Santo Antão (Kap Verde)

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Santo Antão
Karte der Insel
Karte der Insel
Gewässer Atlantischer Ozean
Inselgruppe Ilhas de Barlavento
Geographische Lage 17° 4′ N, 25° 10′ W17.069722222222-25.1708333333331979Koordinaten: 17° 4′ N, 25° 10′ W
Lage von Santo Antão
Länge 40 km
Breite 20 km
Fläche 779 km²
Höchste Erhebung Tope de Coroa
1979 m
Einwohner 47.124
60 Einw./km²
Hauptort Porto Novo
Ponta do Sol an der Nordküste
Ponta do Sol an der Nordküste

Santo Antão (port. für Heiliger Antonius) ist mit 779 km² die zweitgrößte der Kapverdischen Inseln im Atlantik. Auf Santo Antão leben 47.124 Menschen.

Geographie[Bearbeiten]

Westliche Hochebene Santo Antãos nach den Regenfällen des Winters 2004/2005; Tope de Coroa im Hintergrund

Die vorwiegend ländliche Insel gehört zur nördlichen Inselgruppe Ilhas de Barlavento (dt.: „Inseln über dem Wind“) und wird durch einen 16 km breiten Meereskanal von der im Süden liegenden Insel São Vicente getrennt.

Die hochgebirgige Insel vulkanischen Ursprungs ist bekannt für ihre beeindruckenden Gebirgslandschaften mit tief eingeschnittenen Erosionstälern im Norden und nach Süden etwas flacher auslaufenden Vulkanhängen. Junge Vulkane mit weiten Caldeiras, weitläufige weißglänzende Puzzolan-Hügel und Hunderte von Metern hohe Basaltfelsen bilden dramatische Vulkanlandschaften. Auf den Höhen der östlichen Hochebene stehen die größten Misch- und Nadelwälder Kap Verdes. Der Nordosten der Insel ist relativ regenreich, während der Südwesten trocken bleibt. Höchste Erhebung ist der Tope de Coroa (1979 m) im wüstenartigen Westen.

Administrativ ist die Insel in drei Concelhos (Landkreise) unterteilt, Paul, Porto Novo und Ribeira Grande. Die Hafenstadt Porto Novo im Süden hat als bevölkerungsstärkste Siedlung dem traditionsreichen Vila da Ribeira Grande vor wenigen Jahren den Rang abgelaufen.

Geologie[Bearbeiten]

Die geologische Entwicklung Santo Antãos lässt sich in drei Phasen gliedern (von jung nach alt)[1]:

  • Junge Vulkanite
  • Intermediäre Vulkanite
  • Alte Vulkanite

Der unter dem Meeresspiegel liegende vulkanische Unterbau der Insel dürfte bis zirka 16 Millionen Jahre BP zurückreichen (Beginn des Mittleren MiozänsLanghium). Er beansprucht rund 50 % des Gesamtvolumens und liegt 119 bis 118 Millionen Jahre alter ozeanischer Kruste aus der Unterkreide (Aptium) auf[2]. Die oberirdisch aufgeschlossenen Alten Vulkanite gehen bis ins Tortonium (vor 7,5 Millionen Jahren BP) zurück, der Hauptanteil der Abfolge ist im Wesentlichen zwischen 3 und 2 Millionen Jahre BP alt (Oberes PliozänPiacenzium und Gelasium)[3]. Die vorwiegend subaerisch ausgeflossenen alten Vulkanite bilden einen großen Komplex, der von Chã Morte ausgehend die Täler von Escabecada, Tarafal, Agua Nova und Chã de Igreja erreicht. Die Vulkanite gehören zur Basanit/Tephrit/Phonolith-Differentiationsreihe, wobei Basanite eindeutig vorherrschen. Angereicherte Basanite stehen in der unteren Agua Nova-Schlucht an. Die Alten Vulkanite wurden über einen Südwest-Nordost-streichenden Gangschwarm gefördert, der den zentralen Abschnitt von Chã Morte und das nördliche Ribeira-Grande-Tal durchquert.

