Santiago de Cuba

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Santiago de Cuba
Koordinaten: 20° 2′ N, 75° 49′ W
Karte: Kuba
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Santiago de Cuba
Santiago de Cuba auf der Karte von Kuba
Basisdaten
Staat Kuba
Provinz Santiago de Cuba
Stadtgründung 1515
Einwohner 510.665 (2015)
Stadtinsignien
Escudo Actual Santiago de Cuba.jpg
Escudo Antiguo Santiago de Cuba.jpg
Detaildaten
Fläche 1.031,74 km²
Bevölkerungsdichte 495 Ew./km2
Höhe 82 m
Gewässer Karibisches Meer
Postleitzahl 90100, 90200, 90300, 90400, 90500, 90600, 90700, 90800, 90900, 91000, 91100, 91200, 91300, 91400
Vorwahl (+53) 22
Zeitzone UTC-5
Website www.santiago.cu
Kathedrale und Parque Céspedes
Kathedrale und Parque Céspedes

Santiago de Cuba ist die zweitgrößte Stadt Kubas und die Hauptstadt der Provinz Santiago de Cuba. Die Stadt hat 510.665 Einwohner (Zensus 2015).[1] Santiago de Cuba, das im Jahre 2015 sein 500-jähriges Bestehen feierte, gehört zu den ältesten Städten Kubas. Sie liegt im Südosten Kubas circa 870 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Havanna.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage und natürliche Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Santiago de Cuba befindet sich im Südosten von Kuba mit den Koordinaten N 20°1'00.948" W 75°49'48.553", etwa 870 km von der Hauptstadt Havanna entfernt. Das Zentrum der Stadt befindet sich etwa 29 m über dem Meeresspiegel. Santiago de Cuba ist die zweitgrößte Stadt Kubas nach Havanna. Die Bucht von Santiago liegt am Karibischen Meer und der Hafen ist der größte Seehafen in Kuba. Die Stadt ist rund um die Bucht von Santiago de Cuba gewachsen und ist umgeben mit von den Bergen der Sierra Maestra.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Santiago de Cuba herrscht, wie auch in den meisten anderen Gebieten Kubas, tropisches Klima. Der effektiven Klimaklassifikation nach Köppen zufolge herrscht in Santiago de Cuba tropisches Savannenklima.

Temperatur und Niederschlag im langjährigen Mittel (1961–1990)
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 28 28 28 28 28 29 31 31 31 30 30 30 Ø 29,3
Min. Temperatur (°C) 21 21 22 23 23 24 25 25 24 24 23 22 Ø 23,1
Niederschlag (mm) 43,2 53,3 58,4 139,7 101,6 68,6 94 106,7 193 94 81,3 114,1 Σ 1.147,9
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Quelle: World Meteorological Organization[2];

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Santiago ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Die Stadt ist in 6 Distrikte gegliedert, die wiederum in diverse Viertel (Consejos populares) untergliedert sind:

Districto Consejos populares
Einwohner
(Volkszählung 2015)
José Martí José Martí Norte, Agüero – Mar Verde, José Martí Sur, Los Olmos, Mariana Grajales, Manuel Isla Pérez 130.073
26 de Julio Guillermón Moncada, Los Maceos, José María Heredia 51.942
Antonio Maceo Altamira, Vista Hermosa, Veguita de Galo, Chicharrones, Flores, Ciudamar 113.286
Abel Santamaría Sueño, Vista Alegre, 30 de Noviembre, Santa Bárbara, Abel Santamaría, Haydé Santamaría 98.881
René Ramos Latourt El Cobre, El Cristo, Boniato 65.724
Frank País García El Caney, Siboney, El Ramón, El Escandel, Sigua 50.759

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildnis Diego Velázquez vor der Silhouette Santiagos
Blick auf die Casa de Velázquez, recht davon das Rathaus von Santiago de Cuba

Santiago wurde am 25. Juli 1515 von Diego Velázquez de Cuéllar als eine von sieben Villas, der ersten Städte der Insel, gegründet. In kürzester Zeit entwickelte sich die Stadt zu einem regen Handelszentrum, in sich Velázquez im Zentrum der Stadt von 1516 bis 1530 eine Residenz errichten ließ (Casa de Velázquez), die die Zeit überdauert hat, heute ein Museum beherbergt und als eines der ältesten Häuser Cubas gilt.

Auf sein Anraten verlieh die Spanische Krone im Jahre 1522 den Hauptstadttitel, den sie bis 1607 innehatte. Gleichzeitig war Santiago de Cuba in dieser Zeit Hauptstützpunkt der spanischen Armada in der Karibik.

