).[11]

Über dem Kirchenschiff liegt eine überaus prächtige Kassettendecke. Das in der Zeit um 796 ausgeführte Mosaik in der Apsis ist nicht mehr erhalten, aber weitgehend bekannt.[12]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf die Orgel

Die Orgel auf der Sängertribüne wurde 1965 von den Orgelbauern Fratelli Ruffatti errichtet. Das Instrument hat 22 Register auf zwei Manualwerken und Pedal. Die Trakturen sind elektrisch. Der Spieltisch befindet sich im Kirchenraum.[13]

I Grand'Organo C–c4
Principale 8'
Flauto 8'
Bordone 8'
Ottava 4'
Flauto 4'
Decimaquinta 2'
Ripieno V
Voce umana 8'
II Espressivo C–c4
Bordone 8'
Viola da Gamba 8'
Principalino 4'
Flauto a camino 4'
Sesquialtera II
Ottavino 2'
Ripienino III
Voce celeste 8'
Tromba armonica 8'
Tremolo
Pedale C–g1
Subbasso 16'
Principale 8'
Bordone 8'
Flauto 8'
Tromba 8'

Krypta[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die karolingische Krypta wurde von Maderno zu einer barocken Confessio umgestaltet, „als eines der ersten Beispiele des im Gefolge der Gegenreformation aufgekommenen Märtyrerkults“.[3] Maderno wählte die Ellipse als Grundstruktur und führte den Raum folglich als Ovalrotunde mit einer flachen Kuppelkalotte aus. Die beiden Brennpunkte der Ellipse bilden zum einen der Altar der Heiligen und zum anderen das Grabmal des hier bestatteten Auftraggebers, Kardinal Rusticucci.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manfred Wundram (Hrsg.): Reclams Kunstführer, Italien. Band V. Rom und Latium. Reclam, Stuttgart 1981, ISBN 3-15-008679-5.
  • Marco Bussagli (Hrsg.): Rom - Kunst & Architektur. Könemann, Köln 1999, ISBN 3-8290-2258-1.
  • Stefan Grundmann (Hrsg.): Architekturführer Rom. Menges, Stuttgart/London 1997, ISBN 3-930698-59-5.
  • Herbert Rosendorfer: Kirchenführer Rom. 3. Auflage, Edition Leipzig, Leipzig 2005, ISBN 3-361-00485-3.
  • Rolf Toman (Hrsg.): Die Kunst des Barock. Architektur – Skulptur – Malerei. Könemann, Köln 1997, ISBN 3-89508-991-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Santa Susanna (Rom) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Diözese Rom
  2. a b c Rosendorfer: Kirchenführer Rom, S. 247f.
  3. a b c d e f g h i j k Grundmann: Architekturführer Rom, S. 192f.
  4. a b c d Wundram: Reclams Kunstführer, Bd. V, S. 283 f.
  5. Toman: Die Kunst des Barock, S. 16.
  6. Bussagli: Rom – Kunst und Architektur, S. 421
  7. Bussagli: Rom – Kunst und Architektur, S. 527
  8. Bussagli: Rom – Kunst und Architektur, S. 439.
  9. Grundmann: Architekturführer Rom, S. 192f., nennt als Ausnahme S. Giorgio Maggiore in Venedig.
  10. Toman: Die Kunst des Barock, S. 129.
  11. a b Bussagli: Rom – Kunst und Architektur, S. 486.
  12. Bussagli: Rom – Kunst und Architektur, S. 315.
  13. Nähere Informationen zur Orgel (italienisch)