Die 2 bis 0,3 Millionen Jahre BP alten Intermediären Vulkanite des Quartärs (frühes und mittleres Pleistozän) lassen sich in fünf Gruppen untergliedern:

In ihnen treten zum ersten Mal auch Gesteine der mehr angereicherten Nephelinit/Phonolith-Differentiationsreihe auf (mit Melilithnepheliniten, Nepheliniten und Phonolithen). Die 2 bis 1 Millionen Jahre BP alte, altpleistozäne Bordeira-Gruppe besteht aus einem nephelinitischen Vulkanbau, der sich im Westteil des Chã Morte über einem eingeebneten Vulkan der alten Vulkanite errichtete. Die 1,4 bis 0,7 Millionen Jahre alte Cova-Gruppe (ebenfalls Altpleistozän) ist basanitisch und im Sektor Cova/Corda/Paul aufgeschlossen. Im Zeitraum 0,7 bis 0,3 Millionen Jahre BP entstand im zentralen Hochland der Sinagoa-Vulkan mit den Cadela-Vulkaniten. Die nephelinitischen und basanitischen Vulkanite wurden über eine Spalte gefördert, die sich im Südwesten der alten Gangschwärme parallel zu diesen geöffnet hatte. Zwischen 0,5 und 0,4 Millionen Jahre BP brach der basanitische Monte-Frado-Vulkan im Süden der Insel aus, in etwa zeitgleich entstanden die Vulkanite der basanitischen Agua-Nova-Gruppe, die aber noch bis 0,3 Millionen Jahre überdauerten.

Die 0,4 bis 0,1 Millionen Jahre BP alten und überwiegend nephelinitischen (Mittel- bis Jungpleistozän) Jüngeren Vulkanite lassen sich in vier Gruppen unterteilen:

Die 400000 bis 200000 Jahre BP alte Proto-Caroa-Gruppe mit ihren nephelinitischen Scoriakegeln und Laven ist in der Umgebung des Tope de Coroa anzutreffen. In etwa zeitgleich wurde über Südwest-Nordost-streichende Spaltensysteme westlich des Tope de Coroa die Junge-Tarafal-Gruppe eruptiert, die ebenfalls nephelinitischen Chemismus aufweist. Zwischen 200000 und 170000 Jahren BP wurden die nephelinitischen Laven der Coroa-Gruppe gefördert; sie überlagern zum Teil die Proto-Coroa-Gruppe.

Im Zeitraum 400000 bis 100000 Jahre BP drang im Zentralteil der Insel über Spaltensysteme die nephelinitische Lagoa-Gruppe auf. Im zentralen Hochland entstanden so entlang der Spalten mehrere Aneinanderreihungen von Scoriakegeln. Aus den Spalten flossen Lavaströme nach Südosten und erreichten westlich von Porto Novo das Meer.

Vor rund 200000 Jahren BP ereignete sich über einen Schlot unmittelbar südlich des Coroa-Komplexes im Westen Santo Antãos eine größere Plinianische Eruption, die zwei phonolithische Bimshorizonte zurückließ (CG 1 und CG 2). Der erste Horizont überdeckte die gesamte Insel und ist daher für stratigraphische Korrelationen der jüngeren Laven von großem Wert.

Der Hauptanteil der Vullkanite Santo Antãos besteht vorwiegend aus Lavaflüssen der beiden bereits erwähnten Differentiationsreihen. 10 bis 20 % der Lavaflüsse setzen sich aus Pikriten und Ankaramiten zusammen. In der Nähe der Eruptionszentren finden sich aber oft auch Pyroklastika, vorwiegend Lapilli und Bomben. Selbst einige Ignimbrite sind zugegen. Volumenmäßig am bedeutendsten unter den Eruptionen war jedoch zweifelsohne der phonolithische Bims von Cão Grande.