Spanische Kolonialherrschaft und französische Einwanderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bucht von Santiago de Cuba 1856

Die ersten Spanier, die die heutige mexikanische Küste erreichten, waren am 8. Februar 1517 von Santiago de Cuba aus aufgebrochen und standen unter dem Kommando von Francisco Hernández de Córdoba. Diego Velázquez de Cuéllar hatte Hernández de Córdoba den Auftrag gegeben, neue Länder zu entdecken und Sklaven zu fangen. Velázquez de Cúellar rüstete im Januar 1518 eine weitere Expedition aus. Zum Kommandanten ernannte er seinen Neffen Juan de Grijalva. Nach Grijalvas Rückkehr erteilte Velázquez dem Alkalden (Bürgermeister) von Santiago de Cuba, Hernán Cortés, den Befehl zu einer dritten Expedition. Die Mittel, die Cortés in die Unternehmung steckte, sowie dessen Eifer beunruhigten Velázquez danach sehr, denn er befürchtete, dass Cortés die vereinbarte Gewinnbeteiligung nicht einhalten werde. Er versuchte ihn von seinem Posten als Kapitängeneral zu entfernen, doch Cortés bestieg kurzerhand mit 400 bis 600 Mann[3] die für die Reise vorgesehenen Schiffe und stach von Santiago aus in See.

Um 1530 wurden westlich von Santiago (im heutigen Dorf El Cobre) Kupfervorkommen entdeckt. Aber aus Mangel an Gießereiexperten konnten diese nicht ausgebeutet werden. Der Flame Gaspar Lomans begann im Jahre 1540 dort mit Bergbautätigkeiten, seit 1542 unterstützt durch den Nürnberger Hans Tetzel. Dieser reiste nach Spanien und Deutschland zurück, um weitere deutsche Ingenieure nach Kuba zu holen. Ausgestattet mit einem Vertrag der Spanischen Krone und Kapital der Nürnberger Welser wurden die Kupfervorkommen von 1547 bis zu seinem Tod im Jahre 1576 durch einheimischen Indios und Sklaven aus dem Kongo, vom Cabo Verde und aus Angola abgebaut[4][5].

Im Jahre 1554 wurde Santiago vom Piraten Jacques de Sores und seinen Mannen angegriffen, ein paar Wochen später von François Le Clerc und seinen Leuten[6]. Im Jahr 1607 wurde Santiago de Cuba durch Havanna als Hauptstadt abgelöst. Zum Schutz der Stadt von der Seeseite aus wurde ab 1637 10 km südwestlich der Stadt das Castillo de San Pedro de la Roca errichtet. Diese Festung ist vor allem unter dem Namen Castillo del Morro bekannt und ist von der UNESCO als schützenswertes Weltkulturerbe anerkannt. Daneben war sie Ankunftshafen für die Sklavenschiffe aus Westafrika. Noch heute ist hier der größte Teil der Bevölkerung afrikanischer Abstammung.

Im Jahre 1686 wurde ca. 25 km westlich von Santiago die heutige Wallfahrtskirche El Cobe errichtet, die heute als das Nationalheiligtum der Katholiken in Kuba gilt.

Prägenden Einfluss auf die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Eigenheiten der Stadt hatte die Einwanderungswelle französischer Siedler und ihrer Sklaven aus Haiti infolge der Haitianischen Revolution ab 1791. Am sichtbarsten war dieser französische Einfluss lange im unmittelbar südlich des kolonialen Altstadtkerns gelegenen Stadtviertel Tivolí, das während dieser Einwanderungswelle entstand. Auch die östlich von Santiago auf dem weltweit drittgrößten Monolithen Gran Piedra gelegene Kaffeeplantage Cafetal Isabélica, die ebenfalls seit dem Jahr 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, geht auf eine Gründung von französischen Siedlern zurück.

1862 wurde in Santiago de Cuba die Destillerie Bacardí & Ca. von dem aus Sitges (Spanien) stammenden „Don“ Facundo Bacardí Massó (1814–1887) gegründet, das international bekannteste und erfolgreichste kubanische Wirtschaftsunternehmen.

Unabhängigkeitskriege und Spanisch-Amerikanischer Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal auf dem Hügel San Juan in Santiago de Cuba an die Schlacht von 1898

Im Jahre 1845 wurde in Santiago Antonio Maceo geboren, der einer der militärischen Führer der ab 1868 geführten Unabhängigkeitskriege (Zehnjähriger Krieg, Guerra Chiquita und Kubanischer Unabhängigkeitskrieg) war. Der Santiago umgebende Osten der Insel war dabei das Zentrum der bewaffneten kubanischen Unabhängigkeitsbewegung gewesen.

Seit mindestens 1856 bestanden deutsche Konsulate (für Bremen, Hamburg und Preußen) in Santiago de Cuba[7], eines ist ab 1871 noch bis nach 1876 als Konsulat des Deutschen Reiches nachweisbar[8].

In (und bei) Santiago de Cuba wurden im Sommer 1898 die entscheidenden und abschließenden Gefechte geführt, die im Rahmen des Spanisch-Amerikanischen Krieges zum Ende der spanischen Kolonialherrschaft über Kuba führten: Die Schlacht am Hügel von San Juan außerhalb der östlichen Stadtgrenze sowie wenige Tage später die Seeschlacht vor Santiago de Cuba.

Diktatur Batistas und Beginn der Revolution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moncada Kaserne mit rekonstruierten Einschusslöchern, der kubanischen und rot-schwarzen Flagge der Bewegung M-26-7

Zur Zeit der Diktatur von Fulgencio Batista nahm der bewaffnete Kampf, durch eine Gruppe um den jungen Rechtsanwalt Fidel Castro, welcher in Santiago eine Schulzeit verbracht hatte, in Santiago mit dem Sturm auf die Moncada-Kaserne am 26. Juli 1953 seinen Anfang. Während der benachbarte Gebirgszug Sierra Maestra ab 1956 zum Kerngebiet für den Guerillakrieg gegen die staatlichen Streitkräfte wurde, war Santiago de Cuba gleichzeitig das Zentrum des von Frank País angeführten zivilen Widerstands. Am 1. Januar 1959 verkündete Fidel Castro in Santiago de Cuba den Sieg der kubanischen Revolution, nachdem das Militär nach Batistas Flucht aus dem Land die Stadt kampflos der Rebellenarmee übergeben hatte.

Santiago de Cuba nach dem Sieg der Revolution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Papst Franziskus am 22. September 2015 in Santiago de Cuba

Am 1. Januar 1984 verlieh Staatspräsident Fidel Castro der Stadt Santiago für die besonderen Verdienste ihrer Bürger um die Revolution als einziger Stadt Kubas den Ehrentitel „Heldenstadt der Republik Kuba“.

Das offizielle Motto der Stadt, das Teil des Stadtwappens ist, lautet: „Gestern rebellisch, heute gastfreundlich, immer heldenhaft“. Das historische, aus der spanischen Kolonialzeit stammende Stadtwappen trug das Motto: „Sehr ehrwürdig und sehr loyal“.

Südlich der Stadt befindet sich der internationale Flughafen Santiago de Cuba.

Am 25. Oktober 2012 richtete der Hurrikan Sandy im gesamten Stadtgebiet und Umland Santiagos große Schäden an.

Bisher besuchten am 26. März 2012 Papst Benedikt XVI. und am 22. September 2015 Papst Franziskus die Stadt.

Im Jahre 2015 feierte Santiago de Cuba seine 500-jährige Stadtgründung. Aus diesem Anlass sind viele Häuser in der Innenstadt von der Regierung saniert worden.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo der 500-Jahrfeier 2015

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenszene in der Innenstadt

Santiago de Cuba lässt sich als kulturelles Zentrum Kubas Ostens beschreiben, das über eine breite Palette an Kultur und Sehenswürdigkeiten verfügt, beispielsweise Museen, Palästen, öffentlichen Plätzen im kolonialen Stil, Alleen, Kirchen, Kino, Theater und der alljährliche Karneval in Santiago. In vielen kolonialen Bauten befinden sich heute Museen. Die kubanische Regierung legt ein besonderes Augenmerk auf guten Zugang zu kulturellen Veranstaltungen, weshalb die Eintrittspreise in den Museen und Festivals meist sehr niedrig sind.

Parco Cespedes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der zentrale Platz in der Mitte des Stadt ist schon seit dem 16. Jahrhundert nachweisbar. Er hatte im Lauf der Geschichte verschiedene Namen von Plaza de Armas über Plaza Mayor bis Plaza de Isabel II. Nunmehr ist er nach dem ersten kubanischen Präsidenten Carlos Manuel de Céspedes benannt, ein Gedenkstein in der Mitte des Platzes erinnert an seinen Ruf von Yara, der als Beginn der Unabhängigkeitbewegung Kubas und das Ende der Sklaverei einläutete.

Museo Bacardí[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museo Bacardí

Der neoklassizistische Palast ist eines der bedeutendsten Museen in Santiago und beherbergt die älteste Sammlung Kubas (begründet 1899). Der Bau selbst ist aus dem Jahr 1928.

Naturpark (Parque) Baconao[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Naturpark, der zum Municipio Santiago gehört, wurde 1987 von der UNESCO in die Liste der Biosphärenreservate übernommen. Er liegt in rund 20 km Entfernung vom Stadtgebiet.[9] Auf 85.000 Hektar bietet er zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Am in der Nähe der Stadt gelegenen Westrand des Parkes liegt der 1.234 Meter hohe Berg Gran Piedra, auf dem ein botanischer Garten, die historische Kaffeeplantage "Cafetal Isabélica" und die höchste Aussichtsplattform der Gegend besucht werden können.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Santiago de Cuba – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ONE, Zensus 2015
  2. World Meteorological Organization: World Weather Information Service
  3. Geoffrey Parker (Hrsg.): The Times – Große Illustrierte Weltgeschichte, Verlag Orac, Wien 1995, S. 270.
  4. "Das Kupferhüttenwerk des Hans Tetzel aus Nürnberg auf Kuba und seine Finanzierung durch europäisches Finanzkapital" in Theodor Gustav Werner: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 48. Bd., H. 3, Franz Steiner Verlag Stuttgart 1961, S. 289-328.
  5. Michael Zeuske: Schwarze Karibik, Rotpunktverlag Zürich 2004, S. 119.
  6. Marley: Wars of the Americas. S. 57.
  7. Illustrierter Kalender für 1856. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber. Leipzig 1856, S. 27
  8. https://de.wikisource.org/wiki/Auslandsvertretungen
  9. http://www.cubaworld.de/cubainfos/cubas-sehenwuerdigkeiten/parque-baconao.html