Petrologische Modellrechnungen verweisen auf ein heterogenes, peridotitisches Mantelgestein, das in 90 bis 125 Kilometer Tiefe zu 1 bis 4 % partiell aufschmolz. Die primitiveren Magmentypen unter den auf Santo Antão angetroffenen Vulkangesteinen sind typische, von einer HIMU-Komponente beherrschte ozeanische Inselbasalte (OIB). Die Älteren Vulkanite variieren zwischen einer jungen und einer etwas weniger radiogenen HIMU-Komponente. Die Intermediären Vulkanite stellen eine Zweikomponentenmischung aus einer DM-artigen Komponente und einer den Karbonatiten nahestehenden, jungen HIMU-Komponente dar. Bei den Jungen Vulkaniten dominiert eine alte HIMU-Komponente. Es wird angenommen, dass die Magmen mit dem Kapverden-Mantelplume aufstiegen, die zeitlichen Änderungen im Chemismus werden dabei einer internen Kompositionsänderung des Mantelplumes zugeschrieben[1].

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits im Jahr 1462 von Diego Afonso für Portugal in Besitz genommen, diente die Insel anfänglich vorwiegend zur Ernte der Färberflechte rosela tinctoria. Erst im 17. Jahrhundert kam es zu bleibender Besiedlung durch Söhne von Landbesitzern der südlichen Inseln Santiago und Fogo sowie durch neue Siedler aus dem Norden Portugals unter den Grafen da Cruz im heutigen Vila da Ribeira Grande. Wein, Purgiernüsse und später auch Kaffee waren die wichtigsten Exportprodukte, die die Geschichte der Insel bestimmten.

Verwaltung[Bearbeiten]

Die Insel gehört zur Nordgruppe der Kapverdischen Inseln, den Ilhas de Barlavento. Als wichtigster Ort und damit inoffizielle Hauptstadt gilt Porto Novo.

Administrativ ist Santo Antão in drei Kreise (Concelhos) mit zusammen sieben Gemeinden (Freguesia) aufgeteilt.

Concelho (Kreis) Freguesia (Gemeinde)
Ribeira Grande Nossa Senhora do Rosário
Nossa Senhora do Livramento
Santo Crucifixo
São Pedro Apóstolo
Paul Santo António das Pombas
Porto Novo São João Baptista
Santo André

Wirtschaft und Tourismus[Bearbeiten]

Haupterwerbszweige sind die Landwirtschaft mit dem Anbau von Zuckerrohr, Yams, Maniok, Bananen, Mango und Mais und der Fischfang. Wichtigstes landwirtschaftliches Produkt ist heute der Grogue genannte weiße Rum der Insel.

Im Norden spielt der Tourismus eine langsam steigende Rolle. Santo Antão mit seinen eindrucksvollen Gebirgslandschaften ist die beliebteste Insel Kap Verdes zum Wandern mit Vila da Ribeira Grande und Ponta do Sol als Ausgangspunkt für weitläufige Touren. Zum Baden und Fischen bietet sich besonders Tarrafal de Monte Trigo an.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Negrume/Lzimparin (Romano Luís – 1973: Kurzgeschichten im Kreol von Santo Antão mit portugiesischer Übersetzung)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Holm, P. M. u. a.: Sampling the Cape Verde Mantle Plume: Evolution of Melt Compositions on Santo Antão, Cape Verde Islands. In: Journal of Petrology. 47, 1, 2006, S. 145-189..
  2.  Muller, R., Sdrolias, M., & Roest, W.: Age, spreading rates and spreading symmetry of the world’s ocean crust. In: Geochemistry Geophysics Geosystems. 9(Q04006), 2008, S. 1525-2027.
  3.  Plesner, S. u. a.: 40Ar/39Ar geochronology of Santo Antão, Cape Verde Islands. In: Journal of Volcanology and Geothermal Research. 120, 2002, S. 103-121.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Santo Antão – